Erinnerungen an Erich Kurt Mühsam

Als ich dich fragte …

Als ich dich fragte: Darf ich Sie beschützen?
Da sagtest du: Mein Herr, Sie sind trivial.
Als ich dich fragte: Kann ich ihnen nützen?
Da sagtest du: Vielleicht ein andres Mal.
Als ich dich bat: Ein Kuß, mein Kind, zum Lohne!
Da sagtest du: Mein Gott, was ist ein Kuß?
Als ich befahl: Komm mit mir, wo ich wohne! –
Da sagtest du: Na, endlich ein Entschluß!

An dem kleinen Himmel meiner Liebe

An dem kleinen Himmel meiner Liebe
will – mich dünkt – ein neuer Stern erscheinen.
Werden nun die andern Sterne weinen
an dem kleinen Himmel meiner Liebe?

Freut euch, meine Sterne, leuchtet heller!
Strahlend steht am Himmel, unverrücklich
eures jeden Glanz und macht mich glücklich.
Freut euch, meine Sterne, leuchtet heller!

Kommt ein neuer Stern in eure Mitte,
sollt ihr ihn das rechte Leuchten lehren.
Junge Glut wird euer Licht vermehren,
kommt ein neuer Stern in eure Mitte.

An dem kleinen Himmel meiner Liebe
ist ein Funkeln, Glitzern, Leuchten, Sprühen.
Denn ein neuer Stern beginnt zu glühen
an dem kleinen Himmel meiner Liebe.

Erich Mühsam

Geboren am 06.04.1878 als drittes Kind des Apothekers Siegfried Seligmann Mühsam und seiner Frau Rosalie geb. Cohn in Berlin. 1879 Übersiedlung der Familie nach Lübeck. Mühsam wird 1896 wegen „sozialistischer Umtriebe“ von der Schule relegiert.

Er zieht 1900 nach Berlin und wird freier Schriftsteller und Bohemien; Anschluß an die Neue Gemeinschaft, Beginn der Freundschaft mit Gustav Landauer.

1903 wird er als anarchistischer Agitator unter ständige Polizeiaufsicht gestellt. Erste selbständige Veröffentlichung: „Die Homosexualität. Ein Beitrag zur Sittengeschichte unserer Zeit“.

1904-1905 bereist er die Schweiz. 1906 wird er wegen Verbreitung eines Flugblatts in Berlin zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Danach Aufenthalt in Wien und Bekanntschaft mit Karl Kraus.

1909 wird er in München seßhaft. Gründung der „Gruppe Tat“ zur Propagierung der Ideen des Sozialistischen Bundes. 1910 Verhaftung unter Anklage der Geheimbündelei; er wird freigesprochen.

1915 nimmt Mühsam Kontakte zu Pazifisten und linken Sozialdemokraten auf, um einen Aktionsbund gegen den Krieg zu gründen. Er nimmt an Hunger- und Protestdemonstrationen in München teil. Nach der Oktoberrevolution in Rußland tritt Mühsam in linke Opposition zu Eisner. Im Münchner Januarstreik der Munitionsarbeiter (1918) ruft Mühsam zur Revolution auf.

1919 Hochverratsprozeß vor dem Münchner Standgericht; Verurteilung zu 15 Jahren Festungshaft. Haftantritt in Ansbach. 1920 Überführung in die Festungshaftanstalt Niederschönenfeld. 1924 Haftentlassung auf Bewährung.

1933 Verhaftung durch die SA. Ab 2. Februar 1934 im KZ Oranienburg. In der Nacht zum 10. Juli wird Erich Mühsam von SS-Bewachern ermordet.

Autor: Werner Philipps

Mein Leben und ich! So könnte man den Inhalt meines Blogs kurz und knapp überschreiben. Er beinhaltet (ich hoffe in der richtigen Balance!) Episoden und Ereignisse aus meinem Leben (sic!), Humor und Gedichte... Lasst Euch einfach mal überraschen. Über Kommentare zu den einzelnen Artikeln freue ich mich natürlich auch sehr und meistens antworte ich sogar! Ich freue mich sehr über Euren Besuch. Herzlichst, Werner Philipps

Mein Senftöpfchen wartet auf neue Nahrung. ;) Also, gib gerne Deinen Senf dazu!

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