Das Nibelungenlied – Kapitel 37

nibelungenliedSiebenunddreißigstes Abenteuer

Wie Rüdiger erschlagen ward


Die Heimatlosen hatten · am Morgen viel getan.
Der Gemahl Gotlindens · kam zu Hof heran
Und sah auf beiden Seiten · des großen Leids Beschwer:
Darüber weinte inniglich · der getreue Rüdiger.

»O weh, daß ich das Leben« · sprach der Held, »gewann
Und diesem großen Jammer · nun niemand wehren kann!
So gern ich Frieden schüfe · der König geht’s nicht ein,
Da ihm das Unheil stärker · immer stärker bricht herein.«

Zu Dietrichen sandte · der gute Rüdiger,
Ob sie’s noch könnten wenden · von den Kön’gen hehr?
Da entbot ihm der von Berne · »Wer möcht‘ ihm widerstehn?
Es will der König Etzel · keine Sühne mehr sehn.«

Da sah ein Heunenrecke · Rüdigern da stehn
Mit weinenden Augen · wie er ihn oft gesehn.
Er sprach zu der Königin · »Nun seht, wie er da steht,
Den ihr und König Etzel · vor allen andern habt erhöht

»Und dem doch alles dienet · die Leute wie das Land.
Wie sind so viel der Burgen · an Rüdigern gewandt,
Deren er so manche · von dem König haben mag!
Er schlug in diesen Stürmen · noch keinen löblichen Schlag.

»Mich dünkt, ihn kümmert wenig · was hier mit uns geschieht,
Wenn er nach seinem Willen · bei sich die Fülle sieht.
Man rühmt, er wäre kühner · als jemand möge sein:
Das hat uns schlecht bewiesen · in dieser Not der Augenschein.«

Mit traurigem Mute · der vielgetreue Mann,
Den er so reden hörte · den Heunen sah er an.
Er dachte: »Das entgiltst du · du sagst, ich sei verzagt:
Da hast du deine Mären · zu laut bei Hofe gesagt.«

Er zwang die Faust zusammen · da lief er ihn an
Und schlug mit solchen Kräften · den heunischen Mann,
Daß er ihm vor die Füße · niederstürzte tot.
Da war gemehrt aufs neue · dem König Etzel die Not.

»Fahr‘ hin, verzagter Bösewicht!« · sprach da Rüdiger,
»Ich hatte doch des Leides · genug und der Beschwer.
Daß ich hier nicht fechte · was rügst du mir das?
Wohl trüg‘ auch ich den Gästen · mit Grunde feindlichen Haß,

»Und alles, was ich könnte · tat‘ ich ihnen an,
Hätt‘ ich nicht hieher geführt · die Gunthern untertan.
Ich war ihr Geleite · in meines Herren Land:
Drum darf sie nicht bestreiten · meine unsel’ge Hand.«

Da sprach zum Markgrafen · Etzel der König hehr:
»Wie habt ihr uns geholfen · vieledler Rüdiger!
Wir hatten doch der Toten · so viel in diesem Land,
Daß wir nicht mehr bedurften · mit Unrecht schlug ihn eure Hand.«

Da sprach der edle Ritter · »Er beschwerte mir den Mut
Und hat mir bescholten · die Ehre wie das Gut,
Des ich aus deinen Händen · so große Gaben nahm,
Was nun dem Lügenbolde · übel auch zustatten kam

Da kam die Königstochter · die hatt‘ es auch geseh
Was von des Helden Zorne · dem Heunen war geschah
Sie beklagt‘ es ungefüge · ihre Augen wurden naß.
Sie sprach zu Rüdigeren · »Wie verdienten wir das,

»Daß ihr mir und dem König · noch mehrt unser Leid?
Ihr habt uns, edler Rüdiger · verheißen allezeit,
Ihr wolltet für uns wagen · die Ehre wie das Leben;
Auch hört‘ ich viel der Recken · den Preis des Mutes euch geben.

