Irische Elfenmärchen | Die Phuka (20)

Wir flogen und flogen, bis wir über das weite Meer kamen. Ich wußte es wohl, denn ich sah rechter Hand das Cap Clear, wie es aus dem Wasser hervorspringt.

‚Ach, gnädiger Herr‘, sagte ich zu dem Anführer der Gänse, denn mir schien es das klügste, wenn ich es an artigen Worten nicht fehlen ließe, ‚fliegt doch landeinwärts, wenn es Euch gefällig ist.‘

‚Das geht jetzt unmöglich, siehst du wohl, Daniel‘, antwortete er, ‚wir sind auf dem Weg nach Arabien.‘

‚Nach Arabien!‘ rief ich, ‚das ist gewiß ein Ort in der Fremde, weit von hier.‘

‚Stille, still, du Narr‘, antwortete er, ‚laß dein Geschwätz, ich sage dir, Arabien ist ein prächtiger Ort und West-Carbery so ähnlich als ein Ei dem andern, nur ein bißchen mehr Sand ist dort.‘

Indem wir so sprachen, ward ein Schiff sichtbar, das im Wind stolz daher schoß.

‚Ach! Herr‘, sagte ich, ‚wenn es Euch gefällig wäre, mich in das Schiff hinabfallen zu lassen.‘

‚Wir sind nicht gerade über dem Schiff‘, antwortete er.

‚Wir sind es‘, sagte ich.

‚Wir sind es nicht‘, antwortete er. ‚Wenn ich dich jetzt fallen lasse, so platschest du ins Wasser.‘

‚Ach nein‘, sagte ich, ‚ich verstehe das besser, es ist gerade unter uns; laßt mich nur herunterfallen.‘

‚Wenn du mußt‘, sagte er, ’so gehe deiner Wege.‘

Er ließ mich los und wahrhaftig, er hatte recht, denn ich plumpste richtig in die Tiefe des salzigen Meeres. Ja, ich plumpste in die Tiefe und gab mich auf immer verloren, als ein Walfisch auf mich los kam, der sich nach seinem nächtlichen Schlaf die Augen ausrieb und mich gerade ins Gesicht anglotzte, ohne ein Sterbenswörtchen zu reden. Doch hob er seinen Schwanz in die Höhe und plätscherte damit, daß ich über und über mit salzigem, kaltem Wasser begossen ward, so lange bis kein trockner Faden mehr am ganzen Leibe war. Da hörte ich jemand sagen, und es war eine Stimme, die ich wohl kannte:

‚Steig auf, du Trunkenbold, fort von hier!‘

Indem wachte ich auf und da stand Judy mit einem Zuber voll Wasser, den sie über mich ausschüttelte. Gott habe sie selig! Aber sie war eine gute Frau, die es nicht übers Herz bringen konnte, mich trunken zu sehen und die über ihr Eigentum mit kräftiger Hand waltete.

‚Steig auf!‘ sagte sie, ‚gabs keinen andern Platz im Kirchsprengel, wo du deiner Neigung folgen und dich niederlegen konntest, als dieser, unter den alten Mauern von Carrigaphuka? Ich wette, du hast einen erbärmlichen Schlaf gehabt.‘

Und wahrhaftig, das hatte ich, denn meine Seele war nicht schlecht gequält worden, von Adlern, Männern im Monde, fliegenden Gänsen, und Walfischen, die mich durch Sümpfe, hinauf in den Mond und herab in den Grund des grünen Meers jagten. Und wenn ich zehnmal mehr getrunken hätte, es könnte doch einer lange darauf warten, bis ich mich wieder an jener Stelle niederlegte; ich kenne das!«

Autor: Werner Philipps

Mein Leben und ich! So könnte man den Inhalt meines Blogs kurz und knapp überschreiben. Er beinhaltet (ich hoffe in der richtigen Balance!) Episoden und Ereignisse aus meinem Leben (sic!), Humor und Gedichte... Lasst Euch einfach mal überraschen. Über Kommentare zu den einzelnen Artikeln freue ich mich natürlich auch sehr und meistens antworte ich sogar! Ich freue mich sehr über Euren Besuch. Herzlichst, Werner Philipps

Mein Senftöpfchen wartet auf neue Nahrung. ;) Also, gib gerne Deinen Senf dazu!

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