Mama, ach Mama!


Anruf von Mama.

„Ich hab mich verfahren, hilf mir!“

„Ok, siehst du irgendwo ein Schild?“

„Ja.“

„Was steht drauf?“

„Kartoffeln 500 m rechts.“

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1983. Mama zu mir: „Wenn dir Fremde Bonbons anbieten, geh nicht mit!“

2013. Ich zu Mama: „Wenn dir Fremde Links senden, klick nicht drauf!“

***

Die Tochter: „Du Papa, die Intelligenz hab ich von dir.“

Darauf der Papa: „Das freut mich ja sehr, dass du das sagst, aber wie kommst du denn darauf?“

„Na, die Mama hat ihre ja noch!“

***

Mama hat einen Hasen zum Abendbrot gemacht. Da die Kinder dieses Tier sehr lieb hatten, verheimlicht sie ihnen die Wahrheit.

Der kleine Junge isst mit sehr viel Appetit und fragt seinen Papa was es denn ist. Der Papa sagt ganz stolz: „Ratet mal … ich gebe euch einen Hinweis … ab und zu nennt Mama mich so …“

Da spuckt die Tochter alles aus und sagt zu ihrem Bruder: „Iss das bloß nicht, das ist ein Arschloch!“

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (85)

85. Metz versagt den Tanz

Stadtplan von Metz im Jahre 1634, Kupferstich nach Christophe Tassin

Das alte Metz, welches Frankreich, gleich den früher deutschen Städten Toul, Verdun und Straßburg, Deutschland abgedrungen hat, leitet schon von den Römerzeiten seinen Ursprung und Aufbau her. Ein Feldherr Julius Cäsars, Marius Metius, habe die Stadt, welche Cäsar hartnäckig widerstanden, einnehmen müssen, und habe sie verheert, dann aber herrlich wieder aufgebaut, nach seinem Namen Metia genannt, auch neunzehn Jahre daselbst regiert, auch einen Rat aus dreizehn Stadtältesten eingesetzt, der lange bestanden habe.

Zur Zeit Kaiser Karls V. sandte König Heinrich II. von Frankreich den Connetable Annas Montmorency vor diese deutsche Reichsstadt, der versprach ihr völligen Schutz, wenn sie nur ein einziges Fähnlein französisches Kriegsvolk, darunter man einen kleinen Heerhaufen, etwa was heute eine Kompagnie besagt, verstand, einnehmen wollte. Dies bewilligte der Rat der Stadt Metz, und es zogen nicht minder denn dreitausend Franzosen, allerdings nur mit einem einzigen Fähnlein, in die Stadt und nahmen sie ohne Schwertschlag für ihren König in Besitz, befestigten die Stadt auf das beste und versahen sie mit Mundvorräten aller Art. Als nun im darauffolgenden Jahre Kaiser Karl V. mit einem Kriegsheere kam, Metz den Franzosen wieder abzunehmen, glückte ihm das nicht, obschon er mit siebenzigtausend Mann davorlag und vierzig Tage und Nächte lang die Stadt so heftig beschießen ließ, daß es gleichsam Kugeln regnete und die ganze Gegend von dem Pulverdampfe fort und fort wie in einen starken Nebel gehüllt blieb. Bis nach Straßburg hin ward der Donner des Geschützes gehört. Der tapfere Verteidiger von Metz war der Herzog von Guise, welcher dem Kaiser viel Volk zuschanden machte. Dazu halfen noch Hunger, Seuchen und Kälte gegen Karl V. streiten, und es sind damals vor Metz dreißigtausend Mann geblieben. Endlich brachte noch eine Kriegslist den Kaiser zum Abzug. Der Herzog, welcher fürchtete, die Stadt auf die Länge dennoch nicht halten zu können, zumal sie an ihrer schwächsten Seite angegriffen war, schrieb einen Brief an seinen König des Inhaltes, daß die Belagerung ganz fruchtlos und gefahrlos sei, zumal Karl sie an der stärkstbefestigten Seite am meisten angegriffen habe. Diesen Brief mußte ein scheinbar ungeschickter Bote durch das feindliche Lager tragen, sich fangen lassen, und nun gelangte der Brief vor Karls Augen. Dieser ließ sich wirklich betören, hielt den Brief für wahr, zog die Streitkräfte von der schwachen Seite zurück, griff an anderen sehr gut befestigten Stellen an, verlor die bereits errungenen Vorteile und mußte endlich nach dem Verlust von fast der Hälfte seines Heeres die Belagerung aufgeben. Da fehlte es nicht an Hohn und Spott, der sich reichlich über Karl in allen deutschen Landen ergoß, und da es ihm vor Magdeburg auch fast in gleicher Weise ergangen war, so lief gar bald der Spottreim von Munde zu Munde:

Eine Metze und eine Magd
Haben Karln den Tanz versagt.

Dieses und noch anderes Leid soll sich der Kaiser so zu Gemüte genommen haben, daß er drei Jahre später der Regierung ganz entsagte und 1586 als Mönch in das Kloster St. Just in Spanien trat, wo er Uhren baute. In diesem selben Jahre geschah es, daß Metz, Toul und Verdun – Virdung zu deutsch – durch den Vertrag und Friedensschluß zu Cambray von Deutschland völlig abgetreten und unter den Schutz der Krone Frankreichs gestellt wurden.

Ludwig Bechstein (1801-1860)

Kurt Tucholsky | 20 Gedichte [12]

Mit dem Weininger

Ja … da sitzt du nun auf deines Bettes Rand, 
und die ganze Welt scheint dir nicht recht … 
Lies du nur in diesem Lederband, 
        und erkenne dein Geschlecht!

        Wisse, Mädchen, du bist null und nichtig! 
Bist ein subsidiäres Komplement! 
Tier und Fraue! Nimmst nur eines wichtig: 
        Wenn der Phallus dich erkennt.

        Mit den sieben heimelichen Lüsten 
beugst du klaren, starken Mannessinn –: 
Wenn wir nur nicht mit euch schlafen müßten!

         Er hat recht, und du bist Königin!

1919

Kurt Tucholsky (1890-1935)