Belauscht.de | Omma und Oppa, auf ein Neues! *kicher*

auf zum weihnachtsshopping

Saarbrücken. Im Bus

Zwei alte Herren sitzen sich gegenüber. Neben ihnen sitzen ein paar Kinder, die mit ihren Handys und PSP rumspielen.
Alter Herr: “Ach Hans, war das früher so schön als wir alle noch arm waren…”

belauscht von Saeae


prepaid vor 20 jahren

Hamburg.

Im Bus sitzen zwei ältere Herren.
#1: “Kann ich ma’ dein Telefon ha’m?”
#2 Kramt sein Portemonnaie hervor und gibt #1 20 Cent: “Hier!”

belauscht von Patrick


keine 9 yards für opi

Gifhorn.

Die Großeltern beobachten ihren Enkel, wie dieser auf seinem Smartphone eine SMS schreibt.

Oma: “Was drückst du denn die ganze Zeit auf der Scheibe rum? Da ist doch gar keine Taste!”
Opa: “Mensch Omma, das ist der Touchdown!”

belauscht von Stephi


x-bestrahlt und nix passiert

Castrop-Rauxel. Im Krankenhaus.

Eine ältere, schon leicht demente Patientin mit Rückenschmerzen kommt gerade vom Röntgen. Der Pfleger möchte wissen, ob ihr schon ein Ergebnis mitgeteilt wurde.
Pfleger: “Und?”
Patientin: “Hat nicht geholfen, tut immer noch weh.”

belauscht von Arno


Joachim Ringelnatz | Ausflug

Ausflug

       Es wehten Sommerkleider. Enten schnabelten.
Es knirschten kleine Steine,
Und meine Blicke wippten über Beine
Von Mädchen, die Mist gabelten.Ein weidgerechter Jäger kam daher,
Der sein Gewehr
An einem Fels zerschlug
Und sprach: »Genug!«Scheu dumme – heißt nach unsrer Weltanschauung –
Scheu dumme Hühner flüchteten nervös,
Und eine himmlische Erbauung
Kam über mich. Ich war niemandem bös.Im Achtzigkilometertempo prickelten
Uns Phantasien über Tod und Glück,
Und in dem Staub, den wir dabei entwickelten,
Blieb rein Geschautes jämmerlich zurück.Wie ich mich fremd in viel Intimes dachte,
So schnell vorbei, war’s keine Sünd.
Zerzaust, beglückt, weil mir die Landschaft lachte
Zur Autofahrt Stuttgart nach Schwäbisch-Gmünd.

ringelnatz

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Gibt es für Frauen einen Ersatz ?

Gibt es für Frauen einen Ersatz ?

Mal abgesehen vom Sex – Frauen nerven im Bett. Wenn ich von der Erotik einmal absehe, haben mir Frauen im Bett nichts als Ärger eingebracht. Mit Wehmut denke ich manchmal an dieTeenagerzeiten zurück, in denen ich entweder allein und entspannt die Nachtruhe genoß oder nur vorübergehend mit einer Frau das Bett aufsuchte. Die Probleme fingen erst so mit Anfang zwanzig an, als man das Nachtlager „wie Mann und Frau“ teilte, sprich: vom Einschlafen bis zum Aufstehen. Hieraus muß ich eine ganz bittere Bilanz ziehen.
„Nächte des Grauens“ ist noch untertrieben. Am Tage durchaus abgeklärte, zupackende und moderne Frauen mutieren angesichts von Federkern und Daune ausnahmslos zu verwöhnten, lebensuntüchtigen, egoistischen Zicken. Wie ich jetzt an einigen Beispielen schlüssig beweisen werde.
Beginnen wir mit dem unerfreulichen Thema „Mücken“. Vorweg muß ich sagen, daß ich im Sommer grundsätzlich ganz gern neben einer Frau liege, weil ich dann von Stechmücken verschont bleibe. Die stürzen sich immer auf meine Partnerin. Das ist bitter, tut mir persönlich auch wirklich leid, ist aber noch lange kein Grund, mich grob wachzujammern: „Ich bin völlig zerstochen“. Mit einer Stimme, die im Grenzbereich zwischen Hysterie und Nervenzusammenbruch moduliert. Der Auftrag an mich, dem männlichen „Sicherheitsbeamten“, ist klar: „Steh auf und geh Mücken jagen“. Ich weiß nicht, warum Frauen selbst keine Mücken jagen. Warum sie im Bett liegend den Späher machen, auf schwarze Punkte an der Decke deuten und „Da!“ rufen. Ich weiß vor allem nicht, weshalb ich immer wieder gähnend, mit zerzaustem Haar und einer zusammengerollten Zeitung auf der Matratze stehe und auf Zuruf Tiere totschlage.

