Nachdem ich heute die Nachrichten sah…

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In der vergangenen Woche sind wieder einige Jugendliche und Kinder auf den Straßen schwer verletzt worden oder sogar ums Leben gekommen. Am 28. 11. 2018 hatte ich einen Videoclip gepostet. Heute – nach den erschütternden Nachrichten der vergangenen Woche – möchte ich dieses Gedicht noch einmal veröffentlichen; und auch den Hintergrund dazu. Mir ist durchaus bewusst, dass ich damit nicht viel verändern werde. Jedoch hoffe ich, dass es sich weiterverbreitet und einige Menschen zum Nachdenken bewegt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt! In diesem Sinne, danke fürs Lesen!

Das Gedicht: „Warum Mami? – Tod einer Unschuldigen“

Anmerkung: Dieser Text in Gedichtform war an der Springfield High School (Springfield, VA, USA) in Umlauf, nachdem zwei Studenten bei einem Autounfall getötet wurden. Unter dem Gedicht steht folgende Bitte:
JEMAND HAT SICH DIE MÜHE GEMACHT; DIESES GEDICHT ZU SCHREIBEN. GIB ES BITTE AN SO VIELE MENSCHEN WIE MÖGLICH WEITER. WIR WOLLEN VERSUCHEN, ES IN DER GANZEN WELT ZU VERBREITEN, DAMIT DIE LEUTE ENDLICH BEGREIFEN, WORUM ES GEHT!

Ich ging zu einer Party, Mami, und dachte an Deine Worte. Du hattest mich gebeten, nicht zu trinken, und so trank ich keinen Alkohol.

Ich fühlte mich ganz stolz, Mami, genauso, wie Du es vorhergesagt hattest. Ich habe vor dem Fahren nichts getrunken, auch wenn die anderen sich mokierten.

Ich weiß, dass es richtig war, Mami, und dass Du immer recht hast. Die Party geht langsam zu Ende, Mami, und alle fahren weg.

Als ich in mein Auto stieg, Mami, wusste ich, dass ich heil nach Hause kommen würde: aufgrund deiner Erziehung – so verantwortungsvoll und fein.

Ich fuhr langsam an, Mami, und bog in die Straße ein. Aber der andere Fahrer sah mich nicht, und sein Wagen traf mich mit voller Wucht.

Als ich auf dem Bürgersteig lag, Mami, hörte ich den Polizisten sagen, der andere sei betrunken. Und nun bin ich diejenige, die dafür büßen muss.

Ich liege hier im Sterben, Mami, ach bitte, komm` doch schnell. Wie konnte mir das passieren? Mein Leben zerplatzt wie ein Luftballon.

Ringsherum ist alles voll Blut, Mami, das meiste ist von mir. Ich höre den Arzt sagen, Mami, dass es keine Hilfe mehr für mich gibt.
    

Ich wollte Dir nur sagen, Mami, ich schwöre es, ich habe wirklich nichts getrunken. Es waren die anderen, Mami, die haben einfach nicht nachgedacht.

Er war wahrscheinlich auf der gleichen Party wie ich, Mami. Der einzige Unterschied ist nur: Er hat getrunken, und ich werde sterben.

Warum trinken die Menschen, Mami? Es kann das ganze Leben ruinieren. Ich habe jetzt starke Schmerzen, wie Messerstiche so scharf.

Der Mann, der mich angefahren hat, Mami, läuft herum, und ich liege hier im Sterben. Er guckt nur dumm.

Sag` meinem Bruder, dass er nicht weinen soll, Mami. Und Papi soll tapfer sein. Und wenn ich dann im Himmel bin, Mami, schreibt „Papis Mädchen“ auf meinen Grabstein.

Jemand hätte es ihm sagen sollen, Mami, nicht trinken und dann fahren. Wenn man ihm das gesagt hätte, Mami, würde ich noch leben.

Mein Atem wird kürzer, Mami, ich habe große Angst. Bitte, weine nicht um mich, Mami. Du warst immer da, wenn ich Dich brauchte.

Ich habe nur noch eine letzte Frage, Mami, bevor ich von hier fortgehe: Ich habe nicht vor dem Fahren getrunken, warum bin ich diejenige, die Sterben muss?

