Die Edda | 29. Gudhrûnarkvidha fyrsta.

Das erste Gudrunenlied.

Gudrun saß über dem todten Sigurd; sie weinte nicht wie andere Frauen, aber schier wäre sie vor Leid zersprungen. Auch traten Frauen und Männer hinzu sie zu trösten; aber das war nicht leicht. Es wird gesagt, Gudrun habe etwas gegeßen von Fafnirs Herzen und seitdem der Vögel Stimmen verstanden. Auch dieß wird von Gudrun gesagt:

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Die Edda | 28. Helreidh Brynhildar.

Brynhildens Todesfahrt.

Nach Brynhildens Tode wurden zwei Scheiterhaufen gemacht, Einer für Sigurd, und der brannte zuerst; darnach ward Brynhild verbrannt, und lag sie auf einem Wagen, der mit Prachtgeweben umzettelt war. Es wird erzählt, daß Brynhild auf dem Wagen den Helweg fuhr und durch eine Höhle kam, wo ein Riesenweib wohnte. Das Riesenweib sprach:

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Die Edda | 27. Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja.

27. Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja.Das dritte Lied von Sigurd dem Fafnirstödter.1Einst geschahs, daß Sigurd   Giuki besuchen kam,

Der junge Wölsung,   des Wurms Besieger.
Mit beiden Brüdern   schloß er den Bund;
Eide schwuren sich   die Unverzagten.

2Eine Maid bot man ihm   und Menge des Schatzes,

Die junge Gudrun,   Giukis Tochter.
Traulich tranken   der Tage manchen
Sigurd der junge   und die Söhne Giukis

3Bis sie um Brynhild   zu bitten fuhren,

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Die Edda | 26. Brot af Brynhildarkvidhu.


26. Brot af Brynhildarkvidhu.
Bruchstück (?) eines Brynhildenliedes.
Högni.
1
Wie bist du, Gunnar, Giukis Erzeugter,
Zur Rache bereit und mordlichem Rath?
Was hat so Schweres Sigurd verbrochen,
Daß du dem Kühnen willst kürzen das Leben?

Gunnar.
2
Mir hat Sigurd Eide geschworen,
Eide geschworen und alle gebrochen.
Treulos täuscht’ er mich, als er in Treue mir
Seine Schwüre bewähren sollte.

Högni.
3
Dich hat Brynhild Böses zu thun
Im Zorn gereizt zu Rachsucht und Mord.
Gudrunen gönnt sie so gute Ehe nicht,
Sie selbst zu besitzen, sie missgönnt es dir. —

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Die Edda | 25. Sigrdrîfumâl.

25. Sigrdrîfumâl.Das Lied von Sigurdrifa.

Sigurd ritt hinaus nach Hindarfiall und wandte sich südwärts gen Frankenland. Auf dem Berge sah er ein großes Licht gleich als brennte ein Feuer, von dem es zum Himmel emporleuchtete. Aber wie er hinzukam, stand da eine Schildburg und oben heraus ein Banner. Sigurd ging in die Schildburg und sah, daß da ein Mann lag und schlief in voller Rüstung. Dem zog er zuerst den Helm vom Haupt: da sah er, daß es ein Weib war. Die Brünne war fest als wär sie ans Fleisch gewachsen. Da ritzte er mit Gram die Brünne durch vom Haupt herab und darnach auch an beiden Armen. Darauf zog er ihr die Brünne ab; aber sie erwachte, richtete sich empor, sah den Sigurd an und sprach:1Was zerschnitt mir die Brünne?   Wie brach mir der Schlaf?

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Die Edda |

24. Fafnismâl.Das Lied von Fafnir.

Sigurd und Regin fuhren aufwärts zur Gnitahaide und fanden da Fafnirs Weg, auf dem er zum Waßer kroch. Da machte Sigurd eine große Grube im Wege und stellte sich hinein. Als aber Fafnir von seinem Golde kroch, blies er Gift von sich und das fiel dem Sigurd von oben aufs Haupt. Als aber Fafnir über die Grube wegglitt, stach ihm Sigurd das Schwert ins Herz. Fafnir schüttelte sich und schlug mit Haut und Schweif. Da sprang Sigurd aus der Grube, wo denn Einer den Andern sah. Fafnir sprach:1Gesell und Gesell,   welcher Gesell erzeugte dich,

Was bist du mir ein Menschenkind?
Der in Fafnir färbtest   den funkelnden Stahl;
Mir haftet im Herzen dein Schwert.


