Der friedliche Michel

Der friedliche Michel 1912 Sauft, Soldaten! Daß das Blut heißer durch die Adern rinnt. Saufen macht zum Sterben Mut. Sauft! Die Zeit der Heldentaten fordert saftige Teufelsbraten. Sauft! Der heilige Krieg beginnt. Sauft und betet! Gott erhört liebevoll der Gläubigen Ruf. Wünscht, daß er den Feind zerstört! Wenn ihr über Leichen tretet, dankt dem Herrn, zu dem ihr flehtet, daß er euch zu Mördern schuf. Feindeskissen bettet weich. Wo„Der friedliche Michel“ weiterlesen

Das Verhör

Sie heißen? fragte mich der Direktor. Ich nannte den Namen. Geboren? Ja! Wann? meine ich. Ich nannte das Datum. Religion? Geht sie nichts an. Schreiben sie also: mosaisch! – Der Beamte schrieb. Was tun sie? Ich dichte. Wa–s? Ich trinke. Delyriker! schrieb der Beamte. Das Verhör dauerte noch lange. Schließlich wurde mir die Fragerei zu bunt. Zum Donnerwetter! schrie ich. Bin ich denn hier in einem Tollhaus? Allerdings,„Das Verhör“ weiterlesen

Gesang der Intellektuellen

Gesang der Intellektuellen (Melodie: Gaudeamus igitur) 1920 Rr-r-revolution macht man nur mit Liebe. Weist den Hetzer von der Schwelle. Nur der Intellektuelle kennt das Weltgetriebe. Unsre Überlegenheit wird euch trefflich führen. Wählt nur uns in eure Räte, dann wird Liebe früh und späte eure Seelen rühren. Lieb den Bürger, Proletar, denn dein Bruder ist er. Und verdienst du ihm Millionen, mag dich das Bewußtsein lohnen: Ihr seid„Gesang der Intellektuellen“ weiterlesen

Freiheit in Ketten

Ich sah der Menschen Angstgehetz; ich hört der Sklaven Frongekeuch. Da rief ich laut: Brecht das Gesetz! Zersprengt den Staat! Habt Mut zu euch! Was gilt Gesetz?! Was gilt der Staat?! Der Mensch sei frei! Frei sei das Recht! Der freie Mensch folgt eignem Rat: Sprengt das Gesetz! Den Staat zerbrecht! –

Die Tierphilosophen

Gott hatte die Welt für gut befunden und verzog sich darauf für einige Stunden, damit sich die Tiere der Zeiten bedächten, womit sie die Zeit ihres Daseins verbrächten. Die meisten besahen sich nur ihren Leib und bestimmten darnach ihren Zeitvertreib. Je, ob sie zwei-, vier- oder hundertbeinig, war man sich schnell über alles einig. Die„Die Tierphilosophen“ weiterlesen

Christliche Liebe

Wieder zieh man einen Pfaffen mangelhafter Sittlichkeit. Denn er machte sich zu schaffen mit der jungen Weiblichkeit. Ja, es ist das Los der Frommen, dass im Dienst der Liebe meist sie vom rechten Wege kommen, den ihr Amt sie wandeln heißt. Liebe, sagen sie, sei Tugend – doch sei Lieb auch Unmoral – und liebt„Christliche Liebe“ weiterlesen

Babette

Folg mir in mein Domizil, liebes Kind, und frag nicht viel. Wirst schon alles lernen, wirst schon alles sehn, liest nicht in den Sternen, was dir heut noch alles kann für Heil geschehn. Stehst herum in Nacht und Wind. Komm! Bei mir ist’s warm, mein Kind. Geb dir einen Taler, koch dir ein Glas Tee.„Babette“ weiterlesen

Der kleine Kunstreiter

Max durfte in den Zirkus geh’n, da gab es vielerlei zu seh’n: Ganz große, wilde Tiere und auch einen klugen Pudelhund, der Karten legte – und ein Schwein, das auf französisch „Oui“ konnt‘ schrei’n. Der dumme August macht‘ ihm Spaß, der jedermann im Wege saß. Besonders hat’s ein Reitersmann jedoch dem Mäxchen angetan. Der stand„Der kleine Kunstreiter“ weiterlesen