Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Dritter Theil. | Reise nach Laputa | [3.Kapitel]

Drittes Kapitel.

Ein durch neuere Philosophie und Astronomie ausgelöstes Phänomen. Die Fortschritte der Laputier in letzterer Wissenschaft. Das Verfahren des Königs bei der Unterdrückung von Aufständen.

Ich ersuchte den König um Erlaubniß, die Merkwürdigkeiten der Insel besehen zu dürfen. Seine Majestät hatte die Gnade, mir dieselbe zu bewilligen und befahl meinem Lehrer mich zu begleiten. Ich wollte hauptsächlich wissen, welchen künstlichen und natürlichen Ursachen die Insel ihre Bewegungen verdanke, und will hierüber dem Leser jetzt einen philosophischen Bericht erstatten.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Dritter Theil. | Reise nach Laputa | [2.Kapitel]

Zweites Kapitel.

Beschreibung der Launen und des Charakters der Laputier. Bericht von ihrer Gelehrsamkeit. Der König und sein Hof. Des Verfassers Empfang. Die Einwohner sind furchtsam und unruhig. Ein Bericht über die Frauen.

Als ich angelangt, ward ich sogleich von einem Menschenhaufen umringt, und die näher Stehenden schienen von höherem Stande zu seyn. Alle besahen mich mit den Zeichen des Staunens und hierin blieb ich ihnen Nichts schuldig, denn nie sah ich Leute mit so sonderbaren Kleidern und Gewohnheiten. Ihre Köpfe waren sämmtlich entweder zur Rechten oder Linken gesenkt; das eine Auge war nach innen, das andere gerade auf den Zenith gerichtet. Die äußeren Kleider waren mit den Gestalten von Sonnen, Monden und Sternen geschmückt; diese Figuren waren mit denen von Flöten, Harfen, Fiedeln, Trompeten, Guitarren und anderen Instrumenten vermischt, welche in Europa gänzlich unbekannt sind.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Dritter Theil. | Reise nach Laputa | [1.Kapitel]

Jonathan Swift

Gulliver’s Reisen

Dritter Theil.

Reise nach Laputa

Verlag von Adolph Krabbe

1843

Deutsch von Dr. Fr. Kottenkamp

Illustrationen: Grandville

Erstes Kapitel.

Der Verfasser beginnt seine dritte Reise. Wird von Piraten gefangen genommen. Die Bosheit eines Holländers. Die Ankunft auf einer Insel. Er wird in Laputa aufgenommen.

Ich war kaum zehn Tage zu Hause gewesen, als Kapitän William Robinson aus Cornwallis, Befehlshaber der Hoffnung, eines stark gebauten Schiffes von hundert Tonnen, mich besuchte. Ich war früher Wundarzt auf einem andern Schiffe gewesen, das er als Eigenthümer, nebst dem vierten Theile der Ladung, besaß, und hatte mit ihm eine Reise nach der Levante gemacht. Er hatte mich eher wie ein Bruder, als wie mein vorgesetzter Offizier behandelt. Als er nun meine Ankunft erfuhr, machte er mir einen Besuch, wie ich vermuthete, ausschließlich mir seine Freundschaft zu beweisen, denn zwischen uns ereignete sich Nichts, als wie’s nach längerer Trennung stattzufinden pflegt.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Anhang zu der Reise nach Lilliput

Anhang zu der Reise nach Lilliput

Lilliputaner sind anders als wir Europäer davon überzeugt, daß nichts mehr Sorge und Fleiß erfordert, als die Erziehung der Kinder. Es ist leicht, sagen sie, Kinder zu erzeugen, wie es leicht ist, zu säen und zu pflanzen; aber gewisse Pflanzen zu erhalten, ihnen ein glückliches Gedeihen zu geben, sie gegen die Härte des Winters, gegen die Glut und die Stürme des Sommers, gegen die Angriffe der Insekten zu schützen, endlich ihnen reichliche Früchte abzugewinnen, dies ist die Wirkung der Aufmerksamkeit und der Bemühungen eines geschickten Gärtners.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Zweiter Theil | Reise nach Brobdingnag | [8.Kapitel]

Achtes Kapitel.

