Es bleibt eine Narbe zurück…

Das neue Jahr sollte man dazu nutzen, Menschen, denen man (absichtlich oder unabsichtlich) weh getan hat, um Verzeihung zu bitten. Reinhard Mey hat das sehr schön ausgedrückt.

Wenn du manchmal stumm deinen Gedanken nachhängst
Und mich ansiehst, ohne mich dabei zu seh’n –
Wenn ich vergebens versuch‘, zu erraten, was du denkst
Welche Fragen hinter deiner Stirne steh’n
Ahn‘ ich doch, in Gedanken brichst du über mich den Stab
Doch bedenk, wenn du meine Schuld einschätzt:
Von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘
Bleibt auch mir eine Narbe zuletzt!

Ich hör‘ oft, was wir sprachen im nachhinein
Wie ein Fremder, wie durch eine offene Tür –
Sollen das meine Worte gewesen sein?
Und ich find‘ heut‘ keine Rechtfertigung mehr dafür!
Doch jedes Wort, mit dem ich dir wehgetan hab‘
Bereute ich, während ich es sprach, schon
Denn von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘
Trag‘ auch ich eine Narbe davon!

Es ist wohl ein unsel’ges Gesetz, das uns lenkt
Das da will, dass man grad‘, wen man am meisten liebt
So unbedacht demütigt und grundlos kränkt –
Dafür um so wen’ger nachsieht und vergibt!
Doch für jedes Unrecht, das ich dir angetan hab‘
Hab‘ ich selber gelitten, Stück für Stück
Und von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘
Bleibt auch mir eine Narbe zurück!

Es ist vieles gescheh’n, eh‘ ich zu lernen begann
Dass kein Ding für alle Zeit gewonnen ist –
Dass man nicht größ’re Opfer erwarten kann
Als man von sich aus bereit zu bringen ist!
Wenn ich dir deine Liebe schlecht gedankt hab‘
Wenn du kannst, verzeihe es mir jetzt
Denn von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘
Bleibt auch mir eine Narbe zuletzt!

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Denkt noch jemand an Rheinhausen?

Damals, das waren Arbeitskämpfe, die ihren Namen noch verdienten!

Dies ist ein Lied über eine Stadt,
Die stellvertretend ist für alle anderen Städte in Deutschland
In denen Menschen um ihre Arbeit bangen
Und um ihre Arbeit kämpfen.
Ich schrieb dieses Lied in einer kalten Nacht an der Mahnwache Tor 1
Der Krupp AG Duisburg Reinhausen.

Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
Sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Wir hab’n das Wirtschaftswunder mit erschaffen.
Den Rücken 40 Jahre krumm gemacht.
Wir hab’n den Staub gefressen
Und malocht, so wie besessen
Und haben nie ein Wort zu viel gesagt.
Wir haben die Eisenschienen mit gegossen
Von der Intercity Linie Nr.4.
Hab’n die Hände uns verschlissen
Und den Arsch uns aufgerissen
Und jetzt stehen wir hier draußen vor der Tür.

Oh, Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Kumpel unter Tage und Stahlkocher
Millionen Namenlose protestieren.
Hab’n keine Zukunft für die Kinder.
Steh’n da, wie arme Sünder.
Haben nur dies eine Leben zu verlier’n.
Ob in Friesland oder Oberbayern,
In Bremerhaven oder Wuppertal,
Sie woll’n nicht lebendig tot sein,
Woll’n was sie fühl’n hinausschrei’n.
Reinhausen, das ist überall!

Oh, Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Oh, Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Ich denke an die Maxhütte Sulzbach (Bayern),
An Saarstahl und Klöckner (Osnabrück).
Ich denke an die Werftarbeiter an der Küste
Und Ruhrkohle (Essen),
An die Walzwerker Hattingen und Bochum
Und all‘ die vielen Arbeitslosen
Die noch immer voller Hoffnung sind.

Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n

Ich will wieder heim…

Nachdem ich heute fast eine Stunde lang mit meiner Schwiegermutter in Wexford geskypt hatte, nimmt meine Sehnsucht nach „Zu Hause“ fast schon übermenschliche Züge an. Die kleine Stadt habe ich seit dem tragischen Tod meiner Frau Lynn nicht mehr besucht.Jetzt bin ich traurig…

 

Wexford (irisch: Loch Garman) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft Wexford im Südosten der Republik Irland nahe dem Hafen Rosslare Harbour. Die Stadt mit 20.188 Einwohnern (Stand: 2016)[1] liegt an der Nationalstraße N11 nach Dublin sowie an der N25 zwischen Cork und Rosslare. Wexford ist über die Strecke Dublin–Rosslare Harbour auch an das irische Schienensystem angeschlossen.

Quelle: Wexford – Wikipedia

Achtet auf eure Kinder!

