Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | The man of war

The man of war

[Wörtliche Übersetzung »Mann des Krieges«, Krieger, nach dem heutigen Sprachgebrauch Angehöriger der Kriegsmarine.]

Fern von allen freundlichen Küsten, mitten im Ozean schwamm ein kleines Boot, worin niemand sich befand als ein alter Mann, dessen Haar sich schon weiß färbte, und ein blondgelockter Knabe von höchstens zehn Jahren. In diesem Fahrzeug, das dem gewaltigen Gewässer nur in einer so ruhigen Sommernacht Trotz zu bieten vermochte, befand sich außer den beiden Menschen und den schwachen Rudern nichts als ein kleines Fäßchen mit einem geringen Vorrat an süßem Wasser und einige wenige Zwiebacke. Das Boot gehörte zu einem Schiff, das mitten im Ozean verbrannt und von dem nichts gerettet worden war als dies kleine Fahrzeug, in das sich der Schiffsherr mit seinem Enkel geflüchtet hatte, die allein dem schrecklichen Wasser- und Feuertod glücklich entgangen waren.

Weiterlesen „Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | The man of war“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (148)

148. Die Tückebolde Lodder und lange Wapper

Ein dem Kludde verwandter Geist spukt in der Gegend um Brüssel umher, ganz in ähnlicher Weise. Schnitter, die abends ihre Kleider abgelegt hatten und ruhten, hörten von fernher kommend ein Gerassel, wie von Ketten, das näherte sich bis an den Ort, wo ihre Kleider lagen, die aber lagen ganz ruhig. Ein Gewitter zog heran, die Schnitter zogen ihre Kleider an und wollten heimgehen, da rasselte und prasselte es ganz in der Nähe, und plötzlich schrie einer der Schnitter: Lodder! Lodder! Schlagt zu! Schlagt zu! Ich sitze drauf. – Und da ritt er schreiend fort, und keiner sah, auf was er ritt, und alle lachten, denn der Geist Lodder war unsichtbar und rannte fort mit der erfaßten Last des Schnitters und warf ihn bei einem Weiher in das Gras und plumpste ins Wasser, und mußte jener froh sein, daß nicht er in das Wasser geworfen worden.

Weiterlesen „Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (148)“

Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | Der fliegende Fisch

Der fliegende Fisch

Ehe noch die Sucht nach unmäßigem Gewinn die Europäer antrieb, die Länder jenseits des Ozeans zu durchforschen, war jener Himmelsstrich – gleich wie einst der leben- und liebeglühende Orient – von Geschöpfen ganz anderer Art bewohnt. Versunken ist das schöne Inselreich jener früheren Tage und die Großen und Kleinen Antillen sind die Überreste jener wundervollen Unschuldswelt. Südlich von diesen [Also im Norden Südamerikas.] lag früher ein großes, blühendes Königreich, dessen Beherrscher nicht nur ein frommer, sondern auch ein weiser König war. Er war der Sohn eines großen Zauberers und einer schönen Fee, und als seine Eltern, durch eine höhere Macht besiegt, diese Gegend verließen, erschufen sie für ihren Liebling dieses gepriesene Reich. Sorgfältig forschte der weise König – denn die Wissenschaft seines Vaters und seiner Mutter war ihm keine fremde geblieben – nach dem Schicksal, das ihm und seinen Untertanen bevorstehe, und stets kehrte er mit heiterem Angesicht aus dem Innern seines Palastes zurück, denn nimmer trübte sich die hellglänzende Tafel, auf welche eine unsichtbare Hand den Orakelspruch niederschrieb.

