Die Edda | 33. Oddrûnargrâtr

33. Oddrûnargrâtr.Oddruns Klage.

Heidrek hieß ein König, seine Tochter hieß Borgny und Wilmund ihr Geliebter. Sie konnte nicht gebären bis Oddrun hinzu kam, Atlis Schwester. Die war Gunnars Geliebte gewesen, des Sohnes Giukis. Von dieser Sage ist hier die Rede.

1 Ich hörte sagen   in alten Geschichten,
Daß eine Maid kam   gen Morgenland.
Niemand wuste   auf weiter Erde
Der Tochter Heidreks   Hülfe zu leisten.

2 Das hörte Oddrun,   Atlis Schwester,
In schweren Wehen   winde die Jungfrau sich.
Sie zog aus dem Stalle   den scharfgezäumten
Und schwang dem Schwarzgaul   den Sattel auf.

3Sie spornte den schnellen   den ebnen Sandweg

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Die Edda | 32. Gudhrûnarkvidha thridhja

Das dritte Gudrunenlied.

Herkia hieß eine Magd Atlis, die seine Geliebte gewesen war. Sie sagte dem Atli, sie habe Dietrich und Gudrun beide beisammen gesehen. Darüber ward Atli sehr verstört. Gudrun sprach:

1 Was ist dir, Atli,   du Erbe Budlis?
Was belädt dir das Herz?   Du lachst nicht mehr.
Vielen Fürsten   gefiel’ es beßer,
Sprächst du mit den Leuten   und sähst mich an.Atli.

2 Mich grämt, Gudrun,   Giukis Tochter,
Was hier in der Halle   mir Herkia sagte:
Unter Einer Decke   mit Dietrich schliefst du,
Los in das Leintuch   lägt ihr gehüllt.Gudrun.

3 Über das Alles   Eide leist ich dir
Bei jenem geweihten   weißen Stein,
Daß ich mit Dietmars Sohne   nicht zu schaffen hatte
Was dem Herren   gehört und dem Gatten.

4 Hab ich den Herzog   umhalst etwa,
Den Unbescholtnen   einmal vielleicht,
Auf Andres zielten   unsre Gedanken,
Da harmvoll Zwiegespräch   wir Zweie hielten.

5 Zu dir kam Dietrich   mit dreißig Mannen:
Nicht Einer lebt ihm   von allen dreißigen.
Bring deine Brüder   in Brünnen hieher,
Mit deinen nächsten   Neffen umgieb mich.

6 Bescheide der Sachsen,   der südlichen, Fürsten,
Der zu weihen weiß   den heiligen Keßel. —

7 In die Halle traten   siebenhundert Helden
Eh die Hand die Königin   in den Keßel tauchte.

Gudrun.

8 Nicht kommt mir Gunnar,   nicht klag ichs dem Högni,
Nie soll ich mehr sehen   die süßen Brüder.
Rächen würde Högni   den Harm mit dem Schwert.
So muß ich selber   von Schuld mich reinigen. —

9 Sie tauchte die weiße   Hand in die Tiefe,
Griff aus dem Grunde   die grünen Steine:
„Schaut nun, Fürsten,   schuldlos bin ich,
Heil und heilig,   wie der Hafen walle.“

10 Da lachte dem Atli   im Leibe das Herz
Als er heil sah   die Hände Gudruns:
„So soll nun Herkia   zum Hafen treten,
Welche der Gudrun   wähnte zu schaden.“

11 Nie sah Klägliches   wer nicht gesehn hat
Wie da Herkias   Hände verbrannten.
Sie führten die Maid   zum faulenden Sumpf:
So ward Gudrun   vergolten der Harm.

Die Edda | 31. Gudhrûnarkvidha önnur.

Das andere Gudrunenlied


König Dietrich war bei Atli und hatte dort die meisten seiner Mannen verloren. Dietrich und Gudrun klagten einander ihr Leid. Sie sprach zu ihm und sang:
1 Die Maid der Maide   erzog mich die Mutter
Im leuchtenden Saal.   Ich liebte die Brüder,
Bis mich Giuki   mit Gold bereifte,
Mit Gold bereifte   und Sigurden gab.

2 So war Sigurd   bei den Söhnen Giukis
Wie über Halme   sich hebt edler Lauch,
Wie hoch der Hirsch ragt   über Hasen und Füchse
Und glutrothes Gold scheint   über graues Silber.

