Der Baum der Erinnerung

Ja, du bist es, blütenreicher
Baum, das ist dein süßer Hauch!
Ich auch bins, nur etwas bleicher,
Etwas trauriger wohl auch.

Hinter deinen Blütenzweigen
Tönte Nachtigallenschlag,
Und die Holde war mein eigen,
Die an meinem Herzen lag.

Und wir meinten selig beide,
Und ich meint es bis zur Stund,
Dass so herrlich du vor Freude
Blühtest über unsern Bund.

Treulos hat sie mich verlassen;
Doch du blühst wie dazumal,
Kannst dich freilich nicht befassen
Mit der fremden Liebesqual.

»Allzulieblich scheint die Sonne,
Weht der linde Maienwind,
Und das Blühen und die Wonne
Allzubald vorüber sind!«

Mahnend säuseln mir die Lehre
Deine frohen Blüten zu;
Doch ungläubig fließt die Zähre,
Und mein Herz verlor die Ruh.

lenau
Nikolaus Lenau (1802-1850)

Die zehn Anzeichen dafür, dass Sie Ihren Urlaub in einem diktatorischen Land verbringen

1. Bei der Einreise heißt man Sie herzlich willkommen und verspricht ihnen die Ausreise, sobald das Lösegeld für Sie eingetroffen ist.

  1. Ihr Hotelzimmer wird abends von außen verschlossen.

  2. Der nette Taxifahrer, der ihnen am Vorabend den Satz „Lange lebe Salman Rushdie !“ entlockte, steht nachts mit drei Polizisten an Ihrem Bett.

  3. Den Rhabarber von Günthers Rhabarber-Versandhandel (das Kilo zu 1,98 Euro) gibt’s nur auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen.

  4. Wenn Sie zu weit rausschwimmen, gibt der Bademeister Warnschüsse ab.

  5. Hilfsbereite Polizisten erklären sich bereit, Ihr Urlaubsvideo zu drehen und es weltweit ausstrahlen zu lassen, vorausgesetzt, Sie bleiben ruhig und spielen nicht mit der Augenbinde.

  6. Die Einheimischen beten morgens auf dem angrenzenden Marktplatz zu einer Scud-Rakete.

  7. Im Sprachteil Ihres Reiseführers stehen Sätze wie: „Können Sie mir die Handschellen etwas lockerer machen ?“.

  8. Bei der Abreise fragt der Hotelboy, ob er in Ihrem Koffer mitreisen darf.

  9. Der einarmige Sohn des Präsidenten ist Kapitän der Nationalmannschaft im Volleyball

Einsam

Ich rufe! Echolos sind alle meine Stimmen.
Das ist ein alter, lauteleerer Wald.
Ich atme ja, doch gar nichts regt sich oder hallt.
Ich lebe, denn ich kann noch lauschen und ergrimmen.

Ist das kein Wald? Ist das ein Traumerglimmen?
Ist das der Herbst, der schweigsam weiter wallt?
Das war ein Wald! Ein Wald von aller Urgewalt.
Dann kam ein Brand, den sah ich immer näher klimmen.

Erinnern kann ich mich, erinnern, bloß erinnern.
Mein Wald war tot. Ich lispelte zu fremden Linden,
Und eine Quelle sprudelte in meinem Innern.

Nun starr ich in den Traum, das starre Waldgespenst.
Mein Schweigen, ach, ist aber gar nicht unbegrenzt.
Ich kann in keinem Wald das Echo-Schweigen finden.

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Theodor Däubler (1876 – 1934)

Weisheit des Tages | 10.08.2020

bonhoefferHerr Jesus Christus! Du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich. Du kennst die Not der Menschen. Du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht. Du vergisst mich nicht und suchst mich. Du willst, dass ich dich erkenne und mich zu dir kehre. Herr, ich höre deinen Ruf und folge. Hilf mir!

Polizisten im TV

Im Fernsehen fahren die Polizisten statt VW, Ford oder Opel immer einen BMW oder Mercedes.

