Mein Onkel Paul|Der Mensch

Onkel Paul. Einer der Menschen, die mich bis zum Tode begleiten werden. Es sind Wenige, die dies für sich in Anspruch nehmen können. Viele sind es, die mich in der einen oder anderen Weise prägten. Natürlich.
Onkel Paul war da ganz eigen. Er lehrte mich, die Natur zu BEGREIFEN. Im wahren Sinn des Wortes.
Ein Spaziergang mit Onkel Paul war für mich ein Erlebnis. Fast immer ging es in den Wald.
Ich hatte als Kind sehr viel Angst. Und ich fürchtete mich, in diesen dunklen Wäldern, wo mich auserkorene Feinde erwarteten. Riesige Bäume, bereit, sich jederzeit auf mich zu stürzen und zu verschlingen. Das Sonnenlicht, welches ich so sehr liebte, fehlte ja fast gänzlich.
Verzagt und furchtsam, Onkel Pauls Hand fest umklammernd, tapste ich in dieses grauenerregende Gebiet.
Und ich war stolz, einen so starken und furchtlosen Beschützer an meiner Seite zu wissen.
Er lehrte mich, meine Angst ins Positive zu kehren. Der einzige Mensch, der mir Angst nahm. Und dafür Mut gab. Mut, in meinem Leben immer zu versuchen, das RICHTIGE zu tun. MUT, immer, wenn es darauf ankam, das Maul aufzureißen und zu sagen:
„DAS ist SCHEISSE!“
Aber es dauerte, ziemlich lange sogar. Er erzählte von seinen Ängsten, damals, ehe er meine Oma kennen lernen… musste.
Von seiner Furcht vor den GESTAPO-Leuten. Von seiner unwahrscheinlichen Angst, wenn es in dem Hause, in dem er damals wohnte, irgendwo klingelte.
Und von der Angst vor dem Nachbarn aus dem Nebenhaus, Koloschowskii – glaub ich – war der Name. Seines Zeichens Blockwart, trotz seines Namens…
Auch von den Demütigungen erzählte mein Onkel Paul mir, die er wegen seiner äußerlichen Erscheinung erleiden musste.

Davon aber beim nächsten Mal mehr.

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Schreiben zum aufarbeiten***

Dies schrieb ich vor 7 oder acht Jahren. Und damals wusste ich noch nicht, wie mein Leben sich so weiterentwickelt. 

Ich bin ein Mensch, der schon SÄMTLICHE Höhen und Tiefen in seinem Leben erlebte. Über manches schreibe ich, vieles steht noch auf meiner „Schreiben-Liste“ und manche Dinge möchte ich erst einmal genau wissen, ehe ich meinen Senf dazu abgebe.
Aber, Ihr dürft an Traumschoepfers Leben teilhaben.

Ich wurde in meinem Leben getäuscht, hereingelegt, verlor Geld an „Freunde“, verlor den Rest meiner Familie, weil ich entweder den Kontakt verlor, und/oder der Kontakt mit mir einfach nur lästig war. Keine Ahnung. Über eine erneute „Kontaktaufnahme“ zu meiner Familie werde ich zu gegebener Zeit einmal schreiben.

Aber ich bin nicht allein. Meine Wurzeln liegen in Irland. Ich kenne mich mit der Terminologie nicht so aus.
War es mein Großvater, väterlicherseits, der Irisch-Stämmig war? Mein Ur-Großvater?
Sicher ist: Mein XX-Großvater schrieb sich WILLIAM PHILLIPS. Also anders, als ich. Ich schreibe mich PHILIPPS.

Und mein Freund und Vertrauter in Kindertagen, Onkel Paul, BETTELTE meine Eltern an, MICH zu ihm zu schicken. Das war kurz vor seinem Tod und er lag schon einige Zeit im Krankenhaus.

Damals tat ich Dienst bei der Bundesmarine und hätte JEDERZEIT Sonderurlaub bekommen.
Und die Nachricht seines Todes bekam ich von meiner Mutter, so ganz beiläufig während eines Telefonats einmal mitgeteilt.

Ich bin traurig. Ich werde es niemals mehr erfahren.

Es ist so viel, was mir zur Zeit durch meinen Kopf geht.
Und zu allem, egal was, fällt mir meine Lynn ein.

Sie sagte immer: „Eine Kuh, die tot ist, gibt keine Milch mehr!“
Und sie hatte Recht!

