O Tempora

Ein Mensch, der eine Freundin hatte, woman-1443131_640
Ist jetzt, seit Jahren schon, ihr Gatte.
Er hat’s mit diesem Weibe schwer:
Es redet nämlich dumm daher.
Er meint, es werde täglich schlimmer –
Doch nein – so dämlich war sie immer.
Es liegt nur an der Jugend Schwund:
Süß klang Geschwätz aus süßem Mund.

rothEugen Roth

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Werbevortrag in Sorryville

Im Smith’s Saloon von Sorryville verstummten die Gespräche als ein Fremder eintrat, dessen Kopf sich in ständiger Bewegung befand, denn er nickte, kreiste damit und schüttelte ihn zugleich. Der Mann ging auf den noch freien Marmortisch in der Ecke zu, setzte sich dahinter und brüllte: „Whisky, ihr Kuhköpfe!“ Der schwarze Kellner stellte ihm eine volle Flasche und ein Glas auf den Tisch. Die Gentlemen an der Bar blickten fragend auf den roten Jonny in ihrer Mitte, der als größter Stänkerer und Revolver­held am Rio Grande galt. Der erinnerte sich seines legendären Rufes, ging der Saalmitte zu, stemmte die Hände in die Hüften und in Coltnähe und rief dem Fremden zu: „Hallo, Partner, Ihr Kopfwackeln macht mich nervös. Werdet Ihr nicht schwindelig davon?“

Der Mann kippte sein volles Glas Whisky. „Schwindelig werde ich nie“, antwortete er hierauf gelassen. „Manchmal sehe ich allerdings doppelt. Im Augenblick weiß ich nicht recht, ist es einer oder sind es zwei rote Hunde, die mich so idiotisch anglotzen.“

Ein Raunen lief durch den Saloon, der rote Jonny bekam ganz schmale Augen und fragte schleppend: „Wie meint Ihr das, Fremder? Ich sehe weit und breit keinen roten Hund.“ „Dann schau in den Spiegel, Du Schießbudenfigur“, rief der Mann zurück und sein Kopf rotierte noch heftiger.

„Zieh!“ brüllte Jonny. Schüsse peitschten – einer, zwei, drei, vier – doch sie kamen nur aus Jonnys Colt.

„Hahaha“ lachte der Fremde. „Wie das angenehm kitzelt.“ Die Männer im Saloon rissen die Augen auf, Jonny untersuchte fluchend seine Schießeisen. „Der Kerl ist bleidicht“, sagte er mit dumpfer Stimme. „Alle guten Geister.“

„Der Teufel soll Euch holen“, meldete sich eine neue Stimme und der Lauf eines Colts klopfte dem Jonny auf die Schulter. „Was soll der Zauber?“ Stimme und Colt, gehörten dem Sheriff.

„Der Gentleman dort hat mich provoziert“, antwortete Jonny mit gewis­sem Respekt im Ton. „Alle sind Zeugen.“ „Und Sie, Zugereister“, schrie der Sheriff den Fremden an, „was suchen Sie in Sorryville und warum fallen Sie nicht um, wenn ein Bürger unserer Stadt Sie totschießt?“

„Entschuldigen, Sir“, antwortete der Mann und stellte das Kopf­wackeln ein. „Aus Zeitmangel konnte ich meinen Werbevortrag nicht mehr bei Ihnen anmelden. Ich verkaufe nämlich Stanleys Panzerwesten, die federleicht und hautfreundlich zu tragen sind. Einführungspreis 600 Dollar, 100 Dollar Anzahlung, der Rest in beque­men Monatsraten, solange der Vorrat reicht. Ich habe nur noch 20 Stück in meinem Kombiwagen. Wer kauft, Gentlemen?“

Alle, auch der rote Jonny, hoben die Hand und der Sheriff sprach: „Okay, ich möchte ebenfalls eine. Aber warum, zum Teufel, haben Sie vorher so blödsinnig mit dem Kopf gewackelt?“

„Aus technischen Gründen, Sir“, erklärte der Fremde. „Denn erstens wird man dadurch auf mich aufmerksam, und zweitens schießt keiner gern auf ein derart bewegliches Ziel.“

Ein ganz normales Gespräch am Frühstückstisch

Sie: Was würdest Du machen, wenn ich sterben würde?

Er: Um dich trauern.

Sie: Lange?

Er: Sehr lange!

Sie: Warum?

Er: (mit ernstem Gesicht) Weil ich dich liebe und dein Verlust sehr schmerzlich für mich wäre. Darum!

Sie: (mit einem Lächeln) Das ist lieb. – Würdest du wieder heiraten?

Er: Nein.