3 Bis mir nicht gönnen   mochten die Brüder
Den Helden zu haben,   den hehrsten aller.
Sie mochten nicht ruhen,   nicht richten und schlichten
Bis sie Sigurden   erschlagen ließen.

4 Vom Thinge traurig   traben hört ich Grani;
Sigurden selber   sah ich nicht.
Alle Rosse waren   roth von Blut
Und in Schweiß geschlagen   von den Schächern.

5 Gramvoll ging ich   mit Grani reden,
Befragte das Pferd   mit der feuchten Wange;
Da senkte Grani   ins Gras das Haupt:
Wohl wuste der Hengst,   sein Herr sei todt.

6 Lange zaudert’ ich,   zweifelte lange
Bevor ich den Volkshirten   frug nach dem König.
7 Gunnar hing das Haupt;   doch Högni sagte
Mir meines Sigurd   mordlichen Tod:
Jenseits des Stroms (Rheins)   erschlagen liegt er,
Den Guthorm fällte,   zum Fraß den Wölfen.

8 Sieh den Sigurd   gegen Süden dort,
Höre Krähen   krächzen und Raben,
Adler jauchzen   der Atzung froh,
Und Wölfe heulen   um deinen Helden. —

9 „Wie hast du mir, Högni,   des Harms soviel,
Dem wonnewaisen   Weibe gesagt?
Daß Raben und Falken   das Herz dir zerführten
Weiter über Land   als du Leute kennst!“

10 Högni antwortete   mit einem Mal
Des sanften Sinnes   mit Schmerz beraubt:
„Das gäbe dir, Gudrun,   erst Grund zu weinen,
Wenn Mir auch die Raben   zerrißen das Herz!“
11 Vor ihrem Anblick   einsam ging ich da,
Die Brocken zu lesen   von der Wölfe Leichenschmaus.
Ich schluchzte nicht,   noch schlug ich die Hände,
Brach nicht in Klagen aus   wie Brauch ist der Frauen,
Da ich schmerzvoll saß   über Sigurden.

12 Die Nacht dauchte mich   Neumonddunkel,
Da ich sorgend saß   über Sigurds Leiche.
Viel sanfter würden   die Wölfe mir scheinen,
Ließen sie mich   das Leben missen,
Oder brennte man mich   wie Birkenholz.
13 Ich fuhr aus dem Forst;   nach der fünften Nacht
Naht ich den hohen   Hallen Alfs.
Sieben Halbjahre   saß ich bei Thora,
Hakons Maid   in Dänemark.
14 In Gold stickte sie   mich zu zerstreuenIn deutschen Sälen   dänische Wikinge.
15 Wir bildeten künstlich   der Krieger Spiele,
Die Helden der Herscher   in Handgewirke;
Rothe Ränder,   Recken des Hunnenlands,
Mit Helm und Harnisch   der Herscher Geleit.

16 Vom Strande segelten   Sigmunds Rosse
Mit goldnem Schiffshaupt,   geschnitztem Steuer.
Wir wirkten und webten   die Waffenthaten
Sigmunds und Siggeirs   südlich in Frone.

17 Da hörte Grimhild,   die gotische Frau,
Wie tief ihre Tochter   betraure den Gemahl.
Sie warf ihr Gewebe fort,   winkte den Söhnen,
Das zu erfahren   frug sie und sprach:
Wer Buße wolle   der Schwester bieten,
Den erschlagnen Gatten   vergelten der Frau?

18 Gunnar erbot sich   ihr Gold zu bieten,
Ihren Harm zu sühnen,   und so auch Högni.
Da fragte sie ferner,   wer fahren wolle
Die Säumer zu satteln,   die Wagen zu schirren,
Den Hengst zu tummeln,   den Habicht zu werfen,
Den Bolzen zu schießen   vom Eibenbogen?

19 Waldar den Dänen   und Jarisleif,
Eimod zum dritten   und Jarisskar
Führten sie vor mich,   Fürsten gleich.
Rothe Waffenröcke trugen   des Langbärtgen Recken,
Hohe Helme   und helle Brünnen,
Breite Schwerter,   die braungelockten.

20 Ein Jeder verhieß mir   herlichen Schmuck,
Herlichen Schmuck   mit schmeichelnden Reden,
Ob sie mich möchten   für manches Leid
Auf Trost vertrösten;   aber ich traute nicht.

21 Grimhild brachte   den Becher mir dar,
Den kalten, herben,   daß ich Harms vergäße.
Der Kelch war gekräftigt   aus der Quelle Urds,
Mit urkalter See   und sühnendem Blut.
22 In das Horn hatten sie   allerhand Stäbe
Röthlich geritzt;   ich errieth sie nicht.
Den langen Lindwurm   des Lands der Haddinge,
Ungeschnittne Ähre   und Eingang von Thieren.

