Fipps, der Affe | 7

Siebentes Kapitel

Elise schläft in ihrer Wiegen.

Fipps paßt geduldig auf die Fliegen.
Indessen denkt die runde Jette,
Was sie wohl vorzunehmen hätte,
Sieht eine Wespe, die verirrt
Am Fenster auf- und niederschwirrt,
Und treibt das arme Stacheltier
In eine Tute von Papier.
Sanft lächelnd reicht sie ihm die Tute,
Damit er Gutes drin vermute.
Er öffnet sie geschickt und gern,
Denn jeder Argwohn liegt ihm fern.

Fipps, der Affe | 6

Sechstes Kapitel

Wer vielleicht zur guten Tat
Keine rechte Neigung hat,
Dem wird Fasten und Kastein
Immerhin erfrischend sein. –Als der Herr von gestern abend,
Fest und wohl geschlafen habend,
(Er heißt nämlich Doktor Fink)
Morgens nach dem Stalle ging,
Um zu sehn, wen er erhascht –
Ei, wie ist er überrascht,
Als bescheiden, sanft und zahm,
Demutsvoll und lendenlahm,
Fipps aus seinem Sacke steigt,
Näher tritt und sich verneigt.
Lächelnd reicht Frau Doktorin
Ihm den guten Apfel hin,
Und das dicke runde fette
Nette Kindermädchen Jette
Mit der niedlichen Elise,
Eiherrje! wie lachten diese. –Zwei nur finden’s nicht am Platze:
Schnipps der Hund und Gripps die Katze,
Die nicht ohne Mißvertrauen
Diesen neuen Gast beschauen.Fipps ist aber recht gelehrig
Und beträgt sich wie gehörig.Morgens früh, so flink er kann,
Steckt er Fink die Pfeife an.
Fleißig trägt er dürre Reiser,
Ja, Kaffee zu mahlen weiß er,
Und sobald man musiziert,
Horcht er still, wie sich’s gebührt.
Doch sein innigstes Vergnügen
Ist Elisen sanft zu wiegen,
Oder, falls sie mal verdrossen,
Zu erfreun durch schöne Possen.
Kurz, es war sein schönster Spaß,
Wenn er bei Elisen saß. –Dafür kriegt er denn auch nun
Aus verblümtem Zitzkattun
Eine bunte und famose
Hinten zugeknöpfte Hose;
Dazu, reizend von Geschmack,
Einen erbsengrünen Frack;
Und so ist denn gegenwärtig
Dieser hübsche Junge fertig.

Fipps, der Affe | 5

Fünftes Kapitel

Für Fipps wird es dringende Essenszeit. –
Mit fröhlicher Gelenkigkeit
Durch eine Seitengasse entflieht er
Und schleicht in den Laden von einem Konditer.
Da gibt es schmackhafte Kunstgebilde,
Nicht bloß härtliche, sondern auch milde;
Da winken Krapfen und Mohrenköpfe,
Künstlich geflochtene Brezen und Zöpfe;
Auch sieht man da für gemischtes Vergnügen
Mandeln, Rosinen etcetera liegen. –»Horch!« ruft voll Sorge Konditer Köck,
»Was rappelt da zwischen meinem Gebäck?!«Die Sorge verwandelt sich in Entsetzen,
Denn da steht Fipps mit Krapfen und Brezen.
Die Brezen trägt er in einer Reih
Auf dem Schwanz, als ob es ein Stecken sei,
Und aufgespießt, gleich wie auf Zapfen,
An allen vier Daumen sitzen die Krapfen.Zwar Köck bemüht sich, daß er ihn greife
Hinten bei seinem handlichen Schweife,
Doch weil er soeben den Teig gemischt,
So glitscht er ab und der Dieb entwischt.
Nichts bleibt ihm übrig als lautes Gebröll,
Und grad kommt Mieke die alte Mamsell.
Unter hellem Gequieke fällt diese Gute
Platt auf die Steine mit Topf und Tute.
Durch ihre Beine eilt Fipps im Sprunge.Ihn wirft ein schwärzlicher Schusterjunge
Mit dem Stulpenstiefel, der frisch geschmiert,
So daß er die schönen Krapfen verliert.Auch wartet ein Bettelmann auf der Brücken

Mit einem Buckel und zween Krücken.

