Lynn und ich | Meine Art, Liebe zu zeigen…

…ist ein alter Titel, gesungen von Daliah Lavi, dieser unvergleichlichen Sängerin. Und dieses Lied spielten wir uns vor, wollten wir uns „rechtfertigen“, wenn wir schweigend nebeneinander saßen. Und das taten wir oft. Nicht, weil wir uns nichts zu sagen gehabt hätten.
Nein, oft genug platzte es aus uns heraus. Und jeder sagte: „Sag du!“ „Nein, sag Du zuerst!“
Kennt Ihr das? Ja? Und ist das nicht schön?



Meine Art Liebe zu zeigen

das ist ganz einfach Schweigen.
Worte zerstören
wo sie nicht hingehören.

Sieh den Tag am Himmel stehn

noch nicht müde
muß er gehn.
Doch die Nacht
die Anlauf nimmt
tröstet ihn bestimmt.
Nimm den Schatten von der Wand

schweig mir leise aus der hand

laß die Zeiger stille stehn
und du wirst schon sehn.

Schwöre keinen lauten Schwur

stell mir keine Fragen

träum die Sternenpartitur
ohne was zu sagen.
Halt mich fest
doch halt mich nicht.
Schreib mir alles ins Gesicht.
Laß den Tag vorübergehn
und du wirst schon sehn.

Spürst du
wie die Zeit entflieht

wie die Sehnsucht Kreise zieht?
Lösch noch ein paar Lichter aus
über unserm Haus.
Schließ mich in die Stille ein

laß mich einfach bei dir sein
und das Rad der Nacht sich drehn

dann wirst du schon sehn.

In diesen Adventstagen denke ich an Lynn

Wenn Weihnachten näher rückt, die Menschen voller Hast versuchen, Geschenke für ihre Liebsten zu finden, alles hektisch und schnell schnell gehen muss, dann überfällt mich Trauer. Ich möchte jedem zurufen: „Halte ein! Weihnachten ist nicht das Fest der Geschenke! Ihr macht alles kaputt! FREUT EUCH! Lasst Euch nicht unterjochen und zu Käufen zwingen, die Euch von Marktriesen, von Konzernen und genialen Werbefuzzis als Gehirnwäsche verpasst worden sind.“

lynn
Lynn (li.) und ihre Ma

Am dritten Advent im Jahre 2001 sah ich meine Frau Lynn zum letzten mal. Lange hielten wir uns auf dem Flughafen München in den Armen. Dann flog sie nach Irland, zu ihren Eltern. Und diese waren glücklich, ihre Tochter Weihnachten daheim zu haben.
Ich gönnte es ihnen. Ich drängte Lynn, über Weihnachten zu ihren Eltern zu fahren.
Elf Jahre waren wir zusammen glücklich, elf Jahre! Dann heirateten wir. Keltisch. Verbotenerweise. Und Lynn rief mich Heilig Abend an, überglücklich. Sie hatte ein wundervolles, ehrliches Lachen. Und sie fragte: „Denkst du an UNSER Lied?“
Hier ist es, UNSER Lied:

 

Molly Malone


MOLLY MALONE SONGTEXT

In Dublin’s fair city,
where the girls are so pretty,
I first set my eyes on sweet Molly Malone,
As she wheeled her wheel-barrow,
Through streets broad and narrow,
Crying, „Cockles and mussels, alive, alive, oh!“

„Alive, alive, oh,
Alive, alive, oh“,
Crying „Cockles and mussels, alive, alive, oh“.

She was a fishmonger,
And sure ‚twas no wonder,
For so were her father and mother before,
And they each wheeled their barrow,
Through streets broad and narrow,
Crying, „Cockles and mussels, alive, alive, oh!“

(chorus)

She died of a fever,
And no one could save her,
And that was the end of sweet Molly Malone.
Now her ghost wheels her barrow,
Through streets broad and narrow,
Crying, „Cockles and mussels, alive, alive, oh!“

(chorus)


MOLLY MALONE SONGTEXT ÜBERSETZUNG

In der lieblichen Stadt Dublin
wo die Mädchen so schön sind,
warf ich sofort ein Auge auf die süße Molly Malone,
wie sie ihren Karren
durch breite und enge Straßen rollt
und ruft, „Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !“

„Lebendig, lebendig, ho – hoo !“
„Lebendig, lebendig, ho – hoo !“
Ruft, „Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !“

