Axel Prahl & Jonas Nay – Woher auch immer der Wind weht

Diesen Film -Vadder, Kutter und Sohn- sah ich heute nach Jahren wieder im RBB. Seither geht mir dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf… Ich hoffe, es gefällt Euch ebenso wie mir!

Text

Sag Bescheid wenn die Brandung die Rolläden trifft
Und das Telefon auch nicht mehr geht
Wenn die Taue sich lösen
Und die Strandkörbe fliegen
Von den Möwen man auch nichts mehr sieht
Vielleicht ist das nur ein heftiger Traum und morgen klart es dann auf
Woher auch immer der Wind weht
Ich lieb dich – und du liebst mich auch
Mit de‘ Buddel voll Rum
Ich hab es gesagt
Die war gestern Abend doch voll
So wie’s aussieht hast du sie des nachts noch geleert
Und ich weiß nicht was das jetzt soll
Vielleicht ist das nur ein quälender Traum
Und morgen klart es dann auf
Woher auch immer der Wind weht
Ich lieb dich – und du liebst mich auch
All die … und Sünden, der Schnaps und der Kiff
Die brauchten auch ihre Zeit
Doch wenn’s hart auf hart kommt
Das weißt du mein Schatz
Dann stand ich für dich bereit
Ganz sicher ist das nicht der schlechteste Traum
Und morgen klart es dann auf
Woher auch immer der Wind weht
Ich lieb dich – und du liebst mich auch

Kurt Tucholsky | Schnipsel

Schnipsel

Von der Verliebtheit. Von ihr nichts zu bekommen, ist immer noch hübscher, als mit einer andern zu schlafen.


Er trug sein Herz in der Hand, und er ruhte nicht, bis sie ihm aus der Hand fraß.


Liebe ist, wenn sie dir die Krümel aus dem Bett macht.


Das Liebespaar, das sich, voneinander entfernt, verabredet, um halb elf Uhr abends aneinander zu denken. Keiner tuts. Aber jeder freut sich: wie verliebt der andre doch sei.


In der Ehe pflegt gewöhnlich immer einer der Dumme zu sein. Nur wenn zwei Dumme heiraten –: das kann mitunter gut gehn.


Wenn die geliebte Frau mit einem andern Mann flirtet, erscheint sie uns leise lächerlich. Die Steine des Kaleidoskops, das wir so gut kennen, geben ein neues Bild; wir sehn sie zum erstenmal gewissermaßen von der Seite. Eifersucht macht kritisch. Wenn Männer mit einer für sie neuen Frau beschäftigt sind, gilt das natürlich alles nicht.


Einer schönen Frau zuzusehn, die sich anzieht, das ist so schön wie der Anblick junger, spielender Raubtiere. Alles geschieht im höchsten Ernst und ist doch Spiel. (Oho!) Ja, ich weiß schon.

Kurt Tucholsky (1890-1935)

Richard Arnold Bermann | An der irischen See

An der irischen See

Einige Tage später schrieb ich nach Berlin:

Wo ich stecke? Gott, gleich um die Ecke links, Bray, Grafschaft Wicklow, Königreich Irland. Es ist ein Seebad in der nächsten Nähe von Dublin, doch von Berlin aus ist Heringsdorf leichter zu erreichen. Wenn ich noch ein Geheimnis verraten soll: Heringsdorf ist auch schöner, von den Nordseebädern gar nicht zu reden. Der schöne Sandstrand fehlt in Bray, und dann hat dieses Seebad noch eine kleine Eigenheit: es ist einem Mitteleuropäer etwas schwer, hier überhaupt zu baden. Nämlich Seewasser ist da, aber wie sieht das Herrenbad aus! Die Kabinentüren sind nicht verschließbar, weil die Kabinen überhaupt keine Türen haben. Die Sprungbretter und die ins Wasser führenden Leitern sind lebensgefährlich und man muß ein Akrobat sein, um von ihnen nicht abzustürzen.

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Joachim Ringelnatz | …liner Roma… [2]

    In einem Abteil der Ringbahn fand man eine angebohrte Zinnbüchse, die, wie festgestellt wurde, die Überreste des im April eingeäscherten Rennfahrers Zierbold enthielt und vermutlich von einem enttäuschten Dieb – –

»Eintreffe 2 Uhr nachts Lehrter Bahnhof. Henkelchen.« Selbstverständlich holen wir sie ab. Du, Gustav wirst ihre Koffer tragen. Solche Provinzler fallen immer Kerlen in die Hände. »Was für Kerle?« Alberne Frage! Schwindlern! Kerle, die das Gepäck abnehmen und damit verschwinden. Oder die Fremden in ein nahes anständiges Hotel bringen wollen und sie dann per Auto meilenweit in eine Kaschemme verschleppen, wo der Schofför mit unter einer Decke spielt und ihnen noch 50 Mark abknöpft, ehe sie im Schlafe ausgeraubt und erwürgt werden, Man liest es doch täglich.

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Mark Twain | Tom der kleine Detektiv von Huck Finn erzählt [ 11/11 ]

Elftes Kapitel

Der nächste Monat war für uns alle sehr traurig. Die arme Benny nahm sich zusammen, so gut sie konnte; auch Tom und ich trugen unser möglichstes zur allgemeinen Aufheiterung bei, aber das half wenig. Wir besuchten die alten Leute jeden Tag, was furchtbar trübselig war. Onkel Silas hatte meist schlaflose Nächte oder er wandelte im Schlaf; sein Aussehen war erbärmlich, auch nahm er körperlich und geistig so sehr ab, daß wir alle fürchteten, er würde vor Kummer krank werden und sterben.

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Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (175)

175. Wunderbäume in Dithmarschen und Holstein

In der Kirche von Süderhadstede steht ein alter Holunderbaum. Zu diesem Baume, geht die Sage, kam oft der Geist des Königs geritten, der den Dithmarschen ihre Freiheit genommen. Er ritt auf einem grauen Schimmel und betete unter dem Baume. Weiterlesen „Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (175)“

Annette von Droste-Hülshoff | Das Geistliche Jahr |

Am zweiten Sonntage nach Pfingsten

»Der Eine sprach: ich habe ein Landhaus gekauft;
der Andere sprach: ich habe ein Weib genommen,
deshalb kann ich nicht kommen«

Ein Haus hab‘ ich gekauft, ein Weib hab‘ ich genommen,
Drum, Herr, kann ich nicht kommen.
Das Haus: mein Erdenleib,
Dess ich in Ruh‘ muß pflegen,
Die Poesie: das Weib,
Dem ich zu Füßen legen
Will meiner Liebe Frommen
Zu süßem Zeitvertreib.Gebrechlich ist mein Haus, bedarf gar sehr der Stützen,
Soll es mir ferner nützen.
So lieblich ist die Frau,
Sie zieht mich ohne Maßen
Zu ihrer Schönheit Schau.
Ach, ihr mag ich wohl lassen
Der lichten Stunden Blitzen,
Der Träume Dämmertau.Was fühl‘ ich denn so heiß in meinem Busen quellen,
Als wollt‘ es ihn zerschellen? Weiterlesen „Annette von Droste-Hülshoff | Das Geistliche Jahr |“