Aber Sigurd verhehlte seinen Namen, weil es im Altertum Glaube war, daß eines Sterbenden Wort viel vermöchte, wenn er seinen Feind mit Namen verwünschte. Er sprach:2Wunderthier heiß ich,   ich wank umher,

Ein Kind, das keine Mutter kennt.
Auch miss ich den Vater,   den Menschen sonst haben,
Ich gehe einsam, allein.Fafnir.3Missest du den Vater,   den Menschen sonst haben,

Welches Wunder erzeugte dich?Sigurd.4Mein Geschlecht   ist dir schwerlich kund

Und ich selber auch nicht.
Sigurd heiß ich,   Sigmund hieß mein Vater;
Meine Waffe verwundete dirFafnir.5Wer reizte dich?   Wie ließest du dich reizen

Mein Leben zu morden,
Klaräugiger Knabe?   kühn war dein Vater:
Dem Ungebornen vererbt’ er den Sinn.Sigurd.6Mich reizte das Herz;   die Hände vollbrachtens

Und mein scharfes Schwert.
Keiner ist kühn,   wenn die Jahre kommen,
Der von Kindesbeinen blöd war.Fafnir.7Wärst du erwachsen   an der Verwandten Brust,

Man kennte dich kühn im Kampfe;
In Haft bist du hier,   ein Heergefangner:
Stäts, sagt man, bebt der Gebundne.Sigurd.8Welcher Vorwurf, Fafnir,   als ob ich fern wär

Meinem Mutterlande?
Nicht war ich in Haft hier,   auch als Heergefangner;
Du fühlst wohl, daß ich frei bin.Fafnir.9Einen Vorwurf findest du   in freundlichem Wort;

Aber Eins verkünd ich dir:
Das gellende Gold,   der glutrothe Schatz,
Diese Ringe verderben dich.Sigurd.10Goldes walten   will ein Jeder

Stäts bis an den Einen Tag.
Denn Einmal muß   jeder Mann doch
Fahren von hinnen zu Hel.Fafnir.11Du nimmst für Nichts   der Nornen Spruch,

Mein Wort für unweise Rede.
Doch ertrinkst du im Waßer,   ob du beim Winde ruderst:
Alles sterbt ihn, der sterben soll. 12Der Schreckenshelm   schützte mich lange,

Da ich über Kleinoden kroch;
Allein daucht ich mich   stärker als alle
Und fand selten meinen Mann.Sigurd.13Keinen mag schützen   der Schreckenshelm,

Wo Zornige kommen zu kämpfen.
Wer mit Vielen ficht   befindet bald:
Keiner ist allein der Kühnste.Fafnir.14Gift blies ich,   da ich auf dem Golde lag,

Dem Vielen, meines Vaters.Sigurd.15Wohl warst du furchtbar,   du funkelnder Wurm;

Ein hartes Herz erhieltest du.
Der Muth schwillt mächtig   den Menschensöhnen,
Die solchen Helm haben.

16Laß dich fragen, Fafnir,   da du vorschauend bist

Und wohl Manches weist:
Welches sind die Nornen,   die nothlösend heißen
Und Mütter mögen entbinden?Fafnir.17Verschiedenen Geschlechts   scheinen die Nornen mir

Und nicht Eines Ursprungs.
Einige sind Asen,   andere Alfen,
Die dritten Töchter Dwalins.Sigurd.18Laß dich fragen, Fafnir,   da du vorschauend bist

Und wohl Manches weist:
Wie heißt der Holm,   wo Herzblut mischen
Surtur einst und Asen?Fafnir.19Oskopnir (unvermeidlich) heißt er,   wo alle Götter

Dereinst mit Speren spielen.

Bifröst bricht   eh beide sich scheiden
Und im Strome schwimmen die Rosse.

20Nun rath ich dir, Sigurd,   nimm an den Rath

Und reit heim von hinnen.
Das gellende Gold,   der glutrothe Schatz,
Diese Ringe verderben dich.Sigurd.21Rath ist mir gerathen;   ich reite dennoch

Zu dem Hort auf der Haide.
Du Fafnir lieg   in letzten Zügen
Bis du hin must zu Hel.Fafnir.22Regin verrieth mich,   er verräth auch dich,

Er bringt uns beiden den Tod.
Sein Leben muß   nun Fafnir laßen,
Deine Macht bemeistert mich.


