Jack O´Lantern

lanternSo sicher, wie in jedem Jahr das Christkind erscheint, der Osterhase im Frühling durch die Gärten hoppelt, genau so sicher und zuverlässig  wurde ich ab ca. Mitte Oktober durch schrille, wütende Schreie meiner Frau Lynn aufgeschreckt. Gott, dachte ich. Entsetzt sprang ich auf, eilte ins Wohnzimmer und fand sie hektisch mit den Armen rudernd vor dem Fernseher sitzend vor. Mit Mühe verkniff ich mir ein Lachen, als ich den Bericht sah, der gerade dort zu sehen war. In dem ging es, wie oft im Oktober, um Halloween.

DIE LERNEN´s EINFACH NICHT!„, rief sie empört. Ach ja, ich konnte mir schon denken, was jetzt auf die armen Redakteure zu kam.


Die Geschichte von Jack’o Lantern

Das ist die Halloween-Geschichte von Jack o’ Lantern (Jack mit der Laterne): Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied. Er hieß Jack, war ein schlimmer Trunkenbold und hatte im Leben auch so manche andere Betrügerei begangen. Wie jeden Abend saß Jack auch am Abend des 31. Oktober an der Theke und trank viel zu viel, als plötzlich der Teufel neben ihm stand, um ihn zu holen. Jack war wie versteinert vor Schreck, als ihm die rettende Idee kam, sich einen letzten Drink vom Teufel spendieren zu lassen. Der hatte nichts dagegen,  diesen Wunsch zu erfüllen, stellte aber fest, dass er keine Münze zur Hand hatte. So verwandelte er sich kurzerhand selbst in eine. Jack reagierte schnell, stopfte das Geldstück in seine Geldbörse, in der sich auch ein kleines Kreuz befand, und das hielt den Teufel dort gefangen. Er ließ den Teufel erst frei, nachdem der versprochen hatte, Jack ein ganzes Jahr lang in Ruhe zu lassen.

Ein Jahr später, wieder am Abend des 31. Oktober, erschien der Teufel erneut um Jack abzuholen. Abermals musste er sich ganz schnell etwas einfallen lassen und bat den Teufel, ihm einen letzten Apfel von einem nahestehenden Apfelbaum zu pflücken. Nun gut, der Teufel kletterte auf den Baum und Jack ritzte blitzschnell ein Kreuz in die Rinde des Stammes. Der Teufel saß auf dem Baum gefangen. Und Jack war hartnäckig. Der Teufel musste ihm versprechen, Jacks Seele bis in alle Ewigkeit in Ruhe zu lassen.

Die Jahre vergingen, Jack wurde ein alter Mann und als er starb, bat er im Himmel um Einlass. Da er in seinem Leben nicht gerade ein braver Mann gewesen war, wurde er abgewiesen. Er wanderte zum Teufel. Auch der wollte seine Seele nicht, denn er hatte vor Jahren sein Ehrenwort gegeben. Der Jammer war groß –  wo sollte Jack nur hin? Der Weg durch die ewige Dunkelheit war finster, einsam und eisekalt. Ein klein wenig Mitleid hatte der Teufel nun doch und schenkte Jack eine glühende Kohle, die niemals erlosch. Jack steckte die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe, die er als Wegzehrung mitgenommen hatte. Seit dieser Zeit wandert der unglückselige Jack o’ Lantern (symbolisch für alle ruhelosen Seelen) mit seiner Rübenlaterne durch die Finsternis. So erzählt es die Legende.

Viele Jahre später, vor ungefähr 150 Jahren, gab es in Irland eine große Hungersnot. Tausende von Menschen wanderten nach Nordamerika aus. Auch dort feierten sie, wie sie es immer getan hatten, das Halloween-Fest. So kam das Fest nach Amerika. In der neuen Heimat gab es nicht so viele Rüben, dafür aber prächtige Kürbisse, die man viel besser aushöhlen und mit witzigen Fratzen verzieren kann. Inzwischen wird Halloween an vielen Orten auf der ganzen Welt gefeiert, auch deshalb, weil ein wenig Gruseln einfach Spaß macht!

Nun weißt du, dass die geschnitzten Kürbisse, die Ende Oktober überall zu sehen sind, eigentlich die leuchtende Rübe von Jack o’ Lantern darstellen sollen, der vielleicht noch immer auf seinem rastlosen Weg daherwandert.

So, oder ähnlich, stand es in den E-Mails, die meine Lynn damals an die verschiedenen Redaktionen sandte.
Und auch heute noch, fast 16 Jahre nach ihrem Tod, muss ich mich beherrschen, es ihr nicht gleichzutun, wenn ich wieder einmal in einer Sendung höre, „das aus Amerika stammende Fest Halloween…“
In einigen Tagen ist es wieder soweit: Kleine Gespenster huschen (mehr oder weniger) leise durch unsere Strassen und Gassen und erpressen mit drohenden Rufen „Süßes oder Saures“ Unmengen an Süßigkeiten, bevor sie wieder kichernd im Dunkel verschwinden.
Meine Bitte an alle Erwachsenen: Schaut in die lachenden Gesichter und erfreut Euch an dem Spaß, den die Kinder (hoffentlich) haben werden. Und glaubt mir: Auch Euch wird das Herz warm werden. Versprochen!
Es sei denn, Ihr seid Ebenezer Scrooge, aber dann ist sowieso alles zu spät für Euch.
Dankeschön fürs Lesen und…

Happy Halloween!