 

Die Statistik spricht eine klare Sprache:

Auf eine amtliche (also „erwischte“) Trunkenheitsfahrt kommen 600-3000 (!) Fahrten, die nicht entdeckt werden.
Wir wollen hier niemanden ankreiden, und zum Glück wird man in dieser Sache auch nicht rückwirkend vom Gesetz belangt, aber kommt beim Lesen des Gedichtes nicht bei dem/der ein oder anderen ein arg mulmiges Gefühl auf?
Ich selbst kann den Text heute noch nicht lesen, ohne das ich sofort einen riesen Kloß im Hals habe und mich beherrschen muss, nicht loszuheulen. Ehrlich.
Mein erster Kontakt mit „Warum Mami?“ war in einer Schulklasse mit Manuela und Joe als Referent in Sachen Schul-Prävention. Nichtsahnend gab mir Manuela den Text zum Vorlesen. Nur mit äußerster Mühe konnte ich mich von Absatz zu Absatz arbeiten, am Ende war ich nicht mehr in der Lage, ohne Tränen in den Augen zu sprechen.
Nicht, das mich der Text wegen seiner Lyrik so fesselte, sondern weil ich selbst so ein Arschloch war, das betrunken, teilweise besoffen hinterm Steuer saß, mir weiß-Gott-wie-cool vorkam und natürlich in der festen Überzeugung, ein wahrer Meister des Fahrens zu sein.
– mir passiert schon nix.
Mir ist auch nix passiert, sieht man z.B. von drei Totalschäden ab, in denen meine Autos nur noch Schrottwert hatten, (und ich selbst einmal beinahe von einer Leitplanke durchbohrt worden wäre) die aber jedesmal durch „fürsorgliche“ Mitmenschen ohne Polizeikontakt aus der Welt geschafft wurden.

„Aber was wäre wenn . . ?“

Diese Frage kann ich nicht beantworten, sie übersteigt schlicht mein Vorstellungsvermögen. Ich glaube nicht, das ich mit einer solchen Schuld leben könnte.

Gott sei Dank bin ich aus dem tödlichen Wahnsinn des Trinkens ausgestiegen.
Vergangenheit hin oder her, heute kann ich stolz auf mich sein, und jede Polizeikontrolle wird eine wahre Freude sein, denn ich weiß: Ich bin klar im Kopf.

Lee-Roy

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Impressionen aus Bad Feilnbach…

Leider hat sich mein Bericht über meine Reha in Bad Feilnbach nun doch ein wenig verzögert.

Ich befand mich ja die letzten 3 Wochen in Bad Feilnbach, in der Klinik Blumenhof. Ungefähr 20 km von Rosenheim entfernt. Es wäre eine wunderschöne Gegend, wenn ich denn mehr davon sehen hätte können. Auf Grunde des vielen Schnees hätte die Ortschaft auch ebenso gut in Lappland liegen können. 😀

Die Ärzte und Schwestern waren ohne Ausnahme sehr nett, freundlich und hilfsbereit. Vor allem gab es dort zwei junge Schwestern aus Spanien, die auch im richtigen Leben Schwestern sind, kein Witz. 😉 Himmel, manchmal wünschte ich mir, ich wäre 35 Jahre jünger…Scherz Auch mein Zimmer war 1a, wie ein kleines Appartement.

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Hier konnte man wohlig schlafen, in vollkommener Ruhe
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Hier schloss sich eine kleine Terrasse an
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Ein bisschen Sonne hätte es perfekt gemacht… 🙂
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Und in DEM Bad hätte ich Orgien feiern können.
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Ihr wollt wissen, was ich von meiner Terrasse sehen konnte? Na, das hier…  😀

Alles in allem waren es drei Wochen, die meiner Gesundheit sehr gut taten. Und Elena und Carmen (Ihr erinnert Euch, die beiden Schwestern aus Spanien) halfen mit dem täglichen Verbandwechsel und dem Reinigen meiner Wunde nach Kräften mit. Morgen schreibe ich noch weiter. Ich habe nämlich auch einige wirklich nette Menschen kennengelernt.

