Weisheit des Tages | 21.04.2019

Nietzsche1882Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.

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Er ist wahrhaftig auferstanden

  1. Er ist wahrhaftig auferstanden,
    der für uns litt und für uns starb,
    der uns erlöst aus Todesbanden
    und ewges Leben uns erwarb,
    der uns dereinst lebendig macht
    zu seiner Herrlichkeit und Pracht.

  2. Er ist wahrhaftig auferstanden!
    O Seele, was verzagst du noch?
    Für dich ist alles nun vorhanden,
    was dich beglückt; so glaub es doch!
    Komm, nimm aus seiner Fülle heut
    den Reichtum, den sein Leben beut.

  3. Er ist wahrhaftig auferstanden!
    Mein Herz erfährts, in dem er lebt.
    Was alle Gläubigen empfanden,
    die Freude, die auch mich durchbebt,
    gibt Zeugnis mir durch seinen Geist,
    dass mich sein Leben tränkt und speist.

Grafe
Hermann Heinrich Grafe (1818 – 1869)

O Tempora

Ein Mensch, der eine Freundin hatte, woman-1443131_640
Ist jetzt, seit Jahren schon, ihr Gatte.
Er hat’s mit diesem Weibe schwer:
Es redet nämlich dumm daher.
Er meint, es werde täglich schlimmer –
Doch nein – so dämlich war sie immer.
Es liegt nur an der Jugend Schwund:
Süß klang Geschwätz aus süßem Mund.

rothEugen Roth

Werbevortrag in Sorryville

Im Smith’s Saloon von Sorryville verstummten die Gespräche als ein Fremder eintrat, dessen Kopf sich in ständiger Bewegung befand, denn er nickte, kreiste damit und schüttelte ihn zugleich. Der Mann ging auf den noch freien Marmortisch in der Ecke zu, setzte sich dahinter und brüllte: „Whisky, ihr Kuhköpfe!“ Der schwarze Kellner stellte ihm eine volle Flasche und ein Glas auf den Tisch. Die Gentlemen an der Bar blickten fragend auf den roten Jonny in ihrer Mitte, der als größter Stänkerer und Revolver­held am Rio Grande galt. Der erinnerte sich seines legendären Rufes, ging der Saalmitte zu, stemmte die Hände in die Hüften und in Coltnähe und rief dem Fremden zu: „Hallo, Partner, Ihr Kopfwackeln macht mich nervös. Werdet Ihr nicht schwindelig davon?“

Der Mann kippte sein volles Glas Whisky. „Schwindelig werde ich nie“, antwortete er hierauf gelassen. „Manchmal sehe ich allerdings doppelt. Im Augenblick weiß ich nicht recht, ist es einer oder sind es zwei rote Hunde, die mich so idiotisch anglotzen.“

Ein Raunen lief durch den Saloon, der rote Jonny bekam ganz schmale Augen und fragte schleppend: „Wie meint Ihr das, Fremder? Ich sehe weit und breit keinen roten Hund.“ „Dann schau in den Spiegel, Du Schießbudenfigur“, rief der Mann zurück und sein Kopf rotierte noch heftiger.

„Zieh!“ brüllte Jonny. Schüsse peitschten – einer, zwei, drei, vier – doch sie kamen nur aus Jonnys Colt.

„Hahaha“ lachte der Fremde. „Wie das angenehm kitzelt.“ Die Männer im Saloon rissen die Augen auf, Jonny untersuchte fluchend seine Schießeisen. „Der Kerl ist bleidicht“, sagte er mit dumpfer Stimme. „Alle guten Geister.“

„Der Teufel soll Euch holen“, meldete sich eine neue Stimme und der Lauf eines Colts klopfte dem Jonny auf die Schulter. „Was soll der Zauber?“ Stimme und Colt, gehörten dem Sheriff.

