Richard Arnold Bermann | Die Ballade von Lambert Simnel, dem Thronprätendenten

Die Ballade von Lambert Simnel, dem Thronprätendenten

Lambert Simnel saß auf goldenem Thron,
Ganz Irland kniet‘ ihm zu Füßen,
Als Yorks echten Erben und Königssohn
Den Knaben, den schlanken zu grüßen.
Es beugten sich Bischöfe, Grafen und Lords,
Gewärtige Diener des leisesten Worts.
Bist du echt, Lambert Simnel?

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Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (182)

182. Allerünken

Alraun-Mann und Alraun-Frau im Hortus sanitatis Mainz 1491

Allerünken heißen in Dithmarschen die Alräunchen, wenn sie nicht Eigennamen haben. Eine Bauernfrau hatte so ein Ding im Hause. Sie brauchte bloß ein wenig Teig anzurühren, so wuchs ihr der ganze Kessel voll Klöße. Ein neues Dienstmädchen erfuhr von andern auf dem Felde, daß ihre Frau in einem Koffer das Allerünken verschlossen halte. Neugierig, wartete das Mädchen nur den Sonntag ab, als Bauer und Bäuerin in die Kirche waren, um zu stöbern und zu suchen, und richtig, sie fand den Schlüssel zum Koffer in seinem Versteck und schloß auf. Eine kleine Puppe lag in dem Koffer, hatte Kleidchen an, war weich gebettet und bewegte sich. Der Magd kam das Ding graulich vor, sie schlug den Deckel zu und legte den Schlüssel wieder an seinen Ort. Mittags nahm sie die nötige Menge Mehl zu Klößen für das Haus und Gesinde – Herrgott, wie quoll und schwoll das! Alles voll, alles voll, das ganze Dorf hätte ein Klößeessen halten können. Jetzt kam die Frau nach Hause und sah den Vorrat. Was fällt dir ein? Was soll diese Menge? Bist du unklug? – Das Mädchen antwortete: Ich habe nicht mehr Mehl zum Teig genommen, als nötig war. – Ha – so hast du – geh – wasche dir einmal die Hände und halte dein Maul! – Wie das Mädchen ihre Hände gewaschen hatte, war ihr die Kraft des Allerünken verloren.

Manche haben auch das Allerünken Mönöloke genannt. Verfertigt wurde es in des Teufels Namen von weißem Wachs, in einen Rock von blauem Taffet gekleidet, und darüber ein Wams von schwarzem Sammet, Hände und Füße blieben bloß. Sie mußten gut verwahrt und reinlich gehalten werden, dann wurden die Besitzer reich. Wollte einer viel Getreide, so stellte er die Mönöloke unter den Getreidehaufen, Geld, unter den Geldkasten usf.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Hilda Bergmann | Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten | Folge 3

Vom Jaköblein, das immer weinen tat.

»Huh,« hörte man es eines schönen Sommertages auf der blühenden Waldwiese weinen . . . Die Blumen hoben die Kelche, die Gräser steckten die Köpfe zusammen und der Wind sah sich neugierig nach der Stelle um, von der das jämmerliche Schluchzen kam. Aber der große, grüne Heuschreck stellte für einen Augenblick sein Gezirpe ein und sagte: »Ach, es hat weiter nichts zu sagen. Das ist nur das Jaköblein, das immer weinen tut.« Das Jaköblein, das sich also bemerkbar machte, war ein Mäuserich, ein allerliebster, kleiner Mäuserich. Er besaß ein glänzendes graubraunes Fell, eine appetitliche, spitze Schnauze mit zwei feinen Nagezähnchen darin, er hatte zwei blanke, schwarze Äuglein und hätte sorglos und in Freuden leben können, hätte er nur nicht den großen Fehler gehabt, immer weinen zu müssen.

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Joachim Ringelnatz | …liner Roma… [7]

7.

