Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (99)

99. Die Frau von Stein

Auf dem Schlosse Stein im Nahetale wohnte eine edle Herrin des gleichen Namens, die war eine Witwe und hatte einen gar mannlichen und ritterlichen Herrn zum Gemahl gehabt. Von dem hatte sie vier blühende Töchter und zwei Söhne, die hatten auch bereits den Ritterschlag empfangen, die vier Töchter aber waren alle vermählt, und jeder ihr Gemahl war auch ein Ritter, untadelig und wohlgetan. Da gab einstens die edle Frau von Stein ihren Söhnen, Eidamen und Töchtern ein stattlich Gastmahl, und hatte außer diesen niemand dazu geladen, und waren bei Tische alle fröhlich und guter Dinge, und da sprach die Frau von Stein: Vier biedere Ritter zu Eidamen, zwei biedere Ritter zu Söhnen, vier brave blühende Töchter! Und eines herrlichen Ritters Witwe! Welche Witwe kann, gleich mir, sich solchen Glückes rühmen? Dieser Ehren ist allzuviel, deren ich teilhaft worden! – Die Söhne, Töchter und Eidame vernahmen der Mutter Wort, priesen sie als die glücklichste Witwe des Reichs und ließen auf der Mutter Wohl und langes Leben die Becher freudig aneinanderklingen. Nach einer Weile verließ die Frau von Stein ihren Sitz, als wolle sie draußen noch etwas befehlen oder anordnen . . . und die Versammelten plauderten lange, ehe ihnen auffiel, daß ja die Mutter gar nicht wiederkam. Vielleicht habe sie sich ein wenig zum Schlummer niedergelegt, vermuteten die Töchter und sahen leise in ihr Schlafklosett, die Frau von Stein war aber nicht darin. Das Gesinde ward befragt, aber keins hatte die Frau hinweggehen sehen – und niemand hat je erfahren, wohin sie gegangen, und niemand hat sie jemals wiedergesehen, denn nimmer kam sie wieder.

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Wilhelm Busch | Der heilige Antonius – Der heilige Antonius – letzte Versuchung

Der heilige Antonius – letzte Versuchung

Der heilige Antonius von Padua
Saß oftmals ganz alleinig da
Und las bei seinem Heiligenschein
Meistens bis tief in die Nacht hinein. –
Und wie er sich umschaut, der fromme Mann,
Schaut ihn ein hübsches Mädchen an. –
der heilige Antonius von Padua
War aber ganz ruhig, als dies geschah.
Er sprach: »Schau du nur immer zu,
Du störst mich nicht in meiner christlichen Ruh!«
Als er nun wieder so ruhig saß
Und weiter in seinem Buche las –
Husch, husch! – so spürt er auf der Glatzen
Und hinterm Ohr ein Kribbelkratzen,
Daß ihm dabei ganz sonderbar,
Bald warm, bald kalt zumute war. –
Der heilige Antonius von Padua
War aber ganz ruhig, als dies geschah.
Er sprach: »So krabble du nur zu,
Du störst mich nicht in meiner christlichen Ruh!«

»Na! – – Na!«
»Na, na! – sag‘ ich!!!«
»Hm! hm! – – hm!!!«
Und gibt dem heil’gen Antonius
Links und rechts einen herzhaften Kuß.
Er sprang empor, von Zorn entbrannt;
Er nahm das Kreuz in seine Hand:
»Laß ab von mir, unsaubrer Geist!
Sei, wie du bist, wer du auch seist!«
Puh!! – Da sauste mit großem Rumor
Der Satanas durchs Ofenrohr.