Regin war fortgegangen, während Sigurd Fafnirn tödtete; er kam zurück, als Sigurd das Blut vom Schwerte wischte. Regin sprach:23Heil dir nun, Sigurd,   du hast Sieg erkämpft

Und den Fafnir gefällt.
Von allen Männern,   die auf Erden wandeln,
Acht ich dich den Unverzagtesten.Sigurd.24Ungewiss bleibt,   wo alle vereint sind,

Der Sieggötter Söhne,
Welcher der unverzagteste ist:
Mancher ist kühn,   der die Klinge nie
Barg in des Andern Brust.Regin.25Stolz bist du, Sigurd,   und siegesfreudig,

Da du Gram im Grase wischest.
Den Bruder hast du   mir umgebracht;
Doch trag ich selbst der Schuld ein Theil.Sigurd.26Du riethest dazu,   daß ich reiten sollte

Über die heiligen Berge her.

Gut und Leben gegönnt wär   dem glänzenden Wurm,
Triebest du mich nicht zur That.


Da ging Regin zu Fafnir und schnitt ihm das Herz aus mit dem Schwerte, das Ridil heißt und trank dann das Blut aus der Wunde.Regin.27Sitze nun, Sigurd;   ich schlafe derweil,

Und halte Fafnirs   Herz ans Feuer.
Ich will das Herz   zu eßen haben
Auf den Bluttrunk,   den ich trank.Sigurd.28Fern entflohst du,   während in Fafnir ich

Röthete das scharfe Schwert.
Meine Stärke setzt ich   wider den starken Wurm,
So lange du auf der Haide lagst.Regin.29Lange liegen   ließest du auf der Haide

Jenen alten Joten,
Wenn du das Schwert nicht schwangst,   das ich dir schuf,
Die wohlgewetzte Waffe.Sigurd.30Muth in der Brust   ist beßer als Stahl,

Wo sich Tapfere treffen.
Den Kühnen immer   sah ich erkämpfen
Mit stumpfem Schwerte den Sieg.

31Der Kühne mag beßer   als der Bange kann

Sich im Kriegesspiel versuchen.
Mehr gelingt dem Muntern   als dem Mürrischen
Was er hab in der Hand.


Sigurd nahm Fafnirs Herz und briet es am Spieß. Und als er dachte, daß es gar wäre, und der Saft aus dem Herzen schäumte, da stieß er daran mit seinem Finger und versuchte ob es gar gebraten wäre. Er verbrannte sich und steckte den Finger in den Mund. Aber als Fafnirs Herzblut ihm auf die Zunge kam, da verstand er der Vögel Stimmen. Er hörte, daß Adlerinnen auf den Zweigen zwitscherten.Die Eine sang:32Da sitzt Sigurd   blutbespritzt

Und brät am Feuer   Fafnirs Herz.
Klug däuchte mich   der Ringverderber,
Wenn er das leuchtende   Lebensfleisch äße.Die andere.33Da liegt nun Regin   und geht zu Rath

Wie er triege den Mann,   der ihm vertraute;
Sinnt in der Bosheit   auf falsche Beschuldigung:
Der Unheilschmied brütet   dem Bruder Rache.Die dritte.34Hauptes kürzer laß er   den haargrauen Schwätzer

Fahren von hinnen zu Hel.
So soll er den Schatz   besitzen allein,
Wie viel des unter Fafnir lag.Die vierte.35Er däuchte mich klug,   gedächt er zu nützen

Den Anschlag, Schwestern,   den ihr wohl ersannt.
Er berathe sich rasch   die Raben zu erfreuen,
Denn den Wolf erwart ich,   gewahr ich sein Ohr.Die fünfte.36So klug ist nicht   der Kampfesbaum,

Wie ich den Heerweiser   hätte gewähnt,
Läßt er den einen   Bruder ledig
Und hat den andern   umgebracht.Die sechste.37Sehr unklug scheint er mir,   schont er länger noch

Den gemeingefährlichen Feind.
Dort liegt Regin,   der ihn verrathen will;
Er weiß sich davor nicht zu wahren.Die siebente.38Um den Kopf kürz er   den eiskalten Joten

Und beraub ihn der Ringe.
So sind die Schätze,   die Fafnir beseßen,
Ihm allein zu eigen. Sigurd.39So verräth mich das Looß nicht,   daß Regin sollte

Mir zum Mörder werden:
Beide Brüder   sollen alsbald
Fahren von hinnen zu Hel.


