Diese Kurzgeschichte

Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Mich jedenfalls hat sie tief ergriffen!

Ysardssons Welt

hat es leider nicht ins Finale eines Wettbewerbs geschafft. Trotzdem finde ich sie gut und ich präsentiere sie euch auf diesem Weg.

Es ging um Grenzen. Was sind Grenzen, in wie weit lassen wir persönliche Grenzüberschreitungen zu und was macht Covid19 mit diesen? Ich habe mich ein wenig damit beschäftigt und daraus ist folgende Geschichte entstanden.

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Die Grenze des anderen

„Die erste Grenze überschreitet man bei der Geburt. Haben Sie das gewusst, Schwester?“ Der alte Herr liegt noch im Bett, die Augen wach auf die Pflegerin gerichtet, die eben die Tageskleidung des Mannes zurechtlegt. „Aha“, antwortet sie einsilbig und uninteressiert.

„Heute Nacht konnte ich nicht schlafen, da habe ich darüber nachgedacht“, redet er weiter, ohne die Hektik der Altenbetreuerin zu bemerken. Sie richtet sich ihre Atemschutzmaske und unterdrückt ein genervtes, müdes Seufzen. „Ich bring Sie jetzt ins Bad, Herr Czerny“, meint sie gleichgültig, auf…

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Nette Sätze aus Briefen an das Sozialamt

Für meine Frau beantrage ich eine neue Hose. Dieselbe ist 52 Jahre alt und hat ein steifes Bein.

Mein Mann macht keine Geschäfte mehr – und wenn er mal eins macht, dann sind es nur ein paar Tropfen.

In dieser Wohnung kann ich nicht länger bleiben, da ich dauernd der Sittlichkeit ausgesetzt bin.

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Gottesstunde

Du rechnest nach der Zeit der Erde
und ahnst noch nichts von Himmelszeit.
Nach welcher Gott wohl rechnen werde,
darüber weißt du nicht Bescheid.
Zwar hast du dem metallnen Munde
die irdschen Zeichen eingeprägt,
doch hörst du nicht die wahre Stunde,
die tief in deinem Innern schlägt.

Durch deine Zeit ward dir geboren
des Lebens ganze, schwere Last;
die wahre Zeit ging dir verloren,
weil du sie nicht begriffen hast.
Nun schmerzt dich manche, manche Wunde,
doch machte keine noch dich klug:
Du hast versäumt die Gottesstunde,
als sie in deinem Innern schlug.

Will’s Gott in seiner Gnade geben,
daß sie dir nochmals schlagen mag,
so trittst du in ein neues Leben
an deinem ersten Himmelstag.
Nur lausche, lausche stets der Kunde,
die dir sein Engel abwärts trägt;
versäume nicht die Gottesstunde,
wenn wieder an dein Herz sie schlägt!

Karl May (1842-1912)

Ludwig Bechstein – Deutsches Sagenbuch (7)

7. Luzerner Hörner und Mordnacht

Da die Schweizer aufstanden und zu Felde zogen gegen ihre Unterdrücker, gebrauchten sie allerlei Kriegsinstrumente. So hatten die von Uri einen Mann, den hießen sie den Stier von Uri, der blies ein mächtig Urhorn, das mit Silber beschlagen war; und wenn man einen Keil ins Mundstück schlug, konnte man auch daraus trefflich trinken. Die Luzerner brauchten eherne Hörner, wie die alten Römer gebraucht, die hießen sie Harschhörner, und die hatte ihnen König Karl verliehen, als sie mit ihm in der Roncevaller Schlacht gestritten, wo Held Roland fiel.

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Prosastücke | Ein Glas klingt

Ein Glas klingt

Zu seinen zahllosen Albernheiten und schlechten Angewohnheiten, die einen so nervös machen können … schließlich etwas Rücksicht kann ja ein Mann auf seine Frau wohl nehmen, finde ich … also ich finde das wenigstens … zu seinen dummen Angewohnheiten gehört die, eine Tischklingel oder ein Glas, das er angestoßen hat, ruhig ausklingen zu lassen! Man legt doch die Hand darauf – Mama hat das auch immer getan. Wenn etwas bei Tisch klingt, dann legt man die Hand darauf, gleich, sofort – und dann ist es still. Er läßt die Gläser ausklingen … Rasend kann einen das machen! So, wie er morgens immer beim Rasieren so albern mit dem Pinsel klappert, also jeden Morgen, den Gott werden läßt, so stößt er mit seinen ungeschickten, dicken Händen mal an die Klingel, mal an sein Glas; bing, macht das dann, diiiiing – ganz lange. So ein hoher, giftiger Ton, als ob einen was auslacht. »Leg doch die Hand darauf!« sage ich. – »Du bist so nervös heute«, sagt er. Dann lege ich die Hand aufs Glas. Nervös …

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