Ach du liebes bisschen – oder welche Überraschungen im KH lauern…

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Harry aus Borkum mit seiner Frau Heidi aus Emden. Ein wahrhaft liebenswürdiges Paar.

Das Zimmer hier im Krankenhaus teile ich mir mit einem älteren Herrn (80). Als ich hörte, wie er sich mit seiner Frau unterhielt, ratterte es in meinem Kopf und fast heimatliche Gefühle stiegen in mir auf.

Heute Mittag nahm ich mir denn ein Herz und fragte ihn, ob es sein könne, dass er aus Hamburg kommt.

-Nö, antwortete er freundlich.

-Ich bin von der Küste.

-Ach, ich habe lange Jahre auf Borkum gelebt.

Dann stellte sich heraus, dass er selber aus Borkum stammt. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie seither unsere Unterhaltungen abliefen? Ja genau so! Als würden wir uns jahrelang kennen, erzählte er mir von „seinem“ Borkum, und ich tat das Gleiche von „meinem“, klar. Und dass mich das freute und von meinem Klinikalltag ablenkte, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Selbst die Schmerzen in meinen Beinen wurden so nach und nach weniger, was natürlich auch an der Behandlung durch die Ärzte liegen konnte; gar keine Frage.

Und nun freue ich mich sehr auf weitere unterhaltsame Gespräche. Harry, du bist wirklich ein Pfundskerl!

 

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Meine erste große Liebe

Schon seit längerer Zeit folge ich  Peters Blog, ich selber bin gebürtig aus Köln, und da ist es  – sollte man meinen – nicht besonders weit in den „Pott“. Und ein jedesmal, wenn ich auf seine wundervollen Einträge blicke, erinnere ich mich an meine erste große Liebe, Silvia. Kennen lernte ich sie nicht in Duisburg oder Köln, sondern etwas weiter weg. Nämlich auf der (damals) größten deutschen Insel in der Nordsee: Borkum.

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Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Dort lebte ich einige Jahre mit einer Frau zusammen, die hatte eine kleine Kneipe in den Dünen und eine Pension etwas weiter Richtung Stadt. Und in eben dieser Kneipe sah ich Silvia das erste mal. Ihre Eltern feierten dort Silberne Hochzeit und auf Wunsch meiner damaligen Freundin unterhielt ich die Gesellschaft zwischendurch mit Seemannsliedern und Shanties auf meinem Akkordeon.

 

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Foto: Frederick Kühne  / pixelio.de

Um das Ganze mal ein wenig abzukürzen: Etwa eine Stunde später hielt ich sie vor der Kneipe im Arm und kurz vor dem ersten Kuss erklärte ich ihr etwas von dem Alten Leuchtturm.

Als wir uns endlich von einander lösen konnten, geschah das auch nur auf Grund des Kuchens, der auf uns wartete. Die wissend-grinsenden Gesichter der Gesellschaft ignorierten wir geflissentlich. Langsam machte ich mich fertig, zurück an Bord zu kehren, ich hatte dort noch einen Auftritt mit meiner Orgel in der Offiziersmesse.

Und pausenlos spielte die Jukebox den Schlager von Gitte:

Lass mich heute nicht allein, denn die Liebe lädt uns ein,
verschenk nicht einen Augenblick, denn nicht einer kommt zurück,
darum sag noch nicht auf Wiedersehen.

Das war der erste Akt meiner ersten großen Liebe. Dass die Offiziere das gar nicht witzig fanden… damit konnte ich leben… heute noch.

Wie es weiter ging mit Silvia (17) und Werner (23) ? Ach ja, da war ja auch noch meine damalige Freundin Hildegard (42)…

Aber all das erfahrt Ihr dann die nächsten Tage, versprochen!

Badegäste leben gefährlich.

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Foto: gila  / pixelio.de

Vor allen Dingen, wenn sie aus dem Binnenland stammen und nichts über die Gezeiten der Nordsee wissen. Das größte Gewässer, das sie jemals zu Gesicht bekamen, war vermutlich der Bodensee. Ich war damals bei der Kurverwaltung angestellt und hatte mit meinem Kumpel Heinz die Aufgabe (unter anderem) den Strand im Auge zu behalten. Oft war es in der Tat lustig zu sehen, wie sich erwachsene Männer zum Affen machten um ihren am Strand zurückgebliebenen Liebsten zu zeigen, was sie doch so alles drauf hatten. 😀

„Hey, Pirat, haste Gulden dabei?“ „Wofür?“ „Na, das erleichtert das Telefonieren in Holland doch beträchtlich… “ „???“ „Wir haben ablaufend Wasser, und gegen die Srtömung kommste niemals wieder ans Ufer!“

Dies schien ihm zu denken zu geben, und er paddelte mit den Armen Richtung Strand. Hahaha…

Mein Kumpel hatte währenddessen unser Boot startklar gemacht und im Nu hatten wir den verhinderten Seemann am Haken und schleppten ihn Richtung Strand, wo er sofort von seiner glücklichen Familie in Empfang genommen wurde.