– – Mordkommission stellte Raubmord fest und beschlagnahmte einen Regenschirm und einen Handkoffer, der modernstes Einbrecherwerkzeug enthielt. Eine Belohnung von 10000 Mark ist – –

Frau Grätke hat eben sein Bett geglättet, das genau ein Viertel des Zimmers einnimmt, da bricht Besuch herein. Gussi Feridell, Rostock, Warnemünde, einst tägliche, jetzt auswärtige Freundin, eine Kunstgewerblerin, die nicht mehr leidet, seit ihre drolligen Kaffeewärmer reißenden Absatz finden. Sie stellt ihre Berliner Freundin vor, ein Fräulein Anna von Camphusen. Auf der Durchreise begriffen, wird Gussi fünf Tage bei Camphusens wohnen. – Wollen gnädiges Fräulein bitte dort auf den weichen Stuhl… Der weiche Stuhl ist Herrn Gasteins Salon. Weiterlesen „Joachim Ringelnatz | …liner Roma… [7]“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (181)

181. Die Nissen und die Wolterkens

Ein Nisse beim Lesen

In den nordischen Landen heißen die Wassergeister Nissen, auch Klabautermännchen, auch Nesse, Puge, Puke, Niskepuke, sind aber doch, wie die Kaboutermannekens in Holland, auch zugleich Hausgeister hülfreicher Art, und der Glaube an sie ist allverbreitet. Neben ihnen bestehen auch noch die Wolterkens, ebenfalls Hausgeistchen, Hausknechtchen, was die deutschen Heinzchen, Hütchen, Heimchen sind; der deutsche Name Heimchen findet sich im Nordischen als Chimeken wieder, und sonst haben sie auch noch gar verschiedene Eigennamen, wie guter Johann, Koome u. a. Zum gleichen Geschlecht werden gezählt die Schreckgespenster, der Büsemann, was in Deutschland der Butzemann, Pötz, Pöpel, Hullenpöpel, der Pulterklaes, der Noppert – in Deutschland der Herscheklaes (Nikolaus), Knecht Rupprecht und dgl.

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Zur Blauen Stunde | Dämmrung senkte sich von oben

Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh’;
Schwarzvertiefte Finsternisse
Widerspiegelnd ruht der See.
Nun im östlichen Bereiche
Ahn’ ich Mondenglanz und -glut,
Schlanker Weiden Haargezweige
Scherzen auf der nächsten Flut.
Durch bewegter Schatten Spiele
Zittert Lunas Zauberschein,
Und durchs Auge schleicht die Kühle
Sänftigend ins Herz hinein.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Wilhelm Busch | Der innere Architekt

Der innere Architekt

Wem’s in der Unterwelt zu still,
Wer oberhalb erscheinen will,
Der baut sich, je nach seiner Weise,
Ein sichtbarliches Wohngehäuse.
Er ist ein blinder Architekt,
Der selbst nicht weiß, was er bezweckt.
Dennoch verfertigt er genau
Sich kunstvoll seinen Leibesbau.
Und sollte mal was dran passieren,
Kann er’s verputzen und verschmieren,
Und ist er etwa gar ein solch
Geschicktes Tierlein wie der Molch,
Dann ist ihm alles einerlei,
Und wär’s ein Bein, er macht es neu.
Nur schad, daß, was so froh begründet,
So traurig mit der Zeit verschwindet,
Wie schließlich jeder Bau hienieden,
Sogar die stolzen Pyramiden!

Wilhelm Busch

Echter Trennungs-Schmerz

Echter Trennungs-Schmerz

Liebe Andrea, (Name von der Redaktion geändert)

ich weiß, der Eheberater hat gesagt, wir sollten uns während unserer „Abkühlphase“ nicht kontaktieren, aber ich konnte nicht mehr warten. Am Tag an dem du gegangen bist, habe ich mir geschworen, nie wieder mit dir zu sprechen. Aber das war nur der kleine, verletzte Junge in mir.
Trotzdem wollte ich nie der sein, der sich zuerst meldet. In meinen Träumen warst es immer du, die angekrochen kam. Ich glaube, mein Stolz brauchte das. Aber jetzt erkenne ich, dass mein Stolz mich eine Menge gekostet hat. Ich kann einfach nicht mehr so tun, als würde ich dich
nicht vermissen. Es ist mir egal, wer den ersten Schritt macht, Hauptsache einer von uns macht ihn.

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