Brigitte Augusti | Mädchenlose | 1. Buch (11)

Elftes Kapitel

Wiedersehen und Abschied.

So waren in schöner Harmonie die Wintermonate verflossen, und wieder zog der Frühling über das Land, mit seiner ganzen reichen Herrlichkeit von Knospen und Blüten. Nora stand am Fenster ihres Zimmers und blickte sinnend hinaus über die grüne Niederung, die dicht hinter der Stadt beginnt und sich weithin dehnt mit üppigen Feldern, schwellenden Wiesen und einzelnen, verstreuten Häusern. Wie ein silbernes Band zieht sich der Fluß durch die Ebene, träumerisch folgten ihre Blicke seinem Lauf; zog er doch nach demselben Ziel, das ihre Gedanken so oft aufsuchten, nach der lieben Vaterstadt, in deren Nähe er sich in den Schoß der blauen See ergießt. Längst war ein Jahr verflossen, seit ihr Vater von den Seinigen Abschied nahm, ein Jahr seit ihrer Einsegnung, seit der Abreise ihrer Mutter! Wenn sie es damals hätte ahnen können, daß es ein Abschied auf so lange, unabsehbare Zeit sein sollte, sie hätte auch wohl wie Elly gesagt, sie könne es nicht ertragen.

»So ganz versunken, Nora? – und Thränen in den Augen? woran denken Sie?« fragte Frau v. Westheim, die unbemerkt eingetreten war. »An die Heimat und an meine Eltern!« war die wehmütige Antwort.

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Carl Karlweis | Wiener Kinder 7. Kapitel

Siebentes Kapitel.

Der Herr Konzertmeister.

Herr Riedl!« –

»Herr Kapellmeister?«

»Ich habe Ihnen etwas mitzuteilen.«

Der Geiger, welcher sein Instrument in das verschlissene grüne Futteral gesteckt hat und eben den Probesaal verlassen will, macht Kehrt und folgt dem Kapellmeister in eine Fensternische. Er überlegt dabei in aller Hast, was er verbrochen haben könne, denn nur in solchen Fällen pflegt der gestrenge Dirigent einem Mitgliede seines Orchesters etwas »mitzuteilen.« Der Geiger sinnt und sinnt, – vergebens, sein Gewissen ist rein. Sollte es am Ende noch einmal jenes unselige »Fis« vom vorletzten Abende sein, das er in einem Augenblicke der Zerstreuung statt des vorgeschriebenen »F« gegriffen hatte? Ein Blick auf den leeren Platz an seinem Finger, wo sonst der Goldreif saß, hatte den Mißgriff verschuldet. Aber dafür hat er ja bereits seinen ernsten Verweis erhalten . . .!

Da stehen sie schon in der Fensternische. Der Kapellmeister schlägt nach seiner Gewohnheit mit dem rechten Fuße den Takt zu einem unhörbaren Walzer und sieht dabei den langen Geiger durchdringend an. Himmel, was soll das geben?

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Seltsame Anleitungen

• Auf einem Fön von Sears: “Nicht während des Schlafes benutzen”.
Mist, das wäre die einzige Gelegenheit, wo ich Zeit hätte, mir die Haare zu fönen!

• Auf einem Stück Seife der Firma Dial: “Anleitung: Wie normale Seife benutzen.”
Ach…das ist ja eine Überraschung und wie geht das!?

• Auf Tiefkühlkost von Swansons: “Serviervorschlag: Auftauen.”
Aber das ist “nur” ein Vorschlag!

• Auf Tiramisu von Tesco´s (auf die “Unterseite” aufgedruckt): “Nicht umdrehen”.
Ups, schon zu spät!

• Auf einem Bread-Pudding von Marks & Spencer: “Das Produkt ist nach dem Kochen heiß”.
Genauso sicher wie auf den Tag der Abend folgt.

• Auf der Verpackung eines Rowenta-Bügeleisens: “Die Kleidung nicht während des Tragens bügeln”.
Aber das hätte doch Zeit gespart?

• Auf Boot´s Hustenmedizin für “Kinder”: “Nach der Einnahme dieser Medizin nicht Autofahren oder Maschinen bedienen”.
Wir könnten viel für die Vermeidung von Arbeitsunfällen tun, wenn wir doch nur diese erkälteten 5jährigen Kinder von den Gabelstaplern wegbrächten!

• Auf Nytol Schlafmittel: “Achtung: Kann Müdigkeit verursachen”
…nichts anderes haben wir gehofft!

• Auf einer japanischen Küchenmaschine: “Nicht für die anderen Benutzungen zu benutzen”.
Zugegebenermaßen, jetzt sind wir neugierig geworden…

• Auf Nüssen von Sainsbury´s: “Achtung: enthält Nüsse”.
BLITZNACHRICHT!!!

• Auf einer Packung Nüsse von American Airlines: “Anleitung: Packung öffnen, Nüsse essen.”
Was soll da noch schiefgehen?

• Auf einem Superman-Kostüm für Kinder: “Das Tragen dieses Kleidungsstücks ermöglicht es nicht, zu fliegen”.
Hier ist nicht die Firma schuld, sondern die Eltern!!!