Selbst die unbestechlichsten aller Fernsehbullen können sich von ihrem Gehältern allen Anschein nach Designerklamotten, Luxusapartments, teure Autos und Yachten leisten.

Fernsehpolizisten fahren nie mit Blaulicht zur Pommesbude.

Der Chef des Filmbullen ist meist ein kaffeevernichtender Choleriker schwarzer Hautfarbe.

Alle Ermittler haben scheinbar eine Lizenz zum töten, da sie reihenweise ‚böse Jungs‘ umnieten können, ohne das das eine offizielle Untersuchung zur Folge hätte.

Der Oberbulle hat immer einen absoluten Dödel zum Assistenten, gegen den er umso mehr glänzen kann.

Taffe Fernsehbullen können eine ganze Stadt in Schutt und Asche legen, ohne das es für ihre Karriere negative Auswirkungen hätte.

Alle Polizisten mögen Doughnuts.

Die Hälfte aller amerikanischen Fernsehbullen heissen Frank (‚Fräänk‘)

Es gibt im Fernsehen nur zwei Arten von Bullen: Entweder sind sie so korrupt, dass sie sich von diversen Gangsterbossen den Arsch und die Eier vergolden lassen oder sie sind so engagiert, das sie bei Verfolgungsjagdten über den den Dächern der Stadt ohne zu zögern über drei Meter breite Abgründe zwischen zwei Häusern springen, obwohl sie bei den Bundesjugendspielen noch nie über 1.50m gekommen sind…

Die Heinzelmännchen zu Köln

Wie war zu Cölln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
eh‘ man es gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften
und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten
und eh ein Faulpelz noch erwacht,
war all‘ sein Tagewerk bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän‘ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah, was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg‘ in Eil,
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten
und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh sich’s der Zimmermann versah,
klapp, stand das ganze Haus schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot,
die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben
und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor,
da rückte schon das Brot, das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell‘ und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl‘ im Wind.
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten,
die wühlten
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf –
wapp, hing die Wurst schon da zum Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer, bis er niedersank,
am hohlen Fasse schlief er ein.
Die Männlein sorgten um den Wein
und schwefelten fein
alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
mit Winden und Kloben
und schwenkten
und senkten
und gossen und panschten
und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
war schon der Wein geschönt und fein gemacht.

Einst hatt‘ ein Schneider große Pein,
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
in den Schneidertisch;
da schnitten und rückten
und nähten und stickten
und fassten
und passten
und strichen und guckten
und zupften und ruckten
und eh mein Schneiderlein erwacht,
war Bürgermeisters Rock bereits gemacht.

Neugierig war des Schneiders Weib,
und macht sich diesen Zeitvertreib:
streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
eins fährt nun aus,
schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen,
die plumpen in Kufen,
die fallen
mit Schallen,
die lärmen und schreien,
und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch, husch, husch, husch – verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh‘n,
man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
selbst fleißig sein,
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln
und biegeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär‘!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

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August Kopisch (1799-1853)

Der Bau der Cheops-Pyramiden

Ramses, der Ägypterkönig,
hatte einmal Geld zu wenig.
Der Pyramidenbau am Nil
kostete ihm zuviel.
Er sprach zu seiner Tochter Isis,
wir stehen vor einer großen Krisis.
Wir räumen jetzt den Tempel aus
und machen daraus ein Freudenhaus.

Also ließ er es verkünden,
auf den Bergen, in den Gründen,
auf allen Märkten, in den Tempeln,
des Kaisers Tochter läßt sich stempeln.
Von allen Glocken hört man’s klimpern,
des Königs Tochter läßt sich pimpern.

Zu Tausenden kamen sie gelaufen,
einzeln und in großen Haufen.
Neger, Juden und Mulatten,
alle, die noch einen hatten.

Männer von den Philippinen
mit Eier, dick wie Apfelsinen.
Indianer von den Fidschi-Inseln
mit Widerhaken an den Pinseln.

Hottentotten, Lumpenpack,
Männer mit und ohne Sack.
Aus der Wüste Tripolis
kamen sie mit Syphilis.

