Sinnende Stunde (3)

Die Lieder des Abends

Heard melodies are sweet, but those unheard 
Are sweeter.
Keats

Die Dinge, die die Abende erzählen, 
Die sind so seltsam süß und wunderbar, 
Weil sich in ihnen Wunsch und Wort vermählen 
Und küssen, wie ein Schwesterlippenpaar.

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Prosastücke | Das Lottchen (4) und Schluss

Es reut das Lottchen

»Gar nichts. Ich habe gar nichts. Ich? Nichts. Nein …

Frag nicht so dumm – man kann ja auch mal nicht guter Laune sein, kann man doch, wie? Ich habe gar nichts.

Nichts. Ach, laß mich. Na, ich denke eben nach. Meinst du, bloß ihr Männer denkt nach? Ich denke nach. Nein, kein Geld – meine Rechnungen sind alle bezahlt. Alle! Ich habe keinen Pfennig Schulden. Was? Keinen Pfennig. Bloß die Apotheke und das Aquarium, das ich mir neulich gekauft habe, und die Schneiderin und bei Kätchen. Sonst nichts. Na ja, und die fünfzig Mark bei Vopelius. Nein, wegen dem Geld ist es auch nicht. Wegen des Geldes! Was du bloß immer mit der Grammatik hast – die Hauptsache ist doch, daß ich Geld habe. Ich habe aber keins.

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Irische Elfenmärchen | Das stille Volk (5)

5. Der kleine Sackpfeifer

(Siehe auch die Anmerkungen)

Vor noch nicht lange lebte an den Grenzen der Grafschaft Tipperary ein rechtschaffenes Ehepaar, Michael Flanigan und Judy Muldun, denn dort herrscht die Sitte, daß die Frau den Namen ihrer Familie fortführt. Diese armen Leute hatten vier Kinder, alle Knaben. Drei davon waren so schöne, wohlgewachsene, gesunde, frisch aussehende Kinder, als die Sonne je beschienen hat, und es war genug, einen Irländer auf das Geschlecht seiner Heimat stolz zu machen, daß er an einem hellen Sommertag zu Mittagszeit diese vier Knaben erblickte, wie sie vor der Haustüre ihres Vaters standen mit dem prächtigen Flachshaar, das gelockt von dem Kopf herabhing, und eine dicke, lachende Kartoffel einem jeden in der Hand dampfte. Stolz war Michael auf diese schönen Kinder und Judy war auch stolz darauf, und beide hatten Recht genug dazu. Aber ganz anders verhielt es sich mit dem noch übrigen, welcher der dritte von oben war. Das war der erbärmlichste, häßlichste und mißgeschaffenste Wicht, dem Gott noch je Leben verliehen hatte, so ungestalt, daß er nicht fähig war, allein zu stehen oder seine Wiege zu verlassen. Er hatte langes, struppichtes, verfitztes, rabenschwarzes Haar, eine grüngelbe Gesichtsfarbe, Augen wie feurige Kohlen, die immer hin und her blickten und in beständiger Bewegung waren. Ehe er zwölf Monat alt war, stand ihm der Mund schon voll großer Zähne, seine Hände glichen Katzen-krallen, seine Beine waren nicht dicker als ein Peitschenstiel und nicht gerader als eine Sichel. Und was die Sache noch schlimmer machte, er hatte den Magen von einem Vielfraß und sein Mund hörte nicht auf zu bellen, zu kreischen und zu heulen. Die Nachbarn schöpften Argwohn, es möchte nicht ganz richtig mit ihm sein, besonders als sie beobachteten, wie er sich betrug, sobald von Gott oder andern frommen Dingen die Rede war. Wenn dies, nach der Sitte des Landes, abends beim Feuer geschah, in dessen Nähe die Mutter gewöhnlich seine Wiege gestellt hatte, damit der Balg recht warm liege, so pflegte er mitten in diesem Gespräch sich aufzusetzen und zu heulen nicht anders, als ob der Teufel selbst in ihm steckte. Sie ratschlagten deshalb einmal gemeinschaftlich, was mit ihm anzufangen wäre. Einige meinten, man sollte ihn auf eine Schaufel setzen, aber das litt Judys Stolz nicht.

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Anmerkungen zu den Elfenmärchen

Anmerkungen

1. Das weiße Kalb

Der Berg wird im Irischen Knocksheogowna genannt, welches wörtlich übersetzt der Berg des Elfenkalbs heißt. Die seltsamen und auffallenden Erscheinungen wie z. B. der Lachs mit der Halsbinde, sind kein Zusatz, sondern genau nach den mündlichen Erzählungen beibehalten und dienen zugleich als Beispiel von der wunderlichen Einbildungskraft der Einwohner; es gibt ein im südlichen Irland wohlbekanntes Lied von Castle Hyde, in welchem sogar vorkommt: »die Forelle und der Lachs spielten im Brett zusammen.«

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Einige Erläuterungen zu den „Irischen Elfenmärchen“

In dem Buch „Irische Elfenmärchen“ befinden sich ganz am Ende zu jedem Märchen Anmerkungen. Diese beinhalten verschiedene Informationen. Zu Orten, Namen oder auch, in welchen Ländern diese Märchen noch bekannt sind.

Meine irische Schwiegermutter, welche um mein Interesse an alten Märchen abseits von Aschenputtel, Dornröschen und dergleichen wusste, schenkte mir dieses Buch einmal vor vielen Jahren zu Weihnachten. Von da an fand man mich immer öfter im Garten unter dem großen Schwarzdorn sitzend und lesend vor. Der Schwarzdorn ist übrigens die Heimat des Kleinen Volkes.

Ab jetzt findet man diese Seite über einen Link zu Beginn jedes Märchens.

Die Elfen haben es mir befohlen – und ich gehorche!

Ich wünsche Euch nun noch viel Vergnügen beim Lesen und Träumen!

Die Edda | 35. Atlamâl

35. Atlamâl.

Lied von Atli.

1 Die Welt weiß die Unthat,   wie weiland Männer
Huben Rath zu halten,   und den heimlichen Vorsatz
Mit Schwüren bestärkten.   Sie selber büßten es
Und die Erben Giukis,   die arg betrognen.

2 Die Fürsten erfaßte   ihr feindlich Geschick.
Übel berieth sich Atli   bei aller Klugheit:
Die Stütze stürzt’ er sich   im Streit mit sich selbst.
Er sandte schnelle Boten   daß seine Schwäger kämen.

3 Die schlaue Hausfrau   sann auf Mannesklugheit;
Sie wuste die Worte,   die heimlich gewechselten.
In Noth war die Weise,   die sie retten wollte:
Die Gesandten sollten segeln,   sie selbst daheim sein.

4 Da ritzte sie Runen:   die verritzte Wingi
Eh er sie abgab,   der Unheilstifter.
Die Schiffe steuerten   die Gesandten Atlis
Durch den armreichen Sund,   wo die Schnellen wohnten.

5 Bei festlicher Freude   ward Feuer gezündet;
Ob ihrer Ankunft   nicht ahnten sie Trug.
Die der Schwager geschickt,   die Geschenke nahmen sie
Und hingen sie arglos   auf an der Säule.

6 Högnis Hausfrau   hört’ es, Kostbera.
Da ging die kluge   und grüßte die Boten.
Auch Glaumwör, Gunnars   Gattin freute sich;
Sie gedachte der Pflicht   und pflegte die Gäste.

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