Weiterlesen „Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | Der fliegende Fisch“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (147)

147. Tückebold Kludde

In ganz Flandern und Brabant glaubt das Volk an das Dasein eines bösen Geistes und nennt ihn Kludde, aber auch Kleure. Er spukt überall und in allen Gestalten, häufig zeigt er sich dem Mahr verwandt, erscheint als altes mageres Pferd mit durchscheinenden Rippen und struppiger Mähne, mischt sich unter die des Nachts im Freien weidenden Rosse, und wenn einer der Hüter meint, er besteige einen der besten Hengste, um einen Ritt zu machen, so ist’s der Geist Kludde in Pferdegestalt, der mit ihm wild davonrennt, als jage ihn der helle Teufel, bis er an ein Wasser kommt, wo er den verzagenden Reiter hineinwirft. Dann fängt der Geist Kludde an zu lachen, daß sich entsetzt, wer dies Gelächter hört, und legt sich auf den Bauch und wälzt sich vor Lachen, während sein Reiter aus dem Wasser- oder Schlammbade sich angstvoll herausarbeitet.

Manchesmal flackern vor dem Kludde zwei blaue Flämmchen her, die nennen die Bauern und die Pferdeknechte Stalllichter und halten dafür, daß die Flämmchen des Geistes Augen seien. Kludde kann sich zum Baum machen, klein wie ein Schlehenstrauch und bis hoch in die Wolken wachsen; Kludde kann dich als Schlange umringeln und als Hornisse umsumsen, er schreckt dich als Fledermaus oder als Kröte, er kann Katze sein und Maus, Frosch und Ochse. Man hört ihn auch rufen, und sein Ruf lautet Kludde! Kludde! So ruft er seinen Namen, wie der Vogel Kuckuck, der verrufene Gauch. Er neckt und plagt zu Lande wie zu Wasser; am Seegestade ist er Neck, auf dem platten Lande Schreck, ein greulicher Spuk, selbst Werwolf. Geist Kludde soll der Geist eines Mannes sein, der mit dem Teufel ein Bündnis hatte, und zu ruhelosem Wandeln auf Erden und Plagen der Menschen verurteilt sein.

Einstens ging ein Mädchen mit ihrem Geliebten und einem Freunde desselben über Land, und waren in guten Gesprächen, da rief der Liebhaber mit einem Male: Schaut dorthin! Was sehe ich dort? – Die andern sahen nichts. – Was siehst du denn? – Kludde ist’s! Jetzt springt er als Hund! Seht, er streckt sich – jetzt ist er ein Schaf – jetzt eine Katze – nein – da ist er ein Baum geworden. – Die andern konnten nichts von alledem erblicken. – Sag’s, wenn du ihn wieder siehst! rief der Begleiter, ich will auf ihn zugehen. – Da läuft er ja vor uns her! – Jener sah nichts, und sie wandten sich, nach Hause zu gehen.

Vor dem Hause lag eine Steinplatte etwas lose, unter die man den Hausschlüssel zu legen pflegte. Und da rief der Liebhaber wieder: Seht! Seht ihr ihn nicht? Er sitzt ja auf der Platte, da kann ich nicht zum Schlüssel! Komm, Mieken, wir wollen dich erst nach Hause geleiten, du ängstigst dich. – Als die Freunde wiederkamen, sah der Liebhaber immer noch den Geist auf der Platte hocken, und der andere sah nichts. Dieser ging nun stracks auf die Platte zu und nahm ungehindert den Schlüssel, der Geist sprang hinweg. Ungehindert kam der Liebhaber in sein Haus und schloß es schnell. Der Begleiter bekam Kludde nicht ein einziges Mal zu Gesicht.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (146)

