Mein erster Flug

Bei der ganzen Diskussion um fremde Kulturen, fremde Religionen und alles, was dem „ehrlichen Deutschen“ Angst macht, denke ich immer an Erfahrungen zurück die ich machte (und auch heute noch mache).
Ich habe keine Angst. Heute nicht mehr. Früher… ja.
Früher nannte mich meine Lynn „Mein geliebter kleiner Feigling“.
Auf irisch: „Mo meatachán beag beloved

Ich hatte auch Angst davor, ein Flugzeug zu besteigen. Immer wieder sah ich dieses wahnsinnig interessante Fluggerät auf dem Boden. Ein Haufen Eisen, Aluminium, rauchend und vor sich hindampfend. Um es herum wahre Armeen von Männern in gelben, roten und blauen Anzügen, Atemschutzgeräten auf dem Rücken, beleuchtet von blauen und gelben und roten Lichter, die zuckend die Szenerie erhellten.
Sehe ich auch heute noch. Es hatte schon seinen Grund, weshalb ich von München aus nicht innert 2 Stunden in Irland sein wollte.
24 Stunden mit dem Bus, die nahm ich gerne in Kauf. Zweimal Fähre, 2 Stunden Aufenthalt in London… Aber es war einfach GEIL!
Und es war schade. Irland aus der Luft – DA bleibt Dir die Luft weg, ich schwöre!

Wisst Ihr eigentlich, wie ich das erste mal in „die Luft ging“? Nein?
Aber dass meine Lynn eine irische, hinterhältige und verschlagene Kanaille war, das hatte ich doch irgendwann schon einmal erwähnt, oder?

Ein wunderbarer Sommertag. Wir saßen beim Frühstück. Lynn hatte meinen geliebten „French Tost“ gemacht. Mit Ahorn-Sirup. Mjamm

Und dann eröffnete sie mir ihren Wunsch, für diesen Tag.
„Darling, ich würde gerne mal das Museum in Oberschleißheim angucken. Ok?“
„Gute Idee, Spätzchen!“
Ich überlegte, dachte nach.
„Du meinst das Schloss, mit den vielen Porzellandingensbums, oder?“
„Quatsch! Ich meine das, wo die vielen Flugzeuge stehen…“
Ok, eine Filiale des Deutschen Museums hat in der Tat dort ziemlich coole Teile, die ich auch noch nie sah.
„Klar! Gucken wir uns an. Ist bestimmt interessant.“
„Yes. It is…“

Ein Blick in ihre Augen sagte mir, dass da noch mehr hintersteckte, als nur ein kleiner Ausflug…
„Sonst noch was?“
„Na, wenn du schon fragst…“
Und diesmal errötete sie. Bei den Ohrläppchen fing es an. Und breitete sich langsam über die Stirn auf ihr restliches Gesicht aus. Ich kenne meine Lynn, sie kann mich nicht belügen.
Aber schauspielern… Himmel! Die war echt gut für jeden Oscar!

„Da gibt es so einen kleinen Flugplatz…“
„Stimmt. Mit einem niedlichen Biergarten. Da können wir was trinken!“
„Oh ja! Bitte! BITTE! Und wir können sogar in so eine kleine Airplane kraxeln und uns alles angucken! Ja? Bitte!“
„Du kannst denen zugucken beim Starten und Landen… Aber die lassen dich niemals da rein. Vergiss es!“
„Och, wer weiß…“
Ihr Blick hätte mich warnen sollen.
Und ihr verfärbtes Gesicht auch.
Aber ich liebte sie ja, dieses irische Miststück….