Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | Die Sturmvögel

Die Sturmvögel

Unfern von Norwegens felsiger Küste, dort, wo die Schiffer den Hafen von Bergen ansegeln, liegt mitten im Meer ein Felsen, der hoch aus der Flut emporragt. Er ist bekannt unter dem Namen Vogelklippe.

Zeit und Wellenschlag rissen ein Stück nach dem andern von ihm ab. Früher starrte er den Schiffer als ein furchtbares Schreckbild an, denn die alten Sagen meldeten, daß es hinter jenen Felswänden nicht geheuer sei, und ein böser Dämon dort sein Wesen treibe. Noch hat sich die Sage von der alten Mutter Cary und ihren Küchlein im Munde des Volkes erhalten, und der treuherzige Fischer erzählt dem horchenden Fremden folgendes:

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Golden Gate Quartet – Schwarzbraun ist die Haselnuss 1989

Schwarzbraun ist die Haselnuss ist ein deutsches Volkslied, dessen zahlreiche Text- und Melodievarianten seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bekannt sind. Unter diesen finden sich auch diverse Textvariationen wie zum Beispiel als Soldatenlied. Bekannt ist die Version des Schlagersängers Heino, die auf dessen LP „Schwer war der Abschied“ erschien. Auch das afroamerikanische Vokalensemble Golden Gate Quartet hat das Lied im Repertoire. Die erste Strophe wurde in der Filmproduktion Otto – Der Film (1985) als Anspielung auf Michael Jacksons Musikvideo Thriller durch Otto Waalkes (in der Rolle als Heino) dargestellt. Erwin Halletz verwendete den Kehrreim in seiner Komposition Immer wenn ich traurig bin, welche er für Heinz Erhardt in dessen Rolle als Willi Hirsekorn in dem Film Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern (1970) schrieb.

Ehe-Statistik

Meine liebe Ehefrau!

Da Du für dieses Thema nicht zu sprechen bist, habe ich folgende Statistik für Dich erstellt:

Im letzten Jahr habe ich mich 365 mal um Dich bemüht! Nur 36 mal hatte ich Erfolg. Das ergibt einen Durchschnitt von 1 mal in 10 Tagen.

Die Gründe für meine Mißerfolge waren folgende:

1. Es war zu kalt. 17 mal

2. Es war zu warm. 15 mal

3. Die Kinder waren wach. 5 mal

4. Du warst müde. 52 mal

5. Aus technischen Gründen nicht möglich. 93 mal

6. Es war zu früh. 5 mal

7. Es war zu spät. 10 mal

8. Das Fenster war auf und es hätte jemand etwas hören können. 9 mal

9. Du hattest Kopfschmerzen. 25 mal

10. Du hattest Rückenschmerzen. 5 mal

11. Du hattest zuviel gegessen.10 mal

12. Du warst nicht aufgelegt dazu. 21 mal

13. Das Kind weinte. 7 mal

14. Es war ein schöner Film im Fernsehen. 7 mal

15. Du hattest eine neue Frisur. 12 mal

16. Du mußtest am nächsten Tag zum Arzt. 7 mal

17. Du kamst zu spät von der Arbeit. 29 mal

In den 36 Fällen, wo ich zum Erfolg kam, war es aus folgenden Gründen auch kein Vergnügen:

21 mal hat Du gebeten, ich solle machen, daß ich fertig werde …

2 mal hast Du mir die Inspiration genommen, weil Dich die verschmutzten Gardinen störten …

2 mal störte Dich, daß das Bett quietschte …

11 mal mußte ich Dich wecken, um Dir zu sagen, daß ich fertig bin …

Und das alles in einem Jahr!

Es grüßt Dich ganz herzlich,
Dein Ehemann

Mal so, mal so…

Gestern erhielt ich einen Anruf einer netten Dame. Sie hat von mir seit einem Jahr meinen zur Wohnung gehörigen Stellplatz gemietet. Ich gab ihn ihr gerne, da ich ihn ja so gut wie nie brauche.

Nun, morgen Nachmittag kommt sie bei mir vorbei und möchte die nächste Jahresmiete bezahlen. Das freut mich. 😍

Was mich allerdings weniger freut: Den ganzen Vormittag versuche ich nun schon, per Online-Banking eine Rechnung zu überweisen. Früher war das ganz simpel. Ich gab die Rechnungsdaten ein und erhielt per SMS auf mein Handy die passende TAN. Nun hat die Bank alles umgestellt und ich muss mit einem dämlichen TAN-Generator die Tan erstellen. Das Drecksteil musste ich mir natürlich selber kaufen (20.- €…). Ich stecke oben meine Bankcard ein und scanne ein Flackerbildchen ab. Dann sollte die TAN erscheinen. Pustekuchen…

Am Montag werde ich bei der Bank aufschlagen und fragen, wer sich den Mist ausgedacht hat… 😎

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (137)