„Der Gentleman dort hat mich provoziert“, antwortete Jonny mit gewis­sem Respekt im Ton. „Alle sind Zeugen.“ „Und Sie, Zugereister“, schrie der Sheriff den Fremden an, „was suchen Sie in Sorryville und warum fallen Sie nicht um, wenn ein Bürger unserer Stadt Sie totschießt?“

„Entschuldigen, Sir“, antwortete der Mann und stellte das Kopf­wackeln ein. „Aus Zeitmangel konnte ich meinen Werbevortrag nicht mehr bei Ihnen anmelden. Ich verkaufe nämlich Stanleys Panzerwesten, die federleicht und hautfreundlich zu tragen sind. Einführungspreis 600 Dollar, 100 Dollar Anzahlung, der Rest in beque­men Monatsraten, solange der Vorrat reicht. Ich habe nur noch 20 Stück in meinem Kombiwagen. Wer kauft, Gentlemen?“

Alle, auch der rote Jonny, hoben die Hand und der Sheriff sprach: „Okay, ich möchte ebenfalls eine. Aber warum, zum Teufel, haben Sie vorher so blödsinnig mit dem Kopf gewackelt?“

„Aus technischen Gründen, Sir“, erklärte der Fremde. „Denn erstens wird man dadurch auf mich aufmerksam, und zweitens schießt keiner gern auf ein derart bewegliches Ziel.“

Ein ganz normales Gespräch am Frühstückstisch

Sie: Was würdest Du machen, wenn ich sterben würde?

Er: Um dich trauern.

Sie: Lange?

Er: Sehr lange!

Sie: Warum?

Er: (mit ernstem Gesicht) Weil ich dich liebe und dein Verlust sehr schmerzlich für mich wäre. Darum!

Sie: (mit einem Lächeln) Das ist lieb. – Würdest du wieder heiraten?

Er: Nein.

Sie: (mit gekränkten Gesichtsausdruck) Warum nicht? Bist Du nicht gerne verheiratet?

Er: Doch, bin ich.

Sie: Also würdest Du wieder heiraten?

Er: (räuspert sich) Ich denke, wenn ich lange genug getrauert habe und mein Leben wieder einen Sinn ergibt, ja.

Sie: Würdest du mit ihr auch in unserem Bett schlafen?

Er: Wäre doch angebracht, oder?

Sie: Würdest Du mein Bild durch ihres auf deinem Nachttisch ersetzen?

Er: Ich würde beide Bilder aufstellen.

Sie: Du würdest auch Sex mit ihr machen? In unserem Bett?

Er: (trinkt einen Schluck Kaffee) Würde sich sicherlich so ergeben … Ja.

Sie: Würdest du auch mit ihr Golf spielen?

Er: Ja, würde ich.

Sie: Würdest Du Ihr auch meine Golfschläger geben?

Er: Nein, Sie ist Linkshänderin.

Sie: ??????!!!?!!!!!

Er: Sch…

Fundstücke : Optische Täuschung

Gespenstische Erscheinung auf einer weißen Wand

Hier ist die – ohne Zweifel – brillanteste optische Täuschung, die mir je untergekommen ist.

Anleitung

Vorher einmal in Ruhe durchlesen – der Effekt tritt unter Punkt 4 auf.

  1. Entspanne dich und starre etwa 30 – 45 Sekunden auf die 4 kleinen schwarzen Punkte im Bild
  2. Dann schaue langsam auf eine Wand in deiner Nähe (bzw. auf eine glatte, einfarbige Fläche – es ist egal auf was, die Fläche sollte nur ein bisschen größer sein z.B. ein Kasten)
  3. Dann siehst du wie sich langsam ein heller Fleck bildet (lange genug hinschauen!)
  4. Ein paar Mal blinzeln und du siehst wie eine Figur in dem Fleck entsteht.

 

Gespenstische Erscheinung aus dem Nichts

 

Was siehst du? Oder vielmehr WEN siehst du?

Weisheit des Tages | 19.04.2019

kafkaWenn du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von deinen. Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest du von mir mehr als von der Hölle, wenn dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich (…) stehen, wie vor dem Eingang zur Hölle.

Franz Kafka