Aber das wird ein anderer Artikel… 😀

 

 

Mein Onkel Paul|Der Mensch

Onkel Paul. Einer der Menschen, die mich bis zum Tode begleiten werden. Es sind Wenige, die dies für sich in Anspruch nehmen können. Viele sind es, die mich in der einen oder anderen Weise prägten. Natürlich.
Onkel Paul war da ganz eigen. Er lehrte mich, die Natur zu BEGREIFEN. Im wahren Sinn des Wortes.
Ein Spaziergang mit Onkel Paul war für mich ein Erlebnis. Fast immer ging es in den Wald.
Ich hatte als Kind sehr viel Angst. Und ich fürchtete mich, in diesen dunklen Wäldern, wo mich auserkorene Feinde erwarteten. Riesige Bäume, bereit, sich jederzeit auf mich zu stürzen und zu verschlingen. Das Sonnenlicht, welches ich so sehr liebte, fehlte ja fast gänzlich.
Verzagt und furchtsam, Onkel Pauls Hand fest umklammernd, tapste ich in dieses grauenerregende Gebiet.
Und ich war stolz, einen so starken und furchtlosen Beschützer an meiner Seite zu wissen.
Er lehrte mich, meine Angst ins Positive zu kehren. Der einzige Mensch, der mir Angst nahm. Und dafür Mut gab. Mut, in meinem Leben immer zu versuchen, das RICHTIGE zu tun. MUT, immer, wenn es darauf ankam, das Maul aufzureißen und zu sagen:
„DAS ist SCHEISSE!“
Aber es dauerte, ziemlich lange sogar. Er erzählte von seinen Ängsten, damals, ehe er meine Oma kennen lernen… musste.
Von seiner Furcht vor den GESTAPO-Leuten. Von seiner unwahrscheinlichen Angst, wenn es in dem Hause, in dem er damals wohnte, irgendwo klingelte.
Und von der Angst vor dem Nachbarn aus dem Nebenhaus, Koloschowskii – glaub ich – war der Name. Seines Zeichens Blockwart, trotz seines Namens…
Auch von den Demütigungen erzählte mein Onkel Paul mir, die er wegen seiner äußerlichen Erscheinung erleiden musste.

Davon aber beim nächsten Mal mehr.

Schreiben zum aufarbeiten***

Dies schrieb ich vor 7 oder acht Jahren. Und damals wusste ich noch nicht, wie mein Leben sich so weiterentwickelt. 

Ich bin ein Mensch, der schon SÄMTLICHE Höhen und Tiefen in seinem Leben erlebte. Über manches schreibe ich, vieles steht noch auf meiner „Schreiben-Liste“ und manche Dinge möchte ich erst einmal genau wissen, ehe ich meinen Senf dazu abgebe.
Aber, Ihr dürft an Traumschoepfers Leben teilhaben.

Ich wurde in meinem Leben getäuscht, hereingelegt, verlor Geld an „Freunde“, verlor den Rest meiner Familie, weil ich entweder den Kontakt verlor, und/oder der Kontakt mit mir einfach nur lästig war. Keine Ahnung. Über eine erneute „Kontaktaufnahme“ zu meiner Familie werde ich zu gegebener Zeit einmal schreiben.

Aber ich bin nicht allein. Meine Wurzeln liegen in Irland. Ich kenne mich mit der Terminologie nicht so aus.
War es mein Großvater, väterlicherseits, der Irisch-Stämmig war? Mein Ur-Großvater?
Sicher ist: Mein XX-Großvater schrieb sich WILLIAM PHILLIPS. Also anders, als ich. Ich schreibe mich PHILIPPS.

Und mein Freund und Vertrauter in Kindertagen, Onkel Paul, BETTELTE meine Eltern an, MICH zu ihm zu schicken. Das war kurz vor seinem Tod und er lag schon einige Zeit im Krankenhaus.

Damals tat ich Dienst bei der Bundesmarine und hätte JEDERZEIT Sonderurlaub bekommen.
Und die Nachricht seines Todes bekam ich von meiner Mutter, so ganz beiläufig während eines Telefonats einmal mitgeteilt.

Ich bin traurig. Ich werde es niemals mehr erfahren.

Es ist so viel, was mir zur Zeit durch meinen Kopf geht.
Und zu allem, egal was, fällt mir meine Lynn ein.

Sie sagte immer: „Eine Kuh, die tot ist, gibt keine Milch mehr!“
Und sie hatte Recht!

