Rückwärts durch den Kreisverkehr

Wir setzten uns abends hin und qualmten uns die Birne mit Gras zu, soweit ganz normal… Dann kam uns die geniale Idee, doch noch ne Runde per Auto um den Block zu fahren. 😎
Als wir einen Kreisverkehr erreichten und da ein, zwei Runden im Kreis gefahren waren, da kam uns die zündende Idee: „He, Lass uns doch mal rückwärts durch den Kreisverkehr fahren, das ist bestimmt lustig!“
Soweit so gut… Und weil es Gott nicht anders wollte, kam uns beim Rückwärtsfahren natürlich ein Auto entgegen und fuhr uns in den Kofferraum bzw. wir ihm gegen die Motorhaube. 😆
Wir sitzen also in der Karre und kriegen die volle Bullenpanik nach dem Motto „Jetzt ist alles aus…“. Und auch als die Polizei eintrifft, können wir unser Pech immer noch nicht fassen. Durch einen gegenseitigen Rote-Augen-Check nach dem Motto „Ja, wir haben gerade 3g Maroc geraucht – sieht man uns das etwa an?“ haben wir uns bei der Wartezeit auch nicht gerade Mut gemacht. Wir beobachten im Rückspiegel wie zwei Bullen lange mit dem Fahrer des hinteren Wagens reden. Dann kommt der Polizist nach vorne – wir kurz vorm Durchdrehen. Wir kurbeln das Fenster runter, der Bulle glotzt uns an und sagt: „Jungs, ihr braucht euch keine Sorgen machen, der Typ hinter euch hat fast 2 Promille und behauptet, ihr wärt rückwärts durch den Kreisverkehr gefahren!“ 😂🤣

Carl Karlweis | Wiener Kinder 6. Kapitel

Sechstes Kapitel.

Die Schwestern.

Daß Vater Schober die Werbung des Bauführers nicht ungünstig aufnehmen würde, war wohl zu erwarten. Er betrachtete sie im Gegenteile als ein so großes, unerwartetes Glück, daß er anfänglich gar nicht recht daran glauben konnte und sich erst nach mehrfacher, dringender Wiederholung der Frage Sturms so weit zu fassen vermochte, um die Hand des jungen Mannes zu ergreifen und dabei die wenigen Worte hervorzustoßen:

»Sehr glücklich! . . . O . . o! . . Natürlich . . . sehr glücklich!«

Frau Schober zeigte sich anfänglich weit weniger erfreut. Der Herr Sturm sei ja gewiß ein recht braver und wohl auch anständiger junger Mann, meinte sie gedehnt, aber wenn man bedenke, was für vornehme und reiche Leute sich um Lori bemühen, dann –

Der Polier ließ sie nicht zu Ende sprechen. Er warf ihr einen Blick zu, der sie auf der Stelle verstummen machte, und gab nun dem Bauführer in aller Form, ja mit einer gewissen nachdrücklichen und breitspurigen Feierlichkeit sein Jawort.

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Brigitte Augusti | Mädchenlose | 1. Buch (10)

Zehntes Kapitel.

Neues Leben.

Angstvolle Tage folgten; zwar war die Macht der Krankheit gebrochen, aber noch war die tödliche Schwäche zu besiegen, die sich infolge der Operation des zarten Körpers bemächtigt hatte. Es galt vor allem, bei Tag und Nacht kein Auge von der Kranken zu verwenden und auf jedes Symptom zu achten, um die nötigen Maßregeln danach zu treffen. Frau v. Westheim und Nora hatten sich ganz in die Pflege geteilt, von zwei zu zwei Stunden lösten sie einander ab. Es hatte keine Aussprache zwischen ihnen stattgefunden, es war auch keine Zeit dazu, jede fand ihr eignes Thun und das der andern selbstverständlich. Nur an dem warmen Druck der Hand, mit dem sie empfangen wurde, an dem herzlichen Ton der Stimme merkte Nora, daß eine Veränderung ihres Verhältnisses eingetreten sei.

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Heinrich Heine | Es war ein alter König

Es war ein alter König

Es war ein alter König,
Sein Herz war schwer,
Sein Haar war grau;
Der arme alte König
Er nahm eine junge Frau.

Es war ein schöner Page,
Blond war sein Haupt,
Leicht war sein Sinn,
Er trug die seidne Schleppe
Der jungen Königin.

Kennst du das alte Liedchen?
Es klingt so süß,
Es klingt so trüb!
Sie mußten beide sterben,
Sie hatten sich viel zu lieb.

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (119)

119. Kaiser Karls Apfelschnitze

Der große Kaiser und König Karl hatte eine Gewohnheit an sich, daß er allewege nach dem Essen am Tische sitzenblieb und einen Apfel aß, den er selber schälte. Einmal standen seine drei Söhne neben seinem Stuhl, da wollte er sie bewähren, wie gehorsam sie seien, und rief dem Ältesten, der hieß Karl, wie er selber, und sprach: Komm zu mir und tue deinen Mund auf und empfahe einen Apfelschnitz von mir. Karl aber sprach: Herr Vater, es wäre eine Schande, sollt‘ ich von Euch einen Apfelschnitz empfahen; ich kann wohl selbst einen Apfel schälen und auch essen. Da rief der Vater den andern Sohn, der hieß Pipin, und sprach: Komm, empfahe du den Apfelschnitz von mir in deinen Mund. Pipin sprach: Vater, was Ihr befehlt, dem bin ich gehorsam, und ging hin und kniete nieder und empfing den Apfelschnitz in seinen Mund, und der Vater sprach dazu: Ich mache dich zum König über Gallia und Italien. Und rief darauf den dritten Sohn, der hieß Ludwig, und sprach: Komm und empfahe den Apfelschnitz. Und Ludwig gehorchte gleichermaßen, da sprach der Vater: Dir gebe ich Lothringen und Burgund, und das ganze Deutsche Reich soll dein sein, wenn ich sterbe. Da kam Karl nun auch und sprach: Sieh, Vater, ich tue meinen Mund auch auf, gebt mir auch einen Apfelschnitz. Aber der König antwortete ihm: Mein Sohn, du bist zu spät gekommen. Ich gebe dir weder Apfelschnitz, noch Land, noch Leute. Darnach ist in diesen Landen ein Sprüchwort aufgekommen: Karle, du hast zu spät aufgeginnet.