Wüstenscheiche, Berberfürsten,
wollten die Prinzessin bürsten.

Italianos eilten über Hecken
mit langen Makkaronisäcken.

Von Ferne kamen die Franzosen
mit Kunstharzpinseln in den Hosen.
Germanen aus dem Lande Bayern,
mit Hofbräustempeln an den Eiern.

Kumpels aus dem Raume Aachen,
die die Kohlen mit dem Schwanze brachen.
Leute aus dem hohen Norden
mit Säcken voller Orden.

Männer von der Insel Ceylon
mit Parisern ganz aus Nylon.
Knaben, deren Lustgebein
war noch mikroskopisch klein.
Männer, deren Eichelplatten
schon Museumswerte hatten.

Sie kamen von den Aleuten
mit gelbgeschnitzten Sonnenruten.
Die Großstadt Essen war vertreten
durch die Kruppschen Gußstahlklöten.

Tagediebe, Babysitter,
selbst gehandikapte Zwitter,
machten sich zum Tempel auf,
in liebesdurst’gem Amoklauf.

Die allerältesten Eunuchen
wollten es nochmal versuchen.
Auf der Insel Sansibar
machte man die Riemen klar.
Selbst abgewrackte Beduinen
wollten noch der Liebe dienen.

Aus allen Ländern kamen sie zum Leiern
mit blutig wundgelaufenen Eiern.
Sogar die Mumien in den Höhlen
hörte man vor Wollust gröhlen.

Man tat es allen Völkern kund,
die Isis nimmt ihn in den Mund
und streichelt dann den Hodensack
von allem geilen Lumpenpack.

Ja, Fürsten, Grafen und Barone
stürzten sich auf die Matrone.
Ein jeder ging zu ihr hinein
und zahlte dafür einen Stein.

So wuchs durch vieler Länder Pimmel
der Pyramidenbau gen Himmel.
Sie zogen aus mit bunten Wimpeln
und kehrten heim mit wunden Pimpeln.

Fundstücke | belauscht.de

Verden. In einer Disco.

Ein junger Mann macht eine junge blonde Frau an.

Er: “Na, bist du alleine hier?”
Sie: “Ja, du?”
Er: “Ja, ich auch.”
Sie: “Bei deinem Aussehen wird das auch so bleiben.”

belauscht von Philip S.



Miltenberg.

Ein offensichtlich frisch verliebtes Pärchen turtelt am Nebentisch herum. Sie fragt ihn, was er sich von ihr zum Geburtstag wünscht.
Mit eindeutigem Blick flüstert sie ihm zu: “Du kannst dir wünschen, was du willst…”
Er fröhlich überrascht: “Echt? ‘nen Navi!”

belauscht von Stefan


Kiel, Restaurant Arkaden Café.

Im vollbesetzten Restaurant sagt eine ältere Dame zum vorbeieilenden Kellner.

Dame: “Hören Sie mal, ich sitze jetzt schon seit einer Viertelstunde hier!”
Kellner: “Na, da könnense mal seh´n, wie schnell die Zeit bei uns vergeht.”

belauscht von barbamama


Ein Landgasthof im Südschwarzwald.

Ein älteres Ehepaar aus der Schweiz erkundigt sich nach dem Mittagessen bei der Bedienung nach den hausgemachten Spezialitäten, die zum Verkauf angeboten werden.
Das Ehepaar ist vom angepriesenen, hauseigenen Honig sehr angetan und möchte gerne ein paar Gläser mit nach Hause nehmen.

Bedienung: “Möchten Sie Wald-, Blüten- oder Kieferhonig?
Ältere Frau (bestimmt): “Mir hättet scho gärn Bienli-Honig!!”

belauscht von Stefan


Wiesbaden. Eisdiele am Dernschen Gelände.

Ich betrete die Eisdiele, halte der freundlichen Bedienung hinter der Theke mein 50-Cent-Stück hin und frage höflich:

“Darf ich mal kurz Ihre Toilette benutzen?”
Sie strahlt mich an und antwortet: “In der Waffel?”

belauscht von Nellie