Hagen Rether-Über Urlaub

Kabarett der anderen Art. Hagen Rether sucht die Schuld bei uns und nicht bei denen da oben. Hagen Rether denkt anders als andere Kabarettisten und hat dadurch nicht minder recht. Es ist eine Animation zum Nachdenken. Alleine das lohnt sich ja schon.


Horrortrip in der Fußgängerzone

Als junger, dynamischer (wenngleich erfolgloser) Typ hat man hin und wieder das Bedürfnis, sich neue Klamotten zuzulegen. Spätestens wenn sämtliche Pullis ausgeleiert, die meisten Shirts verwaschen oder ungewollt verfärbt, und die Lieblings-Treter bis zur Schnee-Schuh-Größe ausgelatscht sind, ist es mal wieder soweit: EINKAUFEN!!!

So raffte ich mich dieses Wochenende auf, packte meine EC-Karte ein und bewegte mich zielsicher und mit der festen Absicht, mein Geld loszuwerden, in Richtung Fußgängerzone, wo mein Konsumverlangen gestillt werden sollte. Die erste Frustration erwartete mich jedoch schon im erstbesten Schuh-Laden: Die Produktion der Schuhe (eben genau jener Schuhe), die ich wollte, war eingestellt worden! — EIN SCHOCK —

Nun, es gab zwar ähnliche dieser Marke und diverse Plagiate; die schauten aber alle bescheuert aus, oder irgendwo prangte (natürlich gut sichtbar) irgend ein hässliches Firmen-Logo. Nachdem ich sämtliche Schuhläden der Stadt abgegrast hatte und immer nur den gleichen Müll zu Gesicht (respektive zu Fuß) bekam, stellte ich sogar schon Überlegungen an, ob es möglich wäre, die auf den Schuhen aufgestickte Logo-Scheiße wieder zu entfernen…

Eigentlich konnte ich mich mit keinem einzigen Modell anfreunden: Anscheinend werden seit zwei Jahren nur mehr Schuhe produziert, deren Sohlen größer und höher sind, als der komplette Schuh. Wer – in Gottes Namen – rennt freiwillig mit diesen Bremsklötzen durch die Gegend??? Na, ich auf jeden Fall nicht! Und wenn ich mir Jutesäcke um die Füße binden muss! Na gut, dann eben nicht… Ich sprach mir Mut zu für mein nächstes Vorhaben, nen Sweater oder nen Strickpulli käuflich zu erwerben. Natürlich wurde ich auch hierbei herb enttäuscht: Sowas gibt es einfach nicht! Nirgends! Niemals! Undenkbar! Ausser man ist dazu bereit, mit Sprüchen wie “Athletic Hero Fighters” oder “Cool Warez Fashion” auf der Brust in die Disco zu gehen. — GRAUSAM —

Was des Thema Strickpulli betrifft, habe ich schon nach dem zweiten Lappen, den ich in Händen hielt, aufgegeben: Erstens fallen die Dinger bereits beim Ansehen auseinander, und zweitens ist es anscheinend zur Zeit schick, die Bündchen an Kragen und Ärmeln einfach wegzulassen. Stattdessen ringelt sich die Wolle an besagten Stellen unschön ein. Nicht mit mir, lieber Einzelhandel!!! Nicht, dass ich nicht bereit wäre, für ne anständige Oberbekleidung, nen Batzen Geld liegenzulassen, aber wofür bitteschön? Ich drück doch nicht einen Haufen Taler ab, nur um für die Herrschaften “Adihasch”, “Mike” und wie sie alle heißen, auch noch Werbeplattform zu spielen! Eigentlich müssten solche Firmen dafür zahlen, wenn jemand mit ihrem Firmen-Emblem auf dem Sweatshirt rumrennt. Tief in mir hege ich schon lange den Verdacht, dass es sowas wie ne Geheimorganisation geben muss. Irgendwas wie damals die Freimaurer… Wenn man Mitglied ist, bekommt man auch vernünftige Klamotten.

