Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen. [6]

Ein Besuch des Niagara.

Das Städtchen ›Niagara Falls‹ ist ein sehr beliebter Vergnügungsort, die Gasthäuser sind vortrefflich und die Preise durchaus nicht übertrieben. Eine bessere Gelegenheit für den Fischfang gibt es im ganzen Lande nicht, ja, sie ist sogar nirgends auch nur annähernd so gut wie hier, denn, während anderswo gewisse Stromstellen den übrigen bedeutend vorzuziehen sind, ist am Niagara eine Stelle gerade so gut wie die andere. Der Fisch beißt hier nämlich nirgends an, und so ist es ganz überflüssig, daß man erst fünf Meilen weit geht, um zu fischen, weil man fest darauf rechnen kann, daß man näher am Hause ebensowenig Erfolg haben wird. Dieser Zustand der Dinge hat Vorzüge, welche dem Publikum noch niemals recht zu Gemüt geführt worden sind.

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Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen. [5]

Ein türkisches Bad.

Wenn ich daran denke, wie ich durch Beschreibungen von Reisen im Orient beschwindelt worden bin, so könnte ich ganz rasend werden. Jahraus, jahrein habe ich von den Wundern des türkischen Bades geträumt, und jahraus, jahrein habe ich mir versprochen, ich solle noch eines zu genießen bekommen. Ach, wie oft habe ich in Gedanken in dem Marmorbade gelegen und die einschläfernden Düfte morgenländischer Gewürze, welche die Luft erfüllten, eingeatmet; habe dann eine geheimnisvolle und verwickelte Prozedur von Ziehen und Recken, Naßmachen und Abreiben durchgemacht, welche von einer Schar nackter Wilder ins Werk gesetzt wurde, die gleich Dämonen in den dampfenden Nebeln auftauchten; habe dann eine Weile auf einem Diwan, der sich für einen König paßte, ausgeruht; bin darauf durch eine zweite Feuerprobe und zwar durch eine furchtbarere als die erste hindurchgegangen und schließlich, in weiche Stoffe gehüllt, in einen fürstlichen Saal gebracht und auf ein Bett von Eiderdunen gelegt worden, wo Eunuchen in prachtvoller Tracht mir Kühlung zufächelten, während ich in träumerischem Halbschlummer dalag oder mit Behagen auf die reichen Behänge des Gemachs, die weichen Teppiche, die prächtigen Hausgeräte und Bilder hinschaute, köstlichen Kaffee trank, das beruhigende Nargileh rauchte und zuletzt, eingelullt von wollüstigen Düften aus ungesehenen Räucherpfannen, von dem sänftigenden Einflusse des persischen Tabaks und von der Musik plätschernder Springbrunnen, die das Tröpfeln eines Sommerregens nachahmten, in ruhigen Schlaf versank.

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Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen. [4]

Die Ameise.

Auf einer Wanderung im badischen Schwarzwald verfolgte ich einmal mit Aufmerksamkeit die Ameise bei ihrer emsigen Arbeit. Ich entdeckte jedoch nichts Neues an ihr, und besonders nichts, was mir eine höhere Meinung von ihr beigebracht hätte.

Mir scheint, daß die Ameise außerordentlich überschätzt wird, besonders was ihren Verstand betrifft. Ich habe sie nun schon manchen Sommer hindurch beobachtet, während ich etwas Besseres hätte tun können, und bis jetzt habe ich noch keine einzige gesehen, die bei ihrer Arbeit auch nur den geringsten Sinn und Verstand gezeigt hätte.

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Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen. [3]

Staatswirtschaft.

»Die Staatswirtschaft,« schrieb ich, »ist die Grundlage einer jeden guten Regierung. Die weisesten Männer aller Jahrhunderte haben diesem Gegenstand stets –«

Hier wurde ich durch die Meldung unterbrochen, daß ein Fremder unten sei, der mich zu sprechen wünsche. Ich folgte dem Ruf, trat vor ihn hin und fragte nach seinem Begehr. Dabei war ich aus allen Kräften bemüht, die in mir gärenden staatswirtschaftlichen Gedanken festzuhalten und ihnen weder die Zügel schießen zu lassen noch zu dulden, daß sie sich im Geschirr verwickelten. Heimlich wünschte ich jedoch, der Fremde läge auf dem Grunde des Meeres und auf ihm eine Ladung Getreide, Ich war wie im Fieber; er blieb völlig kühl. Es tue ihm leid mich zu stören, sagte er, aber er habe im Vorbeigehen bemerkt, daß ich auf meinem Haus ein paar Blitzableiter brauchen könne. »Nun – und –« sagte ich, »was weiter, was wollen Sie?« Er entgegnete, er wolle nichts weiter, nur würde er die Blitzableiter gern bei mir anbringen.

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Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen. [2]

Berliner Eindrücke.

Berlin hat mich im höchsten Grade überrascht. Keine Beschreibung, die ich früher in Büchern gelesen habe, trifft mehr zu. Das Berlin, wie es im vorigen Jahrhundert und noch in der ersten Hälfte des jetzigen war, die schmutzige, einförmige, häßliche Stadt, ist wie vom Erdboden verschwunden. Nur der Grund, auf dem sie stand, hat noch eine Geschichte und alte Überlieferungen, – Berlin selbst ist ganz neu, die neueste Stadt, die mir jemals vorgekommen ist.