Der König und die Königin reisen an die Gränzen. Der Verfasser begleitet sie; ein genauer Bericht von der Weise, wie er das Land verläßt. Er kehrt nach England zurück.

Ich hegte stets die feste Ueberzeugung, daß ich dereinst meine Freiheit wieder erlangen würde, ob es mir gleich unmöglich war, die Mittel zu vermuthen, oder einen Plan der gelingen könnte, zu dem Zwecke zu entwerfen. Das Schiff, worin ich anlangte, war das erste, welches an die Küste verschlagen wurde, und der König hatte strengen Befehl gegeben, ein zweites, welches wieder anlangen möchte, an’s Ufer zu bringen und mit aller Mannschaft in Körben nach Lorbrulgrud zu transportiren.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Zweiter Theil | Reise nach Brobdingnag | [7.Kapitel]

Siebentes Kapitel

Des Verfassers Vaterlandsliebe. Er macht dem König einen Vorschlag, der verworfen wird. Des Königs Unwissenheit in Betreff der Politik. Die Gelehrsamkeit von Brobdingnag ist sehr unvollkommen und beschränkt. Gesetze, Militärangelegenheiten und Staatsparteien.

Liebe zur Wahrheit hat mich allein daran verhindert, den eben angegebenen Theil meiner Geschichte zu unterdrücken. Vergeblich zeigte ich mich böse; mein Zorn ward lächerlich gemacht, und ich mußte geduldig anhören, wie mein geliebtes und edles Vaterland so schmählich gemißhandelt wurde. Es thut mir im Herzen leid, und bei meinen Leser wird dies möglicherweise auch der Fall seyn, daß sich dazu Gelegenheit darbot, allein der König war in jedem Punkte so neugierig und legte mir so viele Fragen vor, daß es sowohl der Dankbarkeit wie der guten Sitte widerstrebt hätte, wenn ich ihm nicht alle mir mögliche Aufklärung gab. Jedoch kann ich zu meiner eigenen Rechtfertigung sagen, daß ich mehreren seiner Fragen auswich, jedem Punkte allmählich eine günstigere Wendung gab, welche bei strengster Wahrheitsliebe schwerlich bestehen könnte. Ich habe nämlich stets die lobenswerthe Parteilichkeit für mein Vaterland gehegt, welche Dionysius von Halicarnaß mit so viel Gerechtigkeit den Historikern anempfiehlt. Ich möchte gern die Schwächen und Häßlichkeiten meiner politischen Mutter verhüllen, und ihre Tugenden und Schönheiten im besten Lichte darstellen. Das war mein aufrichtiges Bestreben in den vielen Unterredungen mit dem Könige von Brobdingnag, obgleich der Ausgang derselben unglücklicherweise nicht günstig ausfiel.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Zweiter Theil | Reise nach Brobdingnag | [6.Kapitel]

Sechstes Kapitel.

Mehrere Erfindungen des Verfassers, um dem Könige und der Königin Vergnügen zu machen. Er zeigt seine Geschicklichkeit in der Musik. Der König erkundigt sich nach dem Zustand von England, worüber ihm der Verfasser berichtet. Des Königs Bemerkungen hierüber.

Ich pflegte einmal oder zweimal wöchentlich mich beim Lever des Königs einzufinden, und hatte ihn schon öfter unter den Händen des Barbiers gesehen, ein Anblick, der mir zuerst wirklich im höchsten Grade furchtbar war, denn das Rasiermesser war noch zweimal so lang als eine gewöhnliche Sense. Einmal vermochte ich es über den Barbier, daß er mir etwas von dem abrasirten Seifenschaum gab, woraus ich vierzig oder fünfzig der stärksten Haarstumpfe hervorsuchte. Alsdann nahm ich ein Stück feinen Holzes und schnitt dies wie den Rücken eines Kammes zu, und machte, so gut es ging, kleine Löcher mit einer Nadel, die mir Glumdalclitch gegeben, hinein. In diese nun steckte ich die Bartstumpfe mit solcher Kunst, indem ich sie mit meinem Messer an der Spitze abschabte und schräg zuspitzte, daß ich einen ziemlich erträglichen Kamm zu Stande brachte. Dies Werkzeug kam mir sehr zu Nutzen, denn der meinige war an den Spitzen bereits so zerbrochen, daß ich ihn beinahe nicht mehr gebrauchen konnte; auch kannte ich keinen so feinen und geschickten Künstler im ganzen Lande, daß derselbe im Stande gewesen wäre, mir einen neuen zu verfertigen.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Zweiter Theil | Reise nach Brobdingnag | [5.Kapitel]

Fünftes Kapitel.