Mein Onkel Paul|Formen

Nun, mein Onkel Paul lebte nun – gezwungenermaßen – mit meiner Großmutter zusammen.

Und so liebten sie sich und wurden glücklich alle Tage… So enden Märchen. Die Geschichte von Oma und Onkel Paul fing da erst an.

So schrieb ich in meinem ersten Artikel über meinen Onkel Paul.
Natürlich weiß ich nicht, ob sie je eine „Beziehung“ eingegangen waren. Interessiert mich auch nicht. Sie waren jedenfalls – so meine Erinnerung – immer „Gut“ miteinander.
Die Oma, groß, hager und mit weißem Haar. Penibel auf ihre Kleidung achtend, auf Deckchen, die auf dunklen, eichernen Tischen lagen, auf den Glanz ihres Parkettbodens und dass wir Kinder – meine Schwestern und ich – sittsam, Hände auf dem Tisch, bei den Mahlzeiten saßen.
Selten – zu selten, dass ich als Kind das ertragen konnte – gab es Kekse. Selbstgebacken von Oma. Noch heute stellt sich ein Kratzen im Halse ein, wenn ich nur daran denke.
Mit Worten wie: „Die Negerkinder wären froh, hätten sie etwas so Gutes zu essen!“, wurden wir Kinder erpresst.
Die „Heidenkinder“, so wussten wir ja schließlich aus dem Religionsunterricht, bedurften unserer Hilfe, nicht zu verhungern. Kleine Pappschachteln, zusammenfaltbar und von uns Kindern wieder entfaltet und zusammengesteckt. Aufdrucke von armen Negerkindern sollten die Seele rühren.
Und: „DIASPORA“ und „BROT FÜR DIE WELT“ stand draufgedruckt. Und wer da in den oben angebrachten Schlitz nichts hineinwarf… AB! Ins FEGEFEUER!

So, und die nächsten Tage erfahrt Ihr, wie es weitergeht. Also: BLEIBT DRAN!
Und alle, die hier nur zufällig aufgetaucht sind: Ihr könnt ja auch abonnieren. Kostenlos, versteht sich!

Mein Onkel Paul|Ankunft

Woran mag es liegen? Sobald man einmal angefangen hat, sich intensiv mit der – vor allen Dingen seiner eigenen – Vergangenheit zu beschäftigen und zu Papier Bildschirm zu bringen, treten immer mehr Dinge zu Tage, welche man längst verdrängt glaubte.
Abgeschlossen. Ad Acta gelegt. Vergessen und begraben…
Nein, nicht mein Onkel Paul fällt in diese Kategorie. Aber meine Familie. Meinen Onkel Paul liebte ich abgöttisch. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Heute weiß ich es mehr denn je…
Und er ist mir ebenso unvergesslich im Gedächtnis geblieben, wie der alte einsame Mann, Franz, über den ich ja vor kurzer Zeit schrieb.
So möchte ich denn einem weiteren, wichtigen Menschen in meinem Leben einen Eintrag widmen.
Seid gewarnt: Diesmal wird es eine etwas längere Geschichte. Zu lang für einen Artikel, zu kurz für eine Soap bei RTL… Lasst mich beginnen, bitte.

Es war damals, in einer Zeit, als Menschen, die sich heute rühmen: „WIR haben alles wieder aufgeräumt…!“, ohne zu bedenken, dass ja auch SIE diejenigen waren, welche fast die ganze Welt in Schutt und Asche gelegt hatten, kaum noch etwas fanden, mit dem sie ihren Hunger stillen, geschweige, wo sie denn hausen sollten.
Und da war es wieder. Dieses Deutsche, dieses verfickte. Flugs wurden wieder Ämter geschaffen, bevölkert von Beamten. Es musste ja wieder Ordnung herrschen.
Es möge ein jeder, der es Besser weiß, mich berichtigen. Ich wurde ja erst sieben Jahre später geboren…

Ein Amt beschäftigte sich damit, Menschen Wohnraum zu beschaffen. Viel gab es nicht. Aber doch war Einiges nicht der Vernichtung anheim gefallen.
Und so wies man Menschen, die sich nicht kannten, „Wohnraum“ zu, bei einer Witwe, deren Mann „ehrenvoll für das Vaterland gefallen“ war. Diese Witwe war meine Großmutter, väterlicherseits. Und der „Zugewiesene“ war mein Onkel Paul.
Und so liebten sie sich und wurden glücklich alle Tage… So enden Märchen. Die Geschichte von Oma und Onkel Paul fing da erst an.
Wie es mit den Beiden weiterging? Und wann ich ins Spiel kam? Ihr werdet es erfahren, ganz sicher!
Ich brauchte diese Einleitung jetzt einfach, um meine Gedanken ins Reine zu bringen.
Ich denke, ich habe es, zumindest Ansatzweise, geschafft.