Sie: (mit gekränkten Gesichtsausdruck) Warum nicht? Bist Du nicht gerne verheiratet?

Er: Doch, bin ich.

Sie: Also würdest Du wieder heiraten?

Er: (räuspert sich) Ich denke, wenn ich lange genug getrauert habe und mein Leben wieder einen Sinn ergibt, ja.

Sie: Würdest du mit ihr auch in unserem Bett schlafen?

Er: Wäre doch angebracht, oder?

Sie: Würdest Du mein Bild durch ihres auf deinem Nachttisch ersetzen?

Er: Ich würde beide Bilder aufstellen.

Sie: Du würdest auch Sex mit ihr machen? In unserem Bett?

Er: (trinkt einen Schluck Kaffee) Würde sich sicherlich so ergeben … Ja.

Sie: Würdest du auch mit ihr Golf spielen?

Er: Ja, würde ich.

Sie: Würdest Du Ihr auch meine Golfschläger geben?

Er: Nein, Sie ist Linkshänderin.

Sie: ??????!!!?!!!!!

Er: Sch…

Na ja, wo er recht hat…

Abschlussprüfung an der Uni. Thema dieses Semesters:
Schall und Licht. Erster Kandidat betritt den Raum. Der Prof: „Was ist schneller, der Schall oder das Licht?“
Der Student: „Das Licht.“ Der Prof: „Schön, und wieso?“ Der Student: „Wenn ich das Radio einschalte, kommt erst das Licht und dann der Ton.“ Der Prof: „Raus!!!“
Der zweite Kandidat. Dieselbe Frage. Antwort: „Der Schall.“ Der Prof: „Wieso das denn ?!?“ Der Student: „Wenn ich meinen Fernseher einschalte, kommt erst der Ton und dann das Bild.“ – „RAUS!!!“
Der Prof fragt sich, ob die Studenten zu dumm sind oder ob er die Fragen zu kompliziert stellt. Der dritte Kandidat. Der Prof: „Sie stehen auf einem Berg. Ihnen gegenüber steht eine Kanone, die auf sie abgefeuert wird. Was nehmen sie zuerst wahr? Das Mündungsfeuer oder den Knall?“
Der Student: „Das Mündungsfeuer.“ Der Prof frohlockt und fragt: „Können Sie das begründen?“ Der Student druckst und meint dann: „Na ja, die Augen sind doch weiter vorne als die Ohren…“

Fundstücke: Die Bluse

Hermann Harry Schmitz (* 12. Juli 1880 in Düsseldorf; † 8. August 1913 in Bad Münster am Stein, also im Alter von 33 Jahren) war hatte eine Ausbildung als Bürokaufmann aber seine eigentliche Berufung war die eines Schriftstellers. Er blieb weitestgehend unbekannt, hinterließ der Nachwelt jedoch etliche groteske Erzählungen, die durch ihre surreale Gestaltung, gepaart mit einer sehr beschreibenden Sprache, ihresgleichen suchen.


Die Bluse

Die Tante wollte nur eine Bluse kaufen. Nichts weiter. Und ihr Neffe soll sie begleiten. Hätte er doch einfach nein gesagt!
Auch wenn einige Passagen der Entstehungszeit (zu Beginn des 20. Jahrhunderts.) geschuldet sind, ist dieser feinsinnige & lustige Essay hochaktuell, und irgendwo zwischen Parodie & Satire einzuordnen.

Ich hätte nein sagen sollen oder dass ich etwas vorhätte, als mich meine Tante Dorchen Faßbender am Eingang des amerikanischen Riesen-Warenhauses mit Beschlag belegte und mich bat, sie zu begleiten: sie müsste sich nur eben eine Bluse kaufen, erklärte sie obenhin.
Eine Bluse kaufen, das war ja schließlich eine einfache und schnell erledigte Sache, dachte ich mir und ging mit. Außerdem hatte die Tante mir schon häufiger Rechnungen meines Schneiders bezahlt, das war entsprechend zu beachten. „Fundstücke: Die Bluse“ weiterlesen

Auszug aus dem Tagebuch einer Katze

Tag 2983 meiner Gefangenschaft.

Meine Wärter versuchen weiterhin mich mit kleinen Objekten an Schnüren zu locken und zu reizen.

Ich habe beobachtet wie sie sich den Bauch mit frischem Fleisch vollschlagen, während sie mir nur zerstampfte gekochte Reste von toten Tieren mit kaum definierbarem Gemüse vorsetzen.

Die einzige Hoffnung die mir bleibt, ist die einer baldigen Flucht. Währenddessen erlange ich Genugtuung in dem ich das eine oder andere Möbelstück zerkratze.