Das stelle ich mir dann ungefähr so vor:

Ich: Guten Tag, ich möchte mir ein schönes Sweatshirt kaufen (unbemerkt zeige ich der Verkäuferin meinen Mitgliedsausweis…)

Sie: Oh, guten Tag. Wie ich sehe, sind Sie mit unserem “normalen” Sortiment nicht zufrieden. Bitte folgen Sie mir in unsere Lagerräume.

Ich: Gerne… Haben Sie einen beige-farbenen Sweater mit schwarz-abgesetzten Bündchen, mit Kapuze, aber ohne Eingrifftaschen am Bauch und OHNE Firmenlogo – in XXL?

Sie: Aber natürlich, wir haben hier alles…

Jäh werde ich auf dem Nachhause-Weg aus meinen Wunschträumen gerissen, denn auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommt mir ein ca. 25-jähriger Kerl entgegen, der nen sehr schönen Strickpulli anhat – seine Schuhe sind auch nicht schlecht… Kurz entschlossen renne ich zu ihm hin, überwältige ihn und reiße ihm sämtliche Kleider vom Leib. Ich nehme den Mann in die Mangel, drücke ihn zu Boden und quetsche sein Gesicht auf den dreckigen Asphalt. Nur unter Schmerzen und dem Weinen nahe gibt er sein Geheimnis preis, wo er – die von mir so begehrten – Kleidungsstücke her hat: “Die Schuhe schluck habe ich mir schon vor drei Jahren heul in Amerika gekauft. Und den Pulli hat mir würg – schniff meine Oma zu Weihnachten gestrickt.”
Diese Zeilen schreibe ich aus dem hiesigen Gefängnis (was musste dieser Idiot auch Strafanzeige gegen mich erstatten…). Die Gefängnis-Kleidung, die sie den Insassen hier geben, ist gar nicht so schlecht…

Hazel Brugger – Im Namen des Fötus, des Hohnes und des ewigen Spottes, eine Kindheitsbewältigung

Ein Hauch Dekadenz, ein bisschen Gleichgültigkeit und Arroganz. Hazel Brugger, wärst du eine Haschsorte, wir würden dich tagtäglich rauchen. Großartige Stand-Up-Performance, krasser Text. Halleluja! Zur Seite von Hazel: https://www.facebook.com/hazelbrugger/


Hagen Rether | Die Wahrheit muss immer schon längst tot sein…

 


Am 25.02.2019 veröffentlicht

„Die Wahrheit muss immer schon längst tot sein, bevor es zum Krieg kommen kann“ – Hagen Rether (14.5.2011)
„Der Hunger tötet weltweit ungefähr 100.000 Menschen täglich. Kaum jemand spricht über diesen Völkermord, von Abhilfe ganz zu schweigen.“
Prof. Jean Ziegler (Ex-UN – Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung)

Während 20% der Menschheit in den reichen Ländern ca. 80% der Ressourcen verbrauchen, (USA ca. 6% verbrauchen ca. 50% aller Ressourcen) hungern gleichzeitig weltweit mehr als 1 Milliarde Menschen, die nicht genug Geld für ausreichend Lebensmittel verdienen!

„Sie schreiben: „Der dritte Weltkrieg gegen die dritte Welt hat längst begonnen. 54 Millionen Menschen sind 2016 gefallen.“

Das ist doch polemisch gemeint, oder?

Nein, das ist durch Fakten belegt. Diese Menschen sterben durch Kriege, Hunger, Kindersterblichkeit, durch verseuchtes Wasser oder an sich längst besiegte Epidemien.

Wer konkret führt diesen Krieg?

