Halloween

Jack O´Lantern

lantern

So sicher, wie in jedem Jahr das Christkind erscheint, der Osterhase im Frühling durch die Gärten hoppelt, genau so sicher und zuverlässig  wurde ich ab ca. Mitte Oktober durch schrille, wütende Schreie meiner Frau Lynn aufgeschreckt. Gott, dachte ich. Entsetzt sprang ich auf, eilte ins Wohnzimmer und fand sie hektisch mit den Armen rudernd vor dem Fernseher sitzend vor. Mit Mühe verkniff ich mir ein Lachen, als ich den Bericht sah, der gerade dort zu sehen war. In dem ging es, wie oft im Oktober, um Halloween.

DIE LERNEN´s EINFACH NICHT!„, rief sie empört. Ach ja, ich konnte mir schon denken, was jetzt auf die armen Redakteure zu kam.

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Zum 1. Advent

AdventFlowerShop01Morgen, am Sonntag, ist der 1. Advent. Nur für die, denen es entgangen sein sollte.
Ich versuche einmal, aus meinem alten Gedächtnis heraus zu aktivieren, was ich über diesen Tag weiß.

In der katholischen und evangelischen Kirche beginnt am Ersten Advent das Kirchenjahr.  Das wissen vermutlich in der heutigen Zeit nur noch Wenige. Aber dass man an diesem Tag das erste Kerzlein am Adventskranz anzündet, wahrscheinlich so ziemlich Alle.
Dabei ist dieser Brauch weitaus jünger. Sehr viel jünger. Er entstand erst im frühen 19. Jahrhundert, als ein gewisser Johann Hinrich Wichern, seinenWichern_01 Zöglingen im Rauhen Haus in Hamburg im Dezember 1839 an jedem Tag im Advent eine Kerze entzündete und auf einen Holzkranz steckte. Damals waren es weitaus mehr Kerzen, als heutzutage, nämlich 4 große weiße Kerzen für jeden Adventssonntag, und 19 kleine rote Kerzen, für jeden Werktag bis zum Heiligen Abend.
Für uns als Kinder, in einer Zeit, als die Lebkuchen noch nicht Ende September schon zum Kauf angeboten wurden, begann ab diesem Tag die Weihnachtszeit. Voller Spannung, die ihren Höhepunkt am Heiligen Abend fand, und kaum noch zu ertragen war.
Wir vertrieben uns die Zeit mit Schlittenfahren, Schneeballschlachten und dem Bauen ganzer Armeen von Schneemännern.
Am Nachmittag, wenn es dunkel wurde, fielen wir hungrig und mit blaugefrorenen Ohren und Nasen wieder zu Hause ein. Dann wurden Plätzchen gebacken, das ganze Haus duftete nach Kakao, Tannengrün und Kerzen. Und nach unseren Weihnachtsapfelsinen. Dazu wurden Orangen so dicht mit Gewürznelken gespickt, dass die Schale kaum noch sichtbar war. Mit einem farbigen Band wurden sie dann im ganzen Haus aufgehängt und dufteten wochenlang Weihnachten entgegen.
Eine Sache gibt es noch: Bratäpfel! Matschig, mit Zucker und Zimt, – welch ein Genuss! Abends sassen wir im Wohnzimmer zusammen. Mama las lustige Geschichten vor, manchmal sangen wir und meine Schwester spielte auf der Blockflöte. Himmel, klang das schaurig! Und doch war es schön. Sehr schön. Wir waren eine Familie und an solchen Abenden waren wir uns dessen mehr bewusst, als das ganze Jahr über. Mama erzählte von dem Jesuskind, dessen Geburt kurz bevorstand. Was hatten wir Mitleid, mit dieser armen Familie! Die hatten es nicht so schön wie wir. Einzig ich beneidete das Jesuslein ein ganz klein wenig. Es hatte, was meine Eltern mir niemals erlauben würden: Einen echten Esel neben seinem Bettchen stehen.
Und nun muss ich langsam aus dem Haus. Ich brauche dringend noch Gewürznelken und Orangen.
Allen meinen Lesern wünsche ich einen besinnlichen, friedvollen 1. Advent.