Wellenspiel

Heiteres Leuchten im braunen Gesicht,
Wählig der Himmel hinrollendes Licht
Prächtige Bläue so unten, so oben
Singender Jubel, freudiges Toben.

Greifende Arme ins tolle Gemisch
Kinder mit Flossen, zappelnder Fisch
Fassen und fliehen, krähen und haschen,
Taumeln und tauchen, spritzen und waschen.

Siehe der Väter verwunderlich Treiben
Wissen vor Freude nirgends zu bleiben
Greifende Arme ins tolle Gemisch
Fassen die Kinder, fassen den Fisch.

Schauen ihr lachendes Weltwunder an
Ja, so ein Vater, das ist euch ein Mann.
In seinem Kinde ist nochmal sein Leben,
Kann sich nun selber ja schwingen und heben.

Wie eine Sonne die selber sich scheint
Einmal rosig, das andere gebräunt
Wirft an das Licht sein fliegendes Wunder,
Das an der Brust hält glattzackigen Flunder.

Auf grünem Gestein rotflossige Hand
Goldüberrollt ins verschwimmende Land
Schauen zwei Augen,
Sterne stiller Freude
Ins verschwindende Weite.

Lustige Väter, junge berauscht
Schleudern mit Flossen ausspannender Hand
Schuppenumglitzerte Kinder krähend ans Land –
Mutter lauscht.
So ist es, dass die Erden
Von allem Wachsen schöner werden.

0hille
Peter Hille (1854-1904)

Der Sonne Geburtstag

Die Schieferdächer zottig und breit,
Noch wacht kein einzig Haus,
Zartklare Gegend und Einsamkeit,
Da jubelt ein Vöglein sich aus.

Die Sonne zu grüßen, so steigt es hinan
In reiner und reineres Blau,
Bis man es nicht mehr sehen kann,
Nun jubelt die Himmelsau.

Die Schieferdächer zottig und lang,
Schroff ragt ein Berg einher,
Die Mondsichel zart und morgenbang,
Da Wolkenfleisch, blühend und schwer.

Die Lerche hat die Sonne gesehn
Und sinkt nun wieder zu Tal,
Das hören die Morgenwinde und wehn,
Froh glühen die Wölklein zumal.

Kirschbäume stehn und richten sich aus
Und schauen stumm sich um,
Wie Kinder stehn mit Spruch und Strauß
So köstlich blöd und dumm.

Siehe, da blitzt es freudig erhellt,
Da hebt es sich und steigt,
Das liebeleuchtende Antlitz der Welt,
Und unsre Seele schweigt.

0hille
Peter Hille (1854-1904)