Sigurd hieb Regin das Haupt ab, und aß Fafnirs Herz und trank beider Blut, Regins und Fafnirs. Da hörte Sigurd was die Adlerinnen sangen:40Mit den rothen Ringen   bereife dich, Sigurd;

Um Künftges sich kümmern   ziemt Königen nicht.
Ein Weib weiß ich,   ein wunderschönes,
Goldbegabt:   wär sie dir gegönnt!

41Zu Giuki gehen   grüne Pfade:

Dem Wandernden weist   das Schicksal den Weg.
Da hat eine Tochter   der theure König:
Die magst du, Sigurd,   um Mahlschatz kaufen.

42Ein Hof ist auf dem hohen   Hindarfiall

Ganz von Glut   umgeben außen.
Ihn haben hehre   Herscher geschaffen
Aus undunkler   Erdenflamme.

43Auf dem Steine schläft   die Streiterfahrene,

Und lodernd umleckt sie   der Linde Feind.
Mit dem Dorn stach Yggr (Odhin)   sie einst in den Schleier
Die Maid, die Männer   morden wollte.

44Schaun magst du, Mann,   die Maid unterm Helme,

Die aus dem Gewühl trug   Wingskornir das Ross.
Nicht vermag Sigrdrifas   Schlaf zu brechen
Ein Fürstensohn   eh die Nornen es fügen.


Sigurd ritt auf Fafnirs Spur nach dessen Hause und fand es offen und die Thüren von Eisen und aufgeklemmt. Von Eisen war auch alles Zimmerwerk am Hause und das Gold unten in die Erde gegraben. Da fand Sigurd großmächtiges Gut und füllte damit zwei Kisten. Da nahm er Ögis Helm und die Goldbrünne und das Schwert Hrotti und viele Kostbarkeiten und belud Grani damit. Aber das Ross wollte nicht fortgehen bis Sigurd auf seinen Rücken stieg.

Die Edda | 23. Sigurdharkvidha Fafnisbana önnur.

edda23. Sigurdharkvidha Fafnisbana önnur.
Das andere Lied von Sigurd dem Fafnirstödter.


I.

Sigurd ging zu Hialpreks Gestüte und wählte sich daraus einen Hengst, der seitdem Grani genannt ward. Da war zu Hialprek Regin gekommen, Hreidmars Sohn. Er war über alle Männer kunstreich, dabei ein Zwerg von Wuchs. Er war weise, grimm und zauberkundig. Regin übernahm Sigurds Erziehung und Unterricht und liebte ihn sehr. Er erzählte dem Sigurd von seinen Voreltern und den Abenteuern, wie Odhin, Hönir und Loki einst zu Andwaris Waßerfall kamen. In diesem Waßerfall war eine Menge Fische. Ein Zwerg, der Andwari hieß, war lange in dem Waßerfall in Hechtsgestalt und fing sich da Speise. „Otur hieß unser Bruder,“ sprach Regin, „der fuhr oft in den Waßerfall in Otters Gestalt. Da hatte er einst einen Lachs gefangen und saß am Flußrand und aß blinzelnd. Loki warf ihn mit einem Stein zu Tode. Da dauchten sich die Asen sehr glücklich gewesen zu sein und zogen dem Otter den Balg ab. Denselben Abend suchten sie Herberge bei Hreidmar und zeigten ihm ihre Waide. Da griffen wir sie mit Handen und legten ihnen Lebenslösung auf: sie sollten den Otterbalg mit Gold füllen und außen mit rothem Golde bedecken. Da schickten sie Loki aus, des Goldes zu schaffen. Er kam zu Ran und erhielt ihr Netz und warf das Netz vor den Hecht und er lief in das Netz. Da sprach

Loki.
1

Was für ein Fisch ists,   der in der Flut rennt,
Kann sich vor Witz nicht wahren?
Aus Hels Hause   löse dein Haupt nun
Und schaffe mir glänzende Glut.