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Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen. [1]

Die 1,000,000 Pfundnote
und
andere humoristische Erzählungen und Skizzen.

Vorsatzblatt

Mit siebenundzwanzig Jahren bekleidete ich in San Francisco eine Stelle auf dem Kontor eines Minenmaklers, und hatte mir dabei eine gründliche Kenntnis dieses Geschäftszweiges nach allen Richtungen erworben. Ich stand allein auf der Welt und nannte nichts mein eigen als meinen gesunden Verstand und einen steckenlosen Ruf; doch hatten sich diese beiden Güter mir bisher als kräftige Stützen auf meinem Wege zum Glück erwiesen, und so schaute ich frohen Mutes in die Zukunft.

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Brigitte Augusti | Mädchenlose | 2. Buch (10 und Schluß)

Zehntes Kapitel

Im Myrtenkranz

Noch einen Blick werfen wir auf die uns wohlbekannten Personen, welche an einem der letzten Tage des scheidenden Jahres an der reich und festlich geschmückten Tafel des Westheimschen Hauses vereinigt sind, um Ernas Ehrentag zu feiern. An der Spitze sitzt das junge, eben vermählte Paar, und sein Anblick ist wohl geeignet, die Herzen der beiderseitigen Eltern mit Dank und Freude zu erfüllen. Erna ist eine holdselige Braut; aus den großen Augen strahlt volle, tiefe Befriedigung; ihre ganze Erscheinung ist umflossen von dem Zauber blühender Jugend und bräutlichen Glückes. Der schöne, hohe Mann an ihrer Seite blickt mit zärtlichem Entzücken auf sein junges Weib, das schon als kaum erschlossene Knospe sein Herz gefangen nahm, um es nie wieder loszulassen. Die zwei Jahre des Wartens haben seine Liebe vertieft, sein Inneres gereift und ihm den Stempel edelster, charaktervoller Männlichkeit sichtbar aufgeprägt. – Frau v. Westheim ist immer noch eine höchst anziehende Erscheinung; ihre Blicke ruhen mit mütterlichem Stolz auf der lieblichen Tochter, doch mischt sich schon die tiefe Wehmut des Scheidens darein; verliert sie doch an ihrem Kinde zugleich eine Freundin, mit der sie in den letzten Jahren jede Empfindung, jede Ansicht teilen konnte, bei der sie immer volles Verständnis und lebendigste Teilnahme fand.

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Brigitte Augusti | Mädchenlose | 2. Buch (9)

Neuntes Kapitel

Was daraus wurde

Den 30. Juli,

Tage vergehen in stillem Abschiednehmen von allem, was mir hier lieb und teuer geworden ist; ich möchte jede schöne Stelle zeichnen, um wenigstens ein schwaches Abbild davon mitzunehmen. Gestern vormittag erhielt ich einen Brief vom Papa, der mir schreibt, er käme am 31., um mich abzuholen, ich möchte für einige Stunden die Gastfreundschaft des Hauses für ihn erbitten, abends führen wir weiter, um Mama entgegenzureisen. Eine reizende Aussicht! – Ich eilte mit dieser Botschaft zu Frau Klingemann, sie nahm die Anmeldung sehr freundlich auf und sagte dann in herzlich warmem Ton:

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Brigitte Augusti | Mädchenlose | 2. Buch (8)

Achtes Kapitel

»Zu wohlthätigem Zwecke«

Den 25. Juli.

Alles ist vorüber! nach der Aufregung der letzten Woche, nach all der angestrengten Thätigkeit ist es heute wunderbar still. Wenn wir unsern klingenden Erfolg ansehen, der sich immer noch durch Zusendungen vermehrt, wenn wir an all die Lobsprüche denken, die uns zu teil geworden sind, so können wir nur dankbar sagen: es war gelungen! Laß Dir nun alles genau berichten, meine teure Mama, Du hast lange nichts Ausführliches von mir gehört, nur flüchtige Briefchen erhalten, und ich weiß doch, daß Du herzlichen Anteil an unserm Unternehmen nimmst.

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Brigitte Augusti | Mädchenlose | 2. Buch (7)

Siebentes Kapitel

Große Pläne

Den 14. Juli.

Wir haben Frau Klingemanns Geburtstag heute still und einfach begangen, nur der Morgen trug ein festliches Gepräge. Schon am Abend vorher hatten wir eine Menge von Kränzen geflochten und damit die Veranda und das Grab des verstorbenen Sohnes ausgeschmückt, denn der erste Gang der lieben Frau an diesem Tage gilt dieser Stätte, niemand als ihr Mann darf sie begleiten. Als die beiden von ihrer stillen Trauerfeier zurückkehrten, standen wir andern alle im Wohnzimmer bereit und empfingen sie mit dem Gesänge: O, wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen. Nach der Betrachtung sangen wir, Tante Emma, Rose und ich, das Engelterzett aus dem Elias: Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von denen dir Hilfe kommt.

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