146. Der ewige Jäger

Schloss Wijnendale

Die alten Grafen von Flandern hatten ein Schloß, des Namens Wynendael, in dessen Nähe wohnte ein frommer Bauersmann, der hatte nur einen einzigen Sohn, aber der war nicht fromm und fleißig wie sein alter Vater, sondern mit Leib und Seele der Jagd ergeben, so daß er gar wenig daheim blieb oder seines Ackers wartete, sondern immer nur in den Wäldern herumstreifte, und da half kein Bitten und kein Drohen bei dem schlimmen Buben. Nun kam der Alte zum Sterben und fühlte sein nahes Ende und wollte vom Sohne Abschied nehmen und ihm noch eine Ermahnung zurücklassen, ließ daher denselben bitten, zu ihm zu kommen, aber der Sohn blieb draußen, obgleich er des Vaters nach ihm verlangende Worte vernahm, nahm sein Jagdgewehr, pfiff seinen Hunden und ging hinweg in den Wald. Darüber ergrimmte der sterbende Alte und hob die Hände empor in Verzweiflung und verfluchte den Sohn mit den Worten: So jage, jage, jage in alle Ewigkeit – in alle Ewigkeit – und sank zurück und war tot. Und seit dem Tage kam der Verfluchte nie mehr nach Hause, in den Wäldern hörte man ihn schreien: Jakko! Jakko! Jakko!, als Raubvogel hörte man ihn kreischen, als Hund bellen, und so muß er es forttreiben bis zum Jüngsten Tage, wo nicht noch länger. Erst als um Wynendael allmählich die Wälder ausgerottet wurden, verlor sich aus dortiger Gegend der Spuk des ewigen Jägers und zog sich höher hinauf, wo es noch Wälder gab.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | Fata Morgana

Fata Morgana

Die Offiziere des Schiffes standen mit ernsten Gesichtern auf dem Quarterdeck. Vor ihnen der Kapitän mit der Miene des Zorns. Die Mannschaft reihte sich um den großen Mast, bleich, mit klopfendem Herzen und verhaltenem Atem.

Die Stunde des Gerichts hatte geschlagen.

Vor dem Kapitän lag ein junger Seemann auf den Knien und hielt die Hände flehend empor. Feierlich beteuerte er seine Unschuld, aber der Kapitän schüttelte ungläubig das Haupt.

»Du bist ein Sohn Uli Maströms, des Finnen, der den Wind beschwören und Verderben über das Schiff bringen kann, zwischen dessen Planken er weilt. Du hast die verfluchte Kunst deines Vaters geerbt –.«

Weiterlesen „Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | Fata Morgana“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (145)

145. So viel Kinder als Tage im Jahre

Eine Stunde von Gravenhage liegt ein Dorf, das heißt Losduinen (sprich Losdeunen), da hat ehemals ein Kloster gestanden; die Sage geht alldort, daß dieses Kloster wegen ruchlosen Lebens seiner Bewohner in einer Nacht versunken sei, und daß an einer gewissen Stelle, die aber nicht jeder findet, ein Sausen und Brausen in der Tiefe gehört werden könne. Nur die Kirche blieb erhalten, sie liegt außerhalb des Dorfes, östlich, und es werden in derselben zwei kupferne Taufbecken gezeigt, an die sich folgende Geschichtssage anknüpft.

Graf Floris IV. von Holland hatte von seiner Gemahlin Mechthild eine Tochter, des Namens Margaretha, und vermählte diese mit Hermann I. Grafen von Henneberg, den die Alten als einen freudigen und mannhaften Helden priesen. Margaretha gebar ihrem Gemahl einen Sohn, Poppo, und eine Tochter, Jutta, welche letztere sich noch bei der Mutter Leben, mit dem Markgrafen Otto dem Langen zu Brandenburg, vermählte. Auch die Mutter hatte sehr jung geheiratet und reiste in ihrem zweiundvierzigsten Jahre nach dem Haag, ihrem Heimatlande. Da habe nun diese Gräfin ein armes Frauchen erblickt, das auf jedem Arm ein Kindlein trug und sie anbettelte, und die Kinder wären Zwillinge gewesen. Habe die Gräfin gezweifelt, daß eine Frau von einem Manne mehr denn ein Kind auf einmal empfangen könne, der Armen die Gabe geweigert, ja sie verhöhnt und geschmäht. Darüber ward die arme Frau kläglich weinend, hob ihre Augen gen Himmel und rief: O Herr und Gott, der du bist aller Dinge im Himmel und auf Erden mächtig, ich bitte dich demütiglich, daß du wollest dieser Gräfin so viele Kinder auf einmal in ihren Schoß bescheren, als Tage im Jahre sind. Und sei weinend hinweggegangen.