Mehrere Abenteuer, die der Verfasser besteht. Die Hinrichtung eines Verbrechers. Der Verfasser zeigt seine Geschicklichkeit in der Schifffahrt.

Ich würde in diesem Lande sehr glücklich gelebt haben, wenn meine Kleinheit mich nicht mehreren lächerlichen und verdrießlichen Vorfällen ausgesetzt hätte. Einige derselben bin ich hier so frei zu erzählen. Glumdalclitch trug mich oft in meiner kleineren Schachtel zum Hofgarten und pflegte mich herauszunehmen, mich in der Hand zu halten oder mich auf den Boden zu setzen, damit ich umherginge.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Zweiter Theil | Reise nach Brobdingnag | [4.Kapitel]

Viertes Kapitel.

Beschreibung des Landes. Ein Vorschlag, neuere Landkarten zu verbessern. Der Palast des Königs und einige Berichte über die Hauptstadt. Des Verfassers Art zu reisen. Beschreibung des Haupttempels.

Jetzt auch will ich dem Leser eine kurze Beschreibung von Brobdingnag liefern, so weit ich das Land bereist, d. h. nur im Umkreise von zweitausend Meilen im Bereich der Hauptstadt Lorbrulgrud. Die Königin, die ich stets begleitete, ging nämlich niemals weiter, wenn sie mit dem König reiste, und wartete dort, bis Seine Majestät von der Besichtigung der Gränzen zurückgekehrt war. Die Ausdehnung der Besitzungen dieses Fürsten beträgt sechstausend Meilen in der Länge, und drei bis fünftausend Meilen in der Breite. Hieraus zog ich den Schluß, daß unsere Geographen in Europa vollkommen im Irrthum sind, wenn sie vermuthen, nur das Meer liege zwischen Kalifornien und Japan. Es war stets meine Meinung, ein großer Landstrich müsse dazwischen liegen, um das Gleichgewicht gegen das Festland der großen Tartarei wieder herzustellen. Deßhalb sollten die Geographen ihre Karten verbessern und diesen großen Landstrich an den Nordwesten von Amerika anhängen, wobei ich gern bereit bin, ihnen meinen Beistand zu leihen.

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Jonathan Swift | Gulliver’s Reisen | Zweiter Theil | Reise nach Brobdingnag | [3.Kapitel]

Drittes Kapitel.

Der Verfasser kommt an den Hof. Die Königin kauft ihn von seinem bisherigen Herrn. Er disputirt mit den größten Gelehrten Seiner Majestät. Bei Hofe wird ein Zimmer für den Verfasser eingerichtet. Er erwirbt sich die Gunst der Königin. Er vertritt die Ehre seines Vaterlandes. Er zankt sich mit dem Zwerge der Königin.

Leid und Mühseligkeiten, die ich jeden Tag ertragen mußte, bewirkten eine beträchtliche Veränderung in meiner Gesundheit. Je mehr Geld mein Herr durch mich erlangte, desto größer wurde seine Habsucht. Ich hatte bereits die Rundung meines Bauches verloren und war beinahe zum Skelett geworden. Der Pächter bemerkte dies, und vermuthete, ich würde in Kurzem sterben; er beschloß deßhalb, noch so viel Geld wie möglich durch mich zu erwerben. Während er dies überlegte, kam ein Sardral oder ein Kammerherr des Hofes auf Befehl desselben und gebot, mich sogleich zur Unterhaltung der Königin und ihrer Hofdamen in den Palast zu tragen.

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