Mein Onkel Paul|Formen

Nun, mein Onkel Paul lebte nun – gezwungenermaßen – mit meiner Großmutter zusammen.

Und so liebten sie sich und wurden glücklich alle Tage… So enden Märchen. Die Geschichte von Oma und Onkel Paul fing da erst an.

So schrieb ich in meinem ersten Artikel über meinen Onkel Paul.
Natürlich weiß ich nicht, ob sie je eine „Beziehung“ eingegangen waren. Interessiert mich auch nicht. Sie waren jedenfalls – so meine Erinnerung – immer „Gut“ miteinander.
Die Oma, groß, hager und mit weißem Haar. Penibel auf ihre Kleidung achtend, auf Deckchen, die auf dunklen, eichernen Tischen lagen, auf den Glanz ihres Parkettbodens und dass wir Kinder – meine Schwestern und ich – sittsam, Hände auf dem Tisch, bei den Mahlzeiten saßen.
Selten – zu selten, dass ich als Kind das ertragen konnte – gab es Kekse. Selbstgebacken von Oma. Noch heute stellt sich ein Kratzen im Halse ein, wenn ich nur daran denke.
Mit Worten wie: „Die Negerkinder wären froh, hätten sie etwas so Gutes zu essen!“, wurden wir Kinder erpresst.
Die „Heidenkinder“, so wussten wir ja schließlich aus dem Religionsunterricht, bedurften unserer Hilfe, nicht zu verhungern. Kleine Pappschachteln, zusammenfaltbar und von uns Kindern wieder entfaltet und zusammengesteckt. Aufdrucke von armen Negerkindern sollten die Seele rühren.
Und: „DIASPORA“ und „BROT FÜR DIE WELT“ stand draufgedruckt. Und wer da in den oben angebrachten Schlitz nichts hineinwarf… AB! Ins FEGEFEUER!

So, und die nächsten Tage erfahrt Ihr, wie es weitergeht. Also: BLEIBT DRAN!
Und alle, die hier nur zufällig aufgetaucht sind: Ihr könnt ja auch abonnieren. Kostenlos, versteht sich!

Mein Onkel Paul|Ankunft

Woran mag es liegen? Sobald man einmal angefangen hat, sich intensiv mit der – vor allen Dingen seiner eigenen – Vergangenheit zu beschäftigen und zu Papier Bildschirm zu bringen, treten immer mehr Dinge zu Tage, welche man längst verdrängt glaubte.
Abgeschlossen. Ad Acta gelegt. Vergessen und begraben…
Nein, nicht mein Onkel Paul fällt in diese Kategorie. Aber meine Familie. Meinen Onkel Paul liebte ich abgöttisch. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Heute weiß ich es mehr denn je…
Und er ist mir ebenso unvergesslich im Gedächtnis geblieben, wie der alte einsame Mann, Franz, über den ich ja vor kurzer Zeit schrieb.
So möchte ich denn einem weiteren, wichtigen Menschen in meinem Leben einen Eintrag widmen.
Seid gewarnt: Diesmal wird es eine etwas längere Geschichte. Zu lang für einen Artikel, zu kurz für eine Soap bei RTL… Lasst mich beginnen, bitte.

Es war damals, in einer Zeit, als Menschen, die sich heute rühmen: „WIR haben alles wieder aufgeräumt…!“, ohne zu bedenken, dass ja auch SIE diejenigen waren, welche fast die ganze Welt in Schutt und Asche gelegt hatten, kaum noch etwas fanden, mit dem sie ihren Hunger stillen, geschweige, wo sie denn hausen sollten.
Und da war es wieder. Dieses Deutsche, dieses verfickte. Flugs wurden wieder Ämter geschaffen, bevölkert von Beamten. Es musste ja wieder Ordnung herrschen.
Es möge ein jeder, der es Besser weiß, mich berichtigen. Ich wurde ja erst sieben Jahre später geboren…

Ein Amt beschäftigte sich damit, Menschen Wohnraum zu beschaffen. Viel gab es nicht. Aber doch war Einiges nicht der Vernichtung anheim gefallen.
Und so wies man Menschen, die sich nicht kannten, „Wohnraum“ zu, bei einer Witwe, deren Mann „ehrenvoll für das Vaterland gefallen“ war. Diese Witwe war meine Großmutter, väterlicherseits. Und der „Zugewiesene“ war mein Onkel Paul.
Und so liebten sie sich und wurden glücklich alle Tage… So enden Märchen. Die Geschichte von Oma und Onkel Paul fing da erst an.
Wie es mit den Beiden weiterging? Und wann ich ins Spiel kam? Ihr werdet es erfahren, ganz sicher!
Ich brauchte diese Einleitung jetzt einfach, um meine Gedanken ins Reine zu bringen.
Ich denke, ich habe es, zumindest Ansatzweise, geschafft.

