Letzte Woche… 😎

Letzte Woche in meiner Lieblingsmetzgerei

Hinter mir eine Schlange, vor mir eine Fleischereifachverkäuferin.
„Einmal von dem Schwarzwälder Schinken“
„100 Gramm?“
„Ja“
„Darf“s etwas mehr sein?“
„Ja klar“
„Sonst noch was?“
„Ja, dann noch 100 Gramm von der Leberwurst“
„Darf“s etwas mehr sein?“
„Ja gerne“
„Darf“s sonst noch was sein?“

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Karl Simrock | Der Rhein | Zweiter Teil. Von Mainz bis Köln und Aachen

Zweiter Teil. Von Mainz bis Köln und Aachen

Mainz

Die Schiffbrücke

»So muß man sich plagen«, ruft ein dicker, freundlicher Mann in einem Kasten, »bis man seine hunderttausend Gulden beisammen hat.« Und behaglich streicht er die Kupferlinge ein, die ihm als Brückengeld entrichtet werden.

Mit wenigen Schritten stehen wir auf der berühmten Schiffbrücke und sehen die weißblauen Fluten des Rheins neben den rotgelben des Mains unvermischt hinfließen, bis sie sich in ihrem Brautbett, dem Binger Loch, im Herabfallen über Klippen vermählen. Vor uns mit seinem majestätischen Dom das einst goldene Mainz, zwar nicht mehr in der Mittagssonne seines Glanzes und Glücks, aber immer noch ein prächtiger Anblick.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Dritter Theil. | Reise nach Laputa | [4.Kapitel]

Viertes Kapitel.

Der Verfasser verläßt Laputa. Reise nach Balnibarbi; er kömmt in der Hauptstadt an. Die Beschreibung der Hauptstadt und des umliegenden Landes. Der Verfasser wird von einem vornehmen Manne gastfreundlich aufgenommen. Seine Unterhaltung mit demselben.

Quälereien habe ich zwar auf dieser Insel nicht erleiden müssen, ich hielt mich jedoch für vernachläßigt, und sogar auch theilweise für verachtet. Weder der König noch das Volk zeigte Neugier für irgend eine andere Kenntniß als Mathematik und Musik, worin die Laputier mir überlegen waren, und mich deßhalb geringschätzten. Als ich nun die Merkwürdigkeiten der Insel gesehen hatte, war mein größter Wunsch, sie zu verlassen, denn ich war der Einwohner herzlich müde. Sie waren wirklich in zwei Wissenschaften, für die ich die größte Achtung hege und womit ich auch nicht unbekannt bin, im höchsten Grade ausgezeichnet, allein zugleich so sehr in ihre Spekulationen vertieft, daß ich mich niemals in unangenehmerer Gesellschaft befunden habe. Ich unterhielt mich während meines zweimonatlichen Aufenthalts allein mit Weibern, Klatschern und Pagen, wodurch ich mich zuletzt sehr verächtlich machte. Diese waren jedoch die einzigen Leute, von denen ich vernünftige Antworten erhalten konnte.

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Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (223)

223. Vineta

Wineta in einer Karte von Pommern, Kupferstich um 1573

Bei der Insel Usedom ist eine Stelle im Meere, eine halbe Meile von der Stadt gleichen Namens, da ist eine große, reiche und schöne Stadt versunken, die hieß Vineta. Sie war ihrer Zeit eine der größesten Städte Europas, der Mittelpunkt des Welthandels zwischen den germanischen Völkern des Südens und Westens und den slavischen Völkern des Ostens. Überaus großer Reichtum herrschte allda. Die Stadttore waren von Erz und reich an kunstvoller Bildnerei, alles gemeine Geschirr war von Silber, alles Tischgeräte von Gold. Endlich aber zerstörte bürgerliche Uneinigkeit und der Einwohner ungezügeltes Leben die Blüte der Stadt Vineta, welche an Pracht und Glanz und der Lage nach das Venedig des Norden war. Das Meer erhob sich, und die Stadt versank. Bei Meeresstille sehen die Schiffer tief unten im Grunde noch die Gassen, die Häuser eines Teiles der Stadt in schönster Ordnung, und der Rest Vinetas, der hier sich zeigt, ist immer noch so groß als die Stadt Lübeck. Die Sage geht, daß Vineta drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor seinem Untergang gewafelt habe, da sei es als ein Luftgebilde erschienen mit allen Türmen und Palästen und Mauern, und kundige Alte haben die Einwohner gewarnt, die Stadt zu verlassen, denn wenn Städte, Schiffe oder Menschen wafeln und sich doppelt sehen lassen, so bedeute das vorspukend sichern Untergang oder das Ende voraus – jene Alten seien aber verlacht worden.

An Sonntagen bei recht stiller See hört man noch über Vineta die Glocken aus der Meerestiefe heraufklingen mit einem trauervoll summenden Ton.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Zur Blauen Stunde | Der junge Held

Der junge Held.

       Ihr greift mir schreiend in den Zaum,
Oho, Ihr Herrn, das scheint kein Flüstern.
Nehmt euch in Acht, mir wuchs der Flaum,
Und meinem Pferde sprühn die Nüstern.Ich sehe bald am Waldesrand
Die fluchtgewandten Hufe blitzen.
Es traf euch keine Veilchenhand,
Das war kein Rosendornenritzen.Nun schlag ich hoch mein Augenzelt
Und löse meines Panzers Zwingen,
Und atme tief ins Abendfeld –
Der Sperber faltet seine Schwingen.