Und am selben Tage fühlte die Gräfin sich gesegneten Leibes und nahm von Stund an zu und wurde so stark und so schwer, daß kein Mensch alle sein Lebtage dergleichen gesehen hatte. Nun hatte ihr Vater ein Haus in Losduinen, da blieb sie wohnen, denn sie vermochte nicht nach ihrer neuen Heimat in das Land Henneberg zu reisen, und am Charfreitag, als man schrieb eintausendzweihundertundsechsundsiebenzig, da gebar sie dreihundertundfünfundsechzig Kinder, Knäblein und Mägdlein durcheinander, alle ganz ausgebildet an allen Gliedern. Die taufte am andern Tage der Bischof Otto von Utrecht, ein Ohm der Frau, in den zwei Becken (nicht in einem, wie viele sagten und schrieben), die noch heute in Losduinen zu sehen sind, und nannte die Knäblein Johannes und die Mägdlein Elisabeth. Sie starben aber alle bald darauf an ihrem Tauftage, am Vorabend des heiligen Osterfestes, und die Mutter desgleichen, und wurden miteinander in der Klosterkirche begraben. Hernachmals ist diese Geschichte in mancherlei Denkversen in deutscher, lateinischer und holländischer Sprache auf eine Holztafel innerhalb der Kirche zu Losduinen verewigt worden, welche vormals links neben der Kanzel hing, ein Grabstein aber, dessen in vielen Schriften gedacht wird, welche diese Sage mitteilen, ist allda nicht vorhanden. Zum Andenken an jene Wundergeburt wurde an das Ufer der Maas eine Burg gebaut, welche so viele Fenster zählte, als das Jahr Tage hat, und es steht auch noch am Eingange des Dorfes Losduinen, wenn man vom Haag herkommt, fast vereinzelt ein großes Haus, das trägt über der Türe die Inschrift: IN DEN HENNENBERG – Den beiden Taufbecken legt das Volk eine wunderbare Kraft noch heute bei und hält sie in hohen Ehren. Unfruchtbare Frauen werfen stillschweigend nach und nach eine Handvoll Sand an die Becken, damit entlocken sie der Mutter Natur den erwünschten Segen. –

Zu Delft in der schönen Hippolytikirche ist auf einer Tafel diese Geschichte geschildert, und in der Abtei zu Egmont soll ein Grabmal der Gräfin Margaretha befindlich sein.

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (144)

144. St. Johannisäpfel

Es war ein heiliger Bischof von Tongern, zubenannt das Lamm, der war vorher ein Ackersmann gewesen, der seiner Pflicht lebte und fromme Werke übte. Eines Tages zog Johann seine Furchen auf dem Acker, da stand ein Mann in Pilgertracht vor ihm, von überirdischem Ansehen, und sprach: Gott grüße dich, Bischof von Tongern!

Wen grüßet Ihr also? fragte Johann, indem er sich rings umsah. Dich! antwortete der Pilger, den der Herr ob deiner Frömmigkeit erkor zum heiligen Amte. – Solches glaube ich nimmermehr! Hebe dich weg, Versucher! rief Johann aus, so wahr das trockne Holz deines Stabes grünet und Früchte trägt, so wahr werde ich Bischof von Tongern. – Schaue und glaube dann! rief der Pilgrim, stieß seinen Stab in den frischgepflügten Ackerboden, und alsbald bedeckte sich derselbe mit junger Rinde, trieb Sprossen und Zweige, die setzten Blüten an, und die Blüten wurden schöne Apfel.

Alles ging in Erfüllung, der Baum blieb stehen, und seine lieblichen Apfel wurden durch Schößlinge weit im Lande verbreitet und heißen St. Johannisäpfel bis auf den heutigen Tag. Noch weiter verbreitet sind die Sagen von grünenden Stäben, die meist zu Wunderbäumen erwuchsen, wie in Thüringen jener Wunderbaum zu Varila, den Bonifazius aufpflanzte, des Papstes Urban Stab in der Sage vom Ritter Tannhäuser und manche andere mehr.