Warum ich mich im Kindergarten nicht mehr auf die Toilette traute…

Immer wieder zur Weihnachtszeit fällt mir das ein. Im Alter von ca. 5 Jahren weigerte ich mich plötzlich, die Toilette zu besuchen. Nur durch gutes Zureden der Kindergärtnerin Tante Andrea, ging es dann doch, ohne dass ein größeres „Unglück“ geschah. Wer „musste“, sagte einfach nur, ich muss mal „zur Seite“. Zur Seite gehen war also das Synonym für „ich muss mal aufs Klo“.

Nun lernten (und sangen) wir jeden Tag ein neues Weihnachtslied. Und auch dieses schöne Lied:

Alle Jahre wieder
Kommt das Christuskind
Auf die Erde nieder,
Wo wir Menschen sind;

Kehrt mit seinem Segen
Ein in jedes Haus,
Geht auf allen Wegen
Mit uns ein und aus;

Ist auch mir zur Seite
Still und unerkannt,
Daß es treu mich leite
An der lieben Hand.

Und bei der Stelle Ist auch mir zur Seite, still und unerkannt sprang bei mir im Kopf mit lautem Getöse mein Kopfkino an.

Wat ist los? Da geht jemand mit mir immer aufs Klo? Und dann auch noch das Christkind? Ne, wa?

Es dauerte lange, bis ich den Gedanken los wurde. Schmunzeln muss ich noch heute darüber…

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Ach du liebes bisschen – oder welche Überraschungen im KH lauern…

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Harry aus Borkum mit seiner Frau Heidi aus Emden. Ein wahrhaft liebenswürdiges Paar.

Das Zimmer hier im Krankenhaus teile ich mir mit einem älteren Herrn (80). Als ich hörte, wie er sich mit seiner Frau unterhielt, ratterte es in meinem Kopf und fast heimatliche Gefühle stiegen in mir auf.

Heute Mittag nahm ich mir denn ein Herz und fragte ihn, ob es sein könne, dass er aus Hamburg kommt.

-Nö, antwortete er freundlich.

-Ich bin von der Küste.

-Ach, ich habe lange Jahre auf Borkum gelebt.

Dann stellte sich heraus, dass er selber aus Borkum stammt. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie seither unsere Unterhaltungen abliefen? Ja genau so! Als würden wir uns jahrelang kennen, erzählte er mir von „seinem“ Borkum, und ich tat das Gleiche von „meinem“, klar. Und dass mich das freute und von meinem Klinikalltag ablenkte, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Selbst die Schmerzen in meinen Beinen wurden so nach und nach weniger, was natürlich auch an der Behandlung durch die Ärzte liegen konnte; gar keine Frage.

Und nun freue ich mich sehr auf weitere unterhaltsame Gespräche. Harry, du bist wirklich ein Pfundskerl!

 

Die 30 Tage von Sodom…

Es gab einmal einen Film von Paolo Pasolini aus dem Jahr 1975. In diesen Film schleppte mich meine damalige Freundin Isabella.Er lief im „Cinema“ in der Nymphenburger-Straße in München.
Dort gab es damals noch sogenannte „Triple-Features“, das heißt, an ausgesuchten Wochenenden konnte man abends 3 Filme hintereinander sehen, zum Preis von – glaube ich – Einem. Immer ein anderes Thema und für Isabella und mich ein „have must“.

Das Thema kann ich nicht mehr nennen, aber es musste sich um Blut, Schmerzen oder Pfefferminzbonbons handeln…
Den Anfang machte „Caligula“ (1979, Reg. Tinto Brass. Eigentlich hatte ich nach diesem Film ja schon die Schnauze voll, im wahrsten Sinne des Wortes: Das Gyros krabbelte aus meinem Magen empor und suchte unbedingt den Weg ins Freie. Die Beschreibung der diversen Szenen erspare ich mir – und Euch.
Den zweiten Film machte nach einer kurzen Pause dann „Die 120 Tage von Sodom“ (1975, Reg. Pier Paolo Pasolini).