Karl Valentin | Die Raubritter vor München | Im Schallplattenladen

Im Schallplattenladen

Das Szenenbild gibt das Innere eines Schallplattengeschäftes wieder. Im Hintergrund sieht man die Schaufenster mit Spiegelschrift, hinter denen von Zeit zu Zeit Straßenpassanten vorübergehen. Ein Ladentisch verläuft von hinten nach vorne auf der rechten Bühnenseite, darauf stehen mehrere Vorführapparate, Schallplatten mit und ohne Papierbeutel liegen herum, die Wände sind mit Plakaten der Schallplattenreklame bedeckt, vor dem Ladentisch stehen mehrere Hocker ohne Lehne, ein Lautsprecher ist unter dem Ladentisch befestigt. In Wandregalen sieht man Schallplattenkästen und -ständer, Vorführapparate und Lautsprecher. Auf einem sechseckigen Tischchen mit gedrehten Füßen stehen weitere Reklameschallplatten, Schallplattenverzeichnisse und -prospekte sowie Werbedrucksachen liegen aus.

Die Verkäuferin (Liesl Karlstadt) trägt ein dunkles Kleid mit weißem Ausputz um den Halsausschnitt und an den Ärmeln.

Karl Valentin hat sehr unordentliche Haare; offenbar hat er diesmal eine besonders zerzauste Perücke erwischt. Sein Oberkörper steckt in einem kurzen, hellen Sommerüberzieher mit verdeckter Knopfleiste, der verkehrt zugeknöpft ist, so daß der rechte Schoß vorne viel weiter herunterhängt als der linke und auch der Kragen oben nicht paßt. Eine dunkle Korkenzieherhose hängt bis tief auf die unförmigen uralten Schnürstiefel herab. Karl Valentins Kostüm wird durch den unvermeidlichen schwarzen »Goggs« und einen dicken gewöhnlichen Bambusspazierstock vervollständigt. Er legt beides kaum aus der Hand und richtet damit allen möglichen Schaden an. Dabei rutschen ihm die Gummiröllchen aus den Ärmeln und fliegen gelegentlich durchs Lokal.

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Semmelnknödeln

Semmelnknödeln

Liesl Karlstadt: Ja sag einmal, warum bist du denn heute Mittag nicht zum Essen gekommen? 2 Stunden hab ich auf dich gewartet.

Karl Valentin: Ja, ich hab da draußen gleich gegessen, wo ich zu tun g’habt hab, in der kleinen Wirtschaft, und da ißt man sehr gut, fast tadellos.

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Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (120)

120. Dom zu Aachen

Aachener Dom, Nordfassade, Blick vom Rathaus über den Katschhof

Da der Dom zu Aachen erbauet ward, hehr und prächtig, drohte es zu gehen wie beim Dombau zu Köln; es gebrach an Geld, der Bau konnte nicht fortgeführt werden, und unvollendet stand das herrliche Münster. Da erschien vor dem hohen Rat ein reicher Fremder, der sagte, er habe wohl Geldes die Fülle, wolle das auch geben zu dem Dombau, damit er vollendet werde, aber ein hoher Rat müsse ihm auch etwas versprechen. Als nun der Rat den Fremden fragte, was es denn sei, das er begehre, da antwortete jener: Nicht viel, nur die Seele des Ersten, der nach der Vollendung den Dom betreten wird, verlange ich zu eigen. Muß damals eine fromme Menschheit gelebt haben, daß sich’s einer so viel kosten ließ, um einer Seele habhaft zu werden, hat sie später schockweise billiger haben können – der Rat aber merkte, nun, daß der Fremde der Teufel sei – schauderte, zauderte, bedachte sich lange, sagte aber doch zu, unter dem Beding, daß der Pakt geheimgehalten werde. Und ward nun mit besonderer Kunst und Hülfe das Münster schnell und herrlich ausgebaut, ward aber auch das Geheimnis ruchtbar unter den Leuten, und wollte niemand in den Dom gehen, weder Pfaffen noch Laien. Der Teufel lauerte Tag auf Tag auf die erste arme Seele, und ward ihm schier Zeit und Weile lang, es kam niemand, und da bedräute er den hohen Rat, daß er bald genug einen aus seiner Mitte holen werde, wenn er nicht bald einen ersten Kirchengänger schaffe. Da ward dem Rat bange, sann auf eine List, ließ im Gebirg einen Wolf fangen, diesen an das Haupttor des Domes bringen, ließ die Glocken lauten, wie zum hohen Feste, und stieß, nachdem das Portal geöffnet war, den Wolf ins Gotteshaus, wo der Teufel schon so lange lauerte, da es noch nicht geweiht war. Alsbald fuhr der Teufel zu und packte mit einem Griff den armen Wolf, daß ihm alsbald die Seele aus dem Halse fuhr. Wie aber der Teufel sah, daß er nur eine schlechte Wolfsseele erlangt hatte, fuhr er mit Gebrüll aus dem Tempel und schlug die eherne Türpforte so heftiglich zu, daß sie borst und sich spaltete, und ist der Spalt noch heute zu sehen. Der Rat aber war froh, daß er des Teufels ledig war, und ließ den Wolf und dessen arme Seele in Erz gießen und im Dome befestigen. Die Seele hält das Mittel zwischen einer Artischocke und einem Tannenzapfen.

Gotische Nische mit Alabastermadonna

Andere erzählen diese Sage anders, und zwar also. Der Rat zu Aachen hatte just, als der Teufel seine Bedingung machte, eine arme Sünderin in seinem Gewahrsam, die schon zum Tode verurteilt war, und deren Seele verloren gegeben wurde. Diese Verurteilte nun ward in die Kirche hineingestoßen und ihre Seele vom Teufel in Empfang genommen, der aber deshalb aus Ärger die Tür zuwarf, daß sie borst, weil des Weibes Seele ohnehin schon sein gewesen wäre. Hernachmals goß man das eherne Bild und stellte den Teufel selbst in Gestalt eines unreinen Tieres, des Wolfes, dar, welcher bemüht ist, die Seele in Form eines Tannenzapfens in seinen Rachen hinabzuschlingen.