Zur Blauen Stunde | Nocturno.

Siehe die Nacht hat silberne Saiten 
In die träumenden Saaten gespannt! 
Weiche verzitternde Klänge gleiten 
Über das selig atmende Land 
Fernhin in schimmernde Weiten.

Sanft wie eine segnende Hand 
Tönt und vertönt ihre Weise 
Leise . . . so leise . . . so leise . . .

Und die Seele hebt ihre Schwingen 
– Silberne Klänge sind ihre Flügel – 
Weit über duftumsponnene Hügel 
Durch der Thäler verdämmernden Schein 
Schwebt sie auf sehnsuchtgewiesener Reise 
Still ins strömende Mondlicht hinein . . .

Stefan Zweig (1881-1942)

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (13)

13. Der Dürst

Um den moorigen See auf dem Pilatus und im ganzen Berggehege tobt der Dürst, das ist der wilde Nachtjäger, wie in Thüringen, im Vogtland und am Harz, der hat zur Gesellschaft auch ein gespenstig Weib, wie der Hackelberg die Tut-Osel, der wilde Jäger Thüringens die Frau Holle und der des Vogtlandes die Frau Berchta, die heißen sie drunten im Entlibuch, hart an des Bergstocks Westwand, das Posterli, und in Luzern kennen sie die Sträggele, die, wie die Hollefrau und die wilde Berchta, den faulen Mägden die Rocken wirrt. Mit gar wildem Saus und Braus fährt der Dürst über die Almen daher, reißt und rüttelt an den Sennhütten, bricht mächtige Baumstämme, wirft Felsen in die Gründe und führt wohl auch Kühe mit sich hoch in die Luft, die nimmer wieder herunterkommen oder halbtot und ausgemolken etwa erst am dritten Tag. Wenn ein Hirte das gewahr wurde, konnt‘ er noch Einhalt tun durch den Alpsegen, wenn er den zeitig durch einen Milchtrichter rief, daß der Dürst ihn noch hören konnte, so sank die entführte Kuh ganz sanft wieder auf die Matte nieder.

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lauschen macht Spaß… ja, immer noch! Heute wieder mal: Betagt – Omma und Oppa

bei abercrombie lodert der gamsbart

München, Innenstadt.

Eine amerikanische Modekette eröffnet eine lang ersehnte Filiale. Deshalb fahren seit Tagen Busse mit lauter Musik und halbnackten, sehr fitten männlichen Models als PR-Aktion durch München.

Ein alter Bayer mit Gamsbarthut beobachtet fassungslos das Spektakel. Plötzlich wedelt er mit seinem Stock und pöbelt den Partybus an:

“I glaub eich brennt da Huat!!!!!!!”

belauscht von Veronika

100. klassentreffen des 1. kavallerieregiments?

Im Regionalexpress nach Stolberg.

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Irische Elfenmärchen | Das stille Volk (7)

7. Der Wechselbalg

(Siehe auch die Anmerkungen)

Eine junge Frau, Marie Scannell, lebte mit ihrem Ehemann noch nicht viele Jahre zu Castle Martyr. Eines Tages zur Herbstzeit war sie mit andern hinausgegangen, um beim Weizenbinden behilflich zu sein, sie legte ihr Kind, das sie noch stillte, in eine Ecke des Feldes, und glaubte, es wäre da, in ihren Mantel eingewickelt, auf das Beste versorgt.

Als sie mit ihrer Arbeit zu Ende war, kehrte sie zu dem Kinde zurück, aber an dessen Stelle fand sie in dem Mantel ein Geschöpf, das nicht halb so groß war und ein solches Zetergeschrei ausstieß, daß man es eine Meile weit hören konnte. Sie vermutete gleich, was möchte vorgefallen sein und ohne sich einen Augenblick aufzuhalten, nahm sie es in den Arm und indem sie behauptete, daß sie ganz vernarrt in das Kind sei, brachte sie es zu einer weisen Frau. Diese flüsterte ihr zu, sie sollte ihm nicht satt zu essen geben und auf es los hauen und peitschen ohne Barmherzigkeit.

Marie befolgte den Rat und gerade eine Woche hernach fand sie morgens beim Erwachen ihr eigenes Kind wieder an ihrer Seite im Bette liegen. Dem Elfen, der an die Stelle des Kindes gelegt war, hatte die Behandlung der Marie Scannell, wozu sie sich, obgleich sie eine mitleidige Frau war, entschlossen hatte, schlecht gefallen, und er machte sich, nachdem er es eine Woche versucht, wieder fort und schickte der Frau ihr eigenes Kind zurück.