Freiheit in Ketten

Ich sah der Menschen Angstgehetz; 
ich hört der Sklaven Frongekeuch. 
Da rief ich laut: Brecht das Gesetz! 
Zersprengt den Staat! Habt Mut zu euch!

Was gilt Gesetz?! Was gilt der Staat?! 
Der Mensch sei frei! Frei sei das Recht! 
Der freie Mensch folgt eignem Rat: 
Sprengt das Gesetz! Den Staat zerbrecht! –

Da blickten Augen kühn und klar, 
und viel Bedrückte liefen zu: 
Die Freiheit lebe! Du sprichst wahr! 
Von Staat und Zwang befrei uns du! –

Nicht ich! Ihr müßt euch selbst befrein. 
Zerreißt den Gurt, der euch beengt! 
Kein andrer darf euch Führer sein. 
Brecht das Gesetz! Den Staat zersprengt! –

Nein, du bist klug, und wir sind dumm. 
Führ uns zur Freiheit, die du schaust! – 
Schon zogen sie die Rücken krumm: 
O sieh, schon ballt der Staat die Faust! …

Roh griff die Faust mir ins Genick 
des Staats: verletzt sei das Gesetz! 
Man stieß mich fort. – Da fiel mein Blick 
auf Frongekeuch und Angstgehetz.

Im Sklaventrott zog meine Schar 
und schrie mir nach: Mach dein Geschwätz, 
du Schwindler, an dir selber wahr! 
Jetzt lehrt der Staat dich das Gesetz! –

Ihr Toren! Schlagt mir Arm und Bein 
in Ketten, und im Grabverlies 
bleibt doch die beste Freiheit mein: 
die Freiheit, die ich euch verhieß.

Man schnürt den Leib; man quält das Blut. 
Den Geist zwingt nicht Gesetz noch Staat. 
Frei, sie zu brechen, bleibt mein Mut – 
und freier Mut gebiert die Tat!

Erich Mühsam (1878-1934)

Interessant und Wissenswert

Erich Kurt Mühsam (geboren am 6.April 1878 
in Berlin; 
ermordet am 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg) 
war ein anarchistischer 
deutscher Schriftsteller, 
Publizist und Antimilitarist. 
Als politischer Aktivist war er 
1919 maßgeblich an der Ausrufung 
der Münchner Räterepublik beteiligt, 
wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt 
wurde, aus der er nach 5 Jahren im Rahmen 
einer Amnestie freikam.In der Weimarer Republik 
setzte er sich in der Roten Hilfe für die 
Freilassung politischer Gefangener ein.

In der Nacht des Reichstagsbrandes 
wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet 
und am 10. Juli 1934 von der SS-Wachmannschaft 
des KZ Oranienburg ermordet.

Autor: Werner Philipps

Mein Leben und ich! So könnte man den Inhalt meines Blogs kurz und knapp überschreiben. Er beinhaltet (ich hoffe in der richtigen Balance!) Episoden und Ereignisse aus meinem Leben (sic!), Humor und Gedichte... Lasst Euch einfach mal überraschen. Über Kommentare zu den einzelnen Artikeln freue ich mich natürlich auch sehr und meistens antworte ich sogar! Ich freue mich sehr über Euren Besuch. Herzlichst, Werner Philipps

Mein Senftöpfchen wartet auf neue Nahrung. ;) Also, gib gerne Deinen Senf dazu!

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