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (143)

143. Der Hund des Jan von Nivelle

Zu Nivelle geschah es, daß Bouchard V., Herr von Montmorency, das Kloster von Sankt Gertrud besuchte, dessen Äbtissin gleichsam als die Herrin der Stadt angesehen wurde, und dessen Fräulein morgens geistliche, abends aber weltliche Kleidung trugen, auch, wenn es ihnen gefiel, das Kloster verlassen und heiraten konnten. Weiterlesen „Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (143)“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (142)

142. Vom Zauberer Agrippa

Der weit berufene Zauberer Henricus Cornelius Agrippa wohnte zu Löwen, er führte stets einen schwarzen Hund mit sich, der ihm auf dem Fuße folgte, wie dem Doktor Faust sein Hund Prästigiar; mochten wohl beide von einer Art abstammen, und hieß des Agrippa Hund Paradrius. Dieser weise Meister der Magie, Agrippa, hatte stets einen Schüler, dem er die schwarze Kunst lehrte, und der ihm als Famulus diente. Nun trug sich mit einem dieser Schüler folgendes zu. Der Meister mußte verreisen, und der Schüler, den er damals gerade hatte, war noch zu unerfahren, als daß der Meister ihn hätte in seine Heimlichkeit blicken lassen können oder wollen. Er gab daher beim Abschied den Schlüssel zu seinem Studierzimmer der Hausfrau und befahl ihr bei Leib und Leben, keinen Menschen in dasselbe einzulassen. Kaum aber war der Meister hinweg, so bat der Schüler die Frau, ihn in des Meisters Zimmer zu lassen, denn er war neugierig und brauchte allerlei Vorwand, und ob auch anfangs die Frau widerstand, so gab sie endlich doch nach und ließ den Schüler ein. Da lag das große Zauberbuch des Meisters auf seinem Pult an einer Kette, damit es keiner wegtrage. Neugierig trat der Jüngling hinzu, schlug das Buch auf und begann darinnen zu lesen, er wußte aber kaum, daß das, was er las, eine Beschwörungsformel war. Da klopfte es an die Türe. Jener überhörte das Klopfen und las weiter. Es klopfte noch einmal, aber jener hörte wieder nicht, er las immer weiter. Da sprang die Türe auf, und es trat ein höllischer Geist ein, fürchterlich anzusehen, und fragte: Was rufst du mich? Was soll ich dir tun? – Der Schüler bebte, als die übermächtige Erscheinung vor ihm stand, er vermochte nicht zu sprechen – das Entsetzen faßte ihn, er konnte auch den Geist nicht wieder hinwegbannen, zürnend hob der Geist die Hand, und der Schüler sank entseelt zu Boden. Das alles sahe in der Ferne der Zauberer Agrippa in seinem Erdspiegel und eilte flugs nach Hause zurück, rief einen dienstbaren Geist und gebot ihm, in die Leiche zu fahren und aus dem Hause zu wandeln, damit es nicht heiße, als sei bei ihm sein Schüler umgekommen, dann aber wieder von dem Körper zu weichen. Diesem Gebot gehorchte der Geist, und der Schüler wandelte wieder, wie lebend, durch die Straßen. Aber an einer Ecke fiel er um, denn der Geist hatte ihn wieder verlassen, und jedermann konnte nicht anders glauben, als daß ihn erst an dieser Stelle ein jäher Tod befallen.

Da es mit Henricus Cornelius Agrippa zum Sterben kam, verfluchte er seinen Hund und rief: Packe dich hinweg, du, meiner Verdammnis Schuld und Urheber! – Und nach dem Tode des Meisters ist der Hund hinweggekommen, niemand wußte wohin. Einige sagen, er sei in das Wasser gesprungen und seit der Zeit nicht mehr gesehen worden, andere sagen, Agrippa habe den Hund vor seinem Ableben an einen Freund verschenkt, dem dann der Hund, gleich dem vorigen Herrn, auf eine Zeit habe dienen müssen. Es hatte jedoch mit solcher Gabe gar ein nachdenkliches Aber.