23 Im Gebräude beisammen   war Bosheit viel,
Allerlei Wurzeln   und Waldeckern,
Thau des Heerdes   und Thiergeweide,
Gesottne Schweinsleber,   die den Schmerz betäubt.

24 So vergeben   vergaß ich da
Der Gespräche Sigurds   all im Saal.
Könige kamen   vor die Kniee mir drei
Ehe sie selber   naht’ und sagte:

25 „Ich gebe dir, Gudrun,   das Gold empfange,
Dein volles Erbgut   nach des Vaters Tod,
Blanke Ringe,   die Burgen Hlödwers
Und des todten Fürsten   Fahrniss all.

26 Hunische Töchter,   die Teppiche wirken
Und Goldgürtel,   dich zu ergetzen.
Du allein sollst schalten   über die Schätze Budlis
Mit Gold begabt   als die Gattin Atlis.

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Die Edda | 30. Drâp Niflunga

30. Drâp Niflunga.
Mord der Niflunge.

Gunnar und Högni nahmen da alles Gold, Fafnirs Erbe. Da entstand Feindschaft zwischen den Giukungen und Atli. Denn er beschuldigte die Giukungen, sie seien an Brynhilds Tode Schuld. Da verglichen sie sich dahin, daß sie ihm Gudrun zur Ehe gäben. Dieser aber gaben sie einen Vergeßenheitstrank zu trinken ehe sie einwilligte, daß sie dem Atli vermählt würde. Atlis Söhne waren Erp und Eitel; aber Gudruns Tochter von Sigurd war Swanhild. König Atli lud Gunnar und Högni zum Gastgebot, wozu er sich als Boten des Wingi oder Knefröd bediente. Gudrun ahnte Tücke und schickte in runischen Zeichen Warnungsworte, daß sie nicht kommen sollten und zum Wahrzeichen schickte sie dem Högni den Ring Andwaranaut, an den sie Wolfshaare knüpfte. Gunnar hatte Oddrun, Atlis Schwester, zur Gemahlin begehrt, aber nicht erhalten. Da vermählte er sich der Glömwera und Högni der Kostbera. Deren Söhne waren Solar, Snäwar und Giuki. Als aber die Giukungen zu Atli kamen, da bat Gudrun ihre Söhne, daß sie der Giukungen Leben erbäten; aber sie wollten das nicht. Dem Högni ward das Herz ausgeschnitten und Gunnar in den Schlangenthurm geworfen. Er schlug die Harfe und sang die Schlangen in den Schlaf; aber eine Natter durchbohrte ihn bis zur Leber.

Die Edda | 29. Gudhrûnarkvidha fyrsta.

Das erste Gudrunenlied.

Gudrun saß über dem todten Sigurd; sie weinte nicht wie andere Frauen, aber schier wäre sie vor Leid zersprungen. Auch traten Frauen und Männer hinzu sie zu trösten; aber das war nicht leicht. Es wird gesagt, Gudrun habe etwas gegeßen von Fafnirs Herzen und seitdem der Vögel Stimmen verstanden. Auch dieß wird von Gudrun gesagt:

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Die Edda | 28. Helreidh Brynhildar.

Brynhildens Todesfahrt.

Nach Brynhildens Tode wurden zwei Scheiterhaufen gemacht, Einer für Sigurd, und der brannte zuerst; darnach ward Brynhild verbrannt, und lag sie auf einem Wagen, der mit Prachtgeweben umzettelt war. Es wird erzählt, daß Brynhild auf dem Wagen den Helweg fuhr und durch eine Höhle kam, wo ein Riesenweib wohnte. Das Riesenweib sprach:

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Die Edda | 27. Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja.

27. Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja.Das dritte Lied von Sigurd dem Fafnirstödter.1Einst geschahs, daß Sigurd   Giuki besuchen kam,

Der junge Wölsung,   des Wurms Besieger.
Mit beiden Brüdern   schloß er den Bund;
Eide schwuren sich   die Unverzagten.

2Eine Maid bot man ihm   und Menge des Schatzes,

Die junge Gudrun,   Giukis Tochter.
Traulich tranken   der Tage manchen
Sigurd der junge   und die Söhne Giukis

3Bis sie um Brynhild   zu bitten fuhren,

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Die Edda | 26. Brot af Brynhildarkvidhu.