Meine erste große Liebe

Schon seit längerer Zeit folge ich  Peters Blog, ich selber bin gebürtig aus Köln, und da ist es  – sollte man meinen – nicht besonders weit in den „Pott“. Und ein jedesmal, wenn ich auf seine wundervollen Einträge blicke, erinnere ich mich an meine erste große Liebe, Silvia. Kennen lernte ich sie nicht in Duisburg oder Köln, sondern etwas weiter weg. Nämlich auf der (damals) größten deutschen Insel in der Nordsee: Borkum.

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Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Dort lebte ich einige Jahre mit einer Frau zusammen, die hatte eine kleine Kneipe in den Dünen und eine Pension etwas weiter Richtung Stadt. Und in eben dieser Kneipe sah ich Silvia das erste mal. Ihre Eltern feierten dort Silberne Hochzeit und auf Wunsch meiner damaligen Freundin unterhielt ich die Gesellschaft zwischendurch mit Seemannsliedern und Shanties auf meinem Akkordeon.

 

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Foto: Frederick Kühne  / pixelio.de

Um das Ganze mal ein wenig abzukürzen: Etwa eine Stunde später hielt ich sie vor der Kneipe im Arm und kurz vor dem ersten Kuss erklärte ich ihr etwas von dem Alten Leuchtturm.

Als wir uns endlich von einander lösen konnten, geschah das auch nur auf Grund des Kuchens, der auf uns wartete. Die wissend-grinsenden Gesichter der Gesellschaft ignorierten wir geflissentlich. Langsam machte ich mich fertig, zurück an Bord zu kehren, ich hatte dort noch einen Auftritt mit meiner Orgel in der Offiziersmesse.

Und pausenlos spielte die Jukebox den Schlager von Gitte:

Lass mich heute nicht allein, denn die Liebe lädt uns ein,
verschenk nicht einen Augenblick, denn nicht einer kommt zurück,
darum sag noch nicht auf Wiedersehen.

Das war der erste Akt meiner ersten großen Liebe. Dass die Offiziere das gar nicht witzig fanden… damit konnte ich leben… heute noch.

Wie es weiter ging mit Silvia (17) und Werner (23) ? Ach ja, da war ja auch noch meine damalige Freundin Hildegard (42)…

Aber all das erfahrt Ihr dann die nächsten Tage, versprochen!

Aus dem Archiv: Hagen Rether Vater unser

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Hagen Rether

„Mit zwölf Jahren ist man in Asien zu alt zum Teppichknüpfen,
weil die Finger zu gross werden.
Du darfst aber erst mit 14 bei Nike anfangen, Turnschuhe zu kleben.
Da entsteht eine Versorgungslücke von zwei Jahren, die meistens durch Prostitution gestopft wird…

Oh Herr, wir haben keine Ahnung von Sklavenhandel mit Kindern,
Zerstörung ganzer Volkswirtschaften durch Börsenspekulationen,
und Umweltkatastrophen durch Ressourcenausbeutung.

Herr, wir wissen nichts von Hermes-Bürgschaften für Staudämme
und Turnschuh-Produktionen in Südostasien.
Herr, die meisten von „uns“ sind froh, wenn sie sich ihr Autokennzeichen merken können.
Kein Schwanz kennt aus dem Stehgreif den Zusammenhang
zwischen Aktienkursen und Leitzinsen, wir kennen ja noch nichtmal unsere Blutgruppe.

Herr, wir sind so degeneriert, dass wir nicht bezahlen können,
weil wir uns die vierstellige EC-Kartennummer nicht merken konnten,

Herr.

Herr, wir sind so hohl – wie wir voll sind.

Die anderen hoffen auf Frieden – und wir hoffen, dass man uns im Urlaub nicht entführt.

