Richard Arnold Bermann | Die Ballade von Lambert Simnel, dem Thronprätendenten

Die Ballade von Lambert Simnel, dem Thronprätendenten

Lambert Simnel saß auf goldenem Thron,
Ganz Irland kniet‘ ihm zu Füßen,
Als Yorks echten Erben und Königssohn
Den Knaben, den schlanken zu grüßen.
Es beugten sich Bischöfe, Grafen und Lords,
Gewärtige Diener des leisesten Worts.
Bist du echt, Lambert Simnel?

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Richard Arnold Bermann | Alte irische Könige im allgemeinen

Alte irische Könige im allgemeinen

Als ich noch nicht bestimmt wußte, wo Irland eigentlich liegt, wußte ich dieses schon: alle Iren heißen Pat und behaupten, von alten irischen Königen abzustammen. Als ich später die Romane von William Makepeace Thackeray las, fand ich diese Ansicht durchaus bestätigt: in jedem Roman des Humoristen kommt doch mindestens ein Ire vor, der von seinen königlichen Ahnen erzählt, im übrigen einen breiten Jargon spricht, ein bißchen säuft und im ganzen ein etwas schäbiger Gentleman ist. Wichtig für diesen Teil der irischen Frage ist auch das Studium der englischen Witzblätter: es gibt mehr Irenwitze als Mikoschwitze und fast so viele wie Judenwitze.

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Richard Arnold Bermann | Der Tod des Königs Brian Boroimhe


Episches Intermezzo.

Als Brian Boroimhe, der Held vom Stamme O’Brien, noch jung war, lag ein schwerer Schatten über der Welt. Die Lebenden harrten dem tausendsten Jahre Christi bangend entgegen, denn in diesem Jahr, so kündeten im ganzen Abendland die Gottesgelehrten, würde der Herr erscheinen zum jüngsten Gericht. Es gab Männer, die diese Kunde zu tatenloser Andacht lähmte, gab andere, die sie zum genußtollen Taumel peitschte. Doch der junge Brian Boroimhe sah um sich im grünen Erin. Sollte der Heiland das Land seiner Apostel wiederfinden? Sollten Sankt Patrick und Sankt Columban, zur Rechten des Weltrichters stehend, ihre Häupter verhüllen aus Scham für ihr Irland? Die wilden Dänen, Räuber aus nordischer Heidenwelt, schwärmten mit Feuer und Schwert durch die heiligen Gaue und feig beugte sich das Volk unter ihrer blutigen Geißel. Zu schwach war Malachy, der Hy-Nial, Hochkönig der Iren zu Taras weit berühmter Halle. Wohl wußte er ein wildes Roß zu zähmen, nicht aber die Wikinge aus dem Land zu jagen. Da stand Brian auf, um sein Land zu reinigen für das jüngste Gericht. Männer von Munster, starke Gebirgsleute, scharten sich um den Helden. Im Namen des Kreuzes und des kommenden Tages griff Brian Boroimhe die Heiden an und der Sieg war mit ihm. Dann aber faßte er mit entschlossener Hand nach der alten Krone, die nicht fest saß auf Malachys Haupt und willig beugte sich der Rossebändiger dem Bändiger der Heiden, willig ein guter Mann dem besseren Manne. Ard-Reagh, Hochkönig der Iren, grüßte das Land den Befreier. Stattlich saß er in Taras weit berühmter Halle, zu seinen Füßen die Könige Meath und Ulster, von Leinster und Connaught, jeder Häuptling thronend unter seinem Schild, in Purpurgewändern, in goldenen Schuhen prangend und goldenem Gurt, den goldverzierten Speer in der Hand. Langbärtige Weise, Künder des Gesetzes, saßen neben dem Herren der Könige und aller Barden Harfen sangen sein königliches Lied.