»Ich mahn‘ euch nun der Treue · die mir schwur eure Hand,
Da ihr mir zu Etzeln rietet · Ritter auserkannt,
Daß ihr mir dienen wolltet · bis an unsern Tod.
Des war mir armen Weibe · noch niemals so bitter not.«

»Das kann ich nicht leugnen · ich schwur euch, Königin,
Die Ehre wie das Leben · gab‘ ich für euch dahin:
Die Seele zu verlieren · hab‘ ich nicht geschworen.
Zu diesem Hofgelage · bracht‘ ich die Fürsten wohlgeboren.«

Sie sprach: »Gedenke, Rüdiger · der hohen Eide dein
Von deiner steten Treue · wie du den Schaden mein
Immer wolltest rächen · und wenden all mein Leid.«
Der Markgraf entgegnete · »Ich war euch stets zu Dienst bereit.«

Etzel der reiche · hub auch zu flehen an.
Da warfen sie sich beide · zu Füßen vor den Mann.
Den edeln Markgrafen · man da in Kummer sah;
Der vielgetreue Recke · jammervoll begann er da:

»O weh mir Unsel’gem · muß ich den Tag erleben!
Aller meiner Ehren · soll ich mich nun begeben,
Aller Zucht und Treue · die Gott mir gebot;
O weh, Herr des Himmels · daß mir’s nicht wenden will der Tod!

»Welches ich nun lasse · das andre zu begehn,
So ist doch immer übel · und arg von mir geschehn.
Was ich tu‘ und lasse · so schilt mich alle Welt.
Nun möge mich erleuchten · der mich dem Leben gesellt!«

Da baten ihn so dringend · der König und sein Weib,
Daß bald viel Degen mußten · Leben und Leib
Von Rüdgers Hand verlieren · und selbst der Held erstarb.
Nun mögt ihr bald vernehmen · welchen Jammer er erwarb.

Er wußte wohl, nur Schaden · und Leid sei sein Gewinn.
Er hätt‘ es auch dem König · und der Königin
Gern versagen wollen · der Held besorgte sehr,
Erschlug‘ er ihrer einen · daß er der Welt ein Greuel war‘.

Da sprach zu dem Könige · dieser kühne Mann:
»Herr Etzel, nehmt zurücke · was ich von euch gewann,
Das Land mit den Burgen · bei mir soll nichts bestehn:
Ich will auf meinen Füßen · hinaus ins Elend gehn.«

Da sprach der König Etzel · »Wer aber hülfe mir?
Mein Land mit den Leuten · das alles geb‘ ich dir,
Daß du mich rächest, Rüdiger · an den Feinden mein:
Du sollst neben Etzeln · ein gewalt’ger König sein.«

Da sprach wieder Rüdiger · »Wie dürft‘ ich ihnen schaden?
Heim zu meinem Hause · hab‘ ich sie geladen:
Trinken und Speise · ich ihnen gütlich bot,
Dazu meine Gabe · wie sann‘ ich ihnen den Tod?

»Die Leute mögen wähnen · ich sei zu verzagt.
Keiner meiner Dienste · war ihnen je versagt,
Den hochedeln Fürsten · wie ihrem letzten Mann.
Nun reut mich die Freundschaft · die ich an ihnen gewann.

»Geiselher dem Degen · gab ich die Tochter mein:
Sie könnt‘ auf Erden nimmer · besser verwendet sein,
Seh‘ ich auf Zucht und Ehre · auf Treu‘ oder Gut.
Nie ein so junger König · trug wohl tugendreichern Mut.«

Da sprach wieder Kriemhild · »Vieledler Rüdiger,
Nun laß dich erbarmen · unsres Leids Beschwer,
Mein und auch des Königs · gedenke wohl daran,
Daß nie ein Wirt auf Erden · so leide Gäste gewann.«

Da begann der Markgraf · zu der Kön’gin hehr:
»Heut‘ muß mit dem Leben · entgelten Rüdiger,
Was ihr und der König · mir Liebes habt getan:
Dafür muß ich sterben · es steht nicht länger mehr an.

»Ich weiß, daß noch heute · meine Burgen und mein Land .
Euch ledig werden müssen · von dieser Helden Hand.
So befehl‘ ich euch auf Gnade · mein Weib und mein Kind
Und all die Heimatlosen · die da zu Bechlaren sind.«

»Nun lohne Gott dir, Rüdiger!« · der König sprach da so;
Er und die Königin · sie wurden beide froh.
»Uns seien wohlbefohlen · alle Leute dein;
Auch trau‘ ich meinem Heile · du selber werdest glücklich sein.«

Da setzt‘ er auf die Wage · die Seele wie den Leib.
Da begann zu weinen · König Etzels Weib.
Er sprach: »Ich muß euch halten · den Eid, den ich getan.
O weh‘ meiner Freunde! · wie ungern greif ich sie an.«

Man sah ihn von dem König · hinweggehn trauriglich.
Da fand er seine Recken · nahe stehn bei sich:
Er sprach: »Ihr sollt euch waffnen · ihr all in meinem Lehn:
Die kühnen Burgunden · muß ich nun leider bestehn.«

Nach den Gewaffen riefen · die Helden allzuhand,
Ob es Helm wäre · oder Schildesrand,
Von dem Ingesinde · ward es herbeigetragen.
Bald hörten leide Märe · die stolzen Fremdlinge sagen.

Gewaffnet ward da Rüdiger · mit fünfhundert Mann;
Darüber zwölf Recken · zu Hülf‘ er sich gewann:
Die wollten Preis erwerben · in des Sturmes Not;
Sie wußten nicht die Märe · wie ihnen nahe der Tod.

Da sah man unterm Helme · den Markgrafen gehn.
Scharfe Schwerter trugen · die in Rüdgers Lehn,
Dazu vor den Händen · die lichten Schilde breit.
Das sah der Fiedelspieler · dem war es ohne Maßen leid.

Da sah der junge Geiselher · seinen Schwäher gehn
Mit aufgebundnem Helme · Wie mocht‘ er da verstehn,
Wie er damit es meine · es sei denn treu und gut?
Da gewann der edle König · von Herzen fröhlichen Mut.

»Nun wohl mir solcher Freunde« · sprach da Geiselher,
»Die wir gewonnen haben · auf der Fahrt hieher!
Meines Weibes willen · ist uns Hülfe nah:
Lieb ist mir, meiner Treue · daß diese Heirat geschah.«

»Wes ihr euch wohl tröstet!« · sprach der Fiedelmann:
»Wann saht ihr noch zur Sühne · so viel der Helden nahn
Mit aufgebundnen Helmen · die Schwerter in der Hand?
Er will an uns verdienen · seine Burgen und sein Land.«

Eh‘ der Fiedelspieler · die Rede sprach vollaus,
Den edeln Markgrafen · sah man schon vor dem Haus.
Seinen Schild den guten · setzt‘ er vor den Fuß:
Da mußt‘ er seinen Freunden · versagen dienstlichen Gruß.

Rüdiger der edle · rief da in den Saal:
»Ihr kühnen Nibelungen · nun wehrt euch allzumal!
Ihr solltet mein genießen · ihr entgeltet mein:
Wir waren ehmals Freunde · der Treue will ich ledig sein.«

Da erschraken dieser Märe · die Notbedrängten schwer.
Ihnen war der Trost entsunken · den sie gewähnt vorher,
Da sie bestreiten wollte · dem jeder Liebe trug.
Sie hatten von den Feinden · schon Leid erfahren genug.

»Das verhüte Gott vom Himmel!« · sprach Gunther der Degen
»Daß ihr eurer Freundschaft · tätet so entgegen
Und der großen Treue · darauf uns sann der Mut:
Ich will euch wohl vertrauen · daß ihr das nimmermehr tut.«

»Es ist nicht mehr zu wenden« · sprach der kühne Mann:
»Ich muß mit euch streiten · wie ich den Schwur getan.
Nun wehrt euch, kühne Degen · wenn euch das Leben wert,
Da mir die Königstochter · nicht andre Willkür gewährt.«

»Ihr widersagt uns nun zu spät« · sprach der König hehr.
»Nun mög‘ euch Gott vergelten · viel edler Rüdiger,
Die Treu‘ und die Liebe · die ihr uns habt getan,
Wenn ihr bis ans Ende · auch halten wolltet daran.

»Wir wollen stets euch danken · was ihr uns habt gegeben,
Ich und meine Freunde · lasset ihr uns leben:
Der herrlichen Gaben · als ihr uns brachtet her
In Etzels Land mit Treue · des gedenket, edler Rüdiger!«

»Wie gern ich euch das gönnte« · sprach Rüdiger der Degen,
»Daß ich euch meiner Gabe · die Fülle dürfte wägen
Nach meinem Wohlgefallen · wie gerne tat‘ ich das,
So es mir nicht erwürbe · der edeln Königin Haß!«

»Laßt ab, edler Rüdiger« · sprach wieder Gernot,
»Nie ward ein Wirt gefunden · der es den Gästen bot
So freundlich und so gütlich · als uns von euch geschehn.
Des sollt ihr auch genießen · so wir lebendig entgehn.«

»Das wollte Gott,« sprach Rüdiger · »viel edler Gernot,
»Daß ihr am Rheine wäret · und ich wäre tot.
So rettet‘ ich die Ehre * da ich euch soll bestehn!
Es ist noch nie an Degen · von Freunden übler geschehn.«

»Nun lohn‘ euch Gott, Herr Rüdiger« · sprach wieder Gernot,
»Eurer reichen Gabe · Mich jammert euer Tod,
Soll an euch verderben · so tugendlicher Mut.
Hier trag‘ ich eure Waffe · die ihr mir gäbet, Degen gut.

»Sie hat mir noch nie versagt · in all dieser Not:
Es fiel vor ihrer Schärfe · mancher Ritter tot.
Sie ist stark und lauter · herrlich und gut:
Gewiß, so reiche Gabe · kein Recke je wieder tut.

»Und wollt ihr es nicht meiden · wider uns zu gehn,
Erschlagt ihr mir die Freunde · die hier bei mir stehn,
Mit euerm Schwerte nehm‘ ich · Leben euch und Leib.
So reut ihr mich, Rüdiger · und euer herrliches Weib.«

»Das wolle Gott, Herr Gernot · und möcht‘ es geschehn,
Daß hier nach euerm Willen · alles könnt‘ ergehn
Und euern Freunden bleiben · Leben möcht‘ und Leib,
Euch sollten wohl vertrauen · meine Tochter und mein Weib.«

Da sprach von Burgunden · der schönen Ute Kind:
»Wie tut ihr so, Herr Rüdiger? · Die mit mir kommen sind,
Die sind euch all gewogen · ihr greift übel zu:
Eure schöne Tochter · wollt ihr verwitwen allzufrüh.

»Wenn ihr und eure Recken · mich wollt im Streit bestehn,
Wie war‘ das unfreundlich · wie wenig ließ‘ es sehn,
Daß ich euch vertraute · vor jedem andern Mann,
Als ich eure Tochter · mir zum Weibe gewann.«

»Gedenkt eurer Treue« · sprach da Rüdiger.
»Und schickt euch Gott von hinnen · viel edler König hehr,
So laßt es nicht entgelten · die liebe Tochter mein:
Bei aller Fürsten Tugend · geruht, ihr gnädig zu sein.«

»So sollt‘ ich’s billig halten« · sprach Geiselher das Kind;
»Doch meine hohen Freunde · die noch im Saal hier sind,
Wenn die vor euch ersterben · so muß geschieden sein
Diese stete Freundschaft · zu dir und der Tochter dein.«

»Nun möge Gott uns gnaden« · sprach der kühne Mann.
Da hoben sie die Schilde · und wollten nun hinan,
Zu streiten mit den Gästen · in Kriemhildens Saal.
Laut rief da Hagen · von der Stiege her zutal:

»Verzieht noch eine Weile · viel edler Rüdiger,«
Also sprach da Hagen · »wir reden erst noch mehr,
Ich und meine Herren · wie uns zwingt die Not.
Was hilft es Etzeln, finden · wir in der Fremde den Tod?

»Ich steh‘ in großen Sorgen« · sprach wieder Hagen,
»Der Schild, den Frau Gotlind · mir gab zu tragen,
Den haben mir die Heunen · zerhauen vor der Hand;
Ich bracht ihn doch in Treuen · her in König Etzels Land.

»Daß es Gott vom Himmel · vergönnen wollte,
Daß ich so guten Schildrand · noch tragen sollte,
Als du hast vor den Händen · viel edler Rüdiger:
So bedürft‘ ich in dem Sturme · keiner Halsberge mehr.«

»Wie gern wollt‘ ich dir dienen · mit meinem Schilde,
Dürft‘ ich dir ihn bieten · vor Kriemhilde!
Doch nimm ihn hin, Hagen · und trag ihn an der Hand.
Hei! dürftest du ihn führen · heim in der Burgunden Land!«

Als er den Schild so willig · zu geben sich erbot,
Die Augen wurden vielen · von heißen Tränen rot.
Es war die letzte Gabe · es dürft‘ hinfort nicht mehr
Einem Degen Gabe bieten · von Bechlaren Rüdiger.

Wie grimmig auch Hagen · wie hart auch war sein Mut,
Ihn erbarmte doch die Gabe · die der Degen gut
So nah seinem Ende · noch hatt‘ an ihn getan.
Mancher edle Ritter · mit ihm zu trauern begann.

»Nun lohn euch Gott vom Himmel · viel edler Rüdiger!
Es wird eures Gleichen · auf Erden nimmermehr,
Der heimatlosen Degen · so milde Gabe gebe.
So möge Gott gebieten · daß eure Milde immer lebe.«

»O weh‘ mir dieser Märe!« · sprach wieder Hagen.
»Wir hatten Herzensschwere · schon so viel zu tragen:
Das müsse Gott erbarmen · gilt’s uns mit Freunden Streit!«
Da sprach der Markgraf wieder · »Das ist mir inniglich leid.«

»Nun lohn‘ ich euch die Gabe · viel edler Rüdiger:
Was euch auch widerfahre · von diesen Recken hehr,
Es soll euch nicht berühren · im Streit meine Hand,
Ob ihr sie all erschlüget · die von der Burgunden Land.«

Da neigte sich ihm dankend · der gute Rüdiger.
Die Leute weinten alle · daß nicht zu wenden mehr
Dieser Herzensjammer · Das war zu große Not.
Der Vater aller Tugend · fand an Rüdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege · Volker der Fiedelmann:
»Da mein Geselle Hagen · euch trug den Frieden an,
So biet‘ ich auch so steten · euch von meiner Hand.
Das habt ihr wohl verdient an uns · da wir kamen in das Land.

»Ihr sollt, viel edler Markgraf · mein Bote werden hier:
Diese roten Spangen · gab Frau Gotlinde mir,
Daß ich sie tragen sollte · bei dieser Lustbarkeit:
Ich tu es, schauet selber · daß ihr des mein Zeuge seid.«

»Wollt‘ es Gott vom Himmel!« · sprach da Rüdiger,
»Daß euch geben dürfte · die Markgräfin noch mehr!
Die Märe sag‘ ich gerne · der lieben Trauten mein,
Seh‘ ich gesund sie wieder · des sollt ihr außer Zweifel sein.«

Nach diesem Angeloben · den Schild hob Rüdiger,
Sein Mut begann zu toben · nicht länger säumt‘ er mehr.
Auf lief er zu den Gästen · wohl einem Recken gleich.
Viel kraftvolle Schläge · schlug da dieser Markgraf reich.

Volker und Hagen · die zwei traten beiseit,
Wie ihm verheißen hatten · die Degen allbereit.
Noch traf er bei den Türen · so manchen Kühnen an,
Daß Rüdiger die Feindschaft · mit großen Sorgen begann.

Aus Rachewillen ließen · ihn ins Haus hinein
Gernot und Gunther · das mochten Helden sein.
Zurück wich da Geiselher · fürwahr, es war ihm leid;
Er versah sich noch des Lebens · drum mied er Rüdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden · die in Rüdgers Lehn.
Hinter ihrem Herren · sah man sie kühnlich gehn.
Schneidende Waffen · trugen sie an der Hand:
Da zerbrachen viel der Helme · und mancher herrliche Rand.

Da schlugen auch die Müden · noch manchen schnellen Schlag
Auf die von Bechlaren · der tief und eben brach
Durch die lichten Panzer · und drang bis auf das Blut.
Sie frommten in dem Sturme · viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde · war alle nun im Saal.
Volker und Hagen · die sprangen hin zumal:
Sie gaben niemand Frieden · als dem einen Mann.
Das Blut von ihren Hieben · von den Helmen niederrann.

Wie da der Schwerter Tosen · so grimmig erklang,
Daß unter ihren Schlägen · das Schildgespänge sprang!
Die Schildsteine rieselten · getroffen in das Blut.
Da fochten sie so grimmig · wie man es nie wieder tut.

Der Vogt von Bechlaren · schuf hin und her sich Bahn,
Wie einer der mit Ungestüm · im Sturme werben kann.
Des Tages ward an Rüdiger · herrlich offenbar,
Daß er ein Recke wäre · kühn und ohne Tadel gar.

Hier standen diese Recken · Gunther und Gernot,
Sie schlugen in dem Streite · viel der Helden tot.
Geiselhern und Dankwart · am Heile wenig lag:
Da brachten sie noch manchen · hin zu seinem jüngsten Tag.

Wohl erwies auch Rüdiger · daß er stark war genug,
Kühn und wohl gewaffnet · hei, was er Helden schlug!
Das sah ein Burgunde · da schuf der Zorn ihm Not:
Davon begann zu nahen · des edeln Rüdiger Tod.

Gernot der starke · rief den Helden an.
Er sprach zum Markgrafen · »Ihr wollt mir keinen Mann
Der Meinen leben lassen · viel edler Rüdiger.
Das schmerzt mich ohne Maßen · ich ertrag‘ es nicht länger mehr.

»Nun mag euch eure Gabe wohl · zu Unstatten kommen,
Da ihr mir der Freunde · habt so viel genommen.
Nun bietet mir die Stirne · ihr edler kühner Mann:
So verdien‘ ich eure Gabe · so gut ich immer nur kann.«

Bevor da der Markgraf · zu ihm gedrungen war,
Ward noch getrübt vom Blute · manch lichter Harnisch klar.
Da liefen sich einander · die Ehrbegier’gen an:
Jedweder sich zu schirmen · vor starken Wunden begann.

Doch schnitten ihre Schwerter · es schützte nichts dagegen.
Da schlug den König Gernot · Rüdiger der Degen
Durch den steinharten Helm · daß niederfloß das Blut:
Das vergalt alsbald ihm · dieser Ritter kühn und gut.

Hoch schwang er Rüdgers Gabe · die in der Hand ihm lag;
Wie wund er war zum Tode · er schlug ihm einen Schlag
Auf des Helmes Bänder · und durch den festen Schild,
Davon ersterben mußte · der gute Rüdiger mild.

So reicher Gabe übler · gelohnt ward nimmermehr.
Da fielen beid‘ erschlagen · Gernot und Rüdiger,
Im Sturm gleichermaßen · von beider Kämpfer Hand.
Da erst ergrimmte Hagen · als er den großen Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje · »Es ist uns schlimm bekommen.
So großen Schaden haben · wir an den Zwein genommen,
Daß ihn nie verwinden · ihr Volk noch ihr Land.
Uns Heimatlosen bleiben · nun Rüdgers Helden zu Pfand.«

»Weh mir um den Bruder! · der fiel hier in den Tod.
Was mir zu allen Stunden · für leide Märe droht!
Auch muß mich immer reuen · der edle Rüdiger:
Der Schad‘ ist beidenthalben · und großen Jammers Beschwer.«

Als der junge Geiselher · sah seinen Bruder tot,
Die noch im Saale waren · die mußten leiden Not.
Der Tod suchte eifrig · wo sein Gesinde wär‘:
Deren von Bechelaren · entging kein einziger mehr.

Gunther und Hagen · und auch Geiselher,
Dankwart und Volker · die guten Degen hehr,
Die gingen zu der Stelle · wo man sie liegen fand:
Wie jämmerlich da weinten · diese Helden auserkannt!

»Der Tod beraubt uns übel« · sprach Geiselher das Kind.
»Nun laßt euer Weinen · und gehn wir an den Wind,
Daß sich die Panzer kühlen · uns streitmüden Degen:
Es will nicht Gott vom Himmel · daß wir länger leben mögen.«

Den sitzen, den sich lehnen · sah man manchen Mann.
Sie waren wieder müßig · Die Rüdgern untertan
Waren all erlegen · verhallt war das Getos.
So lange blieb es stille · daß es Etzeln verdroß.

»O weh dieser Dienste!« · sprach die Königin:
»Die sind nicht so stetig · daß unsre Feinde drin
Müßten Buße zahlen · durch Rüdigers Hand:
Er will sie wiederbringen · heim in der Burgunden Land.

»Was hilft’s, König Etzel · daß wir an ihn vertan,
Was er nur begehrte? · Er tat nicht wohl daran:
Der uns rächen sollte · der will der Sühne pflegen.«
Da gab ihr Volker Antwort · dieser zierliche Degen:

»Dem ist nicht also leider · viel edel Königsweib,
Und dürft‘ ich Lügen strafen · ein so hehres Weib,
So hättet ihr recht teuflisch · Rüdigern verlogen.
Er und seine Degen · sind um die Sühne gar betrogen.

»So williglich vollbracht‘ er · was ihm sein Herr gebot,
Daß er und sein Gesinde · hier fielen in den Tod.
Nun seht euch um, Frau Kriemhild · wem ihr gebieten wo
Euch war bis an sein Ende · Rüdiger getreu und hold.

»Wollt ihr mir nicht glauben · so schaut es selber an.«
Zu ihrem Herzeleide · ward es da getan:
Man trug ihn hin erschlagen · wo ihn der König sah.
König Etzels Mannen · wohl nimmer leider geschah.

Da sie den Markgrafen · tot sahn vor sich tragen,
Da vermocht‘ euch kein Schreiber · zu schildern noch zu sagen,
Die ungebärd’ge Klage · so von Weib als Mann,
Die sich aus Herzensjammer · da zu erzeigen begann.

König Etzels Jammern · war so stark und voll,
Wie eines Löwen Stimme · dem reichen König scholl
Der Wehruf der Klage · auch ihr schuf’s große Not;
Sie weinten übermäßig · um des guten Rüdger Tod.


Autor: Werner Philipps

Mein Leben und ich! So könnte man den Inhalt meines Blogs kurz und knapp überschreiben. Er beinhaltet (ich hoffe in der richtigen Balance!) Episoden und Ereignisse aus meinem Leben (sic!), Humor und Gedichte... Lasst Euch einfach mal überraschen. Über Kommentare zu den einzelnen Artikeln freue ich mich natürlich auch sehr und meistens antworte ich sogar! Ich freue mich sehr über Euren Besuch. Herzlichst, Werner Philipps

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