Die haben Angst, dass ihre Kinder verhungern, und wir haben Angst, dass unser Deo versagt, und dass man uns beim Telefonieren im Auto erwischt.

Oh Herr, wir kaufen ihre Frauen und behaupten, sie würden uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen.

Unsere Beichtväter sind die Steuerberater,
und Unicef ist unser Ablass.

Oh Herr, mach hoch die Tür, die Tor mach dick- und die Mauern zu.
Denn es kommt ein Heer von wütenden kleinwüchsigen Analphabeten und Hungerleidern über uns.

Die Tutsi und Hutu werden sich gemeinsam gegen uns verschwör’n,
und die nicaraguanischen Kaffeebauern
und die Schafhirten aus Kaschmir
und die kampferprobten Kindersoldaten aus Sierra Leone…

Sie alle werden kommen,
über die NATO-Zäune krabbeln und uns hinwegfegen wie El Niño.

Sie werden uns mit Basmati Reis bewerfen, und mit Naturreis und mit Parfum-Reis, mit Wildreis und mit Langkornreis und mit Milchreis und mit Uncle Ben’s Beutelreis und mit Puffreis.

Sie werden in unseren Hobbykellern Dart spielen
und in unseren Swinger-Clubs swingen,
sie werden von unseren Tellerchen essen
und mit unseren blonden Töchtern in unseren Ikea-Bettchen schlafen,
sie werden auf unseren Teakholz-Möbeln gammeln,
Cohibas rauchen, Darjeeling schlürfen und „wer wird Millionär“ gucken.

Oh Herr, sie werden mit unseren Geländewagen im Stau stehen und über die Öko Steuer fluchen.

Herr. Wie kriegen wir in ihren Drittweltschädel rein, dass du ein Aufsichtsratsvorsitzender bist?

Machen wir es uns gemütlich vor dem Herrn, lasset uns beten.

Vater unser, der Du bist im Himmel. Gereinigt werde Dein Name.
Wir sind steinreich (komm, ey).
Unser Wille geschehe, wie in Chile, so auch in Schweden.
Deren täglich Brot gib uns heute.
Und vergib Du ihnen doch ihre Schulden,
wie auch wir vergeben unsere Kredite.

Und führe keine Untersuchung,
sondern gib die Erlöse uns von den Börsen.

Denn wir sind reich, haben die Kraft und die Herrlichkeit.
Und die bleiben immer die – in Ewigkeit – Armen.“

Missbrauch in der Katholischen Kirche – Abartig, Widerlich, kriminell

Galerie-der-Kirchenkritik-Missbrauch-28Vor wenigen Tagen sah ich im TV einen Bericht über den sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche. Dieser Report machte mich unglaublich wütend. Allein der Gedanke, dass die Fälle – aller Voraussicht nach – kaum ans Licht der Öffentlichkeit gelangen werden…

Unter anderem wurde dort auch das Interview mit einem Bischof gezeigt, der in die Untersuchungen der katholischen Kirche involviert ist, ließ mich fast zu einer Papiertüte greifen.

Auf die Frage, weshalb sich die Kirche denn so vehement weigert, die bisherigen Ergebnisse samt aller Akten der zuständigen Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen, antwortete der „Knabe mit dem Wunderhorn“ ohne mit der Wimper zu zucken, dass dies den Staat  nichts angehe. Schließlich gelte immer noch die strikte Trennung zwischen Staat und Kirche. Und das sei „gut und richtig so“!

Ach so, na, dann ist doch alles in Ordnung. Moment mal… Was ist denn dann der Unterschied zu den Millionen von Euro, mit denen der Staat die Gehälter von Bischöfen zahlt? Hmmm… sind da eigentlich auch die Alimente drin enthalten, die ja laut Gesetz an Kinder gezahlt werden müssen?

Für die Öffentlichkeit schwer nachzuvollziehen ist zum Beispiel die bayerische Besonderheit, dass der Freistaat für die konkreten Gehälter der Bischöfe aufkommt.“ Der katholische Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Peter Neher, bezeichnet die Staatsleistungen gar als „nicht mehr zeitgemäß“. Die Kirchen müssten das Thema „aktiver angehen“, sie dürften da „nicht nur abwiegeln“.

Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article13583390/Warum-der-Staat-der-Kirche-jaehrlich-Millionen-zahlt.html