Richard Arnold Bermann | Abgesang / Ende

Abgesang

Rratt – rratt – rratt – –

Ein melancholischer Morgenzug trägt mich unter einem grauen Himmel dahin, dem Hafen entgegen. Im Hafen wird ein Schiff liegen; mich wird das Schiff wegtragen; bald atme ich den frischen Duft heimischen Sommers.

Ein grünes Land fliegt dahin; bald wird es mir entschwunden sein, entflattert im Wind des Erlebens. Lebewohl, fremdes grünes Land! Du bist mir fremd geblieben; noch fahre ich durch deine Wiesen und schon ist mir, als hätte ich von dir geträumt.

Grünes Land mit dem tränenfeuchten Grauhimmel, ich weiß nicht, ob ich dich liebe; ob ich dich hasse, weiß ich nicht. Du bist zu traurig; deine Leichen sind nicht tief genug verscharrt. Zerstörte Elfenmärchen, alte Schuttruinen, dampfende Moore, ich kann sie nicht in allen meinen Stunden lieben. Was an dir jung war, Land, alt ist es geworden – was an mir jung blieb, sehnt sich nach junger Kraft. Nie war deine Kraft jung, weinendes Land. Voll Elfenspuk sind deine Moore; die Sonne lacht ihnen nicht. Um die Kronen alter Könige wirst du ewig trauern.

Deutschlands Kyffhäuser ist erbrochen; nicht mehr kreisen die Raben um den Berg der Trauer. Ein Kyffhäuser ist ganz Irland; die Raben kreisen. Nur Thos. Cook kann sie verscheuchen; ruhig, er tut’s.

Im feuchten Grün eines Sommers sah ich das fremde Land. Alte Abteien sah ich, Kreuzgänge, Türme, ragende Burgen. Ich suchte ihr Leben; ich fand nur ihre Trauer. Silberseen sah ich und fand sie getrübt von den alten Schatten, übertönt von Klageliedern die Wellen des Meeres, vom Echo blutiger Schlachten das Rauschen der Flüsse.

Es gibt eine frohe Zukunft: was traurig war, wird gewöhnlich werden. Eine neue Stimme kündigt die frohe Botschaft: was traurig war, wird gewöhnlich werden! Nach trüben Träumen der Alltag.

Rratt – rratt – rratt – –

Ein Hafen, ein Schiff. Eine Küste entschwindet. Ein Land verschwimmt.

Bin ich dagewesen?

Frischeren Sommerduft will ich in heimischen Wäldern atmen.

***

Richard Arnold Bermann

(auch: Arnold Höllriegel)

Geboren am 27.4.1883 in Wien; gestorben am 31.8.1939 in Saratoga Springs (USA).
Der Sohn eines Regierungsbeamten studierte in Wien Romanistik. Nach seiner Promotion 1906 arbeitete er zwei Jahre als Hauslehrer in Italien, dann als Journalist in Berlin. Während des Ersten Weltkriegs war er Kriegsberichterstatter für mehrere Zeitungen. 1938 flüchtete er in die USA.

Autor: Werner Philipps

Mein Leben und ich! So könnte man den Inhalt meines Blogs kurz und knapp überschreiben. Er beinhaltet (ich hoffe in der richtigen Balance!) Episoden und Ereignisse aus meinem Leben (sic!), Humor und Gedichte... Lasst Euch einfach mal überraschen. Über Kommentare zu den einzelnen Artikeln freue ich mich natürlich auch sehr und meistens antworte ich sogar! Ich freue mich sehr über Euren Besuch. Herzlichst, Werner Philipps

2 Kommentare zu „Richard Arnold Bermann | Abgesang / Ende“

Mein Senftöpfchen wartet auf neue Nahrung. ;) Also, gib gerne Deinen Senf dazu!

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