Der heilige Antonius, ruhig und heiter,
Las aber in seinem Buche weiter! –
So laß uns denn auf dieser Erden
Auch solche fromme Heil’ge werden!
Wilhelm Busch (1832-1908)

100 Dinge die wir durch PC Spiele gelernt haben

1. Wenn Sie nach unten schauen, sehen Sie Ihre Füße nicht.
2. Um Verletzungen zu heilen, reicht es vollkommen, kurz in einer Ecke zu warten. Oder eine Stunde zu schlafen.
3. Ein ausgewogenes Mittagessen heilt Schusswunden und Verkrüppelungen.
4. Um einen Gegenstand aufzuheben, rennen Sie einfach drüber.
5. Wenn der Gegenstand nützlicher sein sollte als der, den Sie gerade in den Händen halten, erfolgt ein automatischer Austausch. Das alte Objekt landet in Ihrem Rucksack.
6. Wenn Sie sich beim Einräumen Ihres Rucksacks Mühe geben, dann passt auch der Raketenwerfer noch rein.
7. Prinzessinnen werden ausschließlich von italienischen Klempnern gerettet.
8. Sie können die Zeit verlangsamen, wann immer Sie es für nötig halten.
9. Um Menschen zu operieren, reicht es, vorher eine medizinische Zeitung zu lesen.
10. Frösche sterben im Wasser.

Weiterlesen „100 Dinge die wir durch PC Spiele gelernt haben“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (98)

98. Die wandelnde Nonne

Nahe bei Niederlahnstein, am rechten Rheinufer, stand einst ein Frauenkloster, Machern, darinnen ging es nichts weniger als gottwohlgefällig zu. Es gab Besuche von Mönchen aus Nachbarklöstern, gab wüste Gelage, Geschrei, auch nächtliche Reigen, und spät des Nachts fuhren die Mönche auf raschen Rollwagen durch den Hohlweg, einen Bach entlang, nach Herchheim und Niederlahnstein zu. Nur eine einzige Nonne war fromm und tugendhaft, sie betete viel und las die heiligen Geschichten, während ihre Schwestern sich im vollen Sinnentaumel aller Weltlust hingaben. Da kam einst ein frommer Klausner namens Michael, der in einem stillen Tale bei Marienburg hauste, in einer Sturmnacht an das Klostertor, als gerade im Kloster der Konvent die Lahnsteiner Kirmes feierte, wobei es hoch herging und nicht an geliebten Gästen fehlte, und begehrte Einlaß, allein die weltlichen Sünderinnen fürchteten einen geistlichen Zeugen und ließen ihn nicht ein, sie ließen ihn obdachlos und ungelabt draußen bleiben. Da verwünschte der fromme Mann im zornigen Eifer das ganze Kloster und die Nonnen zu Nachteulen und Nachtgespenstern und alle die buhlenden Mönche zu Teufelslarven, und am Morgen – war das Kloster verschwunden, und öde war die Stätte, wo es gestanden. Seitdem vernimmt man alljährlich zur Zeit des Lahnsteiner Kirmesfestes hinten in der Talschlucht, wo das Kloster stand, Gekreisch und Geheul und wilden Spuk, den Schall von Buhlliedern und wieder dazwischen fromme Weisen – und gewahrt auch wohl grausige Mönchsgespenster auf Rollwagen mit feuersprühenden Rädern durch das Tal dahinfahren. Die einzige fromme Nonne aber wandelt in heiligen Nächten und auch zu jener Kirmeszeit ernst und mild an einem verwitterten Bildstock, der am Bächlein steht, das aus dem Tale kommt, ab und auf und scheint in einem Buche zu lesen. Niemand tut sie etwas zuleide, grüßt auch wohl, doch ist ihr Anblick vielen schon schreckend gewesen.

Das Kloster Machern aber, das hier der Einsiedel Michael mit seiner Verwünschung dem Boden enthob, wurde an der Mosel nahe bei Zeltingen wiedergefunden und dort mit frommen Insassen bevölkert. Vom Klausner Michael aber geht die Sage, daß er beim Nahen des Todes Gott angefleht, seinen Leichnam nicht unbegraben zu lassen, und siehe, als er Todes verblich, da läuteten die Glocken der alten Johanniskirche bei Niederlahnstein von selbst, von Engelhänden gezogen; da kamen Menschen herbei, erhuben des Klausners Hülle und bestatteten sie in des Johanniskirchhofs geweihete Erde.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Wir Lauscher fordern: Macht die Kneipen wieder auf!

die houdini bande schlägt wieder zu…

Hannover, Weidendamm.

