Irischer Segenswunsch | Mögen dich die roten Sonnenuntergänge…

sun-209495_640Mögen dich die roten Sonnenuntergänge,
die hoch auf den Zweigen des Abends wachsen, erfreuen,
so wie die knospende farbige Morgendämmerung,
die in der Luft im Osten aus der Erde steigt.

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An Berliner Kinder

Was meint ihr wohl, was eure Eltern treiben,
Wenn ihr schlafen gehen müsst?
Und sie angeblich noch Briefe schreiben.
Ich kann’s euch sagen: da wird geküsst,
Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen,
Da schleichen verdächtige Gäste herbei.
Da wird jede Stufe der Unzucht durchmessen
Bis zur Papagei-Sodomiterei.
Da wird hasardiert um unsagbare Summen.
Da dampft es von Opium und Kokain.
Da wird gepaart, dass die Schädel brummen.
Ach schweigen wir lieber. – Pfui Spinne, Berlin!

ringelnatzJoachim Ringelnatz

Die Lorelei

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl, und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldenes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

heineHeinrich Heine

Der rätselhafte Glaskrug…

Gerhard kommt zum ersten mal in eine Bar und bemerkt auf einem Regal einen riesigen Glaskrug, gefüllt mit unzähligen 50 Euro-Scheinen. Er fragt den Barkeeper:
„Entschuldigung, was hat es denn mit dem Glas voller Geldscheine auf sich, das muss ja ein Vermögen sein?“ Sagt der Barkeeper:
„Also ich habe in meinem Lokal eine Wette laufen: Wer einen Fünfziger einzahlt und drei Aufgaben bewältigt, der bekommt den Krug samt Inhalt. Es sind aber sehr schwierige Aufgaben, wie Du Dir anhand der Menge der Scheine schon denken kannst!“ „Und was sind das für Aufgaben?“
„Nein, nein, erst zahlen, dann stelle ich die Aufgaben!“
Also gut, er rückt einen Fünfziger raus.
Der Barkeeper stellt die Aufgaben:
„Erstens: Du musst diesen 2-Liter-Krug mit Tequilla auf ex austrinken ohne abzusetzen und Du darfst keine Miene verziehen. Zweitens: Hinten im Hof ist mein Pitbull angekettet, der hat einen lockeren Zahn. Den musst Du mit bloßen Händen ohne Hilfsmittel ziehen. Drittens: Im ersten Stock wohnt meine 80-jährige Oma, die hatte in ihrem Leben noch nie guten Sex. Da musst Du ran!“ Gerhard meint:
„Du spinnst wohl, das schafft doch kein Mensch!“
„Na gut, dann kommt der Fünfziger ins Glas.“
Etwas verärgert trinkt Gerhard ein paar Erdinger und mit dem Alkoholspiegel steigt auch sein Mut. Er denkt sich: ‚Ein Fünfziger ist ein Fünfziger, ich pack das jetzt!‘ und er ruft dem Barkeeper zu: „Hey! Wo bleibt der Tequila? Ich habe eine Wette zu gewinnen!“ Der Wirt gibt ihm den 2-Liter-Krug, der Gast setzt an und beginnt zu schlucken. Tränen rinnen ihm schon aus den Augen, sein Kopf wird rot, aber er verzieht keine Miene und er trinkt den Krug wirklich auf einmal aus! Applaus bricht in der Bar aus und Gerhard schwankt hinaus in den Hof zur zweiten Aufgabe. Plötzlich hört man in der Bar Kampfgeräusche, Bellen, Jaulen, Kratzen, Schreien, dann ist es still. Die anderen Gäste sind sich fast sicher, dass der Wettkönig draufgegangen ist, da torkelt er zur Tür herein, die Kleider zerfetzt, übersät mit Biss- und Kratzwunden, die Menge tobt! Als der Applaus abgeklungen ist ruft er:
„So das wäre geschafft! Und wo is denn jetzt die 80-jährige Oma mit dem lockeren Zahn…“

Am 18. Oktober 1816

Wenn heut ein Geist herniederstiege,
zugleich ein Sänger und ein Held,
ein solcher, der im heil’gen Kriege
gefallen auf dem Siegesfeld,
der sänge wohl auf deutscher Erde
ein scharfes Lied, wie Schwertesstreich,
nicht so, wie ich es künden werde,
nein, himmelskräftig, donnergleich:

„Ihr Fürsten! seid zuerst befraget:
Vergaßt ihr jenen Tag der Schlacht,
an dem ihr auf den Knien laget
und huldigtet der höhern Macht?
Wenn eure Schmach die Völker lösten,
wenn ihre Treue sie erprobt,
so ist’s an euch, nicht zu vertrösten,
zu leisten jetzt, was ihr gelobt.

Ihr Völker, die ihr viel gelitten,
vergaßt auch ihr den schwülen Tag?
Das Herrlichste, was ihr erstritten,
wie kommt’s, daß es nicht frommen mag?
Zermalmt habt ihr die fremden Horden
doch innen hat sich nichts gehellt,
und Freie seid ihr nicht geworden,
wenn ihr das Recht nicht festgestellt

Ihr Fürstenrät‘ und Hofmarschälle
mit trübem Stern auf kalter Brust,
die ihr vom Kampf um Leipzigs Wälle
wohl gar bis heute nichts gewußt,
vernehmt! an diesem heut’gen Tage
hielt Gott der Herr ein groß Gericht.
Ihr aber hört nicht, was ich sage,
ihr glaubt an Geisterstimmen nicht.

Was ich gesollt, hab‘ ich gesungen,
und wieder schwing‘ ich mich empor;
was meinem Blick sich aufgedrungen,
verkünd‘ ich dort dem sel’gen Chor:
Nicht rühmen kann ich, nicht verdammen,
untröstlich ist’s noch allerwärts:
Doch sah ich manches Auge flammen,
und klopfen hört‘ ich manches Herz.“

UhlandLudwig Uhland