Sie war eine Fischhändlerin,
und das war kein Wunder,
denn das waren ihr Vater und ihre Mutter früher auch.
Und sie rollten ihre Karren
durch breite und enge Straßen
und riefen, „Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !“

(Refrain)

Sie starb an einem Fieber,
und niemand konnte sie retten,
und das war das Ende, der süßen Molly Malone.
Nun rollt ihr Geist den Karren
durch breite und enge Straßen
und ruft, „Herzmuscheln und Miesmuscheln, lebendig, lebendig Hoo !“

(Refrain)

Lang, lang ist´s her… Oder: Irischer Mondschein der besonderen Art

ireland-2396261_640„Daddy?“

Lynns Stimme klang zärtlich und lieb. Ich verstand nicht, was sie zu ihrem Daddy sagte, während sie zärtlich in seinen Haaren wühlte. Sie unterhielten sich leise auf irisch. Als Daddy verständnisvoll lächelnd nickte, quietschte Lynn freudig auf, nahm meine Hand und zog mich ungestüm zur Tür. „Nun komm schon, Brummbär“, zappelte sie ungeduldig und war schon auf dem Weg in den Hof.

Ich schaute sie verständnislos an. „Daddy hat JA gesagt“, kicherte sie verschmitzt. „Aha“, sagte ich. „Du warst doch dabei, als ich ihn gefragt habe“, gluckste sie fröhlich, erklärte mir aber gleich, was sie eigentlich vorhatte. Schnell hatte sie mir erklärt, was sie vorhatte. Einen Ausflug hatte sie vor, in die Wicklow Mountains. Weiterlesen „Lang, lang ist´s her… Oder: Irischer Mondschein der besonderen Art“

Lynn und die Kunst

Der Post von Mitzi gestern rief schlagartig wieder Erinnerungen an meine immer noch geliebte Lynn in mir hoch. Dazu muss man wissen, dass sie ja in München Kunst und Geschichte studiert hatte. Und sie schleifte mich gerne und oft in sämtliche Kunsttempel nicht nur in München, sondern auch in Dublin, Belfast und wo wir uns sonst noch überall herumtrieben. 😉

Wie das dann so ablief, könnt Ihr am besten bei Mitzi nachlesen. 🙂 Ich sage dazu nur noch: Wie sich die Bilder gleichen… 😀

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame… gell, Tinchen?

Foto0204Nun kennen wir uns schon so lange, und ich habe Dir noch nichts von meinem Tattoo erzählt? Hmm…

Lynn und ich ließen es uns damals stechen, als gemeinsame Erinnerung an Irland. Nun ist es meine einzige Erinnerung an Lynn.

Hier in Freising ließen wir es uns stechen, bei einem Stecher, den es längst nicht mehr gibt. Lynn hatte die Idee, uns ein „Shamrock“ auf die Oberarme setzen zu lassen. Als der Stecher (den es längst nicht mehr gibt) fertig war, beschwerte sich Lynn, das sei kein Shamrock, ein Shamrock hat ja, wie jeder weiß, nur drei Blätter. Was wir da trugen seien ganz normale vierblättrige Glücksklees. Sie bequatschte den armen Mann, bis dem nichts mehr einfiel und er uns die Tattoos schenkte.

Jack O´Lantern

lanternSo sicher, wie in jedem Jahr das Christkind erscheint, der Osterhase im Frühling durch die Gärten hoppelt, genau so sicher und zuverlässig  wurde ich ab ca. Mitte Oktober durch schrille, wütende Schreie meiner Frau Lynn aufgeschreckt. Gott, dachte ich. Entsetzt sprang ich auf, eilte ins Wohnzimmer und fand sie hektisch mit den Armen rudernd vor dem Fernseher sitzend vor. Mit Mühe verkniff ich mir ein Lachen, als ich den Bericht sah, der gerade dort zu sehen war. In dem ging es, wie oft im Oktober, um Halloween.

DIE LERNEN´s EINFACH NICHT!„, rief sie empört. Ach ja, ich konnte mir schon denken, was jetzt auf die armen Redakteure zu kam.