137. Des Riesen Handwerfen

Am Scheldefluß hauste zu Julius Cäsars Zeiten ein Riese auf einem hohen Turme, soll Antigonus geheißen haben, der bewachte das Land und nahm allen, welche dort vorüberreisten oder über das Wasser setzen wollten, die Hälfte ihrer Güter als Zoll ab. Wollten sie den nicht entrichten, so mußten sie mit ihm kämpfen, und dann hieb er dem Besiegten jedesmal die rechte Hand ab und warf sie in die Schelde. Da kam ein Mann, der hieß Brabon, mit mehrern andern Gefährten an die Stelle der Überfahrt, und fanden allda den Knecht des Riesen auf der Wacht, der wehrte ihnen den Übergang; sie sollten erst mit dem Riesen, seinem Herrn, das Ihre teilen, oder sie müßten ihre rechte Hand lassen. Dazu war Brabon nicht geneigt, weder zum einen noch zum andern; darauf schlug der Knecht an eine Eisenstange, die gab tiefen Glockenschall, und da kam der Riese trutziglich vom Turme herunter und fragte: Wer ist es, der mit mir kämpfen will? – Ich allein! erwiderte Brabon, und alsbald begann der Kampf. Da fiel manch harter Kampf und schwerer Streich. Der Riese war ein starker Wigand, und wohin er schlug, wuchs kein Gras mehr. Endlich aber obsiegte ihm dennoch der mannhafte Held Brabon und schlug ihm erst die rechte Hand, hernach auch den Kopf ab, und nahm die Hand und warf sie über den breiten Strom und rief: So weit ich diese Hand werfe, so weit soll auch dieser Strom zu dem Lande gehören, das ich mir jetzt erkämpft! – Und ging, und dankte für seinen Sieg dem Kriegsgotte Mars, und brachte ihm Opfer in seinem Tempel. Und die Hand fiel in des Stromes Mitte, und das Land ward nach dem Helden Brabant geheißen, und die Hälfte der Schelde gehörte fortan zu Brabant.

Da nun Julius Cäsar aus Britannien zurückkehrte, kam Brabon zu ihm und erzählte ihm sein Abenteuer mit dem Riesen Antigonus, den er im Ried an der Schelde erschlagen. Da lobte ihn der große Feldherr, und zog mit ihm nach dem Ort, und ließ dort eine Burg erbauen, und weihte sie und gab ihr und dem Lande große Rechte und Freiheiten, und machte Brabon zu einem Markgrafen des römischen Reiches. Der Ort aber ward von dem Handwerfen Handwerpen genannt und wuchs und ward groß und mächtig und ist jetzt die Stadt Antwerpen.

Damals hat Julius Cäsar Turnhout gegründet und mit großen Freiheiten begabt, und nahe bei Löwen das Kaiserschloß gebaut. Da er mit dem Helden Brabon dort auf die Jagd ging, schoß er einen mächtig großen Adler und nahm das für ein glückverkündendes Orakel der Götter an. Darum gründete er an jenem Ort eine neue Kolonie und nannte sie Aarschuß, das heutige Aerschot.

Gehaltserhöhungsforderung Penis

Ich – der Penis – beantrage hermit eine Gehaltserhöhung aus folgenden Gründen:

ich arbeite körperlich
ich arbeite in großen Tiefen
ich stürze mich, Kopf zuerst, in meine Arbeit
ich habe an Wochenenden und Feiertagen nicht frei
ich arbeite in einer feuchten Umgebung
Überstunden werden nicht bezahlt
ich arbeite an einem dunklen Arbeitsplatz, der kaum belüftet wird
ich arbeite bei hohen Temperaturen
meine Arbeit setzt mich der Ansteckungsgefahr von Krankheiten aus.

> Lieber Penis,

Nach sorgfältigem Bearbeiten und Prüfen Ihres Antrages, ist die Verwaltung zu dem Entschluss gekommen, selbigen aus folgenden Gründen abzulehnen:

sie arbeiten keine 8 Stunden
sie schlafen nach kurzer Arbeitszeit ein
sie folgen nicht immer den Anweisungen des Managements
sie arbeiten nicht immer dort, wo sie angewiesen wurden, sondern halten sich öfter in anderen Gegenden auf
sie ergreifen nicht die Initiative, sondern müssen unter Druck gesetzt und freundlich behandelt werden, bevor sie überhaupt anfangen zu arbeiten
sie hinterlassen ihren Arbeitsplatz ziemlich dreckig, wenn Sie ihn verlassen
sie halten sich nicht immer an die Sicherheitsanweisungen, z.B. das Tragen von Schutzkleidung
sie gehen lange vor 65 in Rente
sie können keine Koppelschichten übernehmen
sie verlassen manchmal, den Ihnen zugewiesenen Arbeitsplatz, ohne mit der Arbeit fertig zu sein
und als ob das noch nicht alles wäre, haben wir Sie auch noch ständig den Arbeitsplatz verlassen sehen, mit zwei sehr verdächtig aussehenden Säcken!!!

Carl Karlweis | Wiener Kinder 13. Kapitel

Dreizehntes Kapitel.

