Das verschleierte Bild zu Sais

Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
Nach Sais in Ägypten trieb, der Priester
Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,
Und kaum besänftigte der Hierophant
Den ungeduldig Strebenden. »Was hab ich,
Wenn ich nicht alles habe?« sprach der Jüngling. Weiterlesen „Das verschleierte Bild zu Sais“

Ritter Toggenburg

»Ritter, treue Schwesterliebe
»Widmet Euch dies Herz;
»Fordert keine andre Liebe,
»Denn es macht mir Schmerz.
»Ruhig mag ich Euch erscheinen,
»Ruhig mag ich sehn;
»Eurer Augen stilles Weinen
»Kann ich nicht verstehn.«

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Die Kindsmörderin

Horch – die Glocken weinen dumpf zusammen,
Und der Zeiger hat vollbracht den Lauf.
Nun, so seis denn! – Nun, in Gottes Namen!
Grabgefährten, brecht zum Richtplatz auf!
Nimm, o Welt, die letzten Abschiedsküsse,
Diese Tränen nimm, o Welt, noch hin!
Deine Gifte – o sie schmeckten süße!
Wir sind quitt, du Herzvergifterin.

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Das Lied von der Glocke

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben. Weiterlesen „Das Lied von der Glocke“

Der Kampf mit dem Drachen

Schiller wollte in seiner Ballade Der Kampf mit dem Drachen die Vereinigung von ritterlicher und christlicher Demut zur Anschauung bringen. Trotz des Verbotes des Ordens-Großmeisters kämpft Ritter Gozon gegen einen gefürchteten Drachen und wird trotz seines heroischen Sieges für diesen Frevel bestraft. Diese längste von Schillers Balladen entstand im August 1798 und war erstmals imMusenalmanach auf das Jahr 1799 zu finden.

Was rennt das Volk, was wälzt sich dort
Die langen Gassen brausend fort?
Stürzt Rhodus unter Feuers Flammen?
Es rottet sich im Sturm zusammen,
Und einen Ritter, hoch zu Roß,
Gewahr ich aus dem Menschentroß,
Und hinter ihm, welch Abenteuer!
Bringt man geschleppt ein Ungeheuer,
Ein Drache scheint es von Gestalt,
Mit weitem Krokodilesrachen,
Und alles blickt verwundert bald
Den Ritter an und bald den Drachen.
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