Der Hecht sprach:
2

Andwari heiß ich,   Oin hieß mein Vater;
Durch manchen Flußfall fuhr ich.
Früh fügte mir   eine feindliche Norne,
Ich sollt im Waßer waten.

Loki.
3

Sage mir, Andwari,   so du anders willst
Bei Menschen länger leben,
Welche Strafe   wird Menschensöhnen,
Die sich mit Lug verletzen?

Andwari.
4

Harte Strafe   wird Menschensöhnen,
Die in Wadgelmir waten.
Wer mit Unwahrheit   den Andern verlügt,
Überlang schmerzen die Strafen.

Loki sah all das Gold, das Andwari besaß. Aber als dieser das Gold entrichtet hatte, hielt er einen Ring zurück. Loki nahm ihm auch den hinweg. Da ging der Zwerg in den Stein und sprach:

5

Nun soll das Gold,   das Gustr hatte,
Zweien Brüdern   das Ende bringen
Und der Edelinge   acht verderben:
Mein Gold soll Keinem   zu Gute kommen.

Die Asen entrichteten dem Hreidmar den Schatz, füllten den Otterbalg und stellten ihn auf die Füße. Da sollten die Asen das Gold darum legen und den Otter hüllen. Aber als es gethan war, ging Hreidmar hinzu und sah ein Barthaar und hieß auch das hüllen. Da zog Odhin den Ring Andwara-Naut hervor und hüllte das Haar.

Loki sprach:
6

Ich gab dir das Gold,   Entgeltung ward dir,
Herliche, meines Hauptes.
Deinem Sohne schafft   es keinen Segen:
Es bringt euch beiden den Tod.

Hreidmar.
7

Gaben gabst du,   nicht Liebesgaben,
Gabst nicht aus holdem Herzen.
Eures Lebens   wärt ihr ledig,
Wust ich diese Gefahr zuvor.

Loki.
8

Noch übler ist   was zu ahnen mich dünkt,
Der Künftigen Kampf um ein Weib.
Ungeboren noch acht ich   die Edelinge,
Die um den Hort sich haßen.

Hreidmar.
9

Das rothe Gold   ist mir vergönnt,
Denk ich, so lang ich lebe.
Deine Drohungen   fürcht’ ich keinen Deut;
Aber hebt euch heim von hinnen.

Fafnir und Regin verlangten von Hreidmar Verwandten-Buße wegen ihres Bruders Otur. Er aber sagte Nein dazu. Da tödtete Fafnir seinen Vater Hreidmar mit dem Schwerte, da er schlief. Hreidmar rief seinen Töchtern:

10

Lyngheid und Lofnheid!   mein Leben ist aus,
Um Rache traur ich Betrübter.

Lyngheid.

Die Schwester mag selten,   wenn der Vater erschlagen ist,
Der Brüder Verbrechen ahnden.

Hreidmar.
11

Erzieh ein Mädchen,   wolfherzige Maid,
Entspringt deinem Schooße   nicht ein Sohn;
Gieb der Maid einen Mann,   es mahnt die Noth:
So soll ihr Sohn   uns Rache schaffen.

Da starb Hreidmar; aber Fafnir nahm das Gold all. Da verlangte auch Regin sein Vatererbe. Aber Fafnir sagte Nein dazu. Da suchte Regin Rath bei Lyngheid, seiner Schwester, wie er sein Vatererbe erlangen solle. Sie sprach:

12

„Vom Bruder, erbitte   brüderlich
Das Erb und edlern Sinn.
Nicht steht es dir zu,   mit dem Schwerte
Von Fafnir zu fordern das Gut.“

Diese Dinge erzählte Regin dem Sigurd. Jenes Tages, da er zu Regins Hause kam, ward er wohl empfangen. Regin sprach:

13

Nun ist Sigmunds   Sohn gekommen,
Der hurtige Held,   zu unserm Haus;
Muth hat er mehr   als ich alter Mann:
Bald kommt mir Kampf   von dem kühnen Wolf.

14

Ich habe des heerkühnen   Helden zu pflegen,
Der uns ein Enkel   Yngwis kam.
Er wird der Männer   Mächtigster werden.
Laut umweift die Welt   des Schicksals Gewebe.