26. Brot af Brynhildarkvidhu.
Bruchstück (?) eines Brynhildenliedes.
Högni.
1
Wie bist du, Gunnar, Giukis Erzeugter,
Zur Rache bereit und mordlichem Rath?
Was hat so Schweres Sigurd verbrochen,
Daß du dem Kühnen willst kürzen das Leben?

Gunnar.
2
Mir hat Sigurd Eide geschworen,
Eide geschworen und alle gebrochen.
Treulos täuscht’ er mich, als er in Treue mir
Seine Schwüre bewähren sollte.

Högni.
3
Dich hat Brynhild Böses zu thun
Im Zorn gereizt zu Rachsucht und Mord.
Gudrunen gönnt sie so gute Ehe nicht,
Sie selbst zu besitzen, sie missgönnt es dir. —

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Die Edda | 25. Sigrdrîfumâl.

25. Sigrdrîfumâl.Das Lied von Sigurdrifa.

Sigurd ritt hinaus nach Hindarfiall und wandte sich südwärts gen Frankenland. Auf dem Berge sah er ein großes Licht gleich als brennte ein Feuer, von dem es zum Himmel emporleuchtete. Aber wie er hinzukam, stand da eine Schildburg und oben heraus ein Banner. Sigurd ging in die Schildburg und sah, daß da ein Mann lag und schlief in voller Rüstung. Dem zog er zuerst den Helm vom Haupt: da sah er, daß es ein Weib war. Die Brünne war fest als wär sie ans Fleisch gewachsen. Da ritzte er mit Gram die Brünne durch vom Haupt herab und darnach auch an beiden Armen. Darauf zog er ihr die Brünne ab; aber sie erwachte, richtete sich empor, sah den Sigurd an und sprach:1Was zerschnitt mir die Brünne?   Wie brach mir der Schlaf?

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Die Edda |

24. Fafnismâl.Das Lied von Fafnir.

Sigurd und Regin fuhren aufwärts zur Gnitahaide und fanden da Fafnirs Weg, auf dem er zum Waßer kroch. Da machte Sigurd eine große Grube im Wege und stellte sich hinein. Als aber Fafnir von seinem Golde kroch, blies er Gift von sich und das fiel dem Sigurd von oben aufs Haupt. Als aber Fafnir über die Grube wegglitt, stach ihm Sigurd das Schwert ins Herz. Fafnir schüttelte sich und schlug mit Haut und Schweif. Da sprang Sigurd aus der Grube, wo denn Einer den Andern sah. Fafnir sprach:1Gesell und Gesell,   welcher Gesell erzeugte dich,

Was bist du mir ein Menschenkind?
Der in Fafnir färbtest   den funkelnden Stahl;
Mir haftet im Herzen dein Schwert.


Aber Sigurd verhehlte seinen Namen, weil es im Altertum Glaube war, daß eines Sterbenden Wort viel vermöchte, wenn er seinen Feind mit Namen verwünschte. Er sprach:2Wunderthier heiß ich,   ich wank umher,

Ein Kind, das keine Mutter kennt.
Auch miss ich den Vater,   den Menschen sonst haben,
Ich gehe einsam, allein.Fafnir.3Missest du den Vater,   den Menschen sonst haben,

Welches Wunder erzeugte dich?Sigurd.4Mein Geschlecht   ist dir schwerlich kund

Und ich selber auch nicht.
Sigurd heiß ich,   Sigmund hieß mein Vater;
Meine Waffe verwundete dirFafnir.5Wer reizte dich?   Wie ließest du dich reizen

Mein Leben zu morden,
Klaräugiger Knabe?   kühn war dein Vater:
Dem Ungebornen vererbt’ er den Sinn.Sigurd.6Mich reizte das Herz;   die Hände vollbrachtens

Und mein scharfes Schwert.
Keiner ist kühn,   wenn die Jahre kommen,
Der von Kindesbeinen blöd war.Fafnir.7Wärst du erwachsen   an der Verwandten Brust,

Man kennte dich kühn im Kampfe;
In Haft bist du hier,   ein Heergefangner:
Stäts, sagt man, bebt der Gebundne.Sigurd.8Welcher Vorwurf, Fafnir,   als ob ich fern wär

Meinem Mutterlande?
Nicht war ich in Haft hier,   auch als Heergefangner;
Du fühlst wohl, daß ich frei bin.Fafnir.9Einen Vorwurf findest du   in freundlichem Wort;