Morgen werde ich mal wieder eine Zimmerpflanze fressen.

Heute habe ich es beinahe geschafft, einen Wärter durch schleichen zwischen den Beinen zu Fall zu bringen und ihn dadurch zu töten. Ich muss einen günstigen Moment abpassen, zum Beispiel wenn er sich auf der Treppe befindet.

Um meine Anwesenheit abstoßender zu gestalten, zwang ich Halbverdautes wieder aus meinem Magen auf einen Polstersessel. Das nächste Mal ist das Bett dran.

Mein Plan, ihnen durch den geköpften Körper einer Maus Angst vor meinen mörderischen Fähigkeiten einzuflößen ist auch gescheitert. Sie haben mich nur gelobt und mir Milchdrops gegeben. Was wiederum gut ist, weil mir davon schlecht wird.

Heute waren viele ihrer Komplizen da. Ich wurde für die Dauer deren Anwesenheit in Einzelhaft gesperrt. Ich konnte hören, wie sie lachten und aßen. Ich hörte, dass ich wegen einer „Allergie“ eingesperrt wurde. Ich muss lernen, wie ich diese Technik perfektionieren und zu meinem Vorteil nutzen kann.

Die anderen Gefangen sind Weicheier und wahrscheinlich Informanten. Der Hund wird oft frei gelassen, kommt aber immer wieder freudestrahlend zurück. Er ist offensichtlich nicht ganz dicht. Der Vogel dagegen ist garantiert ein Spion. Er spricht oft und viel mit den Wärtern. Ich glaube, dass er mich genauestens beobachtet und jeden meiner Schritte meldet. Da er sich in einem Stahlverschlag befindet, kann ich nicht an ihn ran. Aber ich habe Zeit.

   

Fundstellen: Funksprüche

Dies ist die Abschrift eines Funkgesprächs, das tatsächlich im Oktober 1995 zwischen einem US-Marinefahrzeug und kanadischen Behörden vor der Küste Neufundlands stattgefunden hat. Es wurde am 10.10.1995 vom Chief of Naval Operations veröffentlicht.


 

Amerikaner Bitte ändern Sie Ihren Kurs 15 Grad nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden.
Kanadier Ich empfehle, Sie ändern IHREN Kurs 15 Grad nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden.
Amerikaner Dies ist der Kapitän eines Schiffs der US-Marine. Ich sage noch einmal: Ändern Sie Ihren Kurs.
Kanadier Nein. Ich sage noch einmal: Sie ändern Ihren Kurs.
Amerikaner Dies ist der Flugzeugträger „USS Lincoln“, das zweitgrößte Schiff in der Atlantik-Flotte der Vereinigten Staaten. Wir werden von drei Zerstörern, drei Kreuzern und mehreren Versorgungsschiffen begleitet.
Ich verlange, dass Sie Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden, das ist Eins Fünf Grad nach Norden, ändern, oder es werden Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Sicherheit dieses Schiffes zu gewährleisten.
Kanadier Dies ist ein Leuchtturm. Sie sind dran.

Fundstücke: Briefe an Versicherungen

Schadensachbearbeiter haben in der Regel selten etwas zu lachen. Doch manchmal bekommen sie Briefe auf den Tisch, Die von unfreiwilliger Komik nur so strotzen und deren Inhalt lustiger ist als jede Comedy-Show. Da schildern Kunden auf sehr unterhaltsame Weise ihre Unfälle, beschreiben unglaubliche kausale Zusammenhänge und erfinden die tollsten Ausreden.


Strassenverkehr & KFZ-Versicherung

Ich fuhr mit meinem Wagen gegen die Leitschiene, überschlug mich und prallte gegen einen Baum. Dann verlor ich die Herrschaft über mein Auto.

Der Fußgänger hatte anscheinend keine Ahnung, in welche Richtung er gehen sollte, und so überfuhr ich ihn.

Ich fand ein großes Schlagloch und blieb in demselben. „Fundstücke: Briefe an Versicherungen“ weiterlesen

Fundstücke: Pizza-Bestellung in der Zukunft

Eine Anekdote die nachdenklich stimmt (Das Lachen bleibt bei dieser Geschichte schon vor dem ersten Bissen im Hals stecken): Pizzabestellung in der nahen Zukunft – zum Verständnis vorne weg:
Die Pläne um den gläsernen Menschen zu erschaffen werden immer konkreter. Der Überwachungsstaat wächst langsam aber stetig. Jeder Bundesbürger erhält eine Steuernummer ab Geburt die ihn durch das ganze Leben begleitet, die Verteilung der Nummer hat bereits begonnen. Behörden und Konzerne erhalten Informationen über den Bürger (Kunden) per Knopfdruck.