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Richard Arnold Bermann | Der Held von Tullow

Der Held von Tullow

The Queens Theatre in Dublin. Es ist die zweite Vorstellung des Abends, denn das Stück wird um 7 Uhr zum erstenmal aufgeführt und gleich um 9 Uhr wieder zum zweitenmal. Doch sagt der Theaterzettel: »Zwei echte Aufführungen, in keiner Weise beschnitten, sondern speziell für zweimal am Abend geschrieben.« So ist man beruhigt.

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Richard Arnold Bermann | Die Hauptstadt

Die Hauptstadt

Es steht in jedem Schulbuch, daß Dublin die Hauptstadt von Irland ist. Es ist, wie die meisten Sachen, die apodiktisch in den Schulbüchern stehen, nicht ganz wahr, sondern nur so annähernd. Dublin war einmal die Hauptstadt von Irland. Dublin wird später einmal wieder die Hauptstadt von Irland werden. Heute ist London die Hauptstadt von Irland und Dublin nur eine Art untergeordnete Sub-Hauptstadt. So wie früher die Lord-Statthalter von Irland ruhig in England zu bleiben und nur einen untergeordneten Stellvertreter nach Irland zu schicken pflegten.

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Richard Arnold Bermann | Die Meistersinger von Irland

Meine Schwiegermutter erzählte mir oft – und gerne- folgende Geschichte:
„Sonntags tanzen? Dafür kam man zumindest ins Fegefeuer, wenn nicht gleich in die Hölle! 😒
So schlich der Dorfpfarrer Sonntags durchs Dorf, schaute in die niedrig gelegenen Fenster in die Wohnstuben und hoffte, die Sünder auf frischer Tat zu ertappen..
Die entwickelten daraufhin einen Tanz, bei dem der Oberkörper und die Arme möglichst unbeweglich zu bleiben hatte, sich aber die Füße und Beine rasant bewegen durften. So entstand der Riverdance!“
👀 😎

Die Meistersinger von Irland

An einem englischen Sonntag ist dem Menschen nichts gestattet, als fromm zu sein und sich in respektabler Weise zu langweilen. In Irland ist das etwas anders. Sehr fromm ist man auch hier. Die besser gekleideten Leute gehen in den Gottesdienst der evangelischen Kirche von Irland, aber das weite Gotteshaus wird nicht ganz voll. Die schlechter gekleideten Leute, die echten Iren von Irland, knien in Scharen vor dem Tor der katholischen Kathedrale, denn sie haben innen nicht alle Platz. Am Nachmittag aber verlangt die katholische Geistlichkeit von ihren Gläubigen nicht, daß sie wie die Anglikaner und Presbyterianer still zu Hause sitzen und sich langweilen; ganz im Gegenteil. Am Sonntag nachmittag wird im katholischen Irland gesungen und getanzt, und der Klerus ist auch mit dabei.

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Richard Arnold Bermann | An der irischen See

An der irischen See

Einige Tage später schrieb ich nach Berlin:

Wo ich stecke? Gott, gleich um die Ecke links, Bray, Grafschaft Wicklow, Königreich Irland. Es ist ein Seebad in der nächsten Nähe von Dublin, doch von Berlin aus ist Heringsdorf leichter zu erreichen. Wenn ich noch ein Geheimnis verraten soll: Heringsdorf ist auch schöner, von den Nordseebädern gar nicht zu reden. Der schöne Sandstrand fehlt in Bray, und dann hat dieses Seebad noch eine kleine Eigenheit: es ist einem Mitteleuropäer etwas schwer, hier überhaupt zu baden. Nämlich Seewasser ist da, aber wie sieht das Herrenbad aus! Die Kabinentüren sind nicht verschließbar, weil die Kabinen überhaupt keine Türen haben. Die Sprungbretter und die ins Wasser führenden Leitern sind lebensgefährlich und man muß ein Akrobat sein, um von ihnen nicht abzustürzen.

