Hans Ostwald | Lieder aus dem Rinnstein | Verschiedene Autoren

Morgenstunde.

Schäferin geht aus dem Haus
morgens in der Frühe,
leichten Sinnes treibt sie aus
ihre runden Kühe.

In der Herde dicht gedrängt
sich die Schäflein, schmiegen,
Stierlein sich zum Kühlein drängt,
Böcklein an die Ziegen.

Auf dem Rain ein Bursche ruht, –
»der kommt wie gefunden! –
Laß zusammen frohgemut
kürzen uns die Stunden!«

Abenteuer.

Tritt heraus das Mägdelein
in den warmen Sonnenschein
in dem hellen Lichte,
ihre Schafe treibt sie aus,
Frühling im Gesichte!

Von der Sonne heißem Strahl
fließet Hitze in das Tal
über grüne Matten,
darum birgt das Mägdelein
sich im Waldesschatten.

Wandelnd an des Waldes Rand
löse ich der Zunge Band:
Laß den Knecht dich grüßen,
liegen dir auch Fürsten sonst
demutvoll zu Füßen! –

»Warum sprichst du grüßend an
eine Maid, die nicht den Mann
kennt, der sie gezeuget,
der sich nie ein fremder Herr
hat im Gruß geneiget?«

Plötzlich springt ein Wolf daher,
gierig, den wohl Hunger sehr
knurrend quält im Magen,
raubt ein Schaf und macht sich auf,
es zum Wald zu tragen.

Als die Jungfrau nun ersah,
welch ein Unheil dort geschah,
fängt sie an zu schreien:
»Wer das Schaf mir wiederbringt,
soll sich meiner freuen!«

Kaum hab‘ ich das Wort gehört,
ziehe ich alsbald mein Schwert,
und im Augenblicke
liegt der Wolf entseelt, und ich
bring‘ das Schaf zurücke!

Des Mädchens Unglück.

Bis jetzt hatt‘ ich, was ich gefehlt,
den bösen Menschen noch verhehlt
mein Liebesglück im Stillen;
jetzt aber wird es offenbar,
und wohl ein jeder sieht es klar,
ich kann’s nicht mehr verhüllen.
Die Mutter schlägt mich alle Tag‘,
der Vater sagt mir Schimpf und Schmach,
ich muß es ruhig dulden.
Nun sitze ich allein zu Haus
und wage mich nicht mehr heraus,
so drückt mich mein Verschulden.

Geh‘ in die Stadt ich dann und wann,
so seh’n mich alle Leute an,
betrachten mich – entsetzlich! –
als wär‘ ein Wundertier zu seh’n,
und schweigen stille plötzlich.
Mit Fingern weisen sie auf mich
und nicken lächelnd, stoßen sich
mit ihren Ellenbogen,
bis eilig ich von dannen flieh‘,
und in die Ohren flüstern sie,
daß mich mein Herz betrogen.

In aller Munde bin ich nun,
ich fühl’s, sie wissen um mein Tun,
ich hör’s, wie sie mich höhnen,
und darum leid‘ ich schlimme Not
und wünsche fast, ich wäre tot,
und weine viele Tränen.

mein lieber Freund ist auch davon
vor meines Vaters Zorn gefloh’n
zum fernen Frankenlande;
nun sitz‘ ich hier so ganz allein,
mit meiner Sorge, meiner Pein,
und ach! mit meiner Schande.

Autor: Werner Philipps

Mein Leben und ich! So könnte man den Inhalt meines Blogs kurz und knapp überschreiben. Er beinhaltet (ich hoffe in der richtigen Balance!) Episoden und Ereignisse aus meinem Leben (sic!), Humor und Gedichte... Lasst Euch einfach mal überraschen. Über Kommentare zu den einzelnen Artikeln freue ich mich natürlich auch sehr und meistens antworte ich sogar! Ich freue mich sehr über Euren Besuch. Herzlichst, Werner Philipps

Mein Senftöpfchen wartet auf neue Nahrung. ;) Also, gib gerne Deinen Senf dazu!

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