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Karl Simrock | Der Rhein | Zweiter Teil | Stephansturm

Stephansturm

St. Stephan zu Mainz: Blick vom Bonifaziusturm A auf den großen Glockenturm, der jahrhundertelang der höchste Punkt der Stadt war, und das Langhaus.

Was könnten wir Besseres tun als uns sofort in die goldene Luft zu begeben und so hoch in ihr emporzusteigen als möglich? Die Mittel dazu bietet uns der 210 Fuß hohe Turm der Stephanskirche, die unweit der goldenen Luft auf dem höchsten Punkt der Stadt liegt. Wir lassen uns durch die Kirche unter ihm nicht aufhalten, obgleich Willigis sie gestiftet hat, der auch in ihr begraben liegt und dessen glockenähnliches Meßgewand sie als eine unschätzbare Reliquie bewahrt.

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Aus dem Archiv gezerrt | Besuch der Zeugen Jehovas

Besuch der Zeugen Jehovas

Heute Nachmittag klingelte es an der Tür. Genervt, weil ich eigentlich im dreitägigen Urlaub nicht gestört werden wollte und ich außerdem gerade vorhatte, den Rasen zu mähen, schleppte ich mich in den Windfang und warf durch die Glasfenster der Haustür einen misstrauischen Blick auf die zwei Gestalten vor mir.

Ein Mann, vielleicht Ende 20, groß, hager, schlaksig mit Brille und Pickeln und eine Frau, Ende 30, ziemlich unattraktiv mit einem prägnanten Leberfleck über der Oberlippe und strenger Frisur. Beide trugen akkurate, dunkle Anzüge und er eine kleine Aktentasche. Da dort kein Staubsauger hineinpasste, schwante mir schon, wer da vor mir stand.

Sie:„Guten Tag, mein Name ist (habe schon ich wieder vergessen), und das ist mein Begleiter, Herr (habe ich mir gar nicht erst gemerkt – ich und Namen…). Haben Sie Interesse an einem religiösen Gespräch?“

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Bekannte und unbekannte Historien von Rübezahl [39]

39. Rübezahl gräbet Rüben.

Es hat mir ein alter Fuhrmann aus Schlesien für wahrhaftig beigebracht, daß er vor zehn Jahren über das Gebürge habe gehen müssen; da ihm unterwegens ein großer Durst angekommen, aber nicht gewußt, wie er denselbigen stillen sollte. Indem er also ziemlich matt gewesen, da siehet er nicht weit von der Straßen einen Mann Feldrüben graben. Zu solchem war er hingangen und hatte umb ein paar dergleichen Rüben fleißig gebeten, die ihm auch nicht waren versaget worden, sondern bald gegeben. Wie nunmehr der Fuhrmann sie habhaft gewesen und sie auch fein saftig befunden, da hat er sein Messer ausgezogen, eine davon geschälet und ganz aufgegessen, wie groß sie auch gewesen; die andern hat er bei sich verwahret gehalten, bis auf weitern Bescheid. Und indem geschiehet es, daß er in ein Wirtshaus unter dem Gebürge einkehret, da er die ander Rübe beim Kopf zu kriegen willens war. Siehe, da zeucht er keine Rübe mehr hervor, sondern in Gestalt einer Rüben ein großes Stück Bergwerk, welches mehrenteils klar Gold gewesen. Das lasset mir einen reichen Rübezahl sein, der lauter Geld zur Verehrung giebet denen, die nicht arglistig, sondern freundlich mit ihm umgehen!