Derselbe verspürt ein großes Verlangen,

Die Brezeln vermittelst der Krücke zu fangen;
Dies kommt ihm aber nicht recht zunütze,
Denn Fipps entzieht ihm die letzte Stütze. –
Da liegt er nun, wie ein Käfer, am Rücken. –
Fipps aber begibt sich über die Brücken
Und eilet gar sehr beängstigt und matt
Mit der letzten Brezel aus dieser Stadt. –Schon ist es dunkel und nicht geheuer.
Er schwingt sich über ein Gartengemäuer.
Hier hofft er auf angenehm nächtliche Ruh. –

Klapp! schnappt die eiserne Falle zu. –

Sofort tritt aus dem Wohngebäude
Ein Herr und äußert seine Freude.
»Aha!« – so ruft er – »du bist wohl der,
Der Hühner stiehlt? Na, denn komm her!!«
Hiermit schiebt er ihn vergnüglich
In einen Sack. Und unverzüglich
Ohne jede weitre Besichtigung
Beginnt er die schmerzhafte Züchtigung.Drauf schließt er ihn für alle Fälle
In einen der leeren Hühnerställe,
Damit er am andern Morgen sodann
Diesen Bösewicht näher besichtigen kann.

Fipps, der Affe | 4

Drittes Kapitel

Zu Bremen lebt gewandt und still

Als ein Friseur der Meister Krüll,
Und jedermann in dieser Stadt,
Wer Haare und wer keine hat,
Geht gern zu Meister Krüll ins Haus
Und kommt als netter Mensch heraus.Auch Schmidt läßt sich die Haare schneiden.
Krüll sieht den Affen voller Freuden,
Er denkt: »Das wäre ja vor mir
Und meine Kunden ein Pläsier.«
Und weil ihn Schmidt veräußern will,
So kauft und hat ihn Meister Krüll.Es kam mal so und traf sich nun,
Daß Krüll, da anders nichts zu tun,
In Eile, wie er meistens tat,
Das Seitenkabinett betrat,
Wo er die Glanzpomade kocht,
Perücken baut und Zöpfe flocht,
Kurz, wo die kunstgeübte Hand
Vollendet, was der Geist erfand.Zur selben Zeit erscheint im Laden,
Mit dünnem Kopf und dicken Waden,
Der schlichtbehaarte Bauer Dümmel,
Sitzt auf den Sessel, riecht nach Kümmel
Und hofft getrost, daß man ihn schere,
Was denn auch wirklich nötig wäre.

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Fipps, der Affe | 3

Und jammert dabei, daß es Gott erbarm.Kaum aber ziehet der Trauermann
Sich einen von seinen Stiefeln an,
So mildern sich schon ganz augenscheinlich
Die Schmerzen, die noch vor kurzem so peinlich,
Und gar bei Stiefel Numero zwei
Zeigt er sich gänzlich sorgenfrei.Dann sucht er in fröhlichem Dauerlauf
Den kleinen Nachen wieder auf
Und läßt aus listig bedachtem Versehn
Das kleine Paar Stiefel am Lande stehn.

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Fipps, der Affe

Fipps, der Affe

Pegasus, du alter Renner,
Trag mich mal nach Afrika,
Alldieweil so schwarze Männer
Und so bunte Vögel da.Kleider sind da wenig Sitte;
Höchstens trägt man einen Hut,
Auch wohl einen Schurz der Mitte;
Man ist schwarz und damit gut. –Dann ist freilich jeder bange,
Selbst der Affengreis entfleucht,
Wenn die lange Brillenschlange
Zischend von der Palme kreucht.Kröten fallen auf den Rücken,
Ängstlich wird das Bein bewegt;
Und der Strauß muß heftig drücken,
Bis das große Ei gelegt.Krokodile weinen Tränen,
Geier sehen kreischend zu;
Sehr gemein sind die Hyänen;
Schäbig ist der Marabu.Nur die Affen, voller Schnacken,
Haben Vor- und Hinterhand;
Emsig mümmeln ihre Backen;
Gerne hockt man beieinand.Papa schaut in eine Stelle,
Onkel kratzt sich sehr geschwind,
Tante kann es grad so schnelle,
Mama untersucht das Kind.Fipps – so wollen wir es nennen. –
Aber wie er sich betrug,
Wenn wir ihn genauer kennen,
Ach, das ist betrübt genug.Selten zeigt er sich beständig,
Einmal hilft er aus der Not;
Anfangs ist er recht lebendig,
Und am Schlusse ist er tot.