Daß er am Abend mit einer Kiste „Jever“ bei uns auftauchte, fanden wir richtig nett. 😉

Die Sache mit dem Bagger

Der Bagger stand da einfach so rum, am Strand. Eigentlich war es auch kein Bagger, eher so eine Planierraupe. Mit der hatten tagsüber irgendwelche Arbeiter den Sand am Strand zusammengeschoben. Jetzt war es nachts. Mein Freund und ich waren auf dem Heimweg von einem feucht-fröhlichen Abend und bestaunten fast ehrfürchtig das Gefährt.

„Komm, damit fahren wir jetzt heim!“

Ich schaute meinen Kumpel an. „Bist du bescheuert?“ Aber irgendwie juckte es mich auch.

Sogar der Schlüssel steckte! Wir waren jung und brauchten das Geld und betrunken und hatten den Kopf voller Flausen. Und schon sausten wir mit qualmendem Auspuff über den Strand. Dann versuchten wir eine Sandburg zu bauen, brachten aber außer einem gigantischen Maulwurfshügel nichts zustande. Aber lustig wars, bis auf der Strandmauer eine Taschenlampe aufblitzte und eine brummige Stimme rief, ob nicht endlich bald Ruhe wäre.

Dann rannten wir lachend und kichernd in die Dünen. Heiliger Strohsack, das hätte böse enden können. Ist aber jetzt ganz sicher schon verjährt. 😀

Warum mir der Norden so fehlt? (3)

Die Reise zu den Seehundsbänken

Eine alte Barkasse nannte ich damals noch mein eigen. Den Motorbootführerschein für Küstengewässer hatte ich ja schon Jahre vorher bei der Marine gemacht. Andere machen ihren Führerschein, ich halt den… (Führerschein habe ich bis heute nicht gemacht. :D))

Dann kam die Zeit, da versteigerte die Bundesmarine einige ihrer alten Barkassen. Ratet mal, wer sich eine von den Dingern schnappte. Ich hatte auch schon einen Plan, wie ich richtig reich werden konnte. In meiner Kneipe rührte ich kräftig die Werbetrommel und bot – bei schönem Wetter – Fahrten zu den Seehundsbänken an.

Ich sah mich schon mit einer ganzen Flotte, so gut lief das Geschäft. Leider nicht sehr lange.

Irgendwann stand nämlich der „Wasseradler“ (Küstenwache namens Adler) vor der Tür und belehrte mich freundlich (und kostenpflichtig), dass ich einen Personenbeförderungsschein bräuchte. Ach ja, Borkum gehört ja zu Deutschland… 😦

War aber schön, die Touris mit bleichen Gesichtern die Fische füttern zu sehen. 😀

Warum mir der Norden so fehlt? (2)

Ich hatte damals eine Kneipe auf Borkum. Nichts besonderes, ein ehemaliger Rettungsbootschuppen mitten in den Dünen. Es gab auch einige Speisen, Rührei mit  Krabben (sic!). Sollte mir das Glück hold sein und ich den ein oder anderen Dorsch an der Angel haben, erweiterte dies die Tageskarte ungemein. Viele Stammgäste kamen aus dem nahen Knappschaftsheim. Bergleute, die ihre Kur in der gesunden Nordseeluft verbrachten. Und die waren lustig, alle. Und immer bereit, neue Leckereien zu testen. Dorschköpfe zum Beispiel. Die briet ich vorher scharf an und legte sie dann sauer ein. Die Kumpel waren ganz wild darauf. „´n Pilsken und son Dorschkopp, woll?“

Des nachts, wenn nicht so viel los war, schnappte ich mir auch mal mein Akkordeon. Viele Bergleute und ich sangen dann „Glück auf!“ Und andere Gäste fielen dann ein. Und das war schön. Und das fehlt mir auch, bis heute.

Warum mir der Norden so fehlt?

lesenbiene hat den „Norden“ zum Thema der Woche gemacht. Und sie brachte mich damit zum Nachdenken. Willkommen in SH, der echte Norden!  Schon vorher hatte ich ja Mona Harry mit ihrer „Liebeserklärung an den Norden“ gesehen, und schon kamen Erinnerungen.

Und es wurden immer mehr, angefangen bei den Krabbenfischern (Walfänger gab es ja schon lange keine mehr), die bei drohendem Schlechtwetter im Schutzhafen Zuflucht fanden. Diese suchten wir dann mit dem Rad auf, um sie von ihren frischen Krabben zu erlösen. Das Pfund für 50 Pfennig! Mussten wir nur noch puhlen, was aber kein Problem war, man hatte ja Übung… 😉 Rührei mit frischen Krabben, da gäbe ich heut viel für.

Dann gab es auch noch meinen Kumpel Jan, ostfriesischer Metzgersohn aus Leer. Wir fingen oft Aale (frisch mit Butter in der Pfanne – ein Traum!). Um sie zu töten gab es eine Art Nadel, mit der durchtrennte man rasch das Genick, kurz hinterm Kopf. Nicht so Jan… er biss einfach mal kräftig zu… urgh. Ich hätte noch viel zu erzählen; doch das hebe ich mir auf, für das nächste mal.