Johannes Praetorius (1630-1680)

Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Dritter Theil. | Reise nach Laputa | [10.Kapitel]

Zehntes Kapitel.

Die Luggnagier werden sehr gerühmt. Eine besondere Beschreibung der Struldbruggs. Gespräche des Verfassers mit einigen ausgezeichneten Personen.

Luggnag wird von einem höflichen und großmüthigen Volke bewohnt. Obgleich die Luggnagier einigermaßen den Stolz besitzen, welcher allen östlichen Nationen gemein ist, so zeigen sie sich dennoch höflich gegen Fremde, besonders solche, welche am Hofe eine Stütze besitzen. Ich hatte viele Bekannte, und darunter Personen von der besten Gesellschaft. Da ich nun auch stets von meinem Dollmetscher begleitet wurde, so war die Unterhaltung durchaus nicht unangenehm.

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Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (229)

229. Sankt Adalbert

Adalbert, Teil des Wenzelsdenkmals auf dem Wenzelsplatz in Prag

Der erste Christenpriester, der das Licht des Evangeliums nach dem alten Preußenlande trug, war der heilige Adalbert. Er kam aus Polen, wo er die Lehre Christi gepredigt, und verkündete das göttliche Wort im heutigen Kulmer Lande, dann in Pomesanien. Von da kam er nach Danzig und nach Samland. Aber an der Stätte in der Nähe des Bernsteinortes Fischhausen, wo am Strande der Ostsee noch die Ruinen von St. Adalberts Kapelle einsam trauern, überfielen die Heidenpriester den heiligen Mann und töteten ihn mit sieben Wunden. Als der Polenkönig Boleslaus Gorvin diese Tat erfuhr, wünschte er den Leichnam des heiligen Märtyrers, aber die Priester heischten für denselben so viel Goldes, als der Leichnam schwer sei. Da sendete der König vieles Gold, allein es wog den Körper noch nicht auf, bewegte noch nicht die Schale, darauf der Leichnam lag. Da warfen die Abgesandten des Königs noch ihr eignes Gold hinzu, vergebens. Weiter so kamen noch preußische Christen, die Adalbert getauft hatte, und gaben alle ihr Gold – aber alles vergebens. Da kam ein altes Weib, die sahe, daß die Leute Gold auf die Wagschale warfen, und wollte ihr Scherflein auch darbringen, sie hatte aber nur zwei Pfennige, die warf sie zu dem Golde, und siehe, alsogleich sank die Schale mit Gewalt, und der Leichnam stieg in die Höhe, und mußte wieder weggenommen werden alles hinzugelegte Gold, und als nichts mehr auf der Schale lag als die zwei Pfennige der Frau, da traten beide Schalen in das Gleichgewicht und ward so der heilige Leichnam aufgewogen.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Zur Blauen Stunde | Auf Wiedersehn

Auf Wiedersehn

       Ich schnürte meinen Ranzen
Und kam zu einer Stadt,
Allwo es mir im ganzen
Recht gut gefallen hat.Nur eines macht beklommen,
So freundlich sonst der Ort:
Wer heute angekommen,
Geht morgen wieder fort.Bekränzt mit Trauerweiden,
Vorüber zieht der Fluß,
Den jeder beim Verscheiden
Zuletzt passieren muß.Wohl dem, der ohne Grauen,
In Liebe treu bewährt,
Zu jenen dunklen Auen
Getrost hinüberfährt.Zwei Blinde, müd vom Wandern,
Sah ich am Ufer stehn,
Der eine sprach zum andern:
»Leb wohl, auf Wiedersehn.«

Wilhelm Busch (1832-1908)