Hatte ich gedacht, schlimmer könne es nicht mehr werden, sah ich mich getäuscht. Arg getäuscht. Es war einfach so abscheulich, dass ich uns auch hier nähere Einzelheiten erspare.
Wer diese Filme kennt, weiß, wovon ich hier schreibe, und wer nicht, möchte bitte die Google-Bildersuche bemühen. Dort bekommt er einen netten Eindruck.
Den dritten Film kann ich nicht mehr nennen. Ich wurde ohnmächtig.Ich verließ das Kino. Und auch die sich hart an der Grenze des Jugendschutzes bewegenden Zärtlichkeiten Isabellas konnten mich nicht mehr halten. Ich suchte die nächste Kneipe auf, besoff mich und fuhr mit dem Taxi (allein) nach Hause.

Zwei Tage später war ich wieder solo. Ich sah das Glitzern in Isabellas Augen nun in einem ganz anderen Licht, wenn sie in der Küche ein Messer zur Hand nahm…5454338_502249cab8_s

Meine erste große Liebe

Schon seit längerer Zeit folge ich  Peters Blog, ich selber bin gebürtig aus Köln, und da ist es  – sollte man meinen – nicht besonders weit in den „Pott“. Und ein jedesmal, wenn ich auf seine wundervollen Einträge blicke, erinnere ich mich an meine erste große Liebe, Silvia. Kennen lernte ich sie nicht in Duisburg oder Köln, sondern etwas weiter weg. Nämlich auf der (damals) größten deutschen Insel in der Nordsee: Borkum.

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Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Dort lebte ich einige Jahre mit einer Frau zusammen, die hatte eine kleine Kneipe in den Dünen und eine Pension etwas weiter Richtung Stadt. Und in eben dieser Kneipe sah ich Silvia das erste mal. Ihre Eltern feierten dort Silberne Hochzeit und auf Wunsch meiner damaligen Freundin unterhielt ich die Gesellschaft zwischendurch mit Seemannsliedern und Shanties auf meinem Akkordeon.

 

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Foto: Frederick Kühne  / pixelio.de

Um das Ganze mal ein wenig abzukürzen: Etwa eine Stunde später hielt ich sie vor der Kneipe im Arm und kurz vor dem ersten Kuss erklärte ich ihr etwas von dem Alten Leuchtturm.

Als wir uns endlich von einander lösen konnten, geschah das auch nur auf Grund des Kuchens, der auf uns wartete. Die wissend-grinsenden Gesichter der Gesellschaft ignorierten wir geflissentlich. Langsam machte ich mich fertig, zurück an Bord zu kehren, ich hatte dort noch einen Auftritt mit meiner Orgel in der Offiziersmesse.

Und pausenlos spielte die Jukebox den Schlager von Gitte:

Lass mich heute nicht allein, denn die Liebe lädt uns ein,
verschenk nicht einen Augenblick, denn nicht einer kommt zurück,
darum sag noch nicht auf Wiedersehen.

Das war der erste Akt meiner ersten großen Liebe. Dass die Offiziere das gar nicht witzig fanden… damit konnte ich leben… heute noch.

Wie es weiter ging mit Silvia (17) und Werner (23) ? Ach ja, da war ja auch noch meine damalige Freundin Hildegard (42)…

Aber all das erfahrt Ihr dann die nächsten Tage, versprochen!