Aber Eins verkünd ich dir:
Das gellende Gold,   der glutrothe Schatz,
Diese Ringe verderben dich.Sigurd.10Goldes walten   will ein Jeder

Stäts bis an den Einen Tag.
Denn Einmal muß   jeder Mann doch
Fahren von hinnen zu Hel.Fafnir.11Du nimmst für Nichts   der Nornen Spruch,

Mein Wort für unweise Rede.
Doch ertrinkst du im Waßer,   ob du beim Winde ruderst:
Alles sterbt ihn, der sterben soll. 12Der Schreckenshelm   schützte mich lange,

Da ich über Kleinoden kroch;
Allein daucht ich mich   stärker als alle
Und fand selten meinen Mann.Sigurd.13Keinen mag schützen   der Schreckenshelm,

Wo Zornige kommen zu kämpfen.
Wer mit Vielen ficht   befindet bald:
Keiner ist allein der Kühnste.Fafnir.14Gift blies ich,   da ich auf dem Golde lag,

Dem Vielen, meines Vaters.Sigurd.15Wohl warst du furchtbar,   du funkelnder Wurm;

Ein hartes Herz erhieltest du.
Der Muth schwillt mächtig   den Menschensöhnen,
Die solchen Helm haben.

16Laß dich fragen, Fafnir,   da du vorschauend bist

Und wohl Manches weist:
Welches sind die Nornen,   die nothlösend heißen
Und Mütter mögen entbinden?Fafnir.17Verschiedenen Geschlechts   scheinen die Nornen mir

Und nicht Eines Ursprungs.
Einige sind Asen,   andere Alfen,
Die dritten Töchter Dwalins.Sigurd.18Laß dich fragen, Fafnir,   da du vorschauend bist

Und wohl Manches weist:
Wie heißt der Holm,   wo Herzblut mischen
Surtur einst und Asen?Fafnir.19Oskopnir (unvermeidlich) heißt er,   wo alle Götter

Dereinst mit Speren spielen.

Bifröst bricht   eh beide sich scheiden
Und im Strome schwimmen die Rosse.

20Nun rath ich dir, Sigurd,   nimm an den Rath

Und reit heim von hinnen.
Das gellende Gold,   der glutrothe Schatz,
Diese Ringe verderben dich.Sigurd.21Rath ist mir gerathen;   ich reite dennoch

Zu dem Hort auf der Haide.
Du Fafnir lieg   in letzten Zügen
Bis du hin must zu Hel.Fafnir.22Regin verrieth mich,   er verräth auch dich,

Er bringt uns beiden den Tod.
Sein Leben muß   nun Fafnir laßen,
Deine Macht bemeistert mich.


Regin war fortgegangen, während Sigurd Fafnirn tödtete; er kam zurück, als Sigurd das Blut vom Schwerte wischte. Regin sprach:23Heil dir nun, Sigurd,   du hast Sieg erkämpft

Und den Fafnir gefällt.
Von allen Männern,   die auf Erden wandeln,
Acht ich dich den Unverzagtesten.Sigurd.24Ungewiss bleibt,   wo alle vereint sind,

Der Sieggötter Söhne,
Welcher der unverzagteste ist:
Mancher ist kühn,   der die Klinge nie
Barg in des Andern Brust.Regin.25Stolz bist du, Sigurd,   und siegesfreudig,

Da du Gram im Grase wischest.
Den Bruder hast du   mir umgebracht;
Doch trag ich selbst der Schuld ein Theil.Sigurd.26Du riethest dazu,   daß ich reiten sollte

Über die heiligen Berge her.

Gut und Leben gegönnt wär   dem glänzenden Wurm,
Triebest du mich nicht zur That.


Da ging Regin zu Fafnir und schnitt ihm das Herz aus mit dem Schwerte, das Ridil heißt und trank dann das Blut aus der Wunde.Regin.27Sitze nun, Sigurd;   ich schlafe derweil,

Und halte Fafnirs   Herz ans Feuer.
Ich will das Herz   zu eßen haben
Auf den Bluttrunk,   den ich trank.Sigurd.28Fern entflohst du,   während in Fafnir ich

Röthete das scharfe Schwert.
Meine Stärke setzt ich   wider den starken Wurm,
So lange du auf der Haide lagst.Regin.29Lange liegen   ließest du auf der Haide

Jenen alten Joten,
Wenn du das Schwert nicht schwangst,   das ich dir schuf,
Die wohlgewetzte Waffe.Sigurd.30Muth in der Brust   ist beßer als Stahl,

Wo sich Tapfere treffen.
Den Kühnen immer   sah ich erkämpfen
Mit stumpfem Schwerte den Sieg.