Nachts vor einem Club. Ein offenbar betrunkenes Pärchen streitet sich.

Sie: „Du hast doch gesagt, du hast mein Fahrrad mit angeschlossen?“
Er (langsam lallend): „Jaaa?“
Sie: „Und wie kann das sein, dass meins jetzt wech is und deins nich?!!“
Er: „ … das waren… (kurze Denkpause, dann artikuliert er mit schwerer Zunge sehr angestrengt aber triumphierend des Rätsels Lösung)… Trickdiebe!“

belauscht von Nachtschwärmer

sittich ist sinnig

Oberstimm. Während des Volksfests Barthelmarkt.

Auf einer Wiese steht ein Fohlen eines Shetlandponys. 2 Freundinnen (schon recht angetrunken) sind ganz begeistert:
#1: “Komm, lass uns das Pony mitnehmen, das passt in meine Wohnung.”
#2: “Aber dann musst du dir 2 kaufen! Pferde sind Herdentiere.”
#1 (überzeugt): “Dann hol ich mir einfach noch einen Wellensittich! Die soll man auch zu zweit halten.”

belauscht von Anja

stoffe egal, weil er es nicht lange in hält

Kassel. Auf einem Volksfest.

3 Jungs (ca. 18) stehen angetrunken am Bratwurststand.

#1 (lallend): “Ich kauf mir jetzt ne Bratwurst.”
-einige Zeit vergeht-
#2: “Ich denk du wolltest dir ne Bratwurst kaufen!”
#1: “Ich muss mir erst mal die Inhaltstoffe durchlesen!”
#3: “Ist doch eh scheißegal, die kotzt du sowieso gleich wieder aus!”

belauscht von Becker

jetzt neu: das e-klo!

Münster.

Spät abends ist im Studentenwohnheim plötzlich der komplette Strom weg. Als ich im Stockdustern zum Sicherungskasten komme, steht schon ein angetrunkener Mitbewohner davor und begutachtet diesen.

Mitbewohner: “Die Sicherungen sind alle drin, daran kann es wohl nicht liegen?!?”

In diesem Moment ertönt im Hintergrund eine Toilettenspülung.

Mitbewohner (sinnierend): “Ein bisschen Strom muss ja aber noch da sein, die Klospülung geht ja noch…!”

belauscht von Helena

17 jahr – solo bar

München, in einer Bar.

Ein Mädchen feiert lautstark mit für die Location ihren deutlich zu jungen Freundinnen ihren 17. Geburtstag. Auf einmal steht sie auf.

17-jährige: “Mann ey! Ich sitz’ hier schon Ewigkeiten und es hat mich immer noch keiner angelabert! Ich glaub, ich sterb’ wirklich allein.”
Typ neben ihr an der Bar (um die 30, mitleidig): “…du bist seit weniger als einem Tag 17 und hackedicht.”
17-jährige (entrüstet): “Na eben!”

belauscht von Teresa

Mütter sind alt – aber nicht doof!

Alexander hat seine Mutter zum Abendessen in seine Zweier-WG eingeladen. Als seine Mutter sich von ihm verabschiedet, sagt sie zu ihm, wie hübsch sie seine Mitbewohnerin findet. Alexander, der bereits ahnt, dass seine Mutter sich vorstellt, dass zwischen ihm und Sophie mehr vorhanden ist, versucht gleich jeglichen Verdacht zu entkräften und sagt: „Ich weiß, dass du denkst, dass zwischen Sophie und mir mehr als nur ein freundschaftliches Verhältnis besteht, aber ich versichere dir, dass zwischen uns nicht mehr ist.“
Eine Woche später suchen Sophie und Alexander vergeblich in der Küche nach ihrem Abtropfsieb. Sophie bemerkt, dass dieses seit dem Besuch von Alexanders Mutter nicht mehr da sei. Alexander kann sich zwar nicht vorstellen, dass seine Mutter damit etwas zu tun hat, schreibt ihr aber trotzdem eine E-Mail: „Liebe Mutter, weder behaupte ich, dass du unser Abtropfsieb mitgenommen hast, noch dass du es nicht mitgenommen hast. Tatsache ist jedoch, dass es seit deinem Besuch verschwunden ist. In Liebe, Alexander.“
Noch am selben Tag erhält Alexander folgende Antwort von seiner Mutter: „Мein lieber Schatz, weder behaupte ich, dass du mit Sophie schläfst, noch dass du nicht mit ihr schläfst. Doch wenn sie in ihrem eigenen Bett geschlafen hätte, dann hätte sie das Abtropfsieb schon längst gefunden. In Liebe, Mutter.“

Karl Valentin | Die Raubritter vor München | Radlerpech

Radlerpech


Straßenlärm – Trambahngeräusch usw.