In diesem Sommer gab es leider schon sehr viele Tote. Und immer erschüttert es mich sehr, zu hören/lesen, wenn es wieder einmal Kinder getroffen hat. Im Rhein sind vor wenigen Tagen wieder einmal zwei kleine Mädchen ums Leben gekommen (9 und 13 Jahre alt). Mein Blogfreund Videbitis schrieb zu der Situation an deutschen Flüssen:

Niedrigwasser, aber ein paar Schiffe fahren noch, wenn auch nur mit vermindeter Last. Trotzdem sollte man nicht Schwimmen gehen, die Flüsse in Deutschland sind sehr tückisch, an keinem Ort ertrinken mehr Leute.

Aber auch in Schwimmbädern sieht man unverantwortliche Erwachsene, die ihre Augen lieber auf ihr Handy oder Smartphone richten, als auf ihre Kinder. Wozu sind denn die Bademeister da? Unverantwortlich!

Und wenn ich dann im Fernsehen die sogenannten „Experten“ (in was eigentlich?) im Brustton der Überzeugung tönen höre, man kann sich ruhig in Flüssen abkühlen, sollte aber nie „tiefer als Brusttiefe ins Wasser gehen!“, dann dreht sich mir nicht nur der Magen um. Was für Flüsse meinen die denn? Den „Eisbach“ im Englischen Garten in München? Notabene: Das Wasser, in welchem die beiden Mädchen den Tod fanden, war gerade einmal 60cm tief…

Wenn Kinder ertrinken, geschieht das in der Regel ohne großes Geschrei oder Geplansche, sie gehen still und leise unter, das war´s dann… Und die Menschen, die ja eigentlich die Kinder schützen sollen, daddeln ganz ruhig weiter.

Ist es nicht viel schöner, Kindern beim Spielen zu beobachten? Bei Katzen geht das doch auch…

 

Flecken

Heinz_Erhardt,_noch'n_GedichtHeinz Erhardt. Meiner Meinung nach einer der größten deutschen Komiker. Und immer, wenn ich gewisse Nachrichten lese oder höre, kommt mir dieses Gedicht in den Sinn; und das schon seit Jahren. 😉


Gott, voller Weisheit, hehr und mild,
schuf uns nach seinem Ebenbild.
Gewiss, wir Menschen sind gescheit,
doch wo ist unsere Menschlichkeit ?
Erscheint uns jemand edel, groß,
so täuscht das: er verstellt sich bloß !
Erst wenn er Böses tut und spricht,
zeigt er sein wahres Angesicht ! —

Um obiges nun zu beweisen,
lasst alphabetisch uns verreisen,
dann kann man sehn, was so geschah !
Wir fangen vorne an, bei A !!!

A (Amerika)

Amerika, du Land der Super-
lative und dort wo James Cooper
zwar seinen „Lederstrumpf“ verfaßte,
man aber die Indianer haßte,
weshalb man sie, halb ausgerottet,
in Reservaten eingemottet,
sich dafür aber Schwarze kaufte,
sie schlug und zur Belohnung taufte,
doch heute meidet wie die Pest,
sie aber für sich sterben läßt —
wie beispielgebend stehst du da
für Menschlichkeit ! O USA

B (Briten)

Jedoch auch sie, die vielen Briten,
die Schott- und Engländer, sie bieten
für unser Thema Menschlichkeit
so manchen Stoff seit alter Zeit !
Nur waren’s statt Indianer Inder,
die sie ermordeten, auch Kinder;
und ähnlich Schreckliches erfuhren
danach die Iren und die Buren,
die man durch den Entzug des Fetts
verschmachten ließ in den Kazetts !
Jedoch bei Völkern, welche siegen,
wird sowas immer totgeschwiegen …

C (Christen)

Dann wäre da, bar jeden Ruhms,
so manche Tat des Christentums,
die, eben wegen seiner Lehre,
am besten unterblieben wäre !
Man denke da zum Beispiel an
Inquisition zuerst und dann
an Waffensegnung mit Gebeten,
um andre Gläubigen zu töten !
Auch dieses: lieber Menschenmassen
verelenden und hungern lassen,
statt man Geburtenregelung übe —
auch das zeugt nicht von Menschenliebe !

D (Deutschland)

Nun: Wollt ihr, daß im Alphabet
es mit dem D jetzt weitergeht ?
Ist es nicht besser, wenn ich ende ?
Wascht nur in Unschuld eure Hände
und greift, kraft eigenen Ermessens,
zum güt’gen Handtuch des Vergessens …

Doch hilft das Waschen nicht und Reiben:
Die Flecke bleiben !

(aus "Das große Heinz Erhardt Buch", 
erschienen im Fackelträger Verlag, 1970)