Die Geschichte von Jack’o Lantern

Das ist die Halloween-Geschichte von Jack o’ Lantern (Jack mit der Laterne): Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied. Er hieß Jack, war ein schlimmer Trunkenbold und hatte im Leben auch so manche andere Betrügerei begangen. Wie jeden Abend saß Jack auch am Abend des 31. Oktober an der Theke und trank viel zu viel, als plötzlich der Teufel neben ihm stand, um ihn zu holen. Jack war wie versteinert vor Schreck, als ihm die rettende Idee kam, sich einen letzten Drink vom Teufel spendieren zu lassen. Der hatte nichts dagegen,  diesen Wunsch zu erfüllen, stellte aber fest, dass er keine Münze zur Hand hatte. So verwandelte er sich kurzerhand selbst in eine. Jack reagierte schnell, stopfte das Geldstück in seine Geldbörse, in der sich auch ein kleines Kreuz befand, und das hielt den Teufel dort gefangen. Er ließ den Teufel erst frei, nachdem der versprochen hatte, Jack ein ganzes Jahr lang in Ruhe zu lassen.

Ein Jahr später, wieder am Abend des 31. Oktober, erschien der Teufel erneut um Jack abzuholen. Abermals musste er sich ganz schnell etwas einfallen lassen und bat den Teufel, ihm einen letzten Apfel von einem nahestehenden Apfelbaum zu pflücken. Nun gut, der Teufel kletterte auf den Baum und Jack ritzte blitzschnell ein Kreuz in die Rinde des Stammes. Der Teufel saß auf dem Baum gefangen. Und Jack war hartnäckig. Der Teufel musste ihm versprechen, Jacks Seele bis in alle Ewigkeit in Ruhe zu lassen.

Die Jahre vergingen, Jack wurde ein alter Mann und als er starb, bat er im Himmel um Einlass. Da er in seinem Leben nicht gerade ein braver Mann gewesen war, wurde er abgewiesen. Er wanderte zum Teufel. Auch der wollte seine Seele nicht, denn er hatte vor Jahren sein Ehrenwort gegeben. Der Jammer war groß –  wo sollte Jack nur hin? Der Weg durch die ewige Dunkelheit war finster, einsam und eisekalt. Ein klein wenig Mitleid hatte der Teufel nun doch und schenkte Jack eine glühende Kohle, die niemals erlosch. Jack steckte die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe, die er als Wegzehrung mitgenommen hatte. Seit dieser Zeit wandert der unglückselige Jack o’ Lantern (symbolisch für alle ruhelosen Seelen) mit seiner Rübenlaterne durch die Finsternis. So erzählt es die Legende.

Viele Jahre später, vor ungefähr 150 Jahren, gab es in Irland eine große Hungersnot. Tausende von Menschen wanderten nach Nordamerika aus. Auch dort feierten sie, wie sie es immer getan hatten, das Halloween-Fest. So kam das Fest nach Amerika. In der neuen Heimat gab es nicht so viele Rüben, dafür aber prächtige Kürbisse, die man viel besser aushöhlen und mit witzigen Fratzen verzieren kann. Inzwischen wird Halloween an vielen Orten auf der ganzen Welt gefeiert, auch deshalb, weil ein wenig Gruseln einfach Spaß macht!

Nun weißt du, dass die geschnitzten Kürbisse, die Ende Oktober überall zu sehen sind, eigentlich die leuchtende Rübe von Jack o’ Lantern darstellen sollen, der vielleicht noch immer auf seinem rastlosen Weg daherwandert.

So, oder ähnlich, stand es in den E-Mails, die meine Lynn damals an die verschiedenen Redaktionen sandte.
Und auch heute noch, fast 16 Jahre nach ihrem Tod, muss ich mich beherrschen, es ihr nicht gleichzutun, wenn ich wieder einmal in einer Sendung höre, „das aus Amerika stammende Fest Halloween…“
In einigen Tagen ist es wieder soweit: Kleine Gespenster huschen (mehr oder weniger) leise durch unsere Strassen und Gassen und erpressen mit drohenden Rufen „Süßes oder Saures“ Unmengen an Süßigkeiten, bevor sie wieder kichernd im Dunkel verschwinden.
Meine Bitte an alle Erwachsenen: Schaut in die lachenden Gesichter und erfreut Euch an dem Spaß, den die Kinder (hoffentlich) haben werden. Und glaubt mir: Auch Euch wird das Herz warm werden. Versprochen!
Es sei denn, Ihr seid Ebenezer Scrooge, aber dann ist sowieso alles zu spät für Euch.
Dankeschön fürs Lesen und…

Happy Halloween!