Die Gnade der späten Geburt?

stauffenberg
Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Heute ist der 20. Juli. Heute, vor 75 Jahren, nämlich am 20. Juli 1944 misslang ein Attentat auf Adolf Hitler. Ein Attentat in einer Reihe von mehreren.

Liste der Attentate auf Adolf Hitler

Das Attentat vom 20.07.1944 gilt jedoch als der bedeutendste Umsturzversuch im 3. Reich. Dieser mutige Versuch kostete in der Folge mehr als 200 tapfere Männer das Leben. Sippenhaft und Verschleppungen inklusive.

Heute hört und liest man vielfach von dem Unmut mancher Menschen über das „dauernde Erinnern “ daran. Ich denke, in der heutigen Zeit kann gar nicht genug daran erinnert werden. Helmut Kohl prägte in den Jahren 1983/1984 den Spruch von der „Gnade der späten Geburt“.
Ich halte dagegen mit Bertolt Brecht:
„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt‘ einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“
(Epilog zu Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui )

Wie wahr Bertolt Brechts Worte sind, zeigen nicht zuletzt die Erfolge der AfD.
Denkt bitte einmal darüber nach, meine lieben Leser, Besucher und Freunde!

Inspiriert zu diesem Eintrag wurde ich übrigens durch einen Beitrag meines Bloggerfreundes Sigurd6. 😉

 

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Denkt noch jemand an Rheinhausen?

Damals, das waren Arbeitskämpfe, die ihren Namen noch verdienten!

Dies ist ein Lied über eine Stadt,
Die stellvertretend ist für alle anderen Städte in Deutschland
In denen Menschen um ihre Arbeit bangen
Und um ihre Arbeit kämpfen.
Ich schrieb dieses Lied in einer kalten Nacht an der Mahnwache Tor 1
Der Krupp AG Duisburg Reinhausen.

Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
Sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Wir hab’n das Wirtschaftswunder mit erschaffen.
Den Rücken 40 Jahre krumm gemacht.
Wir hab’n den Staub gefressen
Und malocht, so wie besessen
Und haben nie ein Wort zu viel gesagt.
Wir haben die Eisenschienen mit gegossen
Von der Intercity Linie Nr.4.
Hab’n die Hände uns verschlissen
Und den Arsch uns aufgerissen
Und jetzt stehen wir hier draußen vor der Tür.

Oh, Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Kumpel unter Tage und Stahlkocher
Millionen Namenlose protestieren.
Hab’n keine Zukunft für die Kinder.
Steh’n da, wie arme Sünder.
Haben nur dies eine Leben zu verlier’n.
Ob in Friesland oder Oberbayern,
In Bremerhaven oder Wuppertal,
Sie woll’n nicht lebendig tot sein,
Woll’n was sie fühl’n hinausschrei’n.
Reinhausen, das ist überall!

Oh, Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Oh, Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n,
sonst bleibt kein Stein mehr auf dem andern steh’n.
Hier ist mein zu Hause, hier gehör‘ ich hin.
Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n.

Ich denke an die Maxhütte Sulzbach (Bayern),
An Saarstahl und Klöckner (Osnabrück).
Ich denke an die Werftarbeiter an der Küste
Und Ruhrkohle (Essen),
An die Walzwerker Hattingen und Bochum
Und all‘ die vielen Arbeitslosen
Die noch immer voller Hoffnung sind.

Reinhausen, du darfst nicht untergeh’n

R.I.P. Ludwig Hirsch (65), Liedermacher, Sänger und Schauspieler tot

Ludwig Hirsch (* 28. Februar 1946 in Weinberg (Bezirk Hartberg); † 24. November 2011 in Wien war ein österreichischer Liedermacher und Schauspieler."

 

Er sang -neben vielen anderen Liedern- auch das Lied „Komm, großer schwarzer Vogel“.
Nun öffnete er diesem Vogel das Fenster einer Klinik in Wien. Dort nämlich nahm sich Ludwig Hirsch gestern das Leben. Er war schwer krebskrank. Vergessen werde ich Dich nie, Ludwig. Dazu mag ich Deine Lieder viel zu sehr. Machs gut, Alter!


R.I.P. Franz Josef Degenhardt

So eben in den Nachrichten gesehen: Franz Josef Degenhardt ist heute im Alter von 79 Jahren verstorben. Ruhe in Frieden, Franz! Meine Vater hasste Dich und Deine Lieder – dafür liebte ich Dich um so mehr. Jetzt kannst Du ihm da oben ja in den Ohren liegen…

Er war das liedgewaltige Sprachrohr der westdeutschen Linken und kommentierte mehr als drei Jahrzehnte das Zeitgeschehen. Jetzt ist Franz Josef Degenhardts kritische Stimme für immer verstummt. Der am Montag im Alter von 79 Jahren gestorbene Liedermacher zeichnete mit hintersinnigen Balladen das bundesdeutsche Kleinbürgermilieu. Sein Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ (1965) wird ebenso mit Degenhardt verbunden bleiben wie sein Spitzname „Väterchen Franz“, Titel eines der bekanntesten Protestsongs des engagierten Musikers.

Quelle