Palmsonntag

Jubelnd, Palmen in den Händen,
Palmen streuend auf den Pfad,
Neuen Frühlings süße Spenden,
Um den Herrn die Menge naht.

Kinderunschuld, Männer, Frauen,
Immer größer wird die Schar,
Alle auf den Einen schauen,
Auf den König wunderbar.

„Hosianna, Tesse`s Rose,
Fürst der Friedenspalmen schwingt,
Der aus dunklem Todesschlooße
Leben neu der Erde bringt!”

Doch der Herr schaut düster ragen
Schon des Kreuzes dürren Stamm,
Sieht sich selbst daran geschlagen
Als der Sünder Opferlamm

Was gesündigt war vom Stolze,
Wird durch Demut nun gebüßt;
Aus dem dürren Todesholze
Licht des Lebens Palme sprießt.

Und die Welt mag Palmen brechen:
Unschuld, Liebe, Opfersinn!
Mag in Himmelsfrieden sprechen:
„Dank, daß ich erlöset bin!”


Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
über den Dichter: wurde in Hadamar (Hessen) geboren und ist in Dombach bei Camberg gestorben. Franz Alfred Muth war Kaplan in Limburg an der Lahn, Domkaplan in Frankfurt am Main und ab 1871 Pfarrer in Dombach