Sigurd blieb nun beständig bei Regin und da sagte er dem Sigurd, daß Fafnir auf der Gnitahaide läge in Wurmsgestalt. Er hatte den Ögishelm, vor dem alles Lebende sich entsetzte. Regin schuf dem Sigurd ein Schwert, Gram genannt: das war so scharf, daß er es in den Rhein steckte und ließ eine Wollflocke den Strom hinab treiben: da zerschnitt das Schwert die Flocke wie das Waßer. Mit diesem Schwert schlug Sigurd Regins Amboß entzwei. Darnach reizte Regin den Sigurd, den Fafnir zu tödten: er aber sprach:

15

Laut würden Hundings   Söhne lachen,
Die um sein Leben   Eilimi brachten,
Wenn mich, einen König,   mehr verlangte
Nach rothen Ringen   als nach Vaterrache.

II.

König Hialprek gab dem Sigurd Schiffsvolk zur Vaterrache. Da traf sie ein gewaltiges Unwetter, also daß sie vor einem Vorgebirge halten musten. Ein Mann stand am Berge und sprach:

16

Wer reitet dort   auf Räwils Hengsten
Über wilde Wogen   und wallendes Meer?
Von Schweiße schäumen   die Segelpferde:
Die Wellenrosse werden   den Wind nicht halten.

Regin antwortete:
17

Hier sind wir mit Sigurd   auf Seebäumen:
Wir fanden Fahrwind   in den Tod zu fahren.
Über die Schiffsschnäbel   schlägt uns das Meer:
Die Flutrosse fallen;   wer fragt danach?

Der Mann sprach:
18

Hnikar hieß man mich,   wenn ich Hugin erfreute,
Junger Wölsung,   auf der Walstatt.
Nun magst du mich nennen   den Mann vom Berge,
Feng oder Fiölnir;   Fahrt will ich schaffen.

Da legten sie ans Land; der Mann ging aufs Schiff und beschwichtigte das Wetter.

Sigurd sprach:
19

Künde mir, Hnikar,   du kennst die Zeichen
Des Glücks bei Göttern und Menschen:
Vor dem Gefecht   was ist der erfreulichste
Angang beim Schwerterschwingen?

Hnikar.
20

Manche sind gut,   wenn Menschen sie wüsten,
Angänge beim Schwerterschwingen.
Gut dünkt mich zunächst   des nachtschwarzen Raben
Geleit dem Lenker der Schlachten.

21

Gut auch ist der Angang,   so du hinaus kommst
Und stehst bereit zur Reise,
Wenn Zwei vor dem Hofe   zum Zweikampf fertig stehn,
Ruhmgierge Recken.

22

Der Angang auch ist gut,   wenn bei der Esche
Du den Wolf hörst heulen:
Über Helmträger hast du   Sieg zu hoffen,
Siehst du ihn vorwärts fahren.

23

Stehe keiner   beim Kampf entgegen
Der spät scheinenden   Schwester des Mondes.
Die sollen siegen,   die sehen können
Wenn das Schwertspiel beginnt,   der Schlachtkeil geordnet wird.

24

Da fürchte Gefahr,   wenn der Fuß dir strauchelt,
So du zum Kampfe kommst.
Trugdisen stehn dir   zu beiden Seiten
Und wollen dich verwundet sehn.

25

Gekämmt und gewaschen   sei der Kämpfer
Und halte sein Mal am Morgen:
Ungewiss ist   wo der Abend ihn findet,
Und übel, vor der Zeit fallen.

Sigurd hielt eine große Schlacht mit Lyngwi, Hundings Sohn, und dessen Brüdern. Da fiel Lyngwi und die Brüder. Nach dem Kampfe sprach Regin:

26

Nun ist der Blutaar   mit beißendem Schwert
In den Rücken geschnitten   Sigmunds Mörder.
Kein Größerer je   hat den Grund geröthet
Aller fürstlichen Erben,   und die Raben erfreut.

Sigurd fuhr heim zu Hialprek. Da reizte Regin den Sigurd, daß er Fafnir tödte.

Die Edda | 22. Sigurdharkvidha

edda22. Sigurdharkvidha Fafnisbana fyrsta edha Grîpisspâ.


Das erste Lied von Sigurd dem Fafnirstödter
oder
Gripirs Weißsagung.