Detlev von Liliencron (1844-1909)

Edgar Allan Poe | Der Untergang des Hauses Usher

Der Untergang des Hauses Usher

Geschichten von Schönheit, Liebe und Wiederkunft

Herausgegeben von Theodor Etzel

Im Propyläen-Verlag zu Berlin

Son cœur est un luth suspendu;
Sitôt qu’on le touche il résonne.

Béranger

Ich war den ganzen Tag lang geritten, einen grauen und lautlosen, melancholischen Herbsttag lang – durch eine eigentümlich öde und traurige Gegend, auf die erdrückend schwer die Wolken herabhingen. Da endlich, als die Schatten des Abends herniedersanken, sah ich das Stammschloß der Usher vor mir. Ich weiß nicht, wie es kam – aber ich wurde gleich beim ersten Anblick dieser Mauern von einem unerträglich trüben Gefühl befallen. Ich sage unerträglich, denn dies Gefühl wurde durch keine der poetischen und darum erleichternden Empfindungen gelindert, mit denen die Seele gewöhnlich selbst die finstersten Bilder des Trostlosen oder Schaurigen aufnimmt.

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H.C. Andersen | Die alte Straßenlaterne

Die alte Straßenlaterne

Hast du die Geschichte von der alten Straßenlaterne gehört? Sie ist gar nicht sehr belustigend, doch einmal kann man sie wohl hören. Es war eine gute, alte Straßenlaterne, die viele, viele Jahre gedient hatte, aber jetzt entfernt werden sollte. Es war der letzte Abend, an dem sie auf dem Pfahle saß und in der Straße leuchtete, und es war ihr zumute wie einer alten Tänzerin, die den letzten Abend tanzt und weiß, daß sie morgen vergessen in der Bodenkammer sitzt. Die Laterne hatte Furcht vor dem morgigen Tage, denn sie wußte, daß sie dann zum erstenmal auf das Rathaus kommen und von dem hochlöblichen Rat beurteilt werden sollte, ob sie noch tauglich oder unbrauchbar sei.

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Karl Simrock | Der Rhein | Bergstraße und Odenwald

Bergstraße und Odenwald

Odenwald heißt das Gebirge zwischen Neckar, Rhein und Main, Bergstraße dessen westliche, dem Rhein zugekehrte Abdachung. Den Namen des Odenwalds von Odin, dem obersten der deutschen Götter, abzuleiten, müssen wir aufgeben, seit sich Jakob Grimm dagegen erklärt hat. Uns bleibt noch die Wahl zwischen drei Herleitungen: von dem Männernamen Odo, von ôdi (öde) und von ôd (Glückseligkeit). Öde ist heutzutage der Odenwald nicht mehr; warum sollte er es aber nicht gewesen sein, als er den Namen empfing? Das Glück wohnt, wenn irgendwo, in den Wäldern; doch weshalb vorzugsweise in diesem? Pries man ihn glücklich wegen der schönen Mischung von Laub- und Nadelholz, bei welcher jenes durchaus die Oberhand behält, oder der Milde seines Klimas wegen, die er der geringen Erhebung seiner Gebirge verdankt, die 2000 Fuß Meereshöhe selten übersteigen, während jene des föhrenreichen Schwarzwalds sich fast der Schneelinie nähern, indem das Eis mancher Schluchten nur in heißeren Sommern schmilzt? Wir ziehen die erste Ableitung vor, die mit der ältesten urkundlichen Form des Namens am besten stimmt; nur darf man dabei nicht an den viel jüngeren Kaiser Otto (Ottenwald) denken.

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Bekannte und unbekannte Historien von Rübezahl [32]

32. Rübezahl dankets einem, der ihn durch die Hintertür zu Gaste ladet.

Einsmals auf dem Naumburger Markte reisen etliche vornehme Kaufleute und haben ihre Söhne, welche zu Leipzig studieren sollten, bei sich; reisen auf Schmiedeberg zu, zu ihren Freunden, lassen auch Hirschbergische Kaufleute nebenst ihren Söhnen, welche auch nach Leipzig zu studieren gezogen, holen und gehen miteinander auf das Gebürge; bleiben über Nacht droben, haben ihre kalte Küche wie auch Bier und Weine mit, welche sie mit sich hinauftragen lassen; nehmen auch Jungfern mit sich, sein lustig und guter Dinge, gedenken des Geistes nicht. Wie sie aber den anderen Tag mit schönem hellen Wetter wieder zurückkommen und unter dem Berge sind, ist ein guter Freund, ein kurzweiliger Mensch, mit ihnen; der ziehet seine Hosen hinab und weiset salv. Hon. den Hindersten hinauf, sagende: Rübenzahl, Rübenzahl, man sagt viel von dir, du könntest Wetter machen; hast du ein Herz, so tue es, oder ich halte dich für ein Hundsfutte und rechten Bärenhäuter. Ehe er das Wort ausredet, da es so schön helle gewesen, so kommt ein Wetter, daß sie nicht anders meinen, der Jüngste Tag käme; sind alle miteinander, Manns- und Weibspersonen, durch und durch naß worden und haben ein gutes Treugetuch zu Hause gesucht.

Johannes Praetorius (1630-1680)