Flecken

Heinz_Erhardt,_noch'n_GedichtHeinz Erhardt. Meiner Meinung nach einer der größten deutschen Komiker. Und immer, wenn ich gewisse Nachrichten lese oder höre, kommt mir dieses Gedicht in den Sinn; und das schon seit Jahren. 😉


Gott, voller Weisheit, hehr und mild,
schuf uns nach seinem Ebenbild.
Gewiss, wir Menschen sind gescheit,
doch wo ist unsere Menschlichkeit ?
Erscheint uns jemand edel, groß,
so täuscht das: er verstellt sich bloß !
Erst wenn er Böses tut und spricht,
zeigt er sein wahres Angesicht ! —

Um obiges nun zu beweisen,
lasst alphabetisch uns verreisen,
dann kann man sehn, was so geschah !
Wir fangen vorne an, bei A !!!

A (Amerika)

Amerika, du Land der Super-
lative und dort wo James Cooper
zwar seinen „Lederstrumpf“ verfaßte,
man aber die Indianer haßte,
weshalb man sie, halb ausgerottet,
in Reservaten eingemottet,
sich dafür aber Schwarze kaufte,
sie schlug und zur Belohnung taufte,
doch heute meidet wie die Pest,
sie aber für sich sterben läßt —
wie beispielgebend stehst du da
für Menschlichkeit ! O USA

B (Briten)

Jedoch auch sie, die vielen Briten,
die Schott- und Engländer, sie bieten
für unser Thema Menschlichkeit
so manchen Stoff seit alter Zeit !
Nur waren’s statt Indianer Inder,
die sie ermordeten, auch Kinder;
und ähnlich Schreckliches erfuhren
danach die Iren und die Buren,
die man durch den Entzug des Fetts
verschmachten ließ in den Kazetts !
Jedoch bei Völkern, welche siegen,
wird sowas immer totgeschwiegen …

C (Christen)

Dann wäre da, bar jeden Ruhms,
so manche Tat des Christentums,
die, eben wegen seiner Lehre,
am besten unterblieben wäre !
Man denke da zum Beispiel an
Inquisition zuerst und dann
an Waffensegnung mit Gebeten,
um andre Gläubigen zu töten !
Auch dieses: lieber Menschenmassen
verelenden und hungern lassen,
statt man Geburtenregelung übe —
auch das zeugt nicht von Menschenliebe !

D (Deutschland)

Nun: Wollt ihr, daß im Alphabet
es mit dem D jetzt weitergeht ?
Ist es nicht besser, wenn ich ende ?
Wascht nur in Unschuld eure Hände
und greift, kraft eigenen Ermessens,
zum güt’gen Handtuch des Vergessens …

Doch hilft das Waschen nicht und Reiben:
Die Flecke bleiben !

(aus "Das große Heinz Erhardt Buch", 
erschienen im Fackelträger Verlag, 1970)

GEDANKEN IM MOOSBURGER MÜNSTER

IMG_2099Liebe Mutter Gottes! Bitte mach doch,das meine Mama wieder redet mit mir! Du kannst das doch ja? Hast du mit Jesus auch nicht geredet? Ich will das Mama nicht mehr so mit mir streitet. Danke! Hab disch lieb. mutter gottes hilf!!!

Worte. Hingeschrieben in ein dickes Buch, welches neben der lebensgroßen Mutter Gottes Staue im Moosburger Kastulus-Münster ausliegt.
Ein Mädchen namens Lena hatte diese Worte in großen Buchstaben geschrieben. Bemüht um eine besonders schöne Schrift teilte sie in ihrem kindlichen, unerschütterlichen Glauben der Gottesmutter ihre innersten Nöte mit.
Ich weiß nicht, wie es Euch oder den anderen Menschen geht, welche diese Bitte lesen. Mich rührte das Gelesene so sehr an, dass ich nur mit Mühe meine Tränen zurückhalten konnte.
Wie mag es der kleinen Lena jetzt, in diesem Moment gehen? Hat die Bitte geholfen? Spricht Mama wieder mit ihr und streitet nicht nur herum? WARUM dieses Schweigen?
Gedanken, die mich immer noch beschäftigen.
Ich hoffte und betete, dass dieses Kind bald wieder fröhlich lachen kann, dass es jemanden hat, der es liebevoll und tröstend in den Arm nimmt. Und ich entzündete eine Kleine Kerze extra für dieses Mädchen, und auch ich glaube. Glaube daran, dass es hilft. Das war alles, was ich für ein unbekanntes Kind tun konnte. Eine kleine Kerze nur für 50 Cent.

Liebe Lena,
Du heißt nicht so, weil ich den Namen willkürlich wählte. Solltest Du Dich jemals in mein Blog verirren und das hier lesen, lass mich wissen, wie es Dir geht!

Wir können aber auch daraus lernen, wir „Großen“. Nehmt Eure Kinder öfter einmal in den Arm, nur so… und nicht nur, wenn sie gute Noten nach Hause bringen. Hört ihnen aufmerksam zu, wenn sie Euch etwas erzählen wollen. Nehmt Euch die Zeit!
Und nehmt sie ernst!

Danke fürs Lesen!

…UND NUN ÜBERLEGT ER, OB ER WOHL EIN GANZ KLEINES BISSCHEN SELBST MIT SCHULD HAT…

Peter Müller begann seinen Tag um 6 Uhr früh, nachdem sein Wecker (made in Japan) klingelte.
Während seine Kaffeemaschine (made in China) gurgelte, rasierte er sich im Bad mit nem Elektro-Rasierer (made in Philippines). Er zog ein Hemd (made in Sri Lanka) an, Designer Jeans (made in Singapore) und Turn-Schuhe (made in Vietnam).

Nach dem Frühstück aus der elektrischen Pfanne (made in India) setzte er sich, um mit seinem Taschenrechner (made in Mexico) auszurechnen, wieviel er heute ausgeben könnte.

Dann stellte er seine Uhr (made in Taiwan) nach dem Radio (made in India), setzte sich in sein Auto (made in Japan), tankte es voll (mit Sprit aus Saudi Arabien) und begann sich einen deutschen Job zu suchen.

Am Abend eines wiedermal enttäuschenden und fruchtlosen Tages beschloss Peter, sich auszuruhen und setzte sich an den Computer (made in Malaysia). Er zog bequeme Sandalen an (made in Brasilien), schenkte ich ein Glas Wein ein (aus Frankreich) und schaltete den Fernseher an (made in Korea) – und dann wunderte er sich, warum er keinen gut bezahlten Job in Deutschland finden konnte …

Und nun überlegt er, ob er wohl ein ganz kleines bisschen selbst mit Schuld hat…