 

Pizza-Kurier Danke, dass Sie Pizza-Pizza angerufen haben. Kann ich Ihre …
Kunde Guten Tag, ich möchte etwas bestellen.
Pizza-Kurier Kann ich bitte erst Ihre NIDN haben?
Kunde Meine Nationale ID Nummer, ja, warten Sie, die ist 756028723-42-97722.
Pizza-Kurier Vielen Dank, Herr Mayer. Sie wohnen in der Bahnhofsstraße 42 und Ihre Telefonnummer lautet 87-156-42. Ihre Firmennummer bei der Allianz ist 45-432-22 und Ihre Durchwahl ist -42. Von welchem Anschluß aus rufen Sie an?
Kunde Hä? Ich bin zu Hause. Wo haben Sie alle diese Informationen her?
Pizza-Kurier Wir sind an das System angeschlossen.
Kunde (seufzt) Oh, natürlich. Ich möchte zwei von Ihren Spezial-Pizzen mit besonders viel Fleisch bestellen.
Pizza-Kurier Ich glaube nicht, dass das gut für Sie ist.
Kunde Wie bitte??!!
Pizza-Kurier Laut Ihrer Krankenakte haben Sie zu hohen Blutdruck und sehr hohe Cholesterinwerte. Ihre Krankenkasse würde eine solche ungesunde Auswahl nicht gestatten.
Kunde Verdammt! Richtig. Gut, dass Sie mich darauf aufmerksam machen. Was empfehlen Sie denn?
Pizza-Kurier Sie könnten unsere Lightversion mit Diätkäse und Tofu probieren. Sie wird Ihnen bestimmt schmecken.
Kunde Wie kommen Sie darauf, dass ich das mögen könnte?
Pizza-Kurier Nun, Sie haben letzte Woche das Buch „Sojarezepte für Feinschmecker“ aus der Bücherei ausgeliehen. Deswegen habe ich Ihnen diese Pizza empfohlen.
Kunde Ok, ok. Geben Sie mir zwei davon in Familiengröße. Was kostet der Spaß?
Pizza-Kurier Das sollte für Sie, Ihre Frau und Ihre vier Kinder reichen. Der Spaß, wie Sie es nennen, kostet 42 Euro.
Kunde Ich gebe Ihnen meine Kreditkartennummer.
Pizza-Kurier Die haben wir doch schon …. Aber zu meinem Bedauern werden Sie bar zahlen müssen. Der Kreditrahmen Ihrer Karte ist bereits überzogen.
Kunde Ich laufe runter zum Geldautomaten und hole Bargeld, bevor Ihr Fahrer hier ist.
Pizza-Kurier Das wird wohl auch nichts. Ihr Girokonto ist auch überzogen.
Kunde Egal. Schicken Sie einfach die Pizza los. Ich werde das Geld da haben. Wie lange wird es dauern?
Pizza-Kurier Wir hängen ein wenig hinterher. Es wird etwa 40 Minuten dauern. Wenn Sie es eilig haben, können Sie sie selbst abholen, wenn Sie das Geld besorgen, obwohl der Transport von Pizza auf dem Motorrad immer etwas schwierig ist.
Kunde Woher wissen Sie, dass ich Motorrad fahre?
Pizza-Kurier Hier steht, dass Sie mit den Ratenzahlungen für Ihren Wagen im Rückstand sind und ihn zurückgeben mussten. Aber Ihre Harley ist bezahlt, also nehme an, daß Sie die benutzen.
Kunde !@#%/$@&?#!“
Pizza-Kurier Achten Sie lieber darauf, was Sie sagen. Sie haben sich bereits im April 2007 eine Verurteilung wegen Beamtenbeleidigung eingefangen.
Kunde [Sprachlos] …
Pizza-Kurier Möchten Sie noch etwas?
Kunde Nein, danke. Oh doch, bitte vergessen Sie nicht, die beiden kostenlosen Liter Cola einzupacken, die es laut Ihrer Werbung zu den Pizzen gibt.
Pizza-Kurier Es tut mir leid, aber die Ausschlussklausel unserer Werbung verbietet es uns, kostenlose Softdrinks an Diabetiker auszugeben.
Kunde GRRRRRRRRRRRRRRRRRR.
Pizza-Kurier Wie meinen?
Kunde Kann ich Ihren Namen haben? Ich möchte mich beschweren.
Pizza-Kurier Leider Nein. Den kann ich Ihnen aus Datenschutzgründen nicht nennen. Wir nehmen das Thema Datenschutz hier sehr ernst.