Erstes Kapitel

Der Fipps, das darf man wohl gestehn,

Ist nicht als Schönheit anzusehn.
Was ihm dagegen Wert verleiht,
Ist Rührig- und Betriebsamkeit.Wenn wo was los, er darf nicht fehlen;
Was ihm beliebt, das muß er stehlen;
Wenn wer was macht, er macht es nach;
Und Bosheit ist sein Lieblingsfach.Es wohnte da ein schwarzer Mann,
Der Affen fing und briet sie dann.Besonders hat er junge gern,
Viel lieber als die ältern Herrn.
»Ein alter Herr ist immer zäh!«
So spricht er oft und macht »Bebä!«Um seine Zwecke zu erfüllen,
Wählt er drei leere Kürbishüllen.
Für auf den Kopf die große eine,
Für an die Hände noch zwei kleine.

So kriecht er in ein Bündel Stroh,

Macht sich zurecht und wartet so. –
Dies hat nun allerdings den Schein,
Als ob hier schöne Früchte sei’n.Fipps, der noch nie so große sah,
Kaum sieht er sie, so ist er da.Er wählt für seinen Morgenschmaus

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Wilhelm Busch | Der heilige Antonius – Der heilige Antonius – letzte Versuchung

Der heilige Antonius – letzte Versuchung

Der heilige Antonius von Padua
Saß oftmals ganz alleinig da
Und las bei seinem Heiligenschein
Meistens bis tief in die Nacht hinein. –
Und wie er sich umschaut, der fromme Mann,
Schaut ihn ein hübsches Mädchen an. –
der heilige Antonius von Padua
War aber ganz ruhig, als dies geschah.
Er sprach: »Schau du nur immer zu,
Du störst mich nicht in meiner christlichen Ruh!«
Als er nun wieder so ruhig saß
Und weiter in seinem Buche las –
Husch, husch! – so spürt er auf der Glatzen
Und hinterm Ohr ein Kribbelkratzen,
Daß ihm dabei ganz sonderbar,
Bald warm, bald kalt zumute war. –
Der heilige Antonius von Padua
War aber ganz ruhig, als dies geschah.
Er sprach: »So krabble du nur zu,
Du störst mich nicht in meiner christlichen Ruh!«

»Na! – – Na!«
»Na, na! – sag‘ ich!!!«
»Hm! hm! – – hm!!!«
Und gibt dem heil’gen Antonius
Links und rechts einen herzhaften Kuß.
Er sprang empor, von Zorn entbrannt;
Er nahm das Kreuz in seine Hand:
»Laß ab von mir, unsaubrer Geist!
Sei, wie du bist, wer du auch seist!«
Puh!! – Da sauste mit großem Rumor
Der Satanas durchs Ofenrohr.

Der heilige Antonius, ruhig und heiter,
Las aber in seinem Buche weiter! –
So laß uns denn auf dieser Erden
Auch solche fromme Heil’ge werden!
Wilhelm Busch (1832-1908)

Wilhelm Busch | Der heilige Antonius – Die Wallfahrt

Der heilige Antonius – Die Wallfahrt

Es schickt sich, daß ein frommer Mann
Die Sache überlegt;
Er schafft sich einen Esel an,
Der ihm den Ranzen trägt.
So zogen sie hinaus zum Tor
Und fürder allgemach;
Der Heilige, der ging her vor,
Der Esel hinten nach.
Antonius als guter Christ
Schaut’s an mit Seelenruh:
»He, Alter! Wenn du fertig bist, –
Wohlan! – so trage du!«
Er setzt sich auf und reitet sacht
Bis nach Jerusalem.
Wo Salomonis Tempel stand,
Liegt mancher dicke Stein,
Den allerdicksten, den er fand
Packt Sankt Antonius ein.
Das hilft ihm aber alles nit,
Wir kümmern uns nicht drum.
Der Bär, obschon ganz krumm und matt,
Setzt sich in kurzen Trab.
Bis hin nach Padua der Stadt;
Da stieg Antonius ab.
»Mein Freund, du kannst nun gehn!
Und wie es einem gehen kann,
Das hast du nun gesehn!«
»Mein Leben lang bekümmr‘ ich mich
Um keinen Esel mehr!«
Wilhelm Busch (1832-1908)