31Der Kühne mag beßer   als der Bange kann

Sich im Kriegesspiel versuchen.
Mehr gelingt dem Muntern   als dem Mürrischen
Was er hab in der Hand.


Sigurd nahm Fafnirs Herz und briet es am Spieß. Und als er dachte, daß es gar wäre, und der Saft aus dem Herzen schäumte, da stieß er daran mit seinem Finger und versuchte ob es gar gebraten wäre. Er verbrannte sich und steckte den Finger in den Mund. Aber als Fafnirs Herzblut ihm auf die Zunge kam, da verstand er der Vögel Stimmen. Er hörte, daß Adlerinnen auf den Zweigen zwitscherten.Die Eine sang:32Da sitzt Sigurd   blutbespritzt

Und brät am Feuer   Fafnirs Herz.
Klug däuchte mich   der Ringverderber,
Wenn er das leuchtende   Lebensfleisch äße.Die andere.33Da liegt nun Regin   und geht zu Rath

Wie er triege den Mann,   der ihm vertraute;
Sinnt in der Bosheit   auf falsche Beschuldigung:
Der Unheilschmied brütet   dem Bruder Rache.Die dritte.34Hauptes kürzer laß er   den haargrauen Schwätzer

Fahren von hinnen zu Hel.
So soll er den Schatz   besitzen allein,
Wie viel des unter Fafnir lag.Die vierte.35Er däuchte mich klug,   gedächt er zu nützen

Den Anschlag, Schwestern,   den ihr wohl ersannt.
Er berathe sich rasch   die Raben zu erfreuen,
Denn den Wolf erwart ich,   gewahr ich sein Ohr.Die fünfte.36So klug ist nicht   der Kampfesbaum,

Wie ich den Heerweiser   hätte gewähnt,
Läßt er den einen   Bruder ledig
Und hat den andern   umgebracht.Die sechste.37Sehr unklug scheint er mir,   schont er länger noch

Den gemeingefährlichen Feind.
Dort liegt Regin,   der ihn verrathen will;
Er weiß sich davor nicht zu wahren.Die siebente.38Um den Kopf kürz er   den eiskalten Joten

Und beraub ihn der Ringe.
So sind die Schätze,   die Fafnir beseßen,
Ihm allein zu eigen. Sigurd.39So verräth mich das Looß nicht,   daß Regin sollte

Mir zum Mörder werden:
Beide Brüder   sollen alsbald
Fahren von hinnen zu Hel.


Sigurd hieb Regin das Haupt ab, und aß Fafnirs Herz und trank beider Blut, Regins und Fafnirs. Da hörte Sigurd was die Adlerinnen sangen:40Mit den rothen Ringen   bereife dich, Sigurd;

Um Künftges sich kümmern   ziemt Königen nicht.
Ein Weib weiß ich,   ein wunderschönes,
Goldbegabt:   wär sie dir gegönnt!

41Zu Giuki gehen   grüne Pfade:

Dem Wandernden weist   das Schicksal den Weg.
Da hat eine Tochter   der theure König:
Die magst du, Sigurd,   um Mahlschatz kaufen.

42Ein Hof ist auf dem hohen   Hindarfiall

Ganz von Glut   umgeben außen.
Ihn haben hehre   Herscher geschaffen
Aus undunkler   Erdenflamme.

43Auf dem Steine schläft   die Streiterfahrene,

Und lodernd umleckt sie   der Linde Feind.
Mit dem Dorn stach Yggr (Odhin)   sie einst in den Schleier
Die Maid, die Männer   morden wollte.

44Schaun magst du, Mann,   die Maid unterm Helme,

Die aus dem Gewühl trug   Wingskornir das Ross.
Nicht vermag Sigrdrifas   Schlaf zu brechen
Ein Fürstensohn   eh die Nornen es fügen.


Sigurd ritt auf Fafnirs Spur nach dessen Hause und fand es offen und die Thüren von Eisen und aufgeklemmt. Von Eisen war auch alles Zimmerwerk am Hause und das Gold unten in die Erde gegraben. Da fand Sigurd großmächtiges Gut und füllte damit zwei Kisten. Da nahm er Ögis Helm und die Goldbrünne und das Schwert Hrotti und viele Kostbarkeiten und belud Grani damit. Aber das Ross wollte nicht fortgehen bis Sigurd auf seinen Rücken stieg.