Wir leben unter der Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals. Die Oligarchie der 500 größten Konzerne kontrolliert 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes, also aller in einem Jahr produzierten Reichtümer.
Das ist eine Machtfülle, wie sie kein König, Kaiser, Papst je hatte.
Die Konzerne entschwinden jeder staatlichen Kontrolle und folgen nur einer Strategie: Profitmaximierung. Heute sind in den USA die Milliardäre ja direkt an der Macht.

Ist der Kapitalismus reformierbar?

Glaube ich nicht.
Die Grundprinzipien sind seit 200 Jahren Konkurrenz, Marktwillkür und Monopolisierung von Macht.
Dem gegenüber lebt in uns der Wille zu einer ganz anderen Gesellschaft, die nach dem Prinzip organisiert ist: von jedem nach seinen Fähigkeiten, für jeden nach seinen Bedürfnissen.“
Quelle:
Prof.Jean Ziegler
https://m.kurier.at/wirtschaft/global…

Armutsländer in der Schuldenfalle
„Aber auch der Zweite Kolonialismus hat sich gelohnt: Obwohl ein Teil der Kredite, die sich bei den ärmsten Ländern, den sogenannten LDCs (least ­developed countries) angesammelt hatten, mehrere Male abgeschrieben wurde, lag die Gesamtsumme, die die Dritte Welt der Ersten Welt schuldete, im Jahr 2000 noch immer bei 1960 Mil­liarden Dollar.
Die an den Norden zurückfließenden Zinsen werden auf netto 220 Milliarden Dollar jährlich geschätzt.4
(…)
Die Internationale der korrupten Eliten
Dieses neue Empire hat beeindruckende Dimensionen angenommen. Der Nettozufluss von Geldern aus der Dritten in die Erste Welt liegt heute – vorsichtig geschätzt – bei rund 1000 Mil­liarden Dollar pro Jahr; um die Jahrtausendwende waren es 200 Milliarden.

Korrupte Politiker schleusen Geldströme in die globalen Finanzzentren, die das Vierfache der Summen ausmachen, die ihre Länder in Form von Zinsen an die internatio­na­len Banken zahlen.
(…)
Die globalen Korruptionsnetze sind die schädlichste Folge der Globalisierung. Diesen Schaden können und müssen die entwickelten Industrieländer selbst beheben.
Der Schlüssel für den Kampf gegen die globale Korrup­tion liegt nicht in korrupten Ländern wie China, Ukraine, Brasilien oder Kongo. Er liegt in Europa und in Großbritannien, dort, wo schon die beiden ersten Formen des Kolonialismus ihren Ausgang nahmen.
(…)
Dieses System zementiert die Überlegenheit des Westens über den Rest der Welt mit Methoden, die besser wirken als alle früheren. Allerdings ist diese neue Art des Kolonialismus für Europa viel gefährlicher als alle anderen Formen der Kontrolle überseeischer Besitzungen, denn in dem Maße, in dem die Verschleierung der Korruption zum täglichen Geschäft von zigtausend Europäern geworden ist, sind auch die europäischen Staaten und ihre Regierungen und Bürokratien korrumpiert.“
Quelle:
Der Dritte Kolonialismus von Wladislaw Inosemzew​ und Alexander Lebedew

Hagen Rether

Rückblick auf ein krankes Jahr 2007 – Lieblingsspiel der Deutschen „Schlag den Moslem“ – ein Anschlagsopfer als Innenminister – das Ende des Grundgesetzes – Islamkritik als Vorwand – Wie backe ich mir (m)eine Paranoia – Ehrenmord versus Familiendrama – Balken vorm eigenen Auge – Kommentare zu diversen Personen der deutschen Öffentlichkeit: Henryk M. Broder, Günther Wallraff – „Das Leben des Brian“ im Kölner Dom – schwarze SPIEGEL Titel, u.a.: „Papst contra Mohammed“, „Mekka Deutschland“, „Der Koran“ – „Rudolf Augstein rotiert im Grab“ !



Mehr über Hagen Rether weiß Wikipedia. 😉