Hilda Bergmann | Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten | Folge 5

Wie Wichtelinchen das Wunder suchte.

Prinzessin Wichtelinchen war nicht fröhlich. Sie hatte im unterirdischen Reiche ihres Vaters, des Wichtelkönigs, alles was ihr Herz begehrte, einen goldenen Thron und einen Stirnreifen mit großem roten Karfunkelstein inmitten, sie hatte ihr feines Daunenbettchen und jeden Morgen ihre Schokolade mit Rosinenkuchen dazu; und trotz alledem war Wichtelinchen nicht fröhlich.

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Hilda Bergmann | Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten | Folge 4

Vom Wolkenmann und von der Wetterhexe.

»Ja, das macht alles die Wetterhexe!« sagte Lina, die Magd, als der Regen kein Ende nehmen wollte und Hans Jörgel umsonst die Nase an die Fensterscheibe drückte, um ein Stückchen blauen Himmels zu erspähen. »Die lockt die Wolkenkühe allesamt herbei und wenn sie sie milkt, dann rinnt der Regen über unsere Köpfe. Und wenn der nicht bald ein Ende nimmt, reißt uns der Mühlbach noch Haus und Stall fort und wir können sehen, wo wir bleiben.« Es tropfte und strömte, rieselte und goß nun schon zwei Wochen bald schwächer, bald stärker vom grauen Himmel herunter und es sah so aus, als wolle es überhaupt nicht mehr aufhören. Der Mühlbach war schon aus seinen Ufern getreten und hatte die angrenzenden Wiesen überschwemmt, der Fluß im Tale floß grau und zornig dahin und trug auf seinen hochgehenden Wogen Baumstämme fort, als wären es Zahnstocher. Der Müller hatte eine steile Sorgenfalte auf der Stirn und die Müllerin seufzte: »Wenn nur das Wasser uns nicht Haus und Stall fortschwemmt.«

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Hilda Bergmann | Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten | Folge 3

Vom Jaköblein, das immer weinen tat.

»Huh,« hörte man es eines schönen Sommertages auf der blühenden Waldwiese weinen . . . Die Blumen hoben die Kelche, die Gräser steckten die Köpfe zusammen und der Wind sah sich neugierig nach der Stelle um, von der das jämmerliche Schluchzen kam. Aber der große, grüne Heuschreck stellte für einen Augenblick sein Gezirpe ein und sagte: »Ach, es hat weiter nichts zu sagen. Das ist nur das Jaköblein, das immer weinen tut.« Das Jaköblein, das sich also bemerkbar machte, war ein Mäuserich, ein allerliebster, kleiner Mäuserich. Er besaß ein glänzendes graubraunes Fell, eine appetitliche, spitze Schnauze mit zwei feinen Nagezähnchen darin, er hatte zwei blanke, schwarze Äuglein und hätte sorglos und in Freuden leben können, hätte er nur nicht den großen Fehler gehabt, immer weinen zu müssen.

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Hilda Bergmann | Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten | Folge 2

Die Geschichte vom lustigen Wässerlein.

Es war ein Wässerlein auf die Welt gekommen, hoch oben im Gebirg. Schnee lag auch im Sommer dort und wo der Schnee abschmolz, war grüner Almboden, bedeckt von weißem und blaßviolettem blühenden Krokus. O, es war wunder-, wunderschön in der Heimat des kleinen Wässerleins!. »Glucks,« sagte das Wässerchen, »da bin ich!« und hüpfte munter über Gras und Blumen. Der Himmel war blau, die Sonne schien warm und es war ein Vergnügen, zwischen Krokusblüten und Anemonen dahinzufließen. »Glucks, glucks, glucks,« sagten aber rund herum die vielen anderen kleinen Wasserläufe, die ebenfalls hier oben zur Welt gekommen waren. »Seht nur, seht,« riefen sie mit ihren hellen Plätscherstimmen. »Da ist ein neues Brüderlein erschienen und was für ein lustiges obendrein!« Und in der Tat, niemand sprang so vergnügt von Stein zu Stein und lachte so silbern dazu, wie unser Wässerlein.

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Hilda Bergmann | Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten | Folge 1

Die Wichtelmännchen Eßgern, Lachgern und Träumgern und die Springbrunnenfee.

Am Waldrand unweit des alten Springbrunnens war über Nacht ein Schirmpilz aus der Erde geschossen, ein großer, stattlicher, breithutiger Schirmpilz. Er stand neben einer Gesellschaft violetter Waldglockenblumen und bot in seinem Umkreis Schutz vor den Sonnenstrahlen.

»Ei, welch schönes, schattiges Plätzchen,« sagte eine Stimme aus dem Grase und ein Wichtelmännchen mit Schusterschürze und Schusterwerkzeug kam herbei. »Gut zum Ausruhen, gut zum Ausruhen,« brummte ein zweites mit dickem Vollmondgesichte und streckte sich neben seinem Kameraden ins Moos. »Gut zum Träumen, gut zum Träumen,« meinte ein drittes und nahm neben den andern Platz. Der lustige kleine Schuster hörte auf den Namen Lachgern, sein dicker Bruder wurde, was meint ihr wohl, warum, Eßgern geheißen, der dritte Wichtelmann ward Träumgern genannt. Von drüben kam das Geplätscher des alten Springbrunnens herüber, silbern und fein.

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