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Richard Arnold Bermann | Der Shannon

Der Shannon

Von Killarney nach Limerick. Das ist schon wieder so eine Stadt, die malerisch an einem Fluß gelegen ist und sonst nichts. Der Fluß ist der Shannon, der irische Rhein. Was die Stadt betrifft – –

Was die Stadt betrifft, so wäre zunächst der Ordnung halber der alte irische König Brian Boroimhe zu erwähnen, den Freunde der historischen Abwechslung auch Brian Boru nennen dürfen. Übrigens behaupten alle Brians, Bryans und O’Briens in ganz Irland und Amerika, von diesem alten König abzustammen, denn er war ein sehr großer König, und man kann sich gar keinen feineren Ahnherrn aussuchen. Was nun die Stadt Limerick betrifft, so hat sie Brian Boru im Jahre 968 von den dänischen Wikingen befreit. Auch sonst haben sich zu den passendsten historischen Daten die wichtigsten historischen Ereignisse in Limerick abgespielt; die Stadt hat eine so interessante Geschichte, daß sie gänzlich auf eine irgendwie interessante Gegenwart verzichten kann. Es gibt eine Neustadt mit schnurgeraden Straßen, es gibt eine Altstadt mit unmenschlich viel Schmutz; dazwischen stehen historische Gebäude und langweilen sich. Durch einen verwilderten Garten schimmert die wunderbare normannische Kathedrale; natürlich ist sie im Laufe der Zeit den Katholiken weggenommen worden und gehört jetzt der anglikanischen Kirche von Irland, die fast so viele Dome wie Gläubige hat.

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Richard Arnold Bermann | Der Park der Lords

Der Park der Lords

Alle Reisehandbücher haben gewünscht, daß ich nach Killarney fahre. Zu Hause in Berlin empört man sich ja gegen die Reisehandbücher und nimmt sich vor, auf Reisen das Leben zu leben, wie es eben kommt. Aber hier in Irland gewinnen die Handbücher wieder die Übermacht, und ein friedfertiger Mensch fügt sich.

Ich fahre wieder nicht auf der Eisenbahn, sondern, mit dreißig Amerikanern und Amerikanerinnen zusammen, auf einem großen offenen Motorwagen. Statt die Eisenbahnen zu verbessern, führt man jetzt in Irland überall solche Autolinien ein. Für die Touristen ist es sehr angenehm; es kostet viel mehr, aber es ist ein Vergnügen. Die Ureinwohner des Landes mögen sich auch die nötigen Dollars verschaffen, dann werden auch sie halbwegs angenehm durch ihr Irland reisen können. Es besteht tatsächlich kein Gesetz, nach dem Iren den Motorwagen nicht benützen dürfen. Nur in der Praxis sitzen lauter Amerikaner auf den Bänken.

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Richard Arnold Bermann | Glengariff

Glengariff

Die Bahn, mit der ich Cork verließ, entschuldigte sich höflichst bei mir: sie war leider eine Eisenbahn, aber nur eine kurze; auch könne man von ihr aus romantische Ruinen erblicken; ferner flössen an einer Stelle zwei irische Flüsse zusammen, und überhaupt sei es eine ganz schöne Fahrt. Das stand auf bunten Plakaten und in illustrierten Prospekten und nahm sich gut aus; aber ich werde mich hüten und meinen Hals nach romantischen Eisenbahnruinen ausrecken. Das ist die erste Aufgabe für einen Menschen, der durch britische Lande reist; er muß seinen Konsum an Sehenswürdigkeiten auf ein Minimum einschränken, sonst wird er von allen Plakaten, Prospekten und Reisehandbüchern, die hier herumflattern, wild gemacht und stirbt im Verfolgungswahn. Was die Ruinen betrifft, die sind in Irland häufiger, als die vollständig erhaltenen Gebäude. Meistens hat Oliver Cromwell die betreffende Abtei zerstört; aber manchmal ist es einfach ein Bauernhaus, dessen Besitzer so im Laufe der bitteren irischen Geschichte verhungert ist.

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