Stimmen: Obacht, obacht! Jessas! Jessas! Au! Auh! Schrei.

Karl Valentin: Jessas, jessas, lauft mir des saudumme Frauenzimmer direkt ins Radl nei – i ko nix dafür – ja, hörn denn Sie net, wenn i scho a halbe Stund läut, Sie narrisch Gwachs, Sie!

Liesl Karlstadt: Geh, reden S‘ doch net so unverschämt daher, Sie ham ja überhaupt nicht g’litten, was wolln S‘ denn, Sie sind mir direkt mit Ihrm Radl zwischen d‘ Füaß neigfahrn.

Weiterlesen „Karl Valentin | Die Raubritter vor München | Radlerpech“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (97)

97. Die Brüder

Die „Feindlichen Brüder“ am Rhein

Auf den nachbarlichen Burgen Sternfels und Liebenstein am Rhein wohnten zwei Brüder, die waren sehr reich und hatten die Burgen stattlich von ihres Vaters Erbe erbaut. Da ihre Mutter starb, wurden sie noch reicher, beide hatten aber eine Schwester, die war blind, mit der sollten nun die Brüder der Mutter Erbe teilen. Sie teilten aber, da man das Geld in Scheffeln maß, daß jedes ein volles Maß nach dem andern nahm, und die blinde Schwester fühlte bei jedem, daß eines so richtig voll war wie das andere; die arglistigen Brüder drehten aber jedesmal, wenn es ans Maß der Schwester ging, dieses um und deckten nur den von schmalem Rand umgebenen Boden mit Geld zu, da fühlte die Blinde oben darauf und war zufrieden, daß sie ein volles Maß empfing, wie sie nicht anders glaubte. Sie war aber gottlos betrogen, dennoch war mit ihrem Gelde Gottes Segen, sie konnte reiche Andachten in drei Klöster stiften, zu Bornhofen, zu Kidrich und Zur Not Gottes. Aber mit dem Gelde der Brüder war der Unsegen für und für, ihre Habe verringerte sich, ihre Herden starben, ihre Felder verwüstete der Hagel, ihre Burgen begannen zu verfallen, und sie wurden aus Freunden Feinde und bauten zwischen ihren nachbarlich nahe gelegenen Burgen eine dicke Mauer als Scheidewand, deren Reste noch heute zu sehen sind. Als all ihr Erbe zu Ende gegangen, versöhnten sich die feindlichen Brüder und wurden wieder Freunde, aber auch ohne Glück und Segen. Beide bestellten einander zu einem gemeinschaftlichen Jagdritt, wer zuerst munter sei, solle den andern Bruder frühmorgens durch einen Pfeilschuß an den Fensterladen wecken. Der Zufall wollte, daß beide gleichzeitig erwachten, beide gleichzeitig die Armbrust spannten, im gleichen Augenblick den Laden aufstießen und schossen, und daß der Pfeil jedes von ihnen dem andern in das Herz fuhr – das war der Lohn ihrer untreuen Tat an ihrer blinden Schwester.

Andere erzählen, es habe das Geschick nur den einen Pfeil eines der Brüder dem einen der Brüder in das Herz gelenkt, darauf sei der andere zur Buße nach dem Heiligen Grabe gepilgert und im Morgenlande verstorben. Noch andere haben neue Märlein über dies feindliche Brüderpaar ersonnen, denen Kundige es auf den ersten Blick ansehen, daß sie früher nie als Sagen im Volke lebten.

Ludwig Bechstein (1801-1860)