Aus dem Archiv: Franz aus Oppeln

Er war alt. Sehr alt. Jeden Tag schlurfte er langsam durch diese große Stadt, warf hier ein paar Tauben einige Krumen hin, winkte dort spielenden Kindern zu oder setzte sich auf die Holzbank am Rheinufer, deren Holz schon ebenso grau und verwittert war, wie das Gesicht des Mannes, dessen Bartstoppeln ein schabendes Geräusch von sich gaben, wenn er mit der schwieligen Hand sein Kinn rieb.
Dort, auf der Bank, saß er gerne. Er schaute den stolzen weißen Dampfern nach, welche mit fröhlichen Ausflüglern beladen Richtung Drachenfels dampften.
Er liebte es, so in der Sonne zu sitzen. Den alten, schäbigen Mantel aus grauem, dickem Stoff, hatte er dann weit geöffnet. Aus der Innentasche lugte ein kleines Paket aus zerknitterter Aluminiumfolie. Dort bewahrte er seine Stumpen auf, dicke, billige Zigarren, die nicht sehr gut rochen.
Manchmal saßen wir Kinder bei ihm auf der Bank. Dann zauberte er eine schmutzige weiße Tüte aus der Manteltasche. Gefüllt mit fies klebenden Himbeerbonbons. Es bereitete jedesmal einige Mühe, die klebrigen Dinger voneinander zu lösen – aber sie schmeckten einfach himmlisch.
Und dann begann er zu erzählen, dieser alte Mann mit seinem stoppeligen Kinn. Seine blassen Augen blickten den Schiffen hinterher und manchmal schaute er auch uns in unsere jungen, glatten Gesichter.
Dann spielte ein leises Lächeln um seine Lippen.
Er erzählte von Oppeln in Oberschlesien, woher er stammte. Breitete klangliche Bilder vor uns aus. Wir sahen sanfte, grüne Hügel, mit riesigen Koppeln voller Pferde. Bauern, die das Korn mit der Sense ernteten, bündelten und zu kleinen, spitzen Kegeln aufstellten, bis es gegen Abend von den Pferden heimgezogen wurde.
Er erzählte von dem unendlichen Leid der Vertreibung, der Flucht. Und wieder waren es die Pferde, die die größte Rolle in dem Drama spielten.
Bis sie vor Schwäche verendeten, oder im Eis einbrachen und ganz zum Schluß den Menschen noch als Nahrung dienten.
Nie war seine Stimme gebrochen, oder klagend. Sachlich und tief klang sie.
„Und wenn Du dann tot bist, mein Junge“, sagte er manchmal leise zu mir, „bist Du vergessen. Schade ist das!“

Und dann erhob er sich, fast würdevoll, zog den schäbigen Mantel fester um sich und schlurfte davon.
Dieser einsame, alte Mann.

Ach, Franz, Du siehst, ich habe Dich nicht vergessen. Immer, wenn ich irgendwo Himbeerbonbons sehe, kaufe ich mir welche. Und während sie langsam im Munde zergehen, denke ich an Dich, Franz.

Mach es gut, und danke für Deine vielen Geschichten!

Ferien bei Oma|Mein Freund Peter

Asselfingen ist ein kleines Dorf am Rande der Schwäbischen Alb. Ein paar Meter die Straße runter wohnte mein Freund Peter, und wir waren wirklich Freunde. Täglich zusammen und auf der Suche nach neuen Abenteuern. Nachts kletterten wir aus dem Fenster, um dicke, gelbe Pflaumen zu klauen. Die Nachbarn nannten uns nur „Zwillinge“, wir waren quasi Huckleberry Finn und Tom Sawyer. 🙂

Bahnbus_Thannhausen.jpgWenn Peter dann mit dem roten Bahnbus aus der Schule kam, pfiff er laut und schrill vor dem Fenster, um mir mitzuteilen: „Hey, ich bin da, lass uns spielen…“

Eines Tages dann kam er auf die geniale Idee, etwas auszuprobieren, was er in der Schule gelernt hatte. Im Chemieunterricht nahmen sie damals Schwarzpulver durch. Peter wollte das Zeug mit mir nachbauen. Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme (sic!). Noch kurz Oma Bescheid gegeben, und schon stoben wir davon in Peters kleines Zimmer unterm Dach.

Wir warfen unser Taschengeld zusammen und machten uns auf den Weg in die etwa 6 km entfernte Kleinstadt. Dort kauften wir schnell in verschiedenen Apotheken abwechselnd unsere „Zutaten“: Salpeter (für Opa, Garten gießen…),  Schwefelpulver auch für Opa (die blöden Ameisen… 😀 )und an einer kleinen Tankstelle noch Holzkohle. Dann trampten wir wieder nach Hause. Dort angekommen liehen wir noch von Peters Mutter die alte Kaffeemühle aus, breiteten alte Zeitungen auf dem Boden aus und verwandelten die Kohle abwechselnd zu Pulver.

Wir arbeiteten hart (schon mal Holzkohle mit ner alten, kleinen Kaffeemühle gemahlen? Puh, ich sag euch…), aber am frühen Abend waren wir endlich fertig.

„Morgen machen wir weiter“, schnaufte Peter und zündete sich eine verbogene Zigarette an.

Unser Ausflug in die Welt des Bombenbastelns endete relativ schnell: Ohne Lunte kein Bömbchen. Logisch, oder? Unsere Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen. Schließlich waren unsere Köpfe noch voll von Ideen, die nur darauf warteten, in die Tat umgesetzt zu werden. So zum Beispiel im Dorfbach einen Staudamm zu bauen. 🙂

Aber das ist eine andere Geschichte. 😀