»Du schöner Mai, vorbei . . . vorbei!«

Nach dem jähen Ende, welches die geträumte Brautschaft der resoluten Witwe durch die Flucht des verräterischen Geigers genommen, schien sich die arme Verlassene lange Zeit nicht fassen zu können. Sie welkte sichtlich hin und wagte kaum mehr die Stätte ihrer grausamen Demütigung zu verlassen. Frau Sobotka vermochte den Jammer ihrer Freundin nicht länger ruhig mit anzusehen. Obendrein stand ja auch Riedls Kammer noch immer leer, trotz der von der Witwe eigenhändig geschriebenen und an der großen schwarzen Tafel im Hauptflur befestigten Anzeige, daß »im sexten Hof, Stiege 22, Tirnumer 113, eine schene liftige Kahmer an einen soliten Hern zu fermiden und gleichzu bezihn« sei. Das bedeutete einen fühlbaren Ausfall in ihren an und für sich nicht allzu erheblichen Einnahmen. Frau Sobotka pflog eine ernste Rücksprache mit ihrem Gatten, welcher strengstens beauftragt wurde, für diese »liftige Kahmer« einen Mieter zu finden, mit dem vielleicht auch sonst etwas zu machen wäre. Herr Sobotka hatte Glück, er fand die geeignete Persönlichkeit. Schon wenige Tage später erschien Herr Thaddäus Friedlmayer, wirklicher Diurnist im k. k. Lotto-Gefällsamte, auf dem Korridore, von Frau Sobotka feierlich empfangen und zu der trauernden Witwe geführt. Die lange, überaus hagere Gestalt des neuen Mieters schien anfänglich nicht den besten Eindruck auf Frau Stölzl hervorzubringen, ja der kleine Pepi lief vor dem bleichen, durchaus in abgeschabtes Schwarz gekleideten Manne schreiend davon, denn Herr Thaddäus sprach nur wenige Worte, diese aber in einem düsteren Grabestone, und bewegte dabei die mageren Arme in ihren enganliegenden kurzen Ärmeln wie Windmühlflügel. Allmählich jedoch begannen sich Mutter und Sohn an die eigentümliche Erscheinung des schweigsamen Mieters zu gewöhnen. Frau Stölzl erkannte mit dem scharfen Blicke der empfindsamen Witwe, daß die strenge Miene und die tiefe, schier Schrecken erregende Baßstimme den ernsten k. k. Diurnisten nicht hinderten, ein im Grunde höchst friedfertiges, ja gutmütiges Menschenkind zu sein. Bald nachher fand die resolute Witwe, daß ihre Trauer um den unwürdigen Geiger eigentlich ein Verbrechen an ihrem Sprößlinge sei, der von Tag zu Tag dringender eines Vaters bedürftig würde, – und endlich glaubte sie aus mancherlei Anzeichen schließen zu dürfen, daß auch ihr Mieter des einsamen Junggesellenlebens überdrüssig sein müsse.

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Edgar Allen Poe | Das Faß Amontillado

Edgar Allen Poe

Das Faß Amontillado

Verbrechergeschichten

Herausgegeben von Theodor Etzel

Im Propyläen-Verlag zu Berlin

Alle die tausend kränkenden Reden Fortunatos ertrug ich, so gut ich konnte, als er aber Beleidigungen und Beschimpfungen wagte, schwor ich ihm Rache. Ihr werdet doch nicht annehmen – ihr, die ihr so gut das Wesen meiner Seele kennt –, daß ich eine Drohung laut werden ließ. Einmal würde ich gerächt sein! Aber die Bestimmtheit, mit der ich meinen Entschluß faßte, verbot mir alles, was mein Vorhaben gefährden konnte. Ein Unrecht ist nicht bestraft, wenn den Rächer Vergeltung trifft für seine Rachetat; es ist auch nicht bestraft, wenn es dem Rächer nicht gelingt, sich als solcher seinem Opfer zu zeigen.

Es muß vorausgeschickt werden, daß ich Fortunato weder mit Wort noch Tat Grund gab, meine gute Gesinnung anzuzweifeln. Ich fuhr fort, liebenswürdig zu ihm zu sein, und er gewahrte nicht, daß mein Lächeln jetzt dem Gedanken seiner Vernichtung galt.

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Heinrich Smidt | Seemanns-Sagen und Schiffer-Märchen | Die glückliche Probe

Die glückliche Probe

Wenn beim Untergang der Sonne sich leichte Nebelwölkchen auf den Spiegel des Mittelmeeres lagern, über den der scheidende Tag einen leisen Rosenschimmer haucht, dann sagen die Küstenbewohner der lieblichen Provence [Französische Landschaft an der Mittelmeerküste zwischen der Rhône und den südfranzösischen Alpen.]: »Seekönig führt den Brautreigen an.«

Seekönig ist an der ganzen provençalischen Küste ein zugleich geliebter und gefürchteter Mann. Wenn ein Brautpaar getraut werden soll, dann wirft der Brautvater ein Goldstück ins Meer und singt dazu folgendes Lied:

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