Gripir hieß ein Sohn Eilimis, der Hiördis Bruder. Er beherschte die Lande und war aller Männer weisester; auch wust er die Zukunft. Sigurd ritt allein und kam zur Halle Gripirs. Sigurd war leicht erkennbar. Vor dem Thor der Halle kam er mit einem Mann ins Gespräch, der sich Geitir nannte. Da verlangte Sigurd von ihm Bescheid und sprach:

1

Wie heißt, der hier   die Halle bewohnt?
Wie nennen die Leute   den König des Landes?
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Die Edda | 21. Sinfiötlalok.

edda21. Sinfiötlalok.
Sinfiötlis Ende.


Sigmund, Wölsungs Sohn, war König in Frankenland. Sinfiötli war der älteste seiner Söhne, der andere Helgi, der dritte Hamund. Borghild, Sigmunds Frau, hatte einen Bruder, der Borgar hieß. Aber Sinfiötli, ihr Stiefsohn, und Borgar freiten beide um Ein Weib und deshalb erschlug ihn Sinfiötli. Und als er heimkam, da hieß ihn Borghild fortgehen; aber Sigmund bot ihr Geldbuße und das nahm sie an. Aber beim Leichenschmaus trug Borghild Bier umher; sie nahm Gift, ein großes Horn voll, und brachte es dem Sinfiötli. Und als er in das Horn sah, bemerkte er, daß Gift darin war, und sprach zu Sigmund: der Trank ist giftig. Sigmund nahm das Horn und trank es aus. Es wird gesagt, daß Sigmund so hart war, daß kein Gift ihm schaden mochte weder außen noch innen; aber alle seine Söhne mochten Gift nur auswendig auf der Haut leiden.

Borghild brachte dem Sinfiötli ein anderes Horn und hieß ihn trinken und da geschah wieder wie zuvor. Und zum drittenmal brachte sie ihm das Horn und dießmal mit Drohworten, wenn er nicht tränke. Er sprach aber wie zuvor zu Sigmund; da sagte der: laß es durch den Schnurrbart seihen, Sohn. Sinfiötli trank und war alsbald todt. Sigmund trug ihn weite Wege in seinen Armen und kam da zu einer langen schmalen Furt: da war ein kleines Schiff und ein Mann darin. Der bot dem Sigmund die Fahrt an über die Furt. Als aber Sigmund die Leiche in das Schiff trug, da war das Boot geladen. Der Mann sprach zu Sigmund, er solle vorangehen durch die Furt. Da stieß der Mann ab mit dem Schiffe und verschwand alsbald.

König Sigmund hatte sich lange in Dänemark aufgehalten, im Reiche Borghildens, und sie hernach geheirathet. Darauf fuhr Sigmund südwärts nach Frankenland in das Reich, das er da hatte. Da nahm er zur Ehe Hiördis, König Eilimis Tochter: ihr beider Sohn war Sigurd. König Sigmund fiel im Kampf vor Hundings Söhnen, und Hiördis vermählte sich da dem Alf, König Hialpreks Sohne. Sigurd wuchs da auf in der Kindheit. Sigmund und alle seine Söhne waren weit über alle andere Männer an Stärke, Wuchs, Sinn und Thaten. Aber der allervorderste war Sigurd und ihn nennt man überall in alten Sagen allen Männern voran als den gewaltigsten der Heerkönige.

Die Edda | 20. Helgakvidha Hundingsbana önnur.

edda20. Helgakvidha Hundingsbana önnur.

Das andere Lied von Helgi dem Hundingstödter.


König Sigmund, Wölsungs Sohn, hatte Borghilden von Bralundr zur Frau. Sie nannten ihren Sohn Helgi und zwar nach Helgi, Hiörwards Sohne. Den Helgi erzog Hagal. Hunding hieß ein mächtiger König; nach ihm ist Hundland genannt. Er war ein großer Kriegsmann und hatte viel Söhne, die bei der Heerfahrt waren. Unfriede und Feindschaft war zwischen den Königen Hunding und Sigmund: sie erschlugen einander die Freunde. König Sigmund und seine Nachkommen hießen Wölsungen und Ülfinge (Wölfinge). Helgi fuhr aus und spähte insgeheim an Hundings Hofe. Häming, König Hundings Sohn, war daheim. Als aber Helgi fortzog, begegnete er einem Hirtenbuben und sprach:
Weiterlesen „Die Edda | 20. Helgakvidha Hundingsbana önnur.“