Der alte Zieten

Joachim Hans von Zieten,
Husarengeneral,
Dem Feind die Stirne bieten
Er tat’s wohl hundertmal;
Sie haben’s all‘ erfahren,
Wie er die Pelze wusch
Mit seinen Leibhusaren,
Der Zieten aus dem Busch.

Hei, wie den Feind sie bläuten
Bei Hennersdorf und Prag,
Bei Liegnitz und bei Leuthen
Und weiter, Schlag auf Schlag;
Bei Torgau, Tag der Ehre,
Ritt selbst der Fritz nach Haus,
Doch Zieten sprach: Ich kehre
Erst noch mein Schlachtfeld aus.“

Sie stritten nie alleine,
Der Zieten und der Fritz ,
Der Donner war der eine,
Der andere war der Blitz.
Es wies sich keiner träge,
Drum schlug’s auch immer ein,
Ob warm‘, ob kalte Schläge,
Sie pflegten gut zu sein. –

Der Friede war geschlossen,
Doch Krieges Lust und Qual
Die alten Schlachtgenossen
Durchlebten’s noch einmal.
Wie Marschall Daun gezaudert,
Und Fritz und Zieten nie,
Es ward jetzt durchgeplaudert
Bei Tisch in Sanssouci.

Einst mocht‘ es ihm nicht schmecken,
Und sieh, der Zieten schlief.
Ein Höfling wollt‘ ihn wecken,
Der König aber rief:
„Laßt schlafen mir den Alten,
Er hat in mancher Nacht
Für uns sich wach gehalten,
Der hat genug gewacht!“ –

Und als die Zeit erfüllet
Des alten Helden war,
Lag einst, schlicht eingehüllet,
Hans Zieten , der Husar.
Wie selber er genommen
Die Feinde stets im Husch,
So war der Tod gekommen,
Wie Zieten aus dem Busch.